Für Entwickler

Erstmals stehen offiziell zwei Tools für Entwickler bereit. Das Programm Devhelp hilft beim Sichten der Dokumentation für Entwickler. Es bietet eine äußerst komfortable Suchfunktion, die bereits während der Eingabe die Resultate zu entsprechenden Funktionen auflistet. Devhelp benutzt wie andere Gnome-Programme die Gecko-Engine zum Darstellen und arbeitet mit Gtk-doc, dem API-Reference-Framework zusammen, um die Dokumentation zu extrahieren. Ähnlich wie der Webbrowser Epiphany zeigt das Programm auf Wunsch die Informationen in verschiedenen Reitern an (Abbildung 4).

Mit Glade3 hält ein aktualisierter GUI-Designer zum Erstellen von grafischen Oberflächen Einzug. Die neue Version löst das alte Glade2 ab. Glade3 gibt sich mindestens genauso intuitiv beim Bedienen, glänzt aber durch eine übersichtlichere Oberfläche (Abbildung 5). Im Vergleich zu Glade2 befinden sich alle Elemente in einem einzigen Fenster. Der linke Teil beinhaltet die Widgets, die Sie per Mausklick auswählen. Im mittleren Fensterteil präsentiert das Tool eine Vorschau auf die GUI. Dort platziert es Container und GUI-Elemente. Der rechte Teil teilt sich in zwei Bereiche auf: Oben befindet sich ein Widget-Baum, darunter die Eigenschaften des jeweilig markierten GUI-Elements.

Glade3 integriert in weiten Teilen Devhelp. Ein Klick auf einen Schalter mit dem roten Buchsymbol öffnet Devhelp mit dem Stichwort im Suchreiter. Für Entwickler bedeutet Glade3 jedoch mehr Tipparbeit, denn das Programm erlaubt kein automatisches Generieren von Quellcode; lediglich auf XML-basierende Glade-Dateien erstellt die Software.

Abbildung 4: Mit Devhelp rufen Sie schnell und gezielt die API-Dokumentation ab.

Abbildung 5: Glade3 hilft beim Programmieren von grafischen Oberflächen.

Bei der IDE Anjuta verhindert derzeit das noch frühe Entwicklungsstadium die Aufnahme in den Gnome-Kern. Sie bekommt voraussichtlich erst in der nächsten Version den Ritterschlag. Damit wären alle notwendingen Komponenten vorhanden, um Gnome- oder Gtk+-Programme direkt aus dem Gnome-Kernprogrammen zu erstellen.

Verbesserungen

Tomboy, das Programm zum Verwalten von Notizzetteln, gesellte sich bereits in Gnome 2.16 zum Desktopfundus. Es löste diverse Diskussionen aus, da es sich um ein C#-Programm handelt. Die neue Version korrigiert zahlreiche Fehler und bietet dazu neue Features an. Besonders sticht diesmal die Möglichkeit hervor, Listen durch einfache Formate zu erzeugen.

Wie bei Wikis üblich legt das Programme bei einem vorangestellten * beziehungsweise - einen neuen Listeneintrag an. Mit der Tabulator-Taste erhöhen oder verringern Sie die Einrücktiefe. Ziehen Sie Bugzilla-URLs oder eine E-Mail aus Evolution in den Notizzettel, entstehen automatisch neue Verknüpfungen zu den Objekten. Ein Klick auf den passenden Link öffnet die entsprechende Applikation mit der URL oder Nachricht.

Das Systemprogramm Baobab zeigt bei den Festplatten den verbrauchten Speicherplatz nun auch in Form eines Ringdiagramms an (Abbildung 6). Die Diagrammform erwies sich als übersichtlicher als die alte Darstellungsweise, die das Tool aber immer noch optional anbietet.

Abbildung 6: Baobab bietet ein übersichtliches Ringdiagramm zur Anzeige der Belegung des Festplattenspeichers an.

Evince (Abbildung 7) erlaubt mit dieser Version das Öffnen von mehr als einer Instanz. Sein Präsentationsmodus erweist sich besonders bei Vorträgen als nützlich. Ähnlich wie in einem Webbrowser hüpfen Sie in einem PDF-Dokument vor- oder zurück. Schließen Sie das Dokument öffnen es später wieder, springt Evince automatisch zu der Seite, die Sie zuletzt betrachtet haben.

Abbildung 7: Der Standard-Dokumentbetrachter für Gnome, Evince, versteht sich unter anderem auf die Formate PDF, PostScript oder TIF-Bilder.

Eye of Gnome rotiert nun mithilfe der Exif-Information Bilder automatisch. Außerdem verbesserten die Entwickler die Druckfunktionalität; das Programm setzt erstmals auf GtkPrint auf, wie dies unter anderem Evince tut. Auch der Webbrowser Epiphany und der Mailclient Evolution erfuhren kleinere Polituren am Quellcode. Sie laufen insgesamt stabiler und etwas schneller. Der Displaymanager GDM unterstützt nun die Kommunikation via D-Bus. Dahinter verbirgt sich der plattformunabhängige Mechanismus, der zum Austausch von Systemnachrichten dient.

Der Multimediabereich enthält nun mehr Profile. Zum Ogg-Vorbis-Codec gesellen sich auch MP3 und AAC. Damit konvertieren Sie fortan CDs in das jeweilige Format, was vor allem Inkompatibilitäten beispielsweise bei iPods vermeidet. Der Lautstärkeregler unterstützt neuerdings auch professionelle Soundkarten.

Auf der anderen Seite verbesserten die Entwickler die Barrierefreiheit und passten die Oberfläche weiter an verschiedene Sprachen an. Asiatische Zeichen, darunter chinesische oder japanische, können Sie nun vertikal von oben nach unten schreiben. Das eingebaute Screenreader-Modul Orca sowie die Bildschirmlupe und das Wörterbuch passten die Entwickler im Hinblick auf gute Zugänglichkeit zu allen neuen Techniken an. Zu guter Letzt fügten sie dem Desktop neue Sprachsynthesizer hinzu.

Fehler passieren immer wieder. Wer einen melden möchte, dem hilft Bug-Buddy. Seine generalüberholte Programmstruktur übermittelt nun mehr Informationen über eine Applikation, die durch einen Bug nicht richtig funktioniert hat. Das hilft den Entwicklern bei der genaueren Analyse der Ursachen für den Absturz.

Im Benachrichtigungsfeld zeigt Gnome nun an, ob ein anderer Benutzer durch VNC auf Ihren Desktop zugreifen möchte. Ob oder wie jemand überhaupt auf Ihre Oberfläche zugreift, regeln Sie entsprechend unter Einstellungen | Entfernter Desktop. Wünschen Sie keine Störungen, setzen sich die entfernte Verbindungen einfach im Benachrichtigungsfeld zurück.

Mit dem Gnome-Power-Manager nehmen Sie nun gezielt den Prozessortakt, falls Ihre Hardware dies erlaubt. In der Regel beschert ein sparsamerer Taktzyklus autarken Laptops eine längere Laufzeit. Wer also beispielsweise häufig auf Reisen ist, lernt diese Funktion schnell schätzen.

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