Parallels Workstation 2.2

Virtualisierung leicht gemacht: Dieses Credo schreibt sich der Virtualisierungshersteller Parallels [1] auf die Fahnen und setzt es in seiner Software Parallels Workstation konsequent um. Die Vollversion kostet 49,99 US-Dollar. Zum Testen laden Sie die voll funktionsfähige 14-Tage-Demoversion [2] herunter, die der Hersteller in den Paketformaten RPM und DEB sowie als Tarball bereitstellt.

Die grafische Oberfläche wirkt gefällig und übersichtlich. Das Hauptfenster (Abbildung 1) zeigt in der oberen Hälfte die Einstellungen der aktuell geladenen virtuellen Maschine, die Buttons darunter dienen zur deren Konfiguration oder zum Erstellen einer neuen VM. Die Kontrolleinheit zum Starten, Stoppen oder zurücksetzen der virtuellen Maschine beherbergt Parallels am rechten Fensterrand. Eine Übersicht aller installierten Maschinen im Hauptfenster oder in Reitern fehlt.

Abbildung 1: Ungewohnt, aber nicht unpraktisch gestaltet Parallels die Anordnung der Bedienelemente. Jedoch fehlt eine Übersicht der installierten Gastsysteme.

Das Anlegen neuer Gast-Systeme geschieht mit Hilfe eines Assistenten, der Eckdaten wie RAM- und Festplattengröße sowie das verwendete Gastsystem abfragt. Mitgelieferte Guest-Addons verbessern durch eigene Treiber die Performance der virtuellen Maschine und erweitern deren Fähigkeiten. Diese Addons stellt Parallels jedoch ausschließlich für Windows-Gastsysteme zur Verfügung. Eine Drag&Drop-Funktion für Dateien zwischen der VM und dem Wirt fehlt. Dafür bietet Parallels aber eine Copy&Paste-Funktion, die im Test aber umständlich zu bedienen war. Eine Snapshot-Funktion, die den Systemstatus speichert, fehlt.

Der so genannte Acceleration Level dient zur Optimierung der Performance der Gastsysteme. Parallels offeriert die Option, ihn abzuschalten, die allerdings wenig Sinn macht: Mit abgeschaltetem Turbo lassen sich wegen des akuten Leistungseinbruchs die Gastsysteme praktisch nicht mehr bedienen. Die Anzahl gleichzeitig gestarteter Gäste, die jeweils in einem eigenen Fenster starten (Abbildung 2), beschränkt lediglich die Performance des Wirtssystems.

Abbildung 2: Parallels erlaubt das Öffnen und simultane Darstellen verschiedener virtueller Maschinen gleichzeitig.

Zwar bietet Parallels eine komfortable Verwaltung für Shared Folder, diese setzt jedoch installierte Guest Addons voraus und steht damit unter Linux nicht zur Verfügung. Das gleiche trifft, allerdings aus anderen Gründen, auch für Vista zu. Das Einbinden physikalischer Partitionen unterstützt Parallels nicht. Somit bleiben zum Austausch von Dateien zwischen Gast und Host nur Netzwerkdienste, beispielsweise ein Samba-Server oder Massenspeicher an der USB-Schnittstelle, die unter Suse Linux 10.2 als Wirt jedoch nicht zur Verfügung steht. Unter anderen Distributionen erkennt die Software die am Wirt angeschlossene USB-Geräte automatisch.

Da Parallels nur USB 1.0 unterstützt, dauert das Transferieren von Daten von der virtuellen Maschine auf USB-Geräte entsprechend lange. Trotz installierter Guest-Addons benötigte Parallels unter Windows Vista knapp acht Minuten, um eine 100 MByte große Datei auf den angeschlossenen USB-Stick zu transferieren.

Mehr als Hausmannskost bietet Parallels nicht. Die anderen Virtualisierer im Test leisten mindestens das gleiche, im Fall von VMware Server und VirtualBox sogar kostenlos. Positiv fällt die einfache Installation und Bedienung der Software auf, negativ in erster Linie die fehlende Snapshot-Funktion. Bemerkenswert ist die umfangreiche Dokumentation, die Parallels im PDF-Format zum Download [3] bereitstellt.

