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Alter Simulant!

Emulatoren-Urgestein

Stellwerk

Den Aufbau und die Einstellungen des virtuellen PCs übergeben Sie Bochs in einer Konfigurationsdatei. Einen guten Ausgangspunkt bietet das mitgelieferte Beispiel, das Sie als bochsrc-sample.txt im Verzeichnis /usr/share/doc/bochs finden. Unter Ubuntu gibt es dort mit examples noch einen weiteren Unterordner, in dem sich das Archiv bochsrc.gz befindet. Kopieren Sie es ins Home-Verzeichnis, entpacken Sie es über gunzip bochsrc.gz, ändern Sie über chown den Besitzer der entpackten Datei und machen Sie diese abschließend über mv bochsrc .bochsrc unsichtbar.

Die meisten Grundeinstellungen gibt die Konfigurationsdatei .bochsrc vor, ein paar bessern Sie nach. Öffnen Sie die Datei mit einem beliebigen Texteditor. Alle Zeilen, die mit einer Raute beginnen, stellen Kommentare dar – Bochs ignoriert diese später. Jede Einstellung besteht aus einer Bezeichnung, einem Doppelpunkt und einem oder mehreren Werten.

Zunächst sollten Sie die Zeile megs: 32 suchen. Diese Einstellung bestimmt, wie viele MByte RAM Sie dem virtuellen PC später zugestehen. Für moderne Betriebssysteme genügen 32 MByte Arbeitsspeicher nicht, setzen Sie den Wert also auf mindestens 256 MByte. Diesen Speicher knapst Bochs allerdings von Ihrem realen Hauptspeicher ab. Da auch Ihr eigentliches Linux-System (Wirtssystem) noch läuft, sollten Sie maximal die Hälfte des verfügbaren Arbeitsspeichers spendieren. Spätestens bei 2 GByte ist allerdings Schluss: Mehr verträgt Bochs nicht.

Weiter geht es mit der Zeile, die mit ata0-master: beginnt: Sie stoßen hier auch auf Einträge wie ata1-master, ata0-slave und ata1-slave, die sind jedoch teilweise auskommentiert. Jeder von ihnen entspricht einem Festplattenanschluss. An ata0-master hängt für gewöhnlich die erste Festplatte. Ersetzen Sie deshalb die rechte Seite nach dem Doppelpunkt durch die Werte, die Ihnen Bximage nach dem Erstellen der Festplatte angezeigt hat. Im geschilderten Beispiel sähe die überarbeitete Zeile so aus:

ata0-master: type=disk, path="festplatte.img", mode=growing, cylinders=306, heads=4, spt=17, translation=none

Jetzt fehlt noch das virtuelle CD-ROM-Laufwerk. Da Sie keine weiteren Festplatten brauchen, schließen Sie es einfach an ata1-master an:

ata1-master: type=cdrom, path="/dev/cdrom", status=inserted

Diese Zeile besagt, dass am ersten Anschluss (master) des zweiten Festplatten-Controller (ata1) ein CD-ROM-Laufwerk (type=cdrom) steckt. In ihm liegt wiederum eine CD (status=inserted), die auf dem realen PC im echten Laufwerk (/dev/cdrom) rotiert. Möchten Sie ein ISO-Image verwenden, tauschen Sie einfach /dev/cdrom gegen den Namen und den Pfad zur zugehörigen ISO-Datei aus. Damit enthält der virtuelle PC nun eine Festplatte und ein CD-ROM-Laufwerk. Die anderen Anschlüsse ata0-slave, ata1-slave und so weiter bleiben frei. Sie sollten diese sicherheitshalber mit einer vorangestellten Raute deaktivieren.

Anschließend legen Sie noch fest, von welchem der beiden Geräte der virtuelle PC startet. Dazu suchen Sie die mit boot: beginnende Zeile. Hinter dem Doppelpunkt steht das Gerät, auf dem Bochs nach einem Betriebssystem sucht. Dabei sind auch mehrere, durch Kommata getrennte Angaben erlaubt: Ein boot: cdrom, floppy, disk würde beispielsweise zuerst auf der CD, dann auf einer Diskette und zum Schluss auf der Festplatte nach verwertbarem Material fahnden.

Mehr Hardware!

Weiter geht es in die mit keyboard_mapping: beginnende Zeile. Dort tauschen Sie den aktuellen Eintrag komplett gegen

keyboard_mapping: enabled=1, map=/usr/share/bochs/keymaps/x11-pc-de.map

aus. Aufgrund dieser Einstellung nutzt Bochs später die deutsche Tastaturbelegung.

Möchten Sie dem virtuellen PC noch eine Soundkarte spendieren, spüren Sie die mit sb16: beginnende Zeile auf und entfernen dort die vorangestellte Raute. Damit simuliert Bochs ein Soundblaster-16-kompatibles Modell, für das die meisten Betriebssysteme bereits von Haus aus passende Treiber mitbringen. Die kryptischen Einstellungen rechts neben dem Doppelpunkt legen fest, wohin die von der virtuellen Karte ausgespuckten Töne wandern. Die Standardeinstellungen stimmen hier in der Regel. Damit steht die Konfiguration schließlich.

Abbildung 4: Nach dem Start präsentiert Bochs zunächst dieses karge Auswahlmenü, ein funktionaler Trip in die Vergangenheit.

Gefangen im Netz

Die Einstellungen der virtuellen Netzwerkkarte regelt in der Konfigurationsdatei die mit ne2k: beginnende Zeile. In der Beispielkonfiguration treffen Sie gleich auf einen ganzen auskommentierten Pulk, in dem Sie ausschließlich die Zeile

ne2k: ioaddr=0x300, irq=9, mac=b0:c4:20:00:00:00, ethmod=linux, ethdev=eth0

von der vorangestellten Raute befreien. Die Werte neben mac und ioaddr weichen unter Umständen von den hier gezeigten ab. Die anderen Zeilen dienen als Beispiele für weitere Wirtssysteme und bleiben folglich deaktiviert. Die freigeschaltete Zeile versorgt den virtuellen PC mit einer NE2000 kompatiblen Netzwerkkarte, die auf dem realen PC die echte Netzwerkkarte eth0 mitbenutzt.

Damit das klappt, müssen Sie Bochs zwingend als root starten, andernfalls erhalten Sie nur eine Fehlermeldung. Immerhin dürfen Experten auch per TUN/TAP ans Netzwerk. Wie dessen Einrichtung funktioniert, erklärt die Bochs-Dokumentation [2].

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Infos zum Autor

Tim Schürmann

Tim Schürmann ist Diplom-Informatiker und derzeit als freier Autor unterwegs. Mehr Informationen finden Sie auf seiner Homepage unter www.tim-schuermann.de.


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