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Mit Q zum Partnertausch

Emulator Qemu

Bitte recht freundlich

Aus diesem Grund greift man besser auf das schon bei den CDs angewendete Prinzip zurück und realisiert die Festplatte ebenfalls über eine Imagedatei. Bei deren Erzeugung hilft das mitgelieferte Programm qemu-img. Der Befehl

qemu-img create dsk.img 5G

erstellt (create) unter dem Dateinamen dsk.img eine neue virtuelle Festplatte mit einer Kapazität von 5 GByte. Doch Vorsicht: Da es sich um ein 1:1-Abbild einer – wenn auch leeren – Festplatte handelt, wird folglich auch die Image-Datei 5 GByte groß. Sie müssen auf Ihrer realen Festplatte also entsprechend viel Speicherplatz freischaufeln. Wie man mit einem kleinen Trick die Image-Datei zumindest vorübergehend eindampft, verrät der Kasten "Schrumpfungsprozess".

Schrumpfungsprozess

Die Abbilder einer Festplatte erreichen schnell einen beträchtlichen Umfang: Liest man eine 10 GByte große Festplatte Bit für Bit in eine Datei, so fällt auch das Resultat 10 GByte groß aus. Meist sind Festplatten jedoch nicht bis zum Rand gefüllt: Die unbelegten Bereiche könnte man also direkt überspringen. Den Rest komprimiert man dann noch mit einem Packprogramm. Genau diese beiden Strategien verwendet das QCOW-Dateiformat (das "COW" steht für "Copy On Write").

Mit qemu-img create -f qcow kleineplatte.img 10G erhalten Sie solch ein Image, das zunächst nur einen Bruchteil einer korrespondierenden realen Festplatte in Anspruch nimmt und zudem mit den gespeicherten Daten mitwächst. Allerdings frisst nur Qemu die so präparierten Festplatten-Abbilder. Mittlerweile wurde das QCOW-Format durch das neuere QCOW2 ersetzt. Diesen Nachfolger sollten Sie derzeit jedoch noch nicht verwenden: Durch einen Programmfehler in der aktuellen Qemu-Version 0.9.0 kommt es bei Image-Größen von über 4GByte zu Datenverlusten. Qemu und Qemu-img kennen übrigens auch die Image-Formate des Konkurrenten VMware in den Versionen 3 und 4.

Qemu teilt man nun wieder mit, dass es die erzeugte Datei einbinden und wie eine richtige Festplatte nutzen soll:

qemu -cdrom /dev/cdrom -boot d -m 512 -hda dsk.img

Das von CD gestartete Betriebssystem findet im virtuellen PC nun am ersten Festplattenanschluss eine leere Festplatte mit 5 GByte, auf der Sie nun Windows oder jedes andere Betriebssystem wie gewohnt installieren. Sobald das Gast-Betriebssystem einmal auf der virtuellen Festplatte ruht, werfen Sie das CD-Laufwerk über Bord und starten direkt von der "Harddisk":

qemu -boot c -m 512 -hda dsk.img

Mit einer solchen virtuellen Festplatte kann man ein paar interessante Dinge anstellen: So lässt sich die zugehörige Image-Datei nicht nur kopieren, sondern auch auf einer DVD archivieren oder kurzerhand auf einem anderen PC mit installiertem Qemu übertragen und dort weiternutzen.

Fensterln leicht gemacht

Möchten Sie Windows als Gast im virtuellen PC von Qemu installieren, so lauern einige Fallstricke:

  • Falls Windows die Uhrzeit nicht korrekt anzeigt, starten Sie Qemu mit dem zusätzlichen Parameter -localtime. Er ist generell bei allen Betriebssystemen notwendig, die sich an der lokalen Zeit und nicht der Greenwich Mean Time (GMT) orientieren.
  • Windows 9x (Abbildung 4) eckt in einigen Fällen mit dem ACPI-Powermanagement an. Dies umgehen Sie, indem Sie Qemu stets mit dem zusätzlichen Parameter -no-acpi aktivieren.
  • Das neue Windows Vista verweigert derzeit noch die Zusammenarbeit. Dies liegt weniger an Qemu, als am verwendeten Ersatz-BIOS. Letzterem fehlen einige von Vista verlangte Funktionen.
  • Demgegenüber stoßen die funktionierenden Windows-Versionen irgendwann an die Grenzen der emulierten Cirrus-Logic-Grafikkarte GD5446. Sie schiebt hohen oder krummen Auflösungen einen Riegel vor. Glücklicherweise existiert noch eine alternative Karte, die Sie über den Parameter -std-vga aktivieren.

Obendrein erkennen einige Windows-Systeme nicht jeden CD-Wechsel. Das ist insbesondere dann ärgerlich, wenn man die "Windows XP Media Center Edition 2005" installieren möchte. Um Windows das neue Medium unterzuschieben, wechseln Sie zunächst in den Qemu-Monitor und hängen die alte CD aus. Wieder zurück in Windows, klicken Sie das CD-ROM-Symbol im Arbeitsplatz oder im Dateiauswahl-Fenster (bei der Installation hinter Durchsuchen...) mit der rechten Maustaste an, aktivieren Auswerfen und wechseln auf die vorhandene Festplatte. Im Monitor hängen Sie nun die neue CD ein, die Windows ab sofort wieder ordnungsgemäß erkennen sollte. Im Fall der Media-Center Installation müssen Sie noch abschließend die angemahnte Datei aufspüren und auswählen.

Abbildung 4: Emulatoren eignen sich auch hervorragend, um alte Software zu reanimieren. Hier läuft ein circa 10 Jahre altes Windows98.

Harte Ware

Der virtuelle PC besitzt nun ein CD-Laufwerk und eine Festplatte, auf der das Betriebssystem ruht. Wer mag, darf noch weitere Hardwarekomponenten einsetzen, wie beispielsweise eine Soundkarte:

qemu -cdrom /dev/cdrom -boot d -m 512 -hda festplatte.img -soundhw sb16

Qemu emuliert damit eine Soundkarte, die kompatibel zur legendären Soundblaster 16 ist. Alle halbwegs modernen Betriebssysteme bringen dafür bereits passende Treiber mit.

Um die Einrichtung eines Netzwerks muss man sich hingegen keine Gedanken machen: Qemu stellt eine NE2000-kompatible Netzwerkkarte bereit, die es selbständig aktiviert und einrichtet. Das Betriebssystem im virtuellen PC erhält über den im Emulator eingebauten DHCP-Server automatisch eine IP-Adresse. Sofern Sie auf Ihrem realen Computer eine Verbindung ins Internet aufgebaut haben, nutzt das Gast-Betriebssystem sie automatisch mit.

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter www.tim-schuermann.de.


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LinuxUser 03/2012

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