Parallels: PlusMinus

+ Einfache Installation und Bedienung

+ Sehr gute Dokumentation

– Fehlende Snapshotfunktion

– Keine Guest-Addons für Linux

VMware Workstation 6.0 beta

Die aktuelle Version 6 der Workstation, zum Testzeitpunkt lediglich als Beta verfügbar, stellt VMware [4] gegen eine Registrierung kostenlos zum Download [5] zur Verfügung. Die spätere finale Version kostet 189 US-Dollar und ist damit mit Abstand das teuerste Produkt im Test.

VMware bietet seine Workstation sowohl als Tarball mit Installer wie auch als RPM-Paket an. Nach dem Einspielen der Software erfolgt die Konfiguration über den Aufruf vmware-config.pl auf der Konsole. Hier gilt es, einige teils knifflige Fragen zu beantworten, wie etwa über verwendete Netzwerkunterstützungen. In jedem Fall gehört deshalb vor der Installation ein Blick ins Benutzerhandbuch [5] zum Pflichtprogramm.

Die Oberfläche wirkt auf den ersten Blick sehr aufgeräumt und offenbart auf einen Blick die wichtigsten Funktionen, beispielsweise das Anlegen neuer Gäste. Dieser Eindruck bestätigt sich auch im Detail. Zwar verfügt VMware über eine Vielzahl möglicher Einstellungen, die aber so durchdacht angeordnet sind, dass der Benutzer sich nach kurzer Zeit zurechtfindet.

Wie Parallels startet auch VMware zum Einrichten eines neuen Gastsystems einen Assistenten. Da Sie mit diesem nur die wichtigsten Parameter festlegen, starten Sie das Feintuning mit einem Klick auf Edit virtual machine settings. Die Installation von Vista bereitete keinerlei Probleme, während ein Darstellungsfehler bei Opensuse 10.2 den regulären Abschluss der Konfiguration verhinderte. Der Aufruf des X-Konfigurators sax2 auf der Konsole sorgte jedoch für Abhilfe.

Die Software stellt sowohl für Vista als auch für Linux Guest-Addons bereit. Diese aktivieren in der virtuellen Maschine Zusatzfunktionen wie den automatischen Wechsel des Mauszeigers zwischen Gast- und Wirtssystem oder das automatische Anpassen der Bildschirmauflösung des Gastbetriebssystems an die Größe des VM-Fensters (Abbildung 3). Als einziger Kandidat unterstützt VMware diese Funktion sogar unter Linux.

Abbildung 3: Ungewöhnliche Ansichten: Die VMware Workstation passt nicht nur die Bildschirmauflösung des Gastes automatisch an, sondern erlaubt auch das Verschieben via Drag&Drop von Dateien vom Gast zum Wirt und umgekehrt.

Die aktuelle Version von VMware Workstation bietet neben einer Copy&Paste-Funktion auch das Drag&Drop von Dateien und zwischen Gast und Wirt – unabhängig vom verwendeten Gastsystem. Sie ziehen die gewünschte Datei einfach mit der Maus aus einem Verzeichnis des Gasts auf den Desktop des Wirts oder umgekehrt. Als einziger Testteilnehmer unterstützt VMware Workstation das USB-2.0-Protokoll. Im Test dauerte der Transfer einer 100 MByte großen Testdatei etwa 10 Sekunden.

Daneben unterstützt die aktuelle Version auch den Multihead-Betrieb über mehrere Bildschirme.

Sowohl die Performance als auch die Interoperabilität zwischen Wirt und Gast überzeugen bei VMware Workstation auf der ganzen Linie. Lediglich der mit 189 US-Dollar sehr hohe Preis für die finale Release gibt Anlass zur Kritik.

VMware Workstation: PlusMinus

+ USB 2.0-Support

+ Snapshot-Manager

+ Sehr leistungsstark

+ Drag & Drop

– Hoher Preis

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