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Take 3

01.04.2007
Dass sich mit Linux nicht nur arbeiten, sondern auch gut spielen lässt, bewies die diesjährige Take 3: Die LAN-Party konzentriert sich auf Linux-Gamer und lockte Spieler aus ganz Deutschland ins bayerische Ingolstadt.

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In Ingolstadt fand im Januar die Take 3 statt. Die LAN-Party zieht Linux-Gamer aus ganz Deutschland an und entwickelt sich allmählich zu einer festen Institution.

Die Tür öffnet sich, drei Jungs um die 10 Jahre drängen in den Saal. Sie wollen wissen, was passiert. "Kommt wieder, wenn Ihr 18 seid!" empfängt Jürgen Kulisch sie an der Tür und lacht. Die drei ziehen enttäuscht ab. Heute Abend gehört die Mehrzweckhalle den Gamern. Genauer: Der LAN-Party "Take 3", zu deren Organisatoren Kulisch gehört. Zu den weiteren Veranstaltern zählen Linux-gamers.net [1] und die Linux-User-Group Ingolstadt [2] – was stutzig macht. Doch, es geht um Linux. Genauer gesagt: Es geht – mit Ausnahmen – um Spiele, die auch unter dem freien Betriebssystem laufen.

Ort des Geschehens ist Ingolstadt, eine Mehrzweckhalle am Rande der bayerischen Stadt. Vom Fasching hängen noch bunte Lampions an den Wänden, ein Kreuz darf auch nicht fehlen. Man sieht sie vor sich, die Volksfeste der Ingolstädter. Nun stehen die Tische in langen Reihen auf dem Hallenboden, das Licht ist gedämpft. Es ist Freitagabend, 18 Uhr, ein gutes Dutzend vorwiegend junger Leute verteilen sich im Saal, sitzen vor ihren Rechnern inmitten von Schokoriegeln und Colaflaschen. 60 sollen es noch werden, sagen die Veranstalter.

Kulisch, der auf den Spitznamen "Fuß-im-Ohr" hört, erzählt von den Anfängen der Veranstaltung. LAN-Parties organisiert er schon seit sechs Jahren. Nebenbei begann sich der Elektriker für Linux-Spiele zu interessieren. Als die Spiele-Community einen Linux-LAN-Event plante, brachte er sich ein. Kulisch stammt selbst aus Ingolstadt, er kann neben seiner Erfahrung auch einen Spielort anbieten und stellt Teile des Equipments. Ein anderer Spieler besorgt Switches – für 500 Spieler, wie sich Kulisch beim Erzählen amüsiert.

Direkt am Halleneingang melden sich die Neuankömmlinge an. Dort liegen auch die Listen für die späteren Turniere. An einem Tisch daneben sitzt René Stegmaier und überwacht die schwarzen PC-Tower, auf denen die dedizierten Spieleserver laufen. Von vielen kommerziellen Spielen gibt es Linux-Ports, allerdings meist nur für die weit verbreiteten Linux-Server. Den privaten Linux-Anwender vernachlässigen die Spieleschmieden noch – sieht man von Ausnahmen wie id Software ab.

Linux verspielt

Beim Rundgang durch die Tischreihen zeigt sich aber: Auf den meisten Rechnern läuft tatsächlich Linux. Die Anwesenden spielen Warsow, True Combat: Elite, Nexuiz, aber auch Unreal Tournament 2004 und Counterstrike – letzteres über Wine. Vereinzelt bootet auch ein Windows.

Beim Thema "Killerspiele" verdrehen die meisten nur die Augen. Auch Manfred Silberstein, der mit 54 Jahren als Senior auf der Veranstaltung gelten darf. "Ich wurde schon an anderer Stelle zu dem Thema interviewt.", erzählt er. Man könne schlecht den Spielen die Schuld geben, wenn etwas in der Familie verkehrt läuft. Die Wurzeln der Gewalt lägen woanders. Sein Sohn Stefan sitzt am Computer neben ihm. Auf beiden Rechnern thront ein Pinguin aus Stoff. Silberstein mag vor allem auch die Gespräche, die nebenher laufen. Man tauscht Wissen aus über Netzwerke, Linux, Computer oder Spiele generell.

Die LAN-Party entpuppt sich auch als Treffpunkt der kleinen, aber feinen Linux-Spiele-Szene: Irgendwann taucht Steffen Pankratz auf, der die Webseite Liflg.org [3] betreibt, die Loki-Installer für Linux-Spiele anbietet. Auch Bernd Ritter – besser bekannt als Comrad – hat sich angekündigt. Er steckt hinter dem Portal Holarse.net [4]. Auch Vertreter des Veranstalters Linux-gamers.net fehlen natürlich nicht.

Draußen vor der Halle ist es kalt: Schnee liegt, gefühltes Sibirien. Die 10 Minuten Fußmarsch zum Bahnhof von Ingolstadt fühlen sich wie eine Ewigkeit an. Das ist nichts im Vergleich zu den Strecken, die andere Turnierteilnehmer zurücklegen. Manfred Silberstein und sein Sohn kommen aus Rotenburg (Wümme) in Niedersachsen. Andere trudeln gar aus Bremen ein.

Organisator Kulisch sieht darin einen Unterschied zu anderen Veranstaltungen dieser Art: Da kommen die Leute allein oder in kleinen Gruppen und verschwinden abends wieder in die umliegenden Wohngegenden. Die Linux-Gamer bleiben indes – wenn es sein muss, bis Sonntag Mittag: So lange dauert das Turnier. Auf der Bühne hinter den Vorhängen stehen Betten. Manche Spieler legen sich auch einfach ein Kissen auf die Tastatur, erzählt Manfred Silberstein. Es ist 20 Uhr. Die kleinen Jungs vom Anfang sind längst weg, liegen vielleicht schon im Bett – für die Gamer beginnt das Wochenende gerade erst.

Infos

[1] Linux-gamers.net: http://www.linux-gamers.net

[2] LUG Ingolstadt: http://www.lug-in.de

[3] "Loki installers for Linux gamers": http://liflg.org

[4] Holarse.net: http://www.holarse-linuxgaming.de

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