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Der Any-Key

Multifunktionstastaturen ausreizen mit Keytouch

01.06.2007 Mit Keytouch belegen Sie auf unkomplizierte Weise die Sondertasten Ihres Multimediakeyboards mit sinnvollen Funktionen.

Wer ein Multimediakeyboard mit allerlei Extratasten oder einen Laptop mit einer Drittbelegungsmöglichkeit der Tastatur sein Eigen nennt, stellt schnell fest, dass eine sinnvolle Konfiguration einen entsprechenden Windows-Treiber voraussetzt. Unter Linux funktioniert eine solche Tastatur zwar im Wesentlichen, die Funktionsbelegung der Spezialtasten erweist sich aber meist als kompliziertes Unterfangen. Abhilfe verspricht hier das kleine Programm Keytouch [1] des Entwickler Marvin Raaijmakers.

Installation und Bedienung

Alle gängigen Distributionen – darunter Suse, Ubuntu, Fedora, Mandriva, Slackware und Gentoo – bringen bereits Keytouch-Pakete mit, sodass Sie die Software einfach über den jeweiligen Paketmanager installieren. Wer ein anderes Linux benutzt, wie etwa Debian, lädt den Sourcecode herunter und übersetzt ihn mit dem klassischen Dreisatz selbst. Über erweiterte Möglichkeiten des configure-Scripts informiert die beiliegende Datei INSTALL.

Für Suse existiert derzeit lediglich ein Paket für Version 10.1, das im Test aber auch unter Suse 10.2 problemlos seinen Dienst versah. Nach der Installation müssen Sie YaST aufrufen und den Runlevel-Editor wählen. Dort suchen Sie nach dem Init-Script keytouch-init und aktivieren es im Expertenmodus für die Runlevels 3 und 5, in dem Sie diese Zeile auswählen und die entsprechenden Zahlenkästchen markieren (Abbildung 1).

Abbildung 1: Suse-Anwender müssen im Runlevel-Editor noch das Initialisierungsskript für Keytouch aktivieren, um die Einstellungen auch nach einem Neustart des Systems beizubehalten.

Nach dem ersten Start der Software, die sich ordnungsgemäß ins KDE- respektive Gnome-Menü einträgt, wartet aber bereits ein Stolperstein auf den Anwender: Keytouch unterstützt derzeit vor allem PS/2-Tastaturen und vernachlässigt USB-Keyboards, bei denen sich unter Umständen nicht alle Tasten aktivieren lassen. Keytouch-Entwickler Raaijmakers macht dafür den USB-Treiber des Kernels verantwortlich, arbeitet aber laut eigener Aussage an bereits einem entsprechenden Kernel-Patch.

Kooperiert die Tastatur Ihres Rechners mit Keytouch, so führt der erste Weg auf den zweiten Kartenreiter Tastatur. Klicken Sie hier auf ändern, so beendet sich das Hauptprogramm und fordert Sie zur Eingabe des Root-Passworts auf. Wählen Sie anschließend ihre Tastatur oder das passende Notebook-Modell aus der nun erscheinenden Tabelle der Keytouch-Konfigurationsdateien aus.

Alternativ importieren Sie ein von der Keytouch-Website [2] heruntergeladenes Konfigurationsfile. Dieses aktiviert sich nicht automatisch, sondern muss nun erst aus der alphabetischen Liste ausgewählt werden. Nach der Auswahl startet Keytouch automatisch neu.

Dank der Vielzahl vorhandener Plugins zur Unterstützung von Anwendungen – von Amarok über diverse E-Mail-Clients bis hin zu XMMS – weist die Software erst einmal alle Multifunktionstasten einem passenden Programm zu. Standardmäßig sortiert Keytouch beispielsweise eine Play/Pause-Taste dem Audioplayer XMMS zu. Möchten Sie lieber die KDE-Applikation Amarok verwenden, wählen Sie im ersten Kartenreiter (Tasten Einstellungen) die Taste zur Wiedergabe oder zum Springen aus und klicken im rechten Teil des Programmfensters auf Spezielle Aktion. Unter Plugin wählen Sie Amarok, unter Funktion die entsprechende Funktion Play/Pause oder Next Song. Mit Anwenden übernehmen Sie schließlich die Einstellungen.

