Aufmacher

Klein, kleiner

Mac Mini gegen Sanyo 600X

01.04.2007
Seit Apples Mac Mini gelten Rechner im Taschenbuchformat als sexy und chic. Wir stellen stellen das Original und eine Alternative vor.

Wer träumt nicht von einem kleinen, leisen Rechner fürs Wohnzimmer mit perfektem Linux-Support, viel Hauptspeicher, großer Festplatte, WLAN, Bluetooth, 3D-Beschleunigung und einem schnellen Prozessor? LinuxUser hat sich zwei Rechner angeschaut, die diese Anforderungen – fast perfekt – erfüllen.

Sanyo 600X

Der Senyo 600X ist sogar noch einen Zentimeter dünner als der Mini-Mac, braucht dafür aber in der Tiefe 6 Zentimeter mehr Platz (Abbildung 1). Der kompakte Transtec-Rechner kommt wahlweise mit einem Intel-Core-Duo- oder einem Core-2-Duo-Prozessor und maximal 2 GByte Hauptspeicher. Auf der Transtec-Homepage können Sie den Rechner nach Ihren Wünschen zusammenstellen [1]. Eine dem Mac Mini vergleichbare Konfiguration mit einem schwächeren Prozessor kostet rund 800 Euro. Unser Testgerät (siehe Tabelle "Testgeräte im Überblick") besitzt eine 2 GHz schnelle Core-2-Duo-CPU und schlägt mit rund 1100 Euro zu Buche.

Abbildung 1: Der Senyo 600X ist etwas flacher als der Mac Mini, überragt den Apple-Rechner aber in der Tiefe um rund 6 cm.

Das vorinstallierte Suse Linux 10.1 arbeitet mehr schlecht als recht – die 50 Euro, die Transtec für Suse Linux aufschlägt, können Sie sich also sparen und den Rechner ohne Betriebssystem bestellen. Die Hauptschuld am schlechten Abschneiden von Suse Linux 10.1 trägt der Grafikchip 945GM von Intel, der auch mit aktuellen Distributionen noch Probleme bereitet (siehe Kasten "Grafikprobleme").

Fedora Core 6 und Ubuntu 6.10 lassen sich problemlos auf dem Senyo installieren. Von Open Suse 10.2 mussten wir die 64-Bit-Version benutzen, da bei der 32-Bit-Version der Bildschirm nach dem Laden des Kernels schwarz blieb. Laut diversen Berichten im Internet hilft es bei diesem Bug, im BIOS den USB-Legacy-Support auszuschalten – das bewirkt aber gleichzeitig, dass die USB-Tastatur und -Maus nicht mehr funktionieren. Die 64-Bit-Version von Open Suse 10.2 ließ sich problemlos installieren. Unter diesen drei Distributionen funktioniert auch der eingebaute Kartenleser ohne weiteres Zutun. Open Suse 10.2 und Fedora Core 6 hängen die Karten unter der Gerätedatei /dev/mmcblk0p1 ein, Ubuntu nach/dev/mmcdisk.

Der integrierte WLAN-Chip und das Bluetooth-Modul lassen sich unter allen getesteten Distributionen problemlos nutzen. Der Senyo 600 arbeitet sehr leise und schaltet den Lüfter während des Betriebs sogar des öfteren komplett aus. Er macht somit noch weniger Lärm als der Mac Mini. Auch unter Vollbelastung verrichtet der Senyo seinen Dienst leiser als das System von Apple. Bei Ubuntu und Fedora funktioniert Suspend-to-RAM ohne manuelle Eingriffe, unter Suse Linux schicken Sie den Rechner mit s2ram -f in den Ruhezustand.

Grafikprobleme

Sämtliche Distributionen hatte in den Tests mit dem Senyo und dem Mac Mini Probleme, über den DVI-Ausgang oder per VGA-Adapter die passende Auflösung einzustellen. Bei einem traditionellen CRT-Monitor blieb die Wiederholrate stets bei 60 Hz, unabhängig von der gewählten Auflösung.

Schlossen wir einen TFT-Monitor an, stimmten zwar Frequenz und Auflösung, allerdings stellte der X-Server letztere virtuell dar, also größer als den eigentlichen Bildschirmbereich. Auch über ein DVI-Kabel besserten sich die Probleme mit den Mini-PCs nicht. Fedora Core stellte auf dem 1280 x 1024 Display eine virtuelle Auflösung von 1600 x 1050 Bildpunkten dar, Ubuntu und Suse 1024 x 768. Änderungen an der xorg.conf-Datei brachten keine Abhilfe.

