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Brandstifter

Nerolinux 3.0.0 beta

01.06.2007 Nero kommt mit einer taufrischen Beta-Release seiner Brennsoftware für Linux auf den Markt. Ob sie das Zeug hat, den Konkurrenten K3B anzuzünden, zeigt der Test.

Über zwei Jahre ist es her, dass Nero mit seiner Brennsuite erste Gehversuche unter Linux [1] unternahm – und kläglich scheiterte. Optisch erinnerte das Programm an ein Relikt aus den Neunzigern, technisch hatte es nicht mehr zu bieten als der kostenlose Platzhirsch K3b ([2],[3]).

Seit dem ist viel Zeit vergangen, in der auch die Entwickler von Nero nicht geschlafen haben. Die neueste Beta-Release 3.0.0 von Nerolinux sieht nicht nur ganz anders aus als der Vorgänger (Abbildung 1), sondern hat technisch auch ordentlich aufgerüstet. So unterstützt Nerolinux 3 beispielsweise Blue-Ray und HD-DVD. Es konvertiert aus MP3-, OGG- und FLAC-Dateien selbständig Audio-CDs, auch im Mixed Mode zusammen mit anderen Daten. Als Basis verwendet Nerolinux die bewährte API aus der Windows-Version Nero Burning ROM.

Abbildung 1: Aus alt mach neu: Nerolinux kommt nicht nur mit einer komplett überarbeiteten Benutzeroberfläche, sondern bietet auch technischen Leckerbissen wie Blue-Ray- und HD-DVD-Support.

Als minimale Hardwarevoraussetzung nennt Nero einen Rechner mit 500-MHz-CPU, 64 MByte Hauptspeicher und mindestens 700 MByte freien Festplattenplatz. Derzeit stellt Nero die Beta-Software im RPM- und DEB-Format kostenlos zum Download bereit. Eine Registrierung oder die Eingabe eines Keys ist nicht notwendig. Die finale Version kostet voraussichtlich etwa 20 Euro.

Zur Installation genügte es im Test unter Suse Linux 10.0, das RPM-Pakete einzuspielen. Eine weiter Konfiguration des Systems war nicht nötig.

Runderneuert

Wer schon mit Nero 7 unter Windows gearbeitet hat, fühlt sich in der neuen Oberfläche der Software sofort zu Hause. Das gilt auch für die Konfiguration, deren Einstellungen beinahe 1:1 vom großen Windows-Bruder übernommen wurden (Abbildung 2). Beim Funktionsumfang sparten die Entwickler jedoch an einigen Stellen. So fehlen sowohl der Cover-Designer als auch der MPEG-Encoder zum Erstellen von Video-CDs. Dafür unterstützt die Software sowohl das Brennen von Video-DVDs als auch Blue-Ray- und HD-DVD-Formate – ein Novum in der Linux-Welt.

Abbildung 2: Die Auswahl möglicher Brennformate reicht von Audio-CDs, auch im Mixed Mode, bis hin zu Video-DVDs.

Auch beim Erstellen von von Audio-CDs geizten die Entwickler an einigen Stellen. Wo die Windows-Variante im Kontextmenü für Audiotracks mit einer umfangreichen Auswahl an Funktionen glänzt, beispielsweise zum Überblenden und Normalisieren von Tracks, beschränkt sich Nerolinux auf das Einstellen der Pausen zwischen den Titeln. Der Audio-Editor fehlt ebenfalls.

Dafür wartet die Software allerdings mit einer Menge sinnvoller Funktionen auf. So unterstützt Nerolinux auch das Hot-Plug von USB-Brennern.

Um Pufferunterläufe beim Brennen von CDs zu verhindern, unterstützt die Software die Seamless-Link-Technologie, die in ihrer Funktionsweise der von Burn Proof entspricht. Reißt der Datenstrom ab, schaltet die Software den Laser aus und fährt mit dem Brennen an der ursprünglichen Stelle fort, sofern es die Systemressourcen erlauben. Der Ultra-Buffer dient als zusätzlicher Schutz vor Buffer Underruns speziell für ältere Geräte, denen entsprechende Mechanismen fehlen. Zum einen reserviert er zusätzlichen Hauptspeicher, zum anderen setzt er während des Brennvorgangs die Software auf die höchste Prozesspriorität.

Nero brennt

Nerolinux bietet zu beinahe allen Konfigurationspunkten eine ausführliche Hilfestellung an, die beim Überfahren der Schaltflächen mit dem Mauszeiger zum Vorschein kommt. Eine knapp 50 Seiten umfassende Dokumentation [4] informiert darüber hinaus im Detail über das Programm. Weder die kontextsensitive Hilfe noch die Programmoberfläche hat Nero allerdings vollständig ins Deutsche übersetzt. Angesichts des Beta-Status ist das allerdings nicht ungewöhnlich.

Wie bei der Windows-Version finden Sie am rechten oberen Bildschirmrand die Auswahl der CD/DVD-Brenner. Hier erreichen Sie auch den Image-Rekorder, mit dem Sie Images – allerdings nur im NRG-Format – erstellen.

Zum Kopieren von CDs und DVDs bietet Nerolinux verschiedene fertige Profile, etwa Audio-CD oder Daten-CD. Diese aktivieren automatisch notwendige oder ratsame Einstellungen, wie Lesefehler ignorieren oder Sektoren im RAW-Modus lesen.

Obwohl noch in der Beta-Phase, erlaubte sich die Software im Test kaum Schwächen. Das Brennen von CDs und DVDs mit der maximal möglichen Geschwindigkeit (48x CD, 16x DVD) (Abbildung 3) klappte ebenso problemlos wie das Erstellen von Audio-CDs aus MP3-Dateien.

Abbildung 3: Auch beim Brennen mit Maximalgeschwindigkeit bereitete Nerolinux keinerlei Probleme.

Lediglich die Drag&Drop-Funktion im Dateiexplorer des Programms sorgte für Ärger. Markieren Sie mehrere Files, um sie in den Brennordner zu ziehen, so übernimmt Nerolinux jeweils nur eine Datei. Abhilfe schaffen Sie hier, indem Sie bei einer Mehrfachauswahl auch beim Ziehen [Umschalt] gedrückt halten. Im Test kam es bei einer solchen Transaktion allerdings zu einem Programmabsturz, der sich jedoch nicht wiederholte.

Unter Datei|Optionen|Experteneinstellungen bietet Nerolinux zwar Einstellungen zum Überbrennen von CDs und DVDs an, der Test zeigt jedoch, dass Nerolinux diese ignoriert und das Brennen über die normale Kapazitätsgrenze hinaus verweigert. Auch das Erstellen eines kurzen Lead-Out, das Sie im gleichen Fenster aktivieren, bringt nicht die versprochenen 12 MByte mehr Speicher auf der CD.

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Infos zum Autor

Thomas Leichtenstern

Thomas Leichtenstern

CD/DVD-Redakteur


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LinuxUser 06/2012

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