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Kontrastreiche Fotos selbst machen

Bild, schöön!

Die HDR-Fotografie soll die Lücke zwischen Fotografie und dem menschlichen Sehvermögen schließen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie aus Ihren guten Fotos noch bessere Bilder machen.

Jeder ambitionierte Fotograf kennt das Problem: Entweder sieht er auf seinen Fotos dunkle Bereiche gut, dann erkennt er die hellen Bereiche nicht – oder genau umgekehrt. Ein optimales Verhältnis zwischen hellen und dunklen Bereichen erreicht man mit normalen fotografischen Mitteln nicht. Also gilt es ein wenig zu tricksen, um Fotos zu bekommen, die alle Hell- und Dunkelabstufungen einer Szene ähnlich wiedergeben, wie das menschliche Auge sie wahrnimmt.

Solche Fotoarbeiten erfreuen sich unter dem Namen "HDR-Fotografie" wachsender Beliebtheit. Als Pionier dieser Technik gilt Anselm Adams. Der amerikanische Fotograf produzierte Ende der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts mit seinem Zonensystem [1] im Labor Bilder mit beeindruckendem Kontrastumfang, indem er bei Belichtung und Vergrößerung einzelne Bereiche seiner Negative gezielt bearbeitete. Was Adams über die Jahre zu einer ausgefeilten Technik mit künstlerisch wertvollen Ergebnissen verfeinerte, steht heute auch ambitionierten Hobbyfotografen zur Verfügung. Allerdings stimmt der heute verwendete Name dieser Technik objektiv betrachtet nicht ganz: Was als "HDR-Fotografie" die Runde macht, ist im Grund genommen DRI.

HDR oder DRI?

"High Dynamic Range" (HDR) bezeichnet Fotos mit einem enormen Kontrastumfang, also Abstufungen zwischen dem hellsten und dem dunkelsten Punkt des Bildes. Das menschliche Auge nimmt bis zu 100 000 solcher Stufen wahr, eine durchschnittliche Digitalkamera schafft lediglich 1000 Kontrastwerte – gängige Monitore gerade einmal 256.

Möchten Sie selbst HDR-Bilder produzieren, benötigen Sie eine spezielle Kamera, die mehrere 1000 Euro kostet. Ein Monitor, der entsprechende Bilder darstellen kann, schlägt sogar mit 50 000 Euro zu Buche, Drucker mit HDR-Fähigkeiten immerhin mit rund 2000 Euro.

Wer HDR-Dateien auf handelsüblichen Monitoren ansehen möchte, muss die Daten also auf einen geringeren Tonwertumfang herunterrechnen. Solche reduzierten Bilder zeigen sich dann nicht mehr mit einen HDR-Tonwert, sondern nur noch als LDR-Aufnahmen ("Low Dynamic Range").

Beim "Dynamic Range Increase" (DRI) fügen Sie mehrere Bilder einer Belichtungsreihe zu einem einzigen Bild zusammen. Das Ergebnis stellen auch normale Monitore problemlos dar: Die Fotos glänzen in allen Bereichen mit gut erkennbaren Bildinformationen, da überstrahlte oder unterbelichtete Bereiche angeglichen wurden.

Um solche Bilder selbst herzustellen, benötigen Sie neben einer Digitalkamera mit der Fähigkeit Belichtungsreihen zu schießen eigentlich nur das Bildbearbeitungsprogramm Gimp, das bei allen gängigen Linux-Distributionen zum Lieferumfang zählt.

Exposure Blend mit Gimp

Nehmen Sie mit Ihrer Kamera zunächst eine Belichtungsreihe auf. Diese besteht aus mindestens drei Bildern, besser aber aus fünf oder sieben: eine mittlere Belichtung sowie jeweils ein bis drei Unter- und Überbelichtungen. Die Einzelbilder setzen Sie dann in Gimp über das Zusatztools Exposure Blend [2] zu einem Gesamtbild zusammen. Das Zusatzwerkzeug sowie eine Anleitung, wie Sie das Tool in Gimp einbinden, finden Sie auf der Heft-CD im Verzeichnis LinuxUser/hdr.

Rufen Sie nach dem Start von Gimp Exposure Blend über Xtns | Skript-Fu | Photo | Exposure Blend... auf. Wählen Sie die Fotos für Normal Exposure, Short Exposure und Long Exposure aus Ihren Bildern aus (Abbildung 1). Übernehmen Sie zunächst der Einfachheit halber die vorgeschlagenen Standardwerte mit OK. Als Ergebnis erhalten Sie ein HDR-Bild, weil Gimp tatsächlich über Tone-Mapping den gesamten Kontrastumfang der Ausgangsbilder in das Zielbild übernommen hat.

Allerdings können Sie das auf Ihrem Monitor nicht sehen, sofern der nicht HDR-fähig ist. Daher müssen Sie das Bild weiter zu bearbeiten und vor allem komprimieren, da normale Ausgabegeräte mit der gebotenen Farb- und Kontrastfülle nichts anzufangen wissen.

Abbildung 1: Bauen Sie drei Aufnahmen zu einer einzigen zusammen, um den Tonwertumfang des Gesamtbildes drastisch zu erhöhen.

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