Aufmacher

Videoeditor LiVES

Extrem schnittig

Wer seine Videos am Computer nachbearbeitet, hat bislang nur die Wahl zwischen dem recht einfach gestrickten Kino und dem Funktionsmonster Cinelerra. LiVES schickt sich an, die verbleibende Lücke zu füllen.

Dank herrlichem Sonnenschein lud der diesjährige Winterurlaub mehr zum Wandern denn zum Skifahren ein. Die vereinzelten Regentage tilgen Linux-Anwender nachträglich mit einer freien und kostenlosen Videoschnittlösung aus den filmischen Erinnerungen. Wem Kino zu spartanisch und Cinelerra zu umständlich ist, der findet in LiVES eine interessante Alternative. Der Name steht für das rekursive Akronym "LiVES is a Video Editing System" [1].

Installation

Noch fehlt LiVES in den meisten aktuellen Distributionen: Dem interessierten Hobbyfilmer bleibt also nur der Griff zum Archiv mit dem Quelltext. Im Test kam Version 0.9.8.2 zum Zuge, die Sie auch auf der Heft-CD finden.

Um das Archiv in eine ausführbare Anwendung umzuwandeln, müssen Sie zunächst zahlreiche Abhängigkeiten auflösen (siehe Kasten "Abhängigkeiten"). Vergessen Sie dabei nicht, auch die jeweils zugehörigen Entwicklerpakete zu installieren. Die tragen meist ein angehängtes -devel oder -dev im Namen (es gibt jedoch nicht von jedem Paket eine Devel-Version).

Abhängigkeiten

Schnallen Sie sich an – hier kommt die Liste mit allen Paketen, die Sie zum Kompilieren von LiVES brauchen:

  • MPlayer ab Version 0.90rc1 (mit JPEG-Unterstützung)
  • ImageMagick 5,
  • Perl in Version 5 oder höher
  • Gtk+ ab Version 2.8 oder Libgtk2.0-0 (Ubuntu)
  • Libjpeg62
  • Gdk-pixbuf-loaders oder Libgdk-pixbuf2 (Ubuntu)

Empfohlen, aber nicht zwangsweise notwendig sind daneben Cdda2wav, Dvgrab, Jackd, Libjack, Libavc1394, Libmjpeg-tools, Libraw1394, LibSDL-1.2, Libvisual, MEncoder, Mjpegtools, Sox, Transcode und XMMS.

Fehlen später Pakete, reduziert LiVES den Funktionsumfang – was Sie meist erst bemerken, wenn es zu spät ist. Beispielsweise dienen die letzten drei im Kasten genannten Pakete zum Einbinden einer digitalen Videokamera. Vergessen Sie diese, fehlt der entsprechende Menüpunkt, und Sie müssen selbst sehen, wie Sie Ihr Videomaterial auf die Festplatte bekommen. Mit der Suse Linux 10.0 beiliegenden Version von Jack kam LiVES übrigens nicht zurecht: Tauschen Sie das Jack-Paket entweder gegen eine neuere Version oder leben Sie ohne eine Echtzeit-Audiovorschau. Auch mit den Beschriftungen gibt es Probleme (siehe Kasten "Beschriftungen").

Beschriftungen

Da eine vollständige Übersetzung der Menüpunkte und Beschriftungen von LiVES ins Deutsche noch nicht vorliegt und die Version von Suse Linux offensichtlich nur englisch spricht, verwenden wir im Artikel durchgehend die englischen Beschriftungen.

Essenziell ist MPlayer – ohne ihn verweigert LiVES komplett den Dienst. Leider liefern ihn einige Distributionen aus lizenzrechtlichen Gründen nicht mit. Also gilt es, ihn aus dem Internet zu holen [2]. Zu seiner Übersetzung benötigen Sie die Entwicklerpakete für die X11-Umgebung. Sie entpacken das Quellcodearchiv des MPlayer in ein Verzeichnis, rufen ein Terminalfenster auf und übersetzen den Mediaplayer über die Befehlsfolge ./configure; make; sudo make install.

Ubuntu-Nutzer aktivieren hingegen in der Datei /etc/apt/sources.list einfach das Universe-Repository und tragen hinter universe zusätzlich multiverse ein. Nach einer Aktualisierung der Paketliste steht Ihnen auch MPlayer zur Verfügung.

Als Suse-Anwender ergänzen Sie über YaST das Repository von Packman als zusätzliche Paketquelle. Dazu binden Sie die Adresse ftp://packman.iu-bremen.de/suse/10.X ein, wobei Sie das X durch die Versionsnummer Ihrer Distribution ersetzen. Dann installieren Sie die notwendigen Pakete über YaST.

Sind alle Abhängigkeiten erfüllt, entpacken Sie das LiVES-Archiv und erstellen die Videobearbeitung mittels der Kommandofolge ./configure; make; sudo make install

Start

Zum Starten der Schnittsoftware geben Sie lives in ein Terminalfenster ein. Es erscheint eine Meldung, die Sie abnicken, um zunächst einen Blick in die Grundeinstellungen zu werfen, die Sie über ToolsPreferences erreichen.

Von besonderem Interesse sind zunächst die Karteikartenreiter Themes und Directories. Über den ersten verpassen Sie LiVES ein anderes Aussehen – dieser kosmetische Eingriff beeinflusst die Funktionalität aber nicht. Über Directories legen Sie anschließend ein paar wichtige Verzeichnisse fest (Abbildung 1).

Das Temp directory dient als Arbeitsverzeichnis und sollte auf einer möglichst schnellen Festplatte mit möglichst hoher Kapazität liegen. Stellen Sie LiVES dort mindestens doppelt so viel freien Speicherplatz bereit, wie das gesamte Video-Rohmaterial umfasst.

Alle anderen Verzeichnisangaben verwendet LiVES lediglich als Vorschlag in den später angezeigten Dialogfenstern. Mit einem Klick auf OK kehren Sie zum Hauptfenster zurück.

Abbildung 1: In den Einstellungen zählt besonders das Temp Directory, das LiVES als Arbeitsverzeichnis nutzt.

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