Nadel im Heuhaufen
Dateien finden mit Recoll
Finderlohn
Sobald der Index steht, können Sie nach Begriffen suchen. Dazu tippen Sie einfach das entsprechende Wort oder die Wörter in das Eingabefeld oberhalb der Ergebnisbox und klicken auf Search. Recoll schlägt im Index nach und präsentiert anschließend in einer Liste alle Dokumente, in denen das gesuchte Wort auftaucht (Abbildung 2). Ähnlich wie die Internetsuchmaschine Google sortiert die Software alle gefundenen Dokumente nach Relevanz im Hinblick auf die vorgegebenen Stichwörter.
Sofern die Suchmaschine dabei gut geraten hat, finden Sie direkt im obersten Eintrag genau das von Ihnen gesuchte Dokument. Ein Klick auf Edit startet ein passendes Betrachtungsprogramm. In den Einstellungen unter Preferences | Query configuration auf dem Register User Interface hinter Manage dürfen Sie die verwendeten Anwendungen anpassen.
Standardmäßig führt Recoll alle Dokumente auf, die mindestens einen der Suchbegriffe enthalten. Möchten Sie hingegen nur Ergebnisse sehen, die wirklich alle eingetippten Wörter umfassen, so wählen Sie in der Liste direkt links neben dem Eingabefeld den Punkt All terms. Komplette Phrasen setzen Sie in Anführungszeichen.
Möchten Sie die Suchanfrage etwas detaillierter steuern, finden Sie hinter Tools | Advanced Search die Eingabemaske aus Abbildung 3. Dort legen Sie Wörter fest, die nicht im Dokument auftauchen dürfen, und schränken im unteren Bereich die Suche auf bestimmte Dateiformate ein.
Trickkiste
Manchmal kommt es vor, dass Sie sich nicht mehr erinnern, wie das gesuchte Wort genau lautete. Bei der Suche nach dem Brief für das Finanzamt käme der Begriff "Geld" als Suchkriterium in Frage. Vielleicht stand in dem Brief damals aber auch der Plural "Gelder". Sofern Sie das Wörterbuch Aspell installiert haben, kümmert sich Recoll automatisch um dieses Problem. Standardmäßig fahndet es selbständig nach allen Wörtern mit gleichem Wortstamm.
Im Fall von "Geld" würden somit auch alle Dokumente gefunden, in denen die Wörter "Geldes" oder "Gelder" vorkommen. Außerdem beugt das Programm zusätzlich Verben, soweit möglich. Damit Recoll dabei die korrekte Sprache wählt, geben Sie diese in den Einstellungen unter Preferences | Query configuration auf dem Register Search parameters unter Stemming language vor.
Dort stand allerdings nach der Installation nur english zur Auswahl. Ein Blick in das Verzeichnis .recoll/xapiandb zeigte, dass sich dort ein Unterverzeichnis stem_english befindet, in dem wiederum Indexdateien liegen. Die Beispielkonfiguration zeigte, dass die Option indexstemminglanguages die entsprechenden Sprachen enthalten muss, bei denen das Programm vom Wortstamm ausgehend auch verwandte Begriffe sucht.
Bei dieser Form der Suche setzt Recoll zusätzlich zur Xapian-Engine auf die Snowball-Engine [4]. Welche Sprache die zum Erzeugen der Wortstammdaten versteht, zeigt die passende Website. Standardmäßig erzeugt die Software nur Wortstammdaten für die englische Sprache. Füllen Sie daher die besagte Option mit english german auf, um für diese beiden die entsprechenden Indexe zu erzeugen. Ein erneuter Indizierungslauf mit Recollindex erzeugt dann mit stem_german ein Unterverzeichnis auf Grundlage des deutschen Wörterbuchs.
Bei Tippfehlern im Suchbegriff läuft jede Suche jedoch ins Leere. In solch hartnäckigen Fällen hilft der "Term Explorer" weiter (Tools | Term explorer). Mit ihm durchsuchen Sie die Liste der im Index vorgehaltenen Begriffe (Wildcard und Regexp), nutzen die Wortstammsuche (Stem expansion) oder prüfen mittels Aspell Ihr Suchwort (Spelling/Phonetik).
Letzteres setzt allerdings voraus, dass neben dem Aspell-Programm auch die notwendigen Dictionaries vorliegen. So zeigte sich beispielsweise eine frische Installation von Ubuntu 6.10 trotz deutscher Sprachauswahl nicht in der Lage, diese gleich ins System zu integrieren. Hier war Nacharbeit angesagt: Erst nach Installation des Pakets aspell-de funktionierte das Feature.
Im Term Explorer stöbern Sie ähnlich wie in einem Wörterbuch: Einfach den entsprechenden Begriff eintippen und auf Expand klicken. Bei der Suche mittels Wildcards oder regulären Ausdrücken sowie bei der Wortstammsuche liefert das Programm eine Liste mit Treffern und Anzahl zurück. Ein Doppelklick auf einen Begriff übernimmt den Begriff in die Suchleiste. Etwas ungünstig wirkte sich bei diesem Test aus, dass das Fenster des Term Explorers die Leiste verdeckte, und somit nicht sofort klar war, was der Doppelklick bewirkte.
Die Funktionen Wildcard und Regexp verstehen Platzhalter, wie * oder ?. Die Arbeitsweise unterscheidet sich jedoch in einer etwas gewöhnungsbedürftigen Weise: So liefert bei Wildcard ein *ung alle Wörter, die in den untersuchten Dokumenten vorkommen und auf ung enden. Bei der Funktion Regexp erzielt der Suchbegriff [A-z]*ung ein annähernd ähnliches Ergebnis – wobei dies nicht die Begriffe berücksichtigt, die Ziffern im ersten Wortteil enthalten.
Hausverbot
Standardmäßig berücksichtigt Recoll alle Dokumente im Heimatverzeichnis des aktuellen Benutzers. Möchten Sie dieses Verhalten ändern und beispielsweise bestimmte Unterverzeichnisse von der Suche ausschließen, so bleibt derzeit nur ein manueller Eingriff in die Konfigurationsdateien. Letztere finden sich im versteckten Unterverzeichnis .recoll, wo übrigens auch der Index liegt.
Dort öffnen Sie die Datei recoll.conf mit einem Texteditor und fügen den Eintrag topdirs = hinzu, falls dieser nicht vorhanden ist. Ihm folgen, jeweils durch ein Leerzeichen getrennt, alle Verzeichnisse, die Recoll bei der Suche berücksichtigt. Unterverzeichnisse schließt die Suchmaschine dabei automatisch mit ein.



