Aufmacher

Soundtrack zur Freiheit

Der 3. Open Music Contest des AStA der Philipps-Universität Marburg

01.05.2007
Freie Musik macht Spass und fördert Vielfalt – das zeigt der 3. Open Music Contest mit qualitativ hochwertigen Songs und einer bunten Mixtur an Stirichtungen.

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Seit 2005 richtet der AStA der Philipps-Universität Marburg mit dem Open Music Contest (OMC) einen bundesweiten Bandwettbewerb aus. Er möchte auf diese Weise ein Bewusstsein schaffen für den Umgang mit geistigem Eigentum im Informationszeitalter.

Musikwettbewerbe gibt es viele. Was den Open Music Contest [1] des AStA der Philipps-Universität Marburg [2] von anderen Wettbewerben abhebt, findet sich in den Teilnahmebedingungen. Hier lautet der wichtigste Punkt: Alle eingereichten Titel müssen unter einer Creative-Commons-Lizenz [3] stehen.

Der Wettbewerb unterscheidet sich konzeptionell auch von verwandten Projekten, wie zum Beispiel der OpenMusic-CD des LinuxTags (2001) [4] oder dem Sampler "Pimp my rights" des Chaos Computer Clubs (2006) [5]. Denn meist haben Aktionen, die für freie Lizenzen werben, ihren Fokus auf den Rezipienten, stellen also eine Auswahl bereits frei verfügbarer Inhalte vor und demonstrieren auf diese Weise, dass eine freie Kultur qualitativ hochwertige Ergebnisse produziert.

Abbildung 1: Gute Laune bei den Organisatoren des Open Music Contest: Tobias Rettstadt (/'angstalt/), Melanie Anders (mr.twiggles), M.eik Michalke (OMC). Foto: Christoph Scheid (CC by-nc-sa)

Eine grundlegende Idee hinter dem OMC war jedoch, einen Schritt früher anzusetzen und sich gezielt an die Kreativen, die Schaffenden zu richten. Diese will er durch den Wettbewerb sowohl mit den Rahmenbedingungen des Urheberrechts als auch den Möglichkeiten freier Lizenzen vertraut machen.

Teilnehmende Bands gewinnen außerdem an Bekanntheit und Aufmerksamkeit – gerade im Informationszeitalter wertvolle Resourcen. Eine Jury stellt aus den Einsendungen einen Sampler zusammen – zum einen als physikalische CD mit ansprechendem Artwork zum Verschenken, zum anderen als Download im freien Ogg-Format auf der Contest-Homepage.

Zum dritten OMC lagen sogar derart viele gute Titel vor, dass die Organisatoren zum ersten mal eine Doppel-CD produziert haben. Diesen Sampler finden Sie vollständig auf der Heft-CD dieser Ausgabe. Außerdem lädt der AStA einige Bands ein, sich live einem größeren Publikum zu präsentieren: Zu den traditionellen Erstsemester-Parties, die sich im Hörsaalgebäude über drei Etagen verteilen, erscheinen mehrere Tausend Gäste.

Abbildung 2: Beim Abschlusskonzert des Open Music Contest heißt es Abrocken mit freier Musik. Foto: Christoph Scheid (CC by-nc-sa)

Ursprünge des OMC

Die Novellierung des Urheberrechts [6], die weitreichende Konsequenzen auch für den Lehrbetrieb an Universitäten mit sich bringt, ließ beim AStA Marburg die Alarmglocken schrillen. Eine öffentliche Diskussion fand kaum statt, und unter den Studierenden herrschte dementsprechend zu weiten Teilen Unkenntnis. Das AStA-Referat für Technik & Open-Source-Politik veranstaltete daher im Frühjahr 2005 den ersten OMC gemeinsam mit den Kulturreferenten, denen qua Amt ohnehin die Aufgabe obliegt, zweimal jährlich eine Erstsemester-Party zu organisieren.

Es war auch Pragmatismus, dabei auf Musik zu setzen. Immerhin erschien es deutlich realistischer, mit diesem Vehikel die komplexen Zusammenhänge des Urheberrechts Menschen nahe zu bringen, die sich andernfalls vielleicht eher uninteressiert gezeigt hätten.

Ursprünglich war der OMC als einmaliges Experiment konzipiert. Doch beeindruckt von der Qualität und Vielfalt der eingereichten Werke sowie dem allgemein positiven Feedback entschied sich der AStA im Folgejahr zu einer zweiten Auflage. Mit dem dritten Durchlauf erweist er sich nun schon fast als beständige Institution.

