Hilfreich winken

Bildschirmaktionen aufnehmen mit dem Screencapture-Programm Wink

Manch einer kennt die Situation: Ein guter Bekannter ruft Sie als vermeintlichen Computer-Guru spät in der Nacht an, weil das Bedienen einer Software seines Erachtens nach fehl schlägt. Mit dem Screencapture-Programm Wink [1] helfen Sie diesem Zeitgenossen im Handumdrehen mit einem kleinen Film auf die Sprünge: Darin führen Sie genau die Mausbewegungen und Klicks vor, die der verzweifelte Anrufer wahrscheinlich schon seit Stunden sucht.

Der Trick liegt darin, das Sie während der entscheidenden Situationen den Bildschirm einfach abfotografieren, eventuell erklärende Hinweise mit einfügen und das kleine Tutorial in sekundenschnelle per Mausklick zu einer Flash-Animation rendern. Jeder Browser mit entsprechendem Plugin zeigt das Ergebnis an. Doch vor dem Erstellen Ihrer ersten Präsentationen, steht natürlich die Installation der neuen Software.

Erste Schritte

Wink für Linux hinkt mit der Version 1.5 [2] etwas hinter der aktuellen Entwicklung hinterher: Die neue Version 2.0 steht derzeit nur für die Windows-Plattform zur Verfügung. Die Seite bietet zwei verschiedene Server zum Download des Programmes an. Alternativ nutzen Sie die Version von der Heft-CD. Das Programm setzt voraus, dass Gtk 2.4 oder höher auf Ihrem Rechner installiert ist. Im 2,8 MByte großen Tarball wink15.tar.gz verbirgt ein weiteres komprimiertes Tar-Archiv sowie ein Shellskript, welche Sie beide mittels tar xzvf wink15.tar.gz aus dem Paket befördern.

Starten Sie das Shellscript mittels ./installer.sh in einem Terminal. Der Installer fragt lediglich, wohin sie das Programm installieren wollen. Voreingestellt ist /home/Benutzername/wink/. Das Skript legt keine Links auf den Desktop oder nach /usr/bin/ an. Dies erfordert etwas Nacharbeit vom Anwender.

Das Archiv enthält auch keinen Quelltext der Software. Das Programm zählt zwar zur Freeware, steht aber nicht unter einer echten freien Lizenz, wie beispielsweise der GPL. Selbst ein Weiterverteilen von anderen Servern aus oder sonstiges Feilbieten der Software, kommerziell oder nicht kommerziell, erfordert das Einverständnis des Autors Satish Kumar.

Ist das Programm erfolgreich installiert, rufen sie die Software einfach über einen Klick auf die binäre Datei wink im gleichnamigen Ordner auf, oder Sie wechseln per Konsole in den Wink-Ordner und starten das Programm mit dem Aufruf ./wink an der Kommandozeile. Das Programm unterstützt eine deutschsprachige Oberfläche. Um diese einzustellen, wählen Sie File | Choose Language | German aus. Das Umstellen erfordert allerdings einen Neustart der Software.

Alle Grundeinstellungen reichen für einen ersten Test aus. Ihnen bleibt nur noch die Aufgabe: Wechseln Sie in die Voreinstellungen, die Sie über [F4] erreichen. Dort tragen Sie unter dem etwas verwirrenden Namen Externer HTML Editor Ihren Standardbrowser ein. Beachten Sie aber, dass dieser Browser über das Flashplugin verfügen muss.

Um nun einen Eindruck davon zu gewinnen, wie das Programm eigentlich arbeitet, starten Sie über das Menü Hilfe | Tutorial Projekt 1 eine Flashanimation, die zum einen erste Bedienungsschritte in Wink erklärt. Auch diese stammt aus eben diesem Programm (Abbildung 1). Leider enthält dieses sehr anschauliche Tutorial lediglich englische Kommentare und Menüeinträge. Dass außerdem die Windows-Variante in der Demo zum Einsatz kommt, beeinträchtigt aufgrund der geringen Programmabweichungen die ansonsten gelungene Einführung jedoch nicht.

Abbildung 1

Abbildung 1: Ein mit Wink erstelltes Tutorial führt Sie durch die ersten Schritte mit dem Programm.

