Textmaschine

Erweiterungen für den Texteditor Gedit

Gedit hat in den letzten Monaten viele Neuerungen erfahren und ist mit der normalen Arbeit an Textdateien fast schon zu unterfordert. Von der Rechtschreibkontrolle bis hin zu Funktionen, die sich üblicherweise in einer kleinen IDE finden, bietet das Programm mittlerweile alles, was das Herz begehrt. Wem der Standardfunktionsumfang nicht genügt, der passt mit Plugins den Editor an die eigenen Bedürfnisse an.

Einfacher Einstieg

Besonders Neulinge finden Editoren wie Vim oder Emacs zu unkomfortabel oder zu kompliziert. Vor allem Umsteiger aus der Windows-Welt liebäugeln eher mit Programmen à la Wordpad. Genau hier kommt Gedit ins Spiel: Das Programm kommt, wie bei allen Gnome-Programmen üblich, mit einer aufgeräumten Oberfläche daher. Das spiegelt sich sowohl bei den Menüs als auch in den Werkzeugleisten wieder.

Der Editor bearbeitet neben lokalen Dateien auch Files auf entfernten Rechnern und nutzt dazu die Protokolle SMB, SSH oder FTP. Eine Druckvorschau zeigt das Programm innerhalb des Hauptfensters an und sorgt damit für mehr Übersicht auf dem Desktop (Abbildung 1).

Abbildung 1

Abbildung 1: Mit einer Druckvorschau innerhalb des Hauptfensters reduziert Gedit die Zahl der Fenster auf dem Desktop.

Automatisches Speichern innerhalb eingestellter Intervalle und das Anlegen von Sicherheitskopien vor dem Speichern zählen ebenso zu Gedits Fähigkeiten, wie das Rückgängigmachen und Wiederholen. Eingefleischten Textarbeitern kommen die Optionen im Dialog Bearbeiten | Einstellungen entgegen, darunter etwa:

  • Anzeigen der Zeilennummern
  • Hervorheben der aktuelle Zeile
  • Anzeigen des rechten Rands
  • Hervorheben von Klammerpaaren
  • Einstellen der Tabulatorbreite (Tabulatoren und Leerzeichen)
  • Automatischer Einzug

Gedit verfügt über die von Webbrowsern bekannten Reiter, er lädt also jedes Dokument in einen eigenen Tab. Durch die offenen Dokumente wechseln Sie mittels [Alt] und der Indexnummer des Tabs.

Suchen und ersetzen

Dem gängigen Suchen-Dialog, den Sie durch [Strg]+[F] erreichen, haben die Entwickler eine interaktive Suche zur Seite gestellt. Der Vorteil liegt auch hier in der Tatsache, dass sich auf dem Desktop nicht noch weitere Dialoge tummeln. Stattdessen zeigt die Software in der linken oberen Ecke ein Eingabefeld an, sobald Sie [Strg]+[K] drücken (Abbildung 2). Die gefundenen Vorkommen hebt sie hervor. Mit [Strg]+[G] und [Strg]+[Umschalt]+[G] springen Sie zum nächsten respektive vorherigen gefundenen Wort. Die Suche bleibt solange erhalten, bis Sie die interaktiven Suche erneut verwendet.

Der Ersetzen-Dialog ([Strg]+[H]) bietet neben dem bei anderen Editoren üblichen Funktionsumfang noch eine praktische Besonderheit: Das Programm hebt bei einem Klick auf Suchen alle Vorkommen des zu ersetzenden Worts im Text hervor. Sie entscheiden, ob es entweder alle oder nur das aktuelle ersetzt. Die Syntax-Highlighting erleichtert diese Wahl dabei enorm. Wie gewohnt springen Sie mit [Strg]+[G] von Wort zu Wort.

Abbildung 2

Abbildung 2: Gedit bietet neben der Standardsuche eine interaktive Suche an.

Plugins nutzen

Seit der Version 2.10 verfügt Gedit über eine neue Plugin-Architektur. In Gedit 2.16.1 enthält das Grundpaket bereits 13 Zusatzprogramme. Diese aktivieren beziehungsweise deaktivieren Sie einzeln im Dialog Bearbeiten | Einstellungen | Plugins (Abbildung 3). Für einige stellen Sie in diesem Dialog zusätzlich verschiedene Parameter ein. Die Tabelle "Standardplugins" zeigt, welche Plugins vorinstalliert sind, und welche Funktion sie erfüllen.

Abbildung 3

Abbildung 3: Alle Plugins, mit denen Sie den Editor Gedit erweitern, verwalten Sie komfortablen in einem Dialog innerhalb des Editors.