So gehen Sie für jede Taste vor, um die Voreinstellungen an Ihre Bedürfnisse anzupassen. Dabei gibt es für jede Multifunktionstaste ein passendes Plugin, das mit verschiedenen Funktionszuweisungen aufwartet (Abbildung 2). So lässt sich beispielsweise unterscheiden, ob die Taste WWW den Browser mit einer vordefinierten Suchseite oder einer anderen Homepage öffnet. Solche Konfigurationen nehmen Sie im dritten Kartenreiter, Einstellungen, vor. Hier legen Sie fest, welche Programme Sie für E-Mail, Web und Chat verwenden, stellen den Mixer-Channel für die Lautstärkeregelung ein und definieren Ihre Suchseite sowie eine weitere Homepage für den Browserstart.

Abbildung 2: Ein ausgewähltes Keytouch-Plugin, wie jenes für WWW, erlaubt mehrere Funktionszuweisungen.

Der Abschnitt zu den verfügbaren Plugins dient eher der Übersicht, da ein Entfernen nicht sinnvoll ist und ein Importieren daran scheitert, dass nur noch das Plugin zu kmix auf der Homepage des Autors zur Verfügung steht.

Keytouch-Editor

Wer eine Tastatur oder einen Laptop besitzt, für die Keytouch noch keine Konfigurationsdatei mitbringt, dem hilft der Keytouch-Editor weiter, den Sie ebenfalls von der Entwicklerseite [1] laden (Abbildung 3). Auch dieses Tool gibt es für die gängigen Distributionen als fertiges Binärpaket. Alternativ übersetzen Sie auch den Editor mit dem klassischen Dreisatz. Nach der Installation finden Sie im Menü den Link zum Editor gleich unter jenem des Hauptprogramms.

Abbildung 3: Finden Sie keine vorkonfigurierte Tastaturdatei, erstellen Sie mit dem Keytouch-Editor auf unkomplizierte Weise selbst eine.

Der Editor läuft ausschließlich im Administratormodus. Das Programm fordert Sie zunächst auf, aus den so genannten Event-Geräten Ihre Tastatur auszuwählen, wobei USB-Tastaturen als zwei Geräte erscheinen (Abbildung 4). Eines davon dient für die normalen Tasten, das zweites für die Multifunktionstasten. Sie wählen hier Letzteres aus. Bevor Sie zum eigentlichen Editor gelangen, müssen Sie eine der Funktionstasten drücken. Tragen Sie nun Hersteller und Bezeichnung des zu erstellenden Devices ein und klicken Sie weiter unten auf New.

Abbildung 4: Aus den verschiedenen Eingabe- und Zeigegeräten müssen Sie die richtige Tastatur auswählen.

Das daraufhin erscheinende Fenster fordert Sie auf, die zu belegende Funktionstaste zu drücken, und bietet im Gegenzug auch gleich eine logische Funktion dafür an. Wählen Sie die hinzugefügte Taste im linken Fensterbereich aus. Den Scancode zur Tastenzuordnung fügt die Software automatisch hinzu. Auch der Keycode sollte eine der Tastenbedeutung äquivalente Funktion bereits anbieten. Ebenso wie im Hauptprogramm bestimmen Sie auch hier über Special action, ob einer Funktionstaste ein passendes Plugin zugewiesen werden soll. Nach der Belegung aller Tasten speichern Sie Ihr Ergebnis mittels File | Save as ... und schließen den Editor. Im Hauptprogramm Keytouch importieren Sie letztlich die erstellte Datei über den zweiten Kartenreiter mit Tastatur | ändern.

Ein nachträgliches Ändern einer Konfigurationsdatei scheitert daran, dass Keytouch das Hinzufügen einer veränderten Version unter gleichem Namen mit der Fehlermeldung ablehnt, dass bereits eine neuere Datei verfügbar sei. Umgehen lässt sich das nur, indem man Änderungen in einem neuen Konfigurationsfile abspeichert und dieses importiert.

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Kommentare
Debian-Pakete
Benjamin Quest, Mittwoch, 17. Dezember 2008 11:24:16
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Also ich konnte aus dem Testing-Zweig einfach die Pakete keytouch, keytouch-data und keytouch-editor installieren und benutzen. Netter Artikel, nettes Programm.

Weiß jemand, wie ich bei den installierbaren Mixern (ein Kmix Plugin gibt es auf der Homepage) die externe Soundkarte ansteuern kann? Ich bekomme nur die Regler des internen Chips zur Auswahl (der nicht so gut klingt).


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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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