Kamen dem Bewerbungsaufruf im ersten Jahr 35 Bands nach, folgten ihm 2006 bereits 50. In diesem Jahr meldeten sich 76 Bands und bewarben sich mit insgesamt elfeinhalb Stunden freier Musik – jede Band hat die Möglichkeit, bis zu drei Titel einzureichen. Der Zuwachs an Bewerbungen erscheint noch bemerkenswerter angesichts der Tatsache, dass die Organisatoren die Bewerbungsfrist von ursprünglich fünf auf nunmehr drei Wochen kürzten.

Auf der anderen Seite wuchs mit jedem Jahr die Zahl der Unterstützer. So zählen zu den offiziellen Förderern des dritten OMC neben LinuxUser unter anderem Mp3.de, FoeBuD, Chaos Computer Club, LinuxTag, Newthinking network, Netzpolitik.org und die GUUG. Die Schirmherrschaft übernahm kein geringerer als der Creative-Commons-Initiator Lawrence Lessig.

Von der Forderung nach einer CC-Lizenz abgesehen gibt es relativ wenige Einschränkungen für die Teilnehmenden. So existieren keine stilistischen Vorgaben, theoretisch akzeptiert die Jury alles, was irgendwie klingt. Selbstverständlich setzt die Teilnahme jedoch voraus, das alle Rechte bei den Bewerbenden liegen. Sie müssen sich außerdem eines einstündigen Live-Repertoires sicher fühlen, die Mitgliedschaft in einer Verwertungsgesellschaft wie der GEMA ist aus rechtlichen Gründen ausgeschlossen (Kasten "Creative Commons und die GEMA"). Sexistische oder rassistische Inhalte disqualifizieren sich selbst.

Das Procedere

Der OMC setzt, soweit es geht, auf das Internet: Kandidaten bewerben sich über ein Online-Formular und reichen die Titel als Audiodatei ein. Die Kommunikation zwischen den Bands, der Jury und den kooperierenden Organisationen läuft jeweils über eigene Mailinglisten. Selbst die Jury tagt nur virtuell und gibt ihr Votum online per Formular ab. Allerdings bekommt sie das zu bewertende Material aus praktischen Erwägungen als Audio-CD per Post.

Das Organisationsteam lädt die Jury-Mitglieder ein. Das zu erfüllende Kriterium heißt hier vor allem, bekennender Musikliebhaber zu sein. Neben Vertretern des AStA, Mp3.de und der Creative.Commons-Mailingliste für den deutschsprachigen Raum (CC-D-A-CH) füllten das Ehrenamt unter anderem Ellen Reitmayr (openusability.org) und Scott Wheeler (KDE-Multimedia) aus.

Es mag zunächst überraschen, hier nicht nur Profis aus dem Musikbusiness zu finden. Doch das OMC-Team möchte hier Prinzipien übernehmen, die sich in der Welt freier Software als äußerst Effektiv erwiesen haben: Auch dort sind nicht nur ausgewiesene Hacker gefragt, Feedback zu Software zu geben und ihren Nutzen zu bewerten. Der normale Nutzer leistet hier ebenfalls seinen Beitrag. Genauso gilt auch für den OMC, dass diejenigen den Sampler zusammenstellen, für die er eigentlich gedacht ist: die Musikliebhaber. Zudem bewertet die Jury ausschließlich die Musik und erfährt erst hinterher den Namen oder sonstige Informationen zu Titeln oder Bands.

Eine weitere Besonderheit für das Jury-Verfahren liegt im Credo, nicht nur nach höchster Punktzahl zu entscheiden, sondern im Ergebnis auch die stilistische Vielfalt abzubilden. Das Ziel heißt nicht nur "Music for the masses", sondern angemessener Raum für Spartentitel. Der Contest-Sampler braucht also nicht unbedingt durchgehend gleich gut zu gefallen. Es soll möglichst für jeden etwas dabei sein – freie Kultur für alle.

Aus diesem Grund veröffentlicht die Jury keine Rangfolge der Titel. Es gibt also keinen ersten oder letzten Platz. Anders ausgedrückt macht es aus Sicht des OMC-Teams keinen Sinn den Eindruck zu erwecken, dass eine bestimmte Rocknummer "besser" sei als ein Elektrotitel oder eine Akkustikballade. Die Geschmäcker sind schließlich nicht nur verschieden, sondern außerdem extrem Stimmungsabhängig.

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