Starten Sie das Tutorial zum ersten Mal, dann generiert das Programm aus den Ausgangsdaten das Flashfilmchen. Eine entsprechende Nachfrage bejahen Sie einfach. Gelingt das Umwandeln startet die Software den von Ihnen konfigurierten Browser und zeigt die Animation an. Im Test war dazu erst das nachladen des Flashplugins notwendig.

Erste Präsentation

Für eine eigene Präsentation erstellen Sie zunächst mit Datei | Neu ein neues Projekt, worauf das eigentliche Programmfenster von Wink verschwindet, und ein kleinerer Dialog erscheint (Abbildung 2). Hier bestimmen Sie zuerst die Größe des aufzuzeichnenden Bildschirmausschnittes. Wollen Sie ausschließlich Aktionen in einem bestimmten Programmfenster aufzeichnen, so wählen Sie Fenster und klicken auf Wählen. Das anvisierte Fenster erhält einen transparenten Rahmen (Abbildung 3).

Abbildung 2

Abbildung 2: Der aufzuzeichnende Bildschirmausschnitt ist in Wink frei wählbar.

Abbildung 3

Abbildung 3: Ein transparenter Rahmen bestimmt den aufzuzeichnenden Bereich oder das Fenster.

Der nächste Dialog klärt lediglich über die Tastenkürzel zum Erstellen der Screenshots auf. So schießt [Pause] einzelne Bildschirmfotos, wogegen die Kombination [Umschalt]+[Pause] die Screenshots-Serie startet und beendet. Klicken Sie auf den Button Minimieren, so zieht sich Wink in die Kontrolleiste zurück. Fangen Sie über [Pause] mit einem Screenshot an, Ihre erste kleine Präsentation zu erstellen.

Es lohnt sich, für eine akustische Rückmeldung in den Voreinstellungen eine Klangdatei unter Audiosignal einzutragen. Bewegen Sie die Maus auf ihr Zielobjekt und drücken Sie wieder [Pause] für einen weiteren Screenshot. Klicken Sie auf das gewünschte Element, ein Menü oder ein anderes GUI-Element, und erstellen Sie wieder einen Screenshot. So fotografieren Sie den gesamten Vorgang bis zum Ende an den jeweils aktiven Stellen.

Die Mausbewegung selbst brauchen Sie nicht Schritt für Schritt festzuhalten. Weisen Sie Wink über [Umschalt+Pause] an, Bildschirmfotos in Intervallen zu schießen, überlegen Sie vorher, welche Schritte Sie für Ihre Anleitung benötigen. Je mehr Screenshots die Präsentation enthält, desto schleppender geht nachher das Bearbeiten.

Erste Probleme

Wirklich befriedigend fielen die Ergebnisse bei beiden Aufzeichnungsmethoden im Test aber nicht aus. So ließ sich das Programm nicht dazu überreden, Screenshots von Menüs zu speichern – egal, ob das K-Menü aufgeklappt oder ein Programmenü im Fokus lag. Der Entwickler behauptet in seinem Readme, dass der jeweilige Windowmanager zu diesem Zeitpunkt die Gewalt über die Tastaturkürzel hat. Programme, wie KSnapshot, beeindruckt das allerdings wenig.

Als vorübergehenden Workaround empfiehlt der Entwickler zum Aufzeichnen einer Menüaktion die zeitgesteuerte Capture-Methode. Stellen Sie hierfür die Frames pro Sekunde im ersten Dialog aber auf einen möglichst niedrigen Wert. Zwei oder drei Frames pro Sekunde sind völlig ausreichend (der Default liegt bei vier Frames). Mehr erzeugen lediglich mehr zu bearbeitende Einzelscreenshots.

Ausschließlich mit der zeitgesteuerten Methode zu arbeiten ist allerdings auch kein empfehlenswerter Weg. Verrutscht die Maus einmal oder benötigt ein gewähltes Programm durch die von Wink erhöhte Systemlast einmal etwas länger zum Starten, drückt sich das stets in einer Menge unnützer Screenshots aus.

Sie beenden das Erstellen der Frames über das Symbol in der Kontrolleiste, worauf sich nach einigen Sekunden das Wink-Fenster wieder meldet und die Bilder in einer Laufleiste darstellt, ähnlich einem Videobearbeitungsprogramm.

