Alle auf einen Streich

Internet Explorer für Linux

01.06.2007 Gute Nachrichten für Webdesigner: Mit IEs4Linux installieren Sie den Internet Explorer in wenigen Augenblicken unter Linux und testen so Ihre Webseiten endlich, ohne Windows zu booten.

Für Webdesigner, die hauptsächlich unter Linux arbeiten, erweist es sich oft als schwierig, die mühsam erstellten Seiten mit allen gängigen Browsern zu testen. Dabei erschwert zusätzlich, dass Microsofts Internet Explorer (IE) nicht nativ unter dem freien Betriebssystem läuft. Aufgrund seiner weiten Verbreitung können jedoch auch Webdesigner, die nur mit Linux arbeiten, den proprietären Browser mit seinen oft eigenwilligen Interpretationen der Webstandards nicht links liegen lassen. Die Laufzeitumgebung Wine ermöglicht es, den IE auch unter Linux zu betreiben und die eigenen Webseiten so auch ohne Windows-Zugang zu testen. Das Skript IEs4Linux erlaubt es sogar, die eigenen Seiten im neuen Internet Explorer 7 zu betrachten.

Wine macht es möglich

Der Microsoft-Browser bildet einen integralen Bestandteil von Windows und macht deshalb intensiven Gebrauch von der WinAPI. Wine kommt damit zwar klar, aber die Installation des Explorers bleibt nach wie vor ein Abenteuer: Nicht nur hängt sie von der jeweiligen Wine-Version ab, Sie müssen auch die Verwendung zahlreicher DLL-Dateien selbst vorbereiten.

IEs4Linux erspart Ihnen diese Schritte nicht nur, sondern erlaubt auch die Installation mehrerer Versionen des proprietären Browsers gleichzeitig. Ironischerweise lässt Windows selbst den Betrieb von mehr als einer IE-Version nicht ohne weiteres zu. In einem Blog rät Microsoft seinen Kunden dazu, die verschiedenen Browserversionen in separaten, virtuellen Umgebungen einzusetzen [1].

Wie IEs4Linux funktioniert

IEs4Linux besteht aus einer Sammlung von Shellskripten, die automatisch die komprimierten CAB-Pakete der Programme von der Microsoft-Webseite herunterladen, die Konfigurationsdateien entsprechend anpassen und die Software über Wine installieren.

Die stabile Ausgabe des Skripts installiert momentan die Versionen 5.0, 5.5 und 6 des Internet Explorer. Die aktuelle Beta-Version unterstützt darüber hinaus bereits den neuen Internet Explorer 7. Beide Varianten finden Sie auf unserer Heft-CD.

Rechtliche Situation

Die Lizenz des Internet Explorers verlangt, dass Sie im Besitz einer gültigen Windows-Lizenz (Windows 95 oder neuer) sind, um den Explorer zu nutzen. Die Lizenzbedingungen [2] besagen indes nicht, dass Sie das Produkt nur unter Windows betreiben dürfen. Es genügt also, eins der verschiedenen Windows-Betriebssysteme zu besitzen. Dank der Kopplung an die Hardware, mit der Microsoft seine Produkte seit Jahren vertreibt, gibt es in den meisten Haushalten solch eine Windows-Lizenz.

Auf Wunsch installiert IEs4Linux gleich auch das Flash-Plugin 9 der Firma Adobe. Wollen Sie diese Option bei der Installation aktivieren, müssen Sie die Flash-Lizenz vor dem Einsatz des Skriptes lesen und abnicken [3].

Installation

Zur Installation bleibt Ihnen die Wahl zwischen dem textbasierten Installer der stabilen Version [4] und dem grafischen Dialog der Beta-Software [5]. Kopieren Sie eine von beiden von der Heft-CD in Ihr Home-Verzeichnis. Vor der Installation spielen Nutzer von Opensuse 10.x noch Wine ein, Ubuntu "Dapper Drake" und "Edgy Eft" brauchen neben Wine noch Cabextract. Die Pakete befinden sich im Universe-Repository, das Sie über den Paketmanager Synaptic oder Adept freischalten. Für Mandriva finden Sie ein RPM von Cabextract auf der Heft-CD, Wine installieren Sie über RPMDrake.

Im nächsten Schritt entpacken Sie über tar xvzf ies4linux-2.0.5.tar.gz das Archiv und starten die textbasierte Installation der stabilen Version von IEs4Linux. Rufen Sie dazu in einer Konsole das Skript ./ies4linux aus dem neu entstandenen Unterverzeichnis auf und beantworten Sie die gestellten Fragen.