Erst nach einem Distributionsupdate ließ sich der 19-Zoll-TFT unter Fedora über den Menüpunkt System | Administration | Anzeige passend einrichten (Abbildung 1). Auch der Röhrenmonitor funktionierte dann per VGA-Adapter problemlos. Auch für Open Suse 10.2 gibt es ein X-Server-Update, das eigentlich die Probleme beheben sollte. Es brachte in den Tests jedoch nicht das gewünschte Resultat. Suse 10.2 und Ubuntu 6.10 weigerten sich beharrlich, Auflösungen über 1024 x 768 Bildpunkten darzustellen – egal ob über DVI- oder VGA-Kabel.

Testgeräte im Überblick

  Transtec Senyo 600X Mac Mini
 
Prozessor Intel Core 2 Duo (T7200), 2 GHz Intel Core Duo (1400), 1,8 GHz
Hauptspeicher 1 GByte (2 GByte max.) 1 GByte (2 GByte max.)
Festplatte FUJITSU MHV2080B,80 GByte Seagate ST98823AS, 80 GByte
DVD-Brenner MATSHITA DVD-RAM UJ-845S MATSHITA DVD-R UJ-846
Grafik Intel 945GM (shared memory) Intel 945GM (shared memory)
Audio Intel ICH7 Intel ICH7
Netzwerkkarte Intel 82573E (Gigabit) Marvell 88E8053 PCI-E (Gigabit)
WLAN Intel 3945 Atheros
Besonderes Cardreader (SD,MS,MMC), Bluetooth Bluetooth, Infrarot Fernbedienung
Schnittstellen 4 x USB 2.0, 1 x Firewire 1394a Mini, S-Video-Out 4 x USB 2.0, 1 x Firewire 1394a
Abmessungen 22,6 x 17,2 x 4,2 cm 16,5 x 16,5 x 5,3 cm
Gewicht 1,5 kg 1,3 kg
Preis (ca.) 1100 Euro 900 Euro

Mac Mini

Für die Installation von Linux auf Intel-Mac-Rechnern gibt es im Netz sehr viele Howtos. Wir gehen hier deshalb nur auf einige zentrale Punkte ein.

Am besten für den Mac-Support vorbereitet ist zurzeit Fedora Core 6: Es bringt sämtliche Bordmittel für eine Parallelinstallation mit. Am meisten Probleme gab es mit Open Suse 10.2 (siehe Kasten "Suse macht Probleme").

Möchten Sie Mac OS X überhaupt nicht nutzen, können Sie jede aktuelle Linux-Distribution ganz normal installieren. Dazu halten Sie beim Booten des Mac Minis [C] gedrückt und führen dann die Installation wie gewohnt durch. Achten Sie darauf, den Bootloader in den MBR zu installieren. Möchten Sie aber Mac OS X behalten, gibt es drei Aufgaben zu bewältigen:

  • Sie müssen die Mac-Partition im Format HFS+ verkleinern.
  • Mac OS X speichert die Partitionstabelle im neuen GUID-Partition-Table-Format (GPT). Linux benutzt in der Standardeinstellung das traditionelle MBR-Format. Sind beide Tabellen nicht synchron, klappt der Bootvorgang nicht.
  • Sie müssen einen Bootloader installieren.

Seit Version 10.4.6 bringt das Apple-Betriebssystem sämtliche Tools mit, um Linux parallel zu Mac OS X zu installieren. Bootcamp [2] benötigen Sie nur, wenn Sie die Verkleinerung der Mac-Partition nicht von Hand vornehmen möchten. Wie Sie eine HFS+-Partition mit Linux-Bordmitteln verkleinern und sich den 150 MByte großen Bootcamp-Download ersparen, erklärt der Kasten "Parted kann's".

Als Bootmanager verwenden Sie entweder Refit [3] oder den Bootmanager von Mac-OS. Wir empfehlen Refit, da Sie damit beim Booten automatisch die Wahl zwischen Linux und Mac OS bekommen, ohne dass Sie dazu [Alt] drücken müssen. Zudem zeigt Refit Linux-Systeme mit einem Pinguin-Symbol an – der Mac-Bootloader benutzt dazu ein Festplattensymbol mit Windows-Logo. Über die Refit-Installation kommt zudem automatisch gptsync auf Ihren Rechner. Sie benötigen das Programm, um MBR- und GPT-Partitionstabelle synchron zu halten.

Den Bootloader installieren Sie beim parallelen Einsatz von Mac OS X und Linux in die Root-Partition des Linux-Systems. Eine Installation in den Master Boot Record ist auch möglich, aber nicht notwendig. Entgegen zahlreichen Vorschlägen im Internet brauchen Sie nicht zwangsläufig Lilo als Bootmanager einzurichten: Grub verrichtet seine Dienste ebenso.