Nacharbeiten

Das Nachbearbeiten der Präsentationsshow funktioniert kinderleicht per Drag & Drop: In der rechten Programmfensterseite stehen dazu einige Funktionen bereit, die Sie jeweils über eine Checkbox aktivieren, um sie anschließend im jeweiligen Frame frei zu platzieren. Über ein Eingabefeld stellen Sie die Verweildauer auf dem aktiven Screenshot in Millisekunden ein. So räumen Sie dem Betrachter die Chance ein, beispielsweise ein erklärendes Textfeld zu lesen.

Um ein Textfeld einzufügen, aktivieren Sie die Checkbox vor Textfeld und wählen über das Sprechblasensymbol die Form des Rahmens aus. Die Angebote reichen von bürotypischen PostIt-Zettelchen bis hin zu den aus Cartoons bekannten Gedankenblasen. Ebenso leicht fügen sie Buttons ein, mit denen der Betrachter im fertigen Film zu den entsprechenden Frames springt (Abbildung 4).

Abbildung 4

Abbildung 4: Sehr intuitiv gestaltet sich das Einfügen von Textboxen und Schaltern.

Über das Kontextmenü fügen Sie duplizierte oder neue Frames ein und löschen Bilder aus der Reihe. Sie dürfen jedem Frame einen beliebigen Hintergrund hinzufügen, welcher entweder aus einem Bild oder einer frei definierbaren Farbe besteht. Der Übersichtlichkeit halber versieht Wink jede Bildvorschau mit kleinen Symbolen, die zeigen, ob Sie dem jeweiligen Frame bereits Einstellungen zu Schaltern, Zeit oder Textfeldern zugewiesen haben.

Nach Abschluss aller Nacharbeiten, geht es ans Rendern: Per Default schreibt die Software das Projekt in eine Flashdatei. Auf Wunsch erzeugt Sie ein Windows-Executable, auf welches der Empfänger auf der entsprechenden Plattform nur noch doppelklicken muss, um die Animation zu starten. Haben Sie über die gesamte Bildschirmgröße aufgezeichnet, verkleinern Sie die Frames am bestens etwas. Das geht über Projekt | Frame Größe wählen auf ein vernünftiges Maß. Ein zu starkes Komprimieren senkt die optische Qualität des Ergebnisses allerdings deutlich ab.

Zum abschließenden Rendern klicken Sie auf den grünen Pfeil in der Werkzeugleiste oder drücken [F7]. Geben Sie der SWF-Datei einen Namen, und bestimmen Sie die zu erstellenden Frames pro Sekunde sowie den Fluss des Mauszeigers. Einstellungen für eine hohe Darstellungsqualität produzieren natürlich eine entsprechend große Ausgabedatei.

Über das Icon mit der kleinen Weltkugel und dem Fernglas oder wahlweise [F8] zeigt startet das Programm den Browser mit der Shockwave-Datei eingebettet in eine HTML-Seite. Das nötige Playermenü mit Start/Stop/Pause-Tasten und einem Fortschrittsbalken integriert das Programm selbstständig. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, ein Projekt in die Formate PDF, HTML (mit verschiedenen Grafikformaten) und PostScript zu exportieren. Hierbei lagert Wink die einzelnen Projektseiten jeweils als Bild in das entsprechende Ausgabeformat ein.

Fazit

Die Grundidee und die einfache Bedienung der Software gefallen durchaus, wenn der entscheidende Knackpunkt, nämlich das Aufzeichnen der Mausbewegungen, dieses Bild nicht trüben würde. Dass Aktionen mit aufgeklappten Menüs durch Wink ausschliesslich über die zeitgesteuerte Methode speicherbar, macht das Programm um einiges umständlicher.

Lobenswert sind die übersichtlichen und intuitiv anwendbaren Funktionen zum Nachbearbeiten. So bleibt zu hoffen, dass die Entwickler die nächste Version der Software nicht nur von Windows portieren, sondern auch die nötigen Anpassungen an die neue Plattform vornehmen.

Infos

[1] http://www.debugmode.com/wink/

[2] http://www.debugmode.com/wink/download.php

[3] Oliver Frommel: Desktop Recorders; Linux Magazine, 09/2006, S.50 f.

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