Aufmacher

Leserbriefe

01.04.2007

NDAs pro und contra

LinuxUser 03/2007, S. 5: Mit Freude lese ich gewöhnlich Ihre Editorials. Umso geschockter war ich diesmal, als Sie offen das Angebot einiger Linux-Entwickler begrüßten, NDAs (Non-Diclosure-Agreement, Stillschweigeverpflichtung, Anm. d. Red.) von Herstellern zu unterschreiben, um im Gegenzug an die nötigen Informationen zur Entwicklung von Linux-Treibern zu gelangen.

Ist es möglich, dass ein kritischer Journalist derart – verzeihen Sie – kurzsichtig mit der Masse jubelt, ohne auch nur einen Gedanken an die Konsequenzen zu denken (und die Leser darüber zu informieren)? Einem 08/15-User mag man diese Naivität nachsehen – Ihre Aufgabe wäre es hingegen, Populärargumentationen dieser Art entgegenzuwirken und durch Sachkenntnis offen und neutral aufzuklären.

Das Unterzeichnen von Non-Disclosure-Agreements ist für jegliche Art freier Software fatal. Dies aus zwei Gründen:

  • Es schadet der Codequalität und -Entwicklung, denn um NDA-Code offen legen zu können, muss dieser entweder durch "Magic Numbers" oder durch andere obskure Massnahmen unleserlich gemacht werden (daran ändert auch das anderslautende FAQ von Greg Kroah-Hartman nichts). Eine offene Dokumentation des Codes wird durch ein NDA ebenfalls verunmöglicht und jedem zukünftigen Entwickler wird es ungeheuerlich erschwert werden, Bugs zu fixen oder Erweiterungen vorzunehmen. Es fehlt schlicht der leserliche Code und die Dokumentation – Reverse Engineering von GPL-Code ist dann der Ausweg! Pervers, aber wahr (und durch vergangene Vorkommnisse belegbar).
  • Der Druck auf die Hersteller durch andere freie Projekte wie OpenBSD, Hardware-Dokumentation offenzulegen, wird völlig unterminiert – das schadet allen, auch Linux. Durch das Angebot von Greg Kroah-Hartman haben Hersteller nun die perfekte Ausrede, keine offene Programmierdokumentation mehr ausliefern zu müssen, und sich trotzdem mit dem Label "Open" brüsten zu können.
  • Durch NDAs bekommt Linux kurzfristig vielleicht mehr Treiber. Langfristig ist es ein Schuss ins eigene Knie, denn immer weniger Dokumentation – das Lebenselixier der Treiberschreiber – wird veröffentlicht werden.

Es geht hier nicht um BSD-Fundamentalismus versus Linux-Pragmatismus, sondern um die klare Darlegung der Sachlage. NDAs nutzen niemandem, nicht einmal den Herstellern, dieser Meinung ist übrigens auch Torvalds. Die Ausrede des "Intellectual Property" bleibt ebenfalls nur eine solche – die Taiwanesen legen fast alle ihre "geheimen" Dokus offen und fahren damit recht gut.

Es wäre schön, wenn einige Leser und auch Sie die Freiheit nicht mit tosendem Applaus untergehen liessen und statt dessen lieber auf den Treiber der Super-Webcam XY vom Media-Markt verzichteten. Stephan A. Rickauer

LinuxUser: Wir drucken diesen Kommentar hier ungekürzt ab, um auch dem Standpunkt der Gegner von Greg Kroah-Hartmans Angebot Platz einzuräumen. Die von Stefan Rickauer zitierte FAQ zum Angebot finden Sie unter http://www.kroah.com/log/linux/free_drivers_faq.html. Sie behandelt nach Meinung der Redaktion ebenso eingehend wie zufriedenstellend alle Fragen und Vorwürfe, die der Autor der Zuschrift hier zur Sprache bringt.

Dass es hier nicht um Fundamentalismus versus Pragmatismus ginge, das wollen wir allerdings nicht unkommentiert stehen lassen – denn genau darum geht es. Offenbar reichen inzwischen GPL-Treiber alleine nicht mehr aus, es müssen jetzt schon ideologisch korrekte GPL-Treiber sein. Was zählt ist, was hinten rauskommt, sagt ein beliebtes Bonmot. Wir meinen: Wenn hinten GPL rauskommt, ist alles in bester Ordnung. (jlu)

Ärger mit USB-Festplatte

LinuxUser 03/2007, S. 10: Ich habe, wie Ralf Kittkowske, eine externe Festplatte, die ich via USB (und auch Firewire) anschließen kann. Ich nutze OpenSuse 10.2 und ziehe die Datensicherungsdatei auf die Festplatte. Via Automount werden pro Minute zirka 15 MByte übertragen. Mounte ich die Platte aber von Hand, dann liegt der Durchsatz bei etwa 1,2 GByte pro Minute. Auch unter Windows XP ist die Platte so schnell, wie beim händischen Einhängen unter Linux. Wolfgang Zenner

LinuxUser: Die Lösung Ihres Problems ist seit Suse 10.1 ziemlich einfach: Klicken Sie im Arbeitsplatz mit der rechten Maustaste auf das USB-Laufwerk und wählen Sie Eigenschaften | Mount-Vorgang. Im neuen Dialog entfernen Sie die Markierungen vor Synchron und vor Aktualisierung der Zugriffszeiten.

Mit diesen Einstellungen arbeitet die Platte beim nächsten Anschließen genauso schnell, als hätten Sie sie von Hand gemountet. Allerdings sollten Sie dann vor dem Entfernen einmal sync aufrufen oder den Menüpunkt Sicher entfernen auswählen, da es sonst zu Datenverlust kommen kann. (mhi)

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