Parted kann's

Das Linux-Partitionierungswerkzeug parted verkleinert Mac-Partitionen problemlos, sofern die HFS+-Partition kein Journal benutzt. Um das Journaling vorübergehend auszuschalten, öffnen Sie unter Mac OS X eine Konsole und geben folgenden Befehl ein:

sudo diskutil disableJournal /Volumes/<I>Platte<I>

Den Platzhalter Platte ersetzen Sie dabei durch den Namen des Mac-Volumes (in der Regel Macintosh HD). Auf aktuellen Mac-Rechnern führt der Befehl eventuell zu einer Fehlermeldung. Sie müssen dann das Journaling zunächst mit sudo diskutil enableJournal /Volumes/Platte aktivieren, um es nachher mit dem erwähnten Befehl wieder auszuschalten.

Nach dem Reboot starten Sie die Linux-Installation mit gedrückter [C]-Taste (CD-Boot) und wechseln nach dem Start des Installationsprogramms auf eine Konsole (in der Regel über [Alt]+[F2]). Hier rufen Sie parted /dev/sda auf und geben dann den Befehl print ein, um sich die Partitionstabelle anzeigen zu lassen. Die Ausgabe sieht auf einem Mac Mini mit einer 80-GByte-Festplatte wie folgt aus:

Number  Start   End     Size    File system  Name     Flags
 1      20.5kB  210MB   210MB   fat32        primary  boot
 2      210MB   80.0GB  79.8GB  hfs+         primary

Um die 79,8 GByte große Partition 2 auf 40 GByte zu verkleinern, geben Sie den Befehl resize 2 210MB 40GB ein. Der Vorgang dauert nur wenige Minuten. Nach dem Verkleinern verlassen Sie Parted mit quit und kehren zum Installationsprogramm zurück. Alternativ können Sie diesen Schritt auch von einer Live-CD aus vornehmen. Unter Fedora Core rufen Sie dazu im Partitionierungsprogramm den Menüpunkt Rücksetzen auf.

Bei Ubuntu starten Sie den grafischen Installer erst nachdem Sie die Mac-Partition verkleinert haben. Bei anderen Linux-Distributionen müssen Sie die Installation neu starten, damit das Installationsprogramm den freien Platz sieht. Nach der Verkleinerung legen Sie die für Linux benötigten Partitionen an. In den Tests benutzten wir dazu eine Swap- und eine Root-Partition. Es lassen sich aber problemlos auch mehrere Linux-Distributionen parallel einrichten.

Nach der Partitionierung müssen Sie unbedingt die MBR-Tabelle mit der GPT-Tabelle synchronisieren. Dazu rufen Sie gptsync /dev/sda auf. Diesen Befehl bietet allerdings nur der Installer von Fedora Core 6 an. Benutzer von Ubuntu 6.10 finden gptsync im Paket refit aus dem Repository universe. In den Tests ließ sich das Paket allerdings nicht über apt-get installieren, wir mussten es von Hand herunterladen.

Ohne gptsync-Aufruf findet der Bootloader die passenden Partitionen nicht, weshalb es bei der Installation des Bootmanagers zwingend zu einer Fehlermeldung kommt. Als Workaround installieren Sie dann Refit unter Mac OS und rufen gptsync über das Boot-Menü von Refit auf.

Suse macht Probleme

Bei der Installation von Open Suse auf dem Mac Mini kommt es beim ersten Neustart zu Problemen. Sie müssen dann über den Refit-Bootloader zunächst die Partitionstabellen synchronisieren. Open Suse bootet dann zwar noch immer nicht, aber immerhin zeigt Refit die Suse-Partition als Legacy OS an (ohne Pinguin-Logo). Das bedeutet, dass zwar ein System installiert ist, aber ohne Bootloader.

Starten Sie in diesem Fall das Rettungssystem von der Suse-DVD aus und geben Sie den Befehl fdisk -l ein. Zeigt dieser nur eine Partition an, müssen Sie nochmals neu booten und über Refit die Partitionstabellen synchronisieren (für Yes drücken Sie dabei [Z]). Zeigt der Befehl die Linux-Partition nicht als Typ Linux an, starten Sie fdisk /dev/sda und ändern den Typ über t und Angabe der Partitionsnummer zur ID83.

Starten Sie danach das Rettungssystem erneut und hängen Sie die Root-Partition ins Verzeichnis /mnt ein. Jetzt können Sie den Bootloader Grub über den Befehl grub --root-directory=/mnt /dev/sda einrichten. Hat alles geklappt, sehen Sie nun das Festplattensymbol mit dem Pinguin-Logo, Suse bootet. Achten Sie darauf, nach dem Ändern des Partitionstyps gptsync nicht mehr aufzurufen, da das Tool den Typ sonst wieder zu Efi zurücksetzt.

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