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Gefällige Mischung

3D-Desktop-Alternative Metisse

01.05.2007 Dreidimensionale grafische Arbeitsoberflächen liegen bei modernen Betriebssystemen voll im Trend. Mit Metisse bietet Linux erneut ein innovatives Novum, den 2,5D-Desktop.

Wie stets bei innovativen Techniken ist Linux auch bei den 3D-Desktops ganz vorn mit dabei: Kein anderes Betriebssystem bietet derart viele verschiedene Ansätze, um die bislang zweidimensionalen Arbeitsoberfläche mithilfe der dritten Dimension interessanter zu gestalten. Bekannteste Beispiele: Die Kombinationen XGL/Compiz und AIGLX/Beryl, die durch drehende Würfel und schwabbelnde Fenster Aufmerksamkeit bei den Anwendern erregen. Auch der Computerhersteller Sun hat mit seiner 3D-Oberfläche Looking Glass ein interessantes Konzept vorgestellt, bei dem sogar Ordner wie eine Handvoll Bauklötze über die Arbeitsoberfläche sausen [1].

Eines haben alle diese neuen Desktops gemeinsam: Sie bieten zwar eine aufregende Optik, doch schwabbelnde Fenster tragen ebenso wie fliegende Ordner und Dateien kaum zur Vereinfachung der Bedienbarkeit von Computersystemen bei. Nur wenige der Neuerungen – wie beispielsweise der drehende Würfel mit seiner räumliche Darstellung der verschiedenen virtuellen Desktops – vereinfachen tatsächlich die Effizienz im Umgang mit dem Computer.

Zudem sind die meisten neuen 3D-Desktops wegen der Fülle ihrer Funktionen auf leistungsfähige Hardware angewiesen. XGL/Compiz und AIGLX/Beryl verlangen nach gleichermaßen nach potenten Grafikkarten und entsprechend großem Videospeicher. Zudem gibt es nur für relativ wenige moderne Grafikkarten vor allem der Hersteller ATI und Nvidia Support. Wer beispielsweise Grafikchipsätze von Intel oder S3 nutzt, kann in aller Regel die auffallenden Effekte am Rechner nicht genießen.

Nun gesellt sich zu den oben genannten 3D-Desktops noch ein weiteres Konzept zur räumlichen Darstellung der Arbeitsoberfläche hinzu: Metisse aus Frankreich. Der Begriff Metisse bezeichnet im Französischen sinngemäß Mischlinge, die sich keiner festen Kategorie zuordnen lassen. Tatsächlich trifft diese Namensgebung in vielerlei Hinsicht den Kern des Konzepts: Metisse entstammt nicht einer Firma oder einem klassischen Open-Source-Projekt, sondern wurde von den beiden Informatikern Olivier Chapuis und Nicolas Roussel von der Universität Paris-Süd gemeinsam mit dem Insitu-Institut entwickelt, einer französischen Forschungseinrichtung [2].

Eine halbe Dimension weniger

Die Entwickler von Metisse wehren sich zudem vehement dagegen, ihren Desktop in der Kategorie "dreidimensional" eingereiht zu sehen. Sie möchten Metisse als Tool zur Entwicklung neuer Desktop-Oberflächen verstanden wissen. Tatsächlich ist Metisse bereits ein sehr altes Projekt, das zunächst nur als Framework für die Forschungen des Insitu-Institutes entwickelt wurde, ohne konkrete 3D-Ambitionen zu verfolgen. In Fachkreisen spricht man daher von Metisse auch schon als 2,5D-Desktop, denn der Oberfläche fehlen einige der optischen Gimmicks, mit denen die herkömmlichen 3D-Desktops die Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Auch im Bereich der Hardwareanforderungen fällt Metisse aus dem Rahmen: Die Entwickler bezeichnen den Desktop selbst auf (für EDV-Verhältnisse uralten) TNT2-Grafikkarten als lauffähig. Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und den Metisse-Desktop sogar noch mit dem in jeder Linux-Distribution vorhandenen generischen Vesa-Treiber zu Gesicht bekommen – wenn auch hierbei inakzeptabel schleppend, und das trotz einer Pentium 4-CPU mit mehr als 3 GHz Taktfrequenz. Bringt der PC jedoch eine halbwegs aktuelle Grafikkarte mit, so genügt ein Celeron- oder Duron-Prozessor zum flüssigen Ablauf von Metisse.

Zudem wird Metisse, das sich nach Angaben der Entwickler noch in einem sehr frühen Stadium befindet, bislang nur von der ebenfalls französischen Linux-Distribution Mandriva eingehend unterstützt: Mandriva hat mit der Live-CD Mandriva Metisse ([3], Abbildung 1) einen ersten Einblick in die Möglichkeiten von Metisse gegeben und integriert den neuartigen Desktop in die für dieses Frühjahr zu erwartende Desktop-Distribution Mandriva Spring 2007. Wer den Metisse-Desktop auf einer anderen Linux-Distribution einrichten möchte, muss dagegen noch selbst Hand anlegen – die Installation von Metisse gestaltet sich dabei auch aufgrund des anspruchsvollen Konzepts alles andere als trivial.

Abbildung 1: Mandriva hat Metisse bereits mit der Live-CD Mandriva One 2007 Metisse in Form einer Technology Preview vorgestellt und integriert den 2,5D-Desktop in die nächste Release der Distribution.

Das Funktionsprinzip von Metisse

Metisse stellt nicht einfach einen neuen X-Server zur Verfügung, sondern arbeitet interaktiv mit einem virtuellen X-Server namens Xwnc, der eine Kreuzung aus dem altbekannten Xvnc und XDarwin darstellt. Hinzu kommt als Windowmanager eine modifizierte Version des betagten Fvwm, eines Fenstermanagers der ersten Stunde.

Der Metisse-Compositor arbeitet dabei als Plugin für Fvwm. Zuerst nimmt auf einem freien Display der virtuelle X-Server Xwnc seine Arbeit auf, anschließend startet der Metisse-Fvwm-Windowmanager auf dem laufenden X-Server. Nun rendert der in Metisse integrierte Viewer FvwmAmetista den Desktop pixelweise in das Fenster des regulären X-Servers. Dabei nutzt FvwmAmetista sowohl OpenGL als auch die Gtk-2.0-Umgebung, sodass Metisse derzeit nur den Einsatz von Gnome-Anwendungen unterstützt. Die Metisse-Entwickler haben jedoch für die kommende KDE-Version 4.0 Support angekündigt und wollen den 2,5D-Desktop demnächst auch für 64-Bit-Architekturen anbieten.

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