Aufmacher

Editoren für die Shell

Maximal minimalistisch

Weniger ist oft mehr – auch auf der Kommandozeile: Mit schlanken Textmode-Editoren wie Nano, Joe oder Ee kommen auch Einsteiger und Mausschubser bestens zurecht.

Texteditoren gibt es unter Linux wie Sand am Meer. Die beiden großen Desktopumgebungen KDE und Gnome bringen ihre eigenen grafischen Pendants mit, die mit der Maus bedient werden und viele Funktionen über entsprechende Menüs anbieten. Was aber tun, wenn die grafische Umgebung streikt oder Sie auf einer entfernten Maschine per SSH arbeiten müssen? Hier leisten die klassischen Textmodus-Editoren auf der Kommandozeile gute Dienste, die sich über die Tastatur steuern lassen. Viele Anwender greifen zu einem der beiden "großen" Editoren, Vi(m) [1] oder (X)Emacs [2]. Wenn es dagegen schlanker mag, greift zu Programmen wie Nano, Joe oder Ee.

Unter Linux richten zahlreiche Umgebungsvariablen des Arbeitsumgebung des Benutzers ein. Einen Standardeditor, den zahlreiche Programme automatisch starten, wenn es etwas zu bearbeiten gibt, definieren Sie über die Variable $EDITOR. Für die gerade geöffnete Shell setzen Sie diese über den Befehl export EDITOR=nano. Um die Einstellung dauerhaft zu machen, schreiben Sie das Kommando in die Bash-Konfigurationsdatei ~/.bashrc.

Klein und flink – Nano

Bei Nano ("Nano's ANOther editor", [3]) handelt es sich um einen freien Pico-Klon, der 1999 von Chris Allegretta entwickelt wurde. Nano ahmt Look & Feel des Vorgängers nach und bietet darüber hinaus einige zusätzliche Features. Alle gängigen Linux-Distributionen bringen Nano mit; unter Debian GNU/Linux ersetzt der Editor den Vorgänger Pico, der aus lizenzrechtlichen Gründen nicht Bestandteil dieser Distribution ist.

Um eine neue Datei zu erstellen, rufen Sie den Editor über den Befehl nano auf. Alternativ hängen Sie direkt einen Dateinamen an, um das entsprechende File gleich zu laden. Möchten Sie direkt beim Start des Editors zu einer bestimmten Zeilennummer springen, geben Sie diese beim Aufruf mit an:

nano +10 datei.txt

Am oberen Bildschirmrand gibt Nano den Namen der gerade bearbeiteten Datei an, im unteren Fensterbereich blendet er die wichtigsten Kommandos zur Bedienung ein (Abbildung 1). Das Caret-Zeichen (^) steht dabei für die Taste [Strg]; so blendet die Tastenkombination [Strg]+[G] beispielsweise die Hilfe ein. Einige Funktionen erreichen Sie über die so genannte Meta-Taste (in der Hilfe als M- dargestellt). Je nach Tastatureinstellung handelt es sich dabei entweder um [Esc] oder um [Alt].

Abbildung 1: Nano mit der geöffneten Konfigurationsdatei /etc/nanorc. Am unteren Fensterrand blendet der Editor die wichtigsten Befehlskürzel ein.

Neben der gut verständlichen deutschsprachigen Onlinehilfe bietet die Manpage weitere Informationen und zeigt beispielsweise, wie Sie das Verhalten von Nano beim Programmstart über Aufrufparameter beeinflussen. Die Tabelle "Aufrufparameter für Nano" zeigt eine Übersicht der wichtigsten Optionen. Alternativ konfigurieren Sie das Verhalten des Texteditors über entsprechende Konfigurationsdateien: Systemweit (für alle Benutzer) richten Sie Nano über die Datei /etc/nanorc ein. Um persönliche Anpassungen vorzunehmen, kopieren Sie diese Datei als Vorlage in Ihr Home-Verzeichnis:

cp /etc/nanorc ~/.nanorc

Aufrufparameter für Nano

nano -V (--version) Zeigt die Versionsnummer des Texteditors an.
nano -h (--help) Zeigt die Aufrufparameter an.
nano -B (--backup) Erstellt automatisch Sicherungskopien; diese Backups haben eine Tilde (~) an den Dateinamen angehängt.
nano -H (--historylog) Legt eine Datei namens ~/.nano_history an, in der sämtliche Begriffe landen, nach denen Sie gesucht haben. Da dieses sitzungsübergreifend funktioniert, können Sie auch nach alten Suchworten fahnden: Drücken Sie dazu [Strg]+[W] und dann [Pfeil oben] oder [Pfeil unten], um in der History zu blättern.
nano -I (--ignorercfiles) Ignoriert für diese Sitzung die systemweite und persönliche Konfigurationsdatei.
nano -s Programm (--speller=Programm) Definiert das Tool, das die Rechtschreibprüfung übernimmt, z. B. nano -s "ispell -x -T latin1" datei.txt.
nano -v (--view) Öffnet Datei im reinen Lesemodus.
nano -x (--nohelp) Blendet die Hilfe am unteren Bildschirmrand aus.

Die Einträge in der Konfigurationsdatei fallen weitgehend selbsterklärend aus und sind auch ausführlich kommentiert. In der Datei stellen Sie unter anderem ein, ob ein automatisches Einrücken erfolgen soll (set autoindent), ob der Editor automatisch Sicherungskopien von Dateien anlegt (set backup), welches Tool zur Rechtschreibprüfung herangezogen wird (set speller Programm) und vieles mehr. Auch für Syntax-Highlighting finden sich auskommentierte Einträge in der Konfigurationsdatei – die mitgelieferten Beispiele für C-Programme, HTML- und TeX-Dateien lassen sich leicht nachzuvollziehen, sodass Sie auch für andere Dateiformate schnell eine farbliche Hervorhebung einrichten.

Cotton-Eyed Joe

Joe [5] ist ein weiterer schlanker und leicht zu bedienender Texteditor. Der Name ist ein Akronym und steht für "Joe's Own Editor" – nach dem Entwickler Joseph Allen. Auch dieses Programm bringen alle gängigen Linux-Distributionen bereits mit. Sie starten den Texteditor mit oder ohne Angabe eines Dateinamens über das gleichnamige Kommando joe. Wie bei Nano gezeigt, springen Sie mit der Angabe +Zeilennummer direkt eine Zeile an:

joe +30