Eine grafische Oberfläche (Abbildung 1) erleichtert indes die Installation der Beta-Version von IEs4Linux. Die Software lief im Test ebenfalls stabil, für den Einsatz der GUI benötigen Sie zusätzlich die Pakete Kommander oder Python-gtk, die der Paketmanager anbietet. Nach dem Aufruf der GUI wählen Sie aus, welche Versionen des IE Sie nutzen wollen. Über den Button Advanced aktivieren Sie zudem die noch experimentelle Unterstützung für den Internet Explorer 7.

Abbildung 1: Dank der neuen grafischen Oberfläche vereinfacht Ihnen IEs4Linux die Installation des Internet Explorer unter Linux.

Troubleshooting

Gelingt der Download einzelner Pakete nur halb oder gar nicht, laden Sie das betroffene Paket manuell herunter und legen Sie es im Verzeichnis ~/.ies4linux/downloads ab. Startet der Download gar nicht, liegt das eventuell am DNS-Server, der download.microsoft.com nicht in eine IP-Adresse umwandeln kann. In diesem Fall hilft es mitunter, auf der Konsole ping download.microsoft.com einzugeben und die dabei angezeigte IP-Adresse zu notieren. Anschließen tragen Sie die IP-Adresse mit Root-Rechten in die Datei /etc/hosts ein:

IP-Adresse
 download.microsoft.com

Dabei ersetzen Sie IP-Adresse durch die vorher per Ping ermittelte und notierte IP-Adresse.

Nutzung der IEs

Sie starten die verschiedenen Explorer-Versionen, indem Sie ie5, ie55, ie6 beziehungsweise ie7 eingeben. Behalten Sie beim Benutzen des Internet Explorer im Hinterkopf, dass es den Entwicklern nicht darum geht, einen vollwertigen Browser anzubieten. Das Projekt richtet sich nach den Bedürfnissen der Webdesigner und beschränkt sich bewusst darauf, ihnen das Testen ihrer Webseiten zu ermöglichen – mehr nicht. Funktionen, die sich – wie beispielsweise die Favoriten – explizit an Endbenutzer wenden, unterstützt IEs4Linux daher nicht.

Internet Explorer 7

Das Skript bringt in der aktuellen Beta-Version bereits eine experimentelle Unterstützung für den Internet Explorer 7 mit. Aufgrund von Limitierungen der Wine-Schnittstelle lässt sich zwar nicht der komplette Browser installieren, die Entwickler haben aber einen Weg gefunden, das Testen mit dem neuen Browser dennoch zu ermöglichen. Sie paarten einfach die für die Darstellung der Webseiten verantwortliche Rendering Engine des IE7 mit der grafischen Benutzeroberfläche des IE6.

Da dieser Workaround noch recht neu und experimentell ist, eignet sich der Internet Explorer 7 im Moment auch nur eingeschränkt für richtige Tests. So greifen Sie mit dem Programm leider noch nicht auf mit SSL verschlüsselte Webseiten zu, es stellt keine Flash-Animationen dar, und auch die Cookies – die viele Seiten zur Anmeldung benutzen – arbeiten noch nicht.

Schnelle Alternative

Eine schnelle Alternative, um die grafische Darstellung einer Webseite im Internet Explorer zu testen, bietet der IE Netrenderer [6] des Geotek-Netzwerk-Services aus Berlin. Im Gegensatz zu dem mit Wine betriebenen Internet Explorer versetzt Sie der IE Netrenderer zwar nicht in die Lage, die betrachtete Seite auch wirklich zu benutzen und interaktive Inhalte zu testen, der Service hilft Ihnen aber dabei, grobe Fehler im Layout schnell zu erkennen und einen ersten, optischen Eindruck von Ihrer Seite zu gewinnen.

Fazit

Das vom brasilianischen Studenten Sérgio Lopes begründete IEs4Linux-Projekt erweist sich als eine bequeme und schnelle Alternative zur zeitaufwendigen Installation des IE von Hand. Webdesignern bietet das Programm endlich die Möglichkeit, die eigenen Webseiten mit dem Internet Explorer zu testen, ohne sich mit der komplizierten Konfiguration von Wine auseinandersetzen oder ein Windows booten zu müssen.

Der mit Wine betriebene Internet Explorer nützt vor allem Webentwicklern, die viel mit Techniken wie AJAX arbeiten (Abbildung 2) und die dabei komplexe Layouts umsetzen und testen.

Abbildung 2: IEs4Linux eignet sich besonders gut, um interaktive Webseiten zu testen, wie etwa diese Javascript-Demo des Dojo-Toolkits.

Glossar

WinAPI

Windows Application Programming Interface. Eine Programmierschnittstelle, um Anwendungsprogramme für Windows zu erstellen.

DLL

Dynamic Link Library. Dynamische Bibliotheken unter Windows lassen sich an dieser Dateiendung erkennen.

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