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Umgebungsvariablen

01.05.2007
Mit Umgebungsvariablen richten Sie sich die Kommandozeile individuell und gemütlich ein.

Geben Sie auf der Shell einen Befehl wie ls ein, versteht diese genau, dass Sie das Programm /bin/ls aufrufen möchten. Dass Sie dazu nicht den vollen Pfad eintippen müssen, liegt daran, dass die Bash weiß, in welchen Bereichen im Dateisystem sie nach ausführbaren Programmen suchen muss. Definiert ist diese Suchpfad in einer so genannten Umgebungsvariable. Auch das Aussehen des Shellprompts, die Zeitzone, das Home-Verzeichnis des Benutzers und vieles mehr legen solche Variablen fest.

Die Definition einer Umgebungsvariablen besteht aus drei Teilen: dem Namen, einem Zuweisungsoperator (=) und einem Wert:

variable=wert

Der Name darf Groß- und Kleinbuchstaben sowie Unterstriche und Zahlen enthalten. Einzige Einschränkung: Eine Variable darf nicht mit einer Ziffer beginnen. Enthält der Wert der Variablen Leer- oder Sonderzeichen, müssen Sie die Angabe in doppelte Anführungszeichen einschließen:

LESS="-X"

Tipp

Da sich die Bash ("Bourne Again Shell") unter Linux als Standardshell durchgesetzt hat, beziehen sich sämtliche in diesem Artikel genannten Beispiele auf diesen Kommandozeileninterpreter.

Willkommen zuhause

Jeder Benutzer eines Linux-Systems findet ein "möbliertes Zimmer" vor, denn die Bash bringt für alle Accounts eine fertig eingerichtete Umgebung mit. Wie diese aussieht, hängt unter anderem von der verwendeten Distribution ab. Welche Variablen es in Ihrem eigenen Zuhause gibt und welchen Wert diese haben, verrät das Kommando env (engl, "environment", Umgebung). Ein entsprechendes Beispiel zeigt Listing 1.

Listing 1
huhn@asteroid:~$ env
TERM=xterm
SHELL=/bin/bash
USER=huhn
LS_COLORS=no=00:fi=00:…
PATH=/usr/local/bin:/usr/bin:/bin:/usr/bin/X11:/usr/games:/home/huhn/bin
IRCSERVER=irc.freenode.net
LANG=de_DE@euro
…

Einige der Variablen, die das Listing zeigt, hat der Benutzer selbst gesetzt (siehe dazu den Abschnitt "Öfter mal was Neues"). Andere Shellvariablen sind vordefiniert, lassen sich aber bei Bedarf verändern. Als Schreibweise hat sich die Verwendung von Großbuchstaben eingebürgert. Die Tabelle "Standard-Umgebungsvariablen der Bash" gibt eine Übersicht häufig verwendeter Variablen für die Bash.

Standard-Umgebungsvariablen der Bash

Variable Bedeutung
CDPATH Suchpfad für das Kommando cd
EDITOR Standard-Texteditor
HISTFILE History-Datei, z. B. ~/.bash_history.
HISTSIZE maximale Anzahl der Befehle in der History
HOME Home-Verzeichnis des Benutzeraccounts
HOSTNAME Rechnername
LANG Sprache für Programmausgaben, Datumsformat etc., sofern keine der LC_-Variablen (siehe unten) gesetzt ist. Eine Liste aller definierten Sprachvariablen geben Sie mit dem Befehl locale aus.
LC_ALL Ländereinstellung, etwa C oder de; setzt LANG und alle anderen LC_-Variablen außer Kraft.
LC_MESSAGES Sprache für Programm- und Fehlermeldungen
LC_TIME Zeitformat
LOGNAME Login-Name des Benutzers
MAIL Pfad zur Mailbox des Benutzers (eingehende Post)
MANPATH Suchpfad für Manpages
PATH Suchpfad für ausführbare Dateien
PS1 Aussehen des Standard-Shellprompt; für nicht-privilegierte Benutzer in der Regel \u@\h:\w\$ (huhn@asteroid:~$), für den Administrator \h:\w\$ (asteroid:~#).
PWD Namen des aktuellen Verzeichnisses (engl.: "print working directory")
SHELL voller Pfadname der verwendeten Shell (/bin/bash)
TERM Terminaleinstellung, etwa xterm oder vt100
TZ Zeitzone (engl.: "time zone"), etwa. CET oder MET

In die Schränke geschaut

Um den Wert einer Variablen anzuzeigen, verwenden Sie auf der Kommandozeile den Befehl echo. Mit diesem Kommando geben Sie alles aus, was hinter dem Befehl steht:

huhn@asteroid:~$ echo Huhu
Huhu

Darüber hinaus zeigt echo den Wert einer Variablen an, wenn Sie ein Dollarzeichen vor deren Namen stellen:

huhn@asteroid:~$ echo $LANG
de_DE@euro
huhn@asteroid:~$ echo $PS1
\u@\h:\w\$

Die Shell ersetzt die Variablen $LANG beziehungsweise $PS1 durch deren Wert und ruft dann das Programm echo zur Hilfe, das den Text ausgibt.

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