Fazit

HDR, LDR oder DRI – wie auch immer das Kind heißt: Es ist spannend, mit diesen Werkzeugen und mit Gimp zu arbeiten und kreative Ergebnisse zu erzielen, die im besten Sinne überaus ansehnlich sind. Wir wünschen Ihnen viel Spaß und Erfolg – und vor allem: schöne Bilder.

Verschobene Bilder retten

Im richtigen Leben passiert es oft, dass Sie gerade dann Ihr Stativ vermissen, wenn sich die ultimative Szene für hochauflösende Bilder vor Ihren Augen abspielt. Auf den Schuss verzichten müssen Sie dennoch nicht: Nehmen Sie Ihre Belichtungsreihe so ruhig wie möglich aus der Hand auf. Später öffnen Sie das erste Einzelbild in Gimp und laden jedes weitere Bild in eine neue Ebene. Diese Ebenen können Sie leicht gegeneinander verschieben, bis die einzelnen Bildausschnitte richtig übereinander liegen (Abbildung 4). Speichern Sie dann die Layer einzeln als Bilder ab und laden Sie diese Bilder als Ausgangsmaterial für Ihre Traumfotos.

Abbildung 4: Verschieben Sie die Einzelbilder in unterschiedlichen Ebenen gegeneinander, wenn der Bildausschnitt nicht ganz übereinstimmt.

Eine zweite Möglichkeit: Fotografieren Sie im RAW-Modus. Die meisten aktuellen Kameras bieten diese Option an. Solche Bilder enthalten grundsätzlich alle Tonwerte. Beim Umwandeln von RAW-Fotos stellen Sie am Rechner verschiedene Belichtungen ein, die Sie später als Ausgangsmaterial für Ihre DRI-Fotos verwenden. Unter Linux gibt es mit Bibble [5] ein kommerzielles Werkzeug, das Sie beim Umwandeln von RAW-Bildern unterstützt. Informationen dazu finden Sie im Internet.

Photogenics.HDR

Auch die kommerzielle Software Photogenics.HDR von Idruna [6] verspricht echtes HDR. Allerdings konnten wir das unter Praxisbedingungen nicht testen, weil die Installation des Programms auf verschiedenen Distributionen mit jeweils der gleichen Fehlermeldung abbrach. Auch beim Hersteller fanden wir dafür keine Lösung. Wer dennoch die Entwicklung von Photogenics.HDR beobachten möchte, findet auf der Webseite von Idruna aktuelle Informationen.

Making of…

An unserem Aufmacherbild (es zeigt den Tegernsee) scheiden sich die Geister: Die einen finden es faszinierend, die anderen kitschig. Wir mögen es, und darum haben wir Thomas Dreher, den Fotografen des Bildes, gebeten, uns ein kleines "Making of" zu diesem Bild zu schreiben.

"Ich habe das Bild mit zwei Programmen erstellt: Photomatix [7] und Photoshop. Photomatix benutze ich in erster Linie, um das HDR-Bild zu erzeugen und die Detailkontraste zu verstärken. Die eigentliche Arbeit erledige ich mit Photoshop. (Anm. d. Red.: Alle hier beschriebenen Schritte können Sie auch mit Gimp nachvollziehen.)

Das Tone-Mapping-Tool von Photomatix dient mir dazu, die Wolkenstrukturen herauszuarbeiten beziehungsweise zu verstärken. Photomatix bietet die Option, Mikrokontraste in Schwarz und Weiß zu verstärken. Hier verwende ich Maximalwerte.

Bei der eigentlichen Arbeit – dem Ausfeilen der Details – liegt mein Hauptaugenmerk zunächst wieder auf den Wolken. Dafür brauche ich insgesamt drei Ebenenkopien des gesamten Bildes. In je einer Kopie verändere ich dann die Tonwerte, die Gradation und die Farbe, um das Schwarz der Wolken noch mehr zu betonen. (Anm. d. Red.: Die erwähnten Werkzeuge erreichen Sie über den Dialog "Ebene""Farbe". Den Ebenendialog starten Sie über [Strg]+[L]. Dort mischen Sie die Ebenen nach der Bearbeitung über "Modus".)

Da ich zunächst nur den Himmel verändern möchte, lege ich in jeder der drei Ebenen zusätzlich über Ebene | Maske | Ebenenmaske hinzufügen eine Ebenenmaske an. Damit schütze ich den Rest des Bildes.

Die Gradationskurve über Ebene | Farben | Kurven) ist S-förmig. So erzeuge ich knackige Kontraste. Die Tonwerte Ebene | Farben | Werte setze ich eng, damit hellere Teile der Wolken schneller ins dunkle Grau rutschen. Eine zweite Gradationskurve ziehe ich leicht nach unten, mache also den Himmel dunkler und unterstütze so den düsteren Eindruck. Über Ebene | Farben | Farbton-Sättigung reduziere ich das Blau des Himmels um etwa 70 Prozent. Schließlich möchte ich keinen strahlend blauen Himmel im Bild sehen.

Mit der Landschaft im Bild verfahre ich entsprechend. Die Ebenenmasken verhindern, dass die Änderungen auf den Himmel übergreifen. Hier passe ich nur ein wenig die Sättigung an und helle die dunklen Bereiche in den Bäumen auf.

Zu guter Letzt setze ich eine weitere Gradationskurve oben drauf, um nun das gesamte Bild in der Helligkeit zu justieren. Durch das ständige Runterziehen der Kontraste und das erneute Justieren der Helligkeit hatte ich eine ordentliche Körnung im Himmel. Die galt es zum Schluss nochmals weich zu zeichnen. Die Bergketten, die bei der Umwandlung zum HDR einen merkwürdig leuchtenden Schimmer erhielten, töne ich durch eine Einstellungsebene mit Ebenenmaske ab. So splitte ich das Bild quasi in drei Teile und bearbeite jeden Teil für sich. Lediglich zum Schluss schärfe ich alles zusammen leicht, helle das Ganze ein wenig auf – und fertig ist das Bild."

Glossar

Belichtungsreihen

Hier handelt es sich um eine abgestufte Reihe von Belichtungen (Englisch: "Exposure Bracketing"). Solche Reihen verfolgen das Ziel, durch gezieltes Über- und Unterbelichten den Kontrastumfang eines Bildes zu erhöhen.

Tone-Mapping

Das Berechnen optimaler Helligkeitswerte eines Motivs aus verschiedenen Aufnahmen.

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