Standardplugins

Plugin Funktion
Benutzername Fügt den Benutzernamen an der Cursorposition ein
Datei-Browser-Leiste In der Seitenleiste erscheint eine Ansicht des Dateisystems. Mittels Filter reduzieren Sie bei Verzeichnissen mit vielen Dateien den Anzeigeumfang. Die desktopweiten Lesezeichen stehen zur Verfügung, womit Sie Zugriff auf die wichtigsten Orte erhalten
Datum/Uhrzeit einfügen Fügt die Angaben in einem voreingestellten oder benutzerdefinierten Format in das Dokument ein
Externe Werkzeuge Führt externe Befehle und Shellskripte aus
Floskelliste Die Seitenleiste enthält die gängigsten Tags für HTML, LaTeX und XSLT
Groß-/Kleinschreibung verändern Ändert eine ausgewählte Textpassage oder nur das erste Zeichen eines Wortes in Groß- oder Kleinbuchstaben
Modelines Unterstützt Emacs-, Kate- und Vim-Modelines
Python-Konsole Öffnet einen einfachen Python-Interpreter in der Fußzeile öffnen
Rechtschreibprüfung Die Software unterstreicht falsch geschriebene und unbekannte Wörter rot
Schnipsel Expandiert bestimmte Schlüsselwörter. Geben Sie zum Beispiel head und anschließend [Tab] ein, erscheint ein Code-Fragment, wie in Listing 1. Der Cursor befindet sich über Page Title. Durch nochmaliges Drücken der Tabulatortaste springt der Cursor direkt unter <title>. Haben Sie vergessen, den Typ des HTML-Dokuments festzulegen, so reicht es [Strg]+[Leertaste] zu drücken. Es erscheint eine Liste der Doctypes.
Sortieren Sortiert eine ausgewählte Textpassage. Wichtig: Für diese Aktion funktioniert das Wiederherstellen nicht.
Statistik des Dokuments Liefert Informationen zum Dokument, wie Zeilen, Wörter, Zeichen mit und ohne Leerzeichen sowie die Größe des Dokuments in Byte
Zeileneinzug Drücken von [Strg]+[T] erhöht den Einzug, [Strg]+[Umschalt]+[T] vermindert ihn
Listing 1
<head>
 <meta http-equiv="Content-type" content="text/html; charset=utf-8" />
 <title>Page Title</title>
</head>

Die Schnipsel verwaltet Gedit abhängig vom Dateityp, den der Editor in der Regel richtig erkennt. Falls das doch nicht klappt, wählen Sie unter Ansicht | Hervorhebungsmodus den richtigen Typ aus. Für alle gängigen Programmiersprachen stellt das Programm vordefinierte Schnipsel bereit, die Sie verändern dürfen (Werkzeuge | Schnipsel verwalten...; das Plugin muss dazu aktiv sein).

In der Schnipsel-Verwaltung (Abbildung 4) fügen Sie zu den einzelnen Kategorien neue hinzu oder entfernen unerwünschte aus der Liste. Die Aktion, die das Schnipsel letztendlich expandiert, legen Sie unter Tabulatorauslösung und Tastenkombination fest. Als Hilfe für das Erstellen eigener Schnipsel haben die Entwickler im Gnome-Live-Wiki eine Seite [1] eingerichtet, die weitere Informationen enthält.

Abbildung 4

Abbildung 4: Snipplets helfen beim Schreiben, in dem sie oft gebrauchte Textblöcke auf Tastendruck bereitstellen.

Externe Werkzeuge

Die externen Werkzeuge machen den Editor zu einem wahren Alleskönner. Wie beim Verwalten der Schnipsel dürfen Sie hier eigene Befehle festlegen. Einige häufig gebrauchte bringt das Programm bereits mit:

  • Build: Erstellen von Projekten mittels Make
  • Remove Trailing Spaces: Entfernen abschließender Leerzeichen im aktuellen Dokument
  • Directory Listing: Anzeigen des Ordnerinhalts in ein neues Dokument
  • Grep: Suchen nach einer Zeichenkette im aktuellen Ordner
  • Environment Variables: Ausgeben der Umgebungsvariablen in der Fußleiste

Möchten Sie dem Programm eigene Werkzeuge hinzufügen, wählen Sie im Menü Werkzeuge den Menüpunkt Externe Werkzeuge.... Dieser erscheint nur, wenn Sie das Plugin aktiviert haben. Im folgenden Dialog geben Sie zum Erstellen eines neuen Werkzeugs zunächst einen beschreibenden Text sowie einen oder mehrere Befehle an. Die Auswahl Eingabe bezieht sich auf ein Element, auf Gedit das Werkzeug anwendet. Mit der Auswahl Ausgabe legen Sie fest, was mit Text geschieht, wenn ein Befehl solchen zurückgibt.

Der Punkt Anwendbarkeit legt fest, auf welche Dokumente beziehungsweise Dateien Sie das Werkzeug loslassen wollen. Dies schließt sowohl nicht-lokale wie lokale Dateien ein, als auch benannte, unbenannte oder alle Dokumente. Haben Sie das erledigt, erscheint im Menü Werkzeug ein neues externen Werkzeug, das von nun an zur Verfügung steht.

Bei Gnome Live finden Sie weitere Informationen und Anleitungen zu diesem Plugin [2]. Das Paket Gedit-plugins [3] enthält acht zusätzliche Erweiterungen. Darunter befindet sich ein Plugin zum Vervollständigen von Klammern im Quellcode sowie Erweiterungen zum Kommentieren von Quellcode und für ein in die Fußleiste eingebettetes Gnome-Terminal.

Abbildung 5

Abbildung 5: Mit Hilfe der externen Werkzeuge erweitern Sie Gedit um nahezu beliebige Funktionen.

LaTeX einfach gemacht

Neben den offiziellen Plugins existieren mehr als 25 weitere. Ein sehr umfangreiches davon ist das LaTeX-Plugin, das das Schreiben von Dokumenten für das Satzsystem selbst für Einsteiger überaus einfach gestaltet. Das Plugin zu installieren erfordert momentan noch etwas Handarbeit: Erstellen Sie dazu unter ~/.gnome2/gedit/ mit mkdir plugins ein Unterverzeichnis. Laden Sie von Gnome Live den Tarball [4] herunter, und entpacken Sie ihn ins gerade erstellte Verzeichnis.

Möchten Sie ein Dokument direkt aus dem Editor heraus übersetzen, brauchen Sie zusätzlich das Paket Rubber [5]. Es stellt eine Python-Schnittstelle zum LaTeX-System zur Verfügung, die Befehle an dieses absetzt oder die Ausgabe aufbereitet.

Läuft beim Auspacken und Installieren des Plugins alles glatt, aktivieren Sie das LaTeX-Plugin unter Einstellungen. Es erscheint eine neue Werkzeugleiste, die wichtigste LaTeX-Befehle als Icons darstellt. Um ein neues Dokument zu erstellen, klicken Sie auf das erste Icon der Leiste. Im nun erscheinenden Dialog wählen Sie unter anderem den Titel, den Autor und die Art des Dokuments aus (Abbildung 6).

Abbildung 6

Abbildung 6: Das LaTeX-Plugin ist eine der umfangreichsten Erweiterungen für Gedit.

In einem neuen Reiter erscheint die Vorlage für ein Dokument. Der entsprechende Reiter in der Seitenleiste enthält die gängigsten griechischen Zeichen und mathematischen Symbole. Ein Klick darauf fügt das entsprechende Symbol oder Zeichen an der aktuellen Cursorposition in den Text ein.

Das Plugin verfügt zusätzlich noch über eine weitere äußerst nützliche Eigenschaft: Es bietet LaTeX-Tags in einer Dropdown-Liste an, die erscheint, wenn Sie [\]+[Buchstabe] eingeben. Ähnlich wie in IDEs gibt der Listeneintrag zusätzlich an, welche Parameter das Tag erwartet. Das erspart lästiges Suchen auf den einschlägigen Hilfeseiten im Internet.

Möchten Sie sehen, was Sie bisher geschrieben haben, bietet Gedit ganz rechts in der LaTeX-Werkzeugleiste einen Schalter an, mit dem Sie den LaTeX-Quelltext in ein PDF-, PS- und DVI-Dokument umwandeln oder als Grafik exportieren.

Sollte sich ein Fehler eingeschlichen haben, markieren Sie die fehlerhafte Textpassage in Evince, dem Gnome-eigenen PS- und PDF-Betrachter, und drücken im Anschluss im Gedit-Fenster [Strg]+[Umschalt]+[Q]. Das Plugin ist dabei so intelligent, dass es selbst Sonderzeichen findet – jedoch keine mathematischen Symbole.

Das Feature scheint jedoch nicht ohne Grund als experimentell gekennzeichnet: Beim Testlauf auf einem Rechner in der Redaktion unter Ubuntu "Egdy Eft" schlug die Invers-Suche prompt fehl.

Fazit

Gedit hat sich zu einer echten Alternative auf dem Markt befindlicher Editoren gemausert. Der Artikel deckt nur einen Bruchteil dessen ab, was der Editor wirklich zu leisten vermag. Dank der fortschrittlichen Plugin-Architektur, die es erlaubt, Erweiterungen sowohl in C als auch Python zu schreiben, gibt es bereits knapp 50 Plugins. Es existieren bereits Erweiterungen [6], die Gedit in eine kleine Python-IDE verwandeln. Planungen über die zukünftige Entwicklung finden Sie auf der Gedit-Homepage [7].

Infos

[1] Informationen zu Gedit-Schnipseln: http://live.gnome.org/Gedit/Plugins/Snippets

[2] Informationen zu externen Werkzeugen: http://live.gnome.org/Gedit/ToolLauncherPlugin

[3] Gedit-plugins-Paket: http://live.gnome.org/GeditPlugins

[4] LaTeX-Plugin für Gedit: http://live.gnome.org/Gedit/LaTeXPlugin

[5] Rubber: http://www.pps.jussieu.fr/~beffara/soft/rubber/

[6] Weitere Plugins: http://www.stambouliote.de/projects/gedit_plugins.html

[7] Roadmap zu Gedit: http://live.gnome.org/Gedit/RoadMap

Tip a friend    Druckansicht beenden Bookmark and Share
Kommentare