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Einfach mal probieren!

Webbrowser Opera 9.20

01.06.2007 Für die einen ist es ein Webbrowser von vielen, für die anderen wegen der vielen Innovationen eine echte Versuchung. Wir haben Opera 9.20 für Sie probiert.

Aufgrund des fehlenden Herstellermonopols bei Linux ist die Vielfalt an Anwendungen in dem freien Betriebssystem wesentlich größer, als anderswo: das Spektrum an Internetbrowsern reicht von textbasierten Dinosauriern wie Lynx oder Elinks über einfache grafische Anwendungen wie Dillo bis hin zu Mozilla mit dem Platzhirsch Firefox sowie dessen Abkömmlingen Seamonkey und Iceweasel. Zusätzlich bringen die Desktops KDE und Gnome mit Konqueror und Epiphany eigene Webbrowser mit. Eher ein Schattendasein fristete bislang einer der wenigen nicht auf Mozilla basierenden Browser, Opera. Das sehr schlanke Programm liegt nunmehr in der Version 9.20 vor.

Opera existiert öffentlich bereits seit 1996 und hat sich über diesen relativ langen Zeitraum kontinuierlich weiterentwickelt. Schon in den ersten Versionen gab es Opera für zahlreiche unterschiedliche Plattformen – so auch für Exoten wie QNX oder BeOS. Allerdings war das Programm in seiner Frühzeit kostenpflichtig. Das änderte sich bald, weil die marktführenden Konkurrenten Netscape Navigator und Internet Explorer kostenlos erhältlich waren. Zudem scheiterte der Versuch des norwegischen Herstellers, die ersten Gratis-Versionen über Werbebanner zu finanzieren, die zwangsweise im Programm auftauchten. Komplett werbefrei und kostenlos für Endkunden ist Opera erst, seitdem Hersteller von Mobiltelefonen eingebettete Versionen des Programms einsetzen und dafür bezahlen.

Trotz dieses etwas steinigen Entwicklungswegs hat sich Opera von Anfang an eine kleine, in letzter Zeit zudem beständig wachsende Fangemeinde zugelegt, was nicht nur auf die Arbeitsgeschwindigkeit der Software zurückzuführen ist. Das gleichnamige Unternehmen aus Oslo hat es nämlich stets verstanden, innovative Konzepte und Ideen in die Entwicklung von Opera einfließen zu lassen. So war das norwegische Programm der erste Browser, der verschiedene Seiten in eigenen Tabs darstellte ("tabbed browsing") und damit das Öffnen mehrerer Fenster überflüssig machte – ein Feature, das inzwischen die großen Browser längst übernommen haben.

Im Überblick

Aber Opera bietet noch mehr: So verfügt die Software seit neuestem über einen Phishing-Schutz gegen die Seiten im Internet, die für kriminelle Zwecke Daten der Anwender ausspähen.

Wer regelmäßig große Datenmengen aus dem Internet herunterlädt, beispielsweise ISO-Images von Linux-Distributionen mit mehreren Gigabyte Umfang, findet in Opera zudem einen integrierten BitTorrent-Client. Das bei anderen Browsern übliche Nachinstallieren dieser Software für die Nutzung moderner Download-Technologie entfällt also hier. Stattdessen genügt ein Klick auf die Torrent-Datei, um den Download mit Opera zu starten.

Außerdem im Angebot: eine Blockerfunktion, mit der sich unerwünschte Werbeeinblendungen oder Bilder blockieren lassen. Zudem lassen sich auf diesem Wege lästige Popupfenster abschalten, so dass der Nutzer frei von unerwünschter Werbung surfen kann.

Auch an Menschen mit Behinderungen hat der Browserhersteller gedacht: So bietet Opera sowohl eine Sprachsteuerung mit Vorlesefunktion von Webinhalten als auch eine Zoomfunktion, die den Fensterinhalt verkleinert oder – natürlich mit Anti-Aliasing – vergrößert.

Ganz neu in der Version 9.20 ist die so genannte Speed-Dial- oder Schnellwahl-Funktion: Öffnet der Internetsurfer den Browser oder einen neuen Tab, zeigt Opera eine Liste von maximal neun wahlfrei definierte oder am häufigsten besuchte Webseiten in kleinen Vorschaufenstern. Ein Klick auf einen der Einträge in der Liste genügt, und Opera ruft ohne zusätzliche Eingabe die entsprechende Seite auf (Abbildung 1).

Abbildung 1: Neu: Über die Schnellwahl erreichen Sie mit wenigen Mausklicks Ihre Lieblingsziele.

Für Menschen, die gerne über das Internet kommunizieren, spendierte Opera seinem Browser einen IRC-Client sowie ein POP3/IMAP-kompatibles E-Mail-Modul; ein gesondertes Chatprogramm sowie ein Extra-Mailclient sind also nicht nötig. Widgetsermöglichen zudem das Einbinden von Newsfeedern oder kleineren Anwendungen, wie etwa Spielen.

Installation

Die aktuellen Linux-Versionen findet man auf der Website von Opera [1] unter dem Link Show other versions. Ein Klick auf Linux i386 öffnet ein neues Fenster, in dem vorbereitete Pakete für rund ein Dutzend verschiedener Distributionen zur Verfügung stehen. Für alle anderen Linux-Versionen gibt es generische DEB- und RPM-Pakete. Wem auch das noch nicht reicht, der lädt einen Tarball zum Selbstkompilieren herunter.

Die Größe der Pakete liegt deutlich unter zehn MByte, so dass der Download schnell erledigt ist. Da die Dateien aber nur die englische Version enthalten, müssen deutschsprachige Anwender noch eine passende Sprachdatei herunterladen. Die heißt für Opera 9.20 ouw920_de.lng und findet sich ebenfalls auf der Homepage des Herstellers.

Opera lässt sich nach dem Download bei allen aktuellen Distributionen durch Anklicken der Datei installieren. Alternativ starten Sie die Installation bei RPM-basierten Distributionen durch Eingabe des Befehls rpm -iv opera-9.20-20070409.1-static-qt.i386-en.rpm, bei auf Debian beruhenden Systemen oder bei Debian-basierten Systemen mit dpkg --install opera_9.20-20070409.6-shared-qt_en_i386.deb.

Anschließend kopieren Sie einfach die Sprachdatei ouw920_de.lng in das Verzeichnis /usr/share/opera/locale. Danach starten Sie den Browser und klicken dort – nachdem Sie sich mit den Lizenzbestimmungen einverstanden erklärt haben – in der Menüzeile auf Tools | Preferences | General | Details. Wählen Sie unter Preferred Languages for Webpages die deutsche Sprachdatei German, [de] aus und klicken Sie auf die Buttons Choose und OK, um die geänderten Einstellungen zu übernehmen. Direkt im Anschluss stehen die deutschsprachigen Menüs parat (Abbildung 2).

Abbildung 2: Eine Frage der Einstellung: Hier wählen Sie Deutsch als Menüsprache.

Sehen Sie statt deutschsprachiger Menüs aber eine Fehlermeldung, die eine inkompatible Sprachdatei moniert, so trägt die deutsche Lokalisationsdatei nach dem Download noch die falschen Zugriffsrechte. Der Konsolenbefehl chmod 644 ouw920_de.lng versieht die Datei mit den korrekten Rechten und führt bei erneuter Aktivierung dann endlich zum Erfolg.

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LinuxUser 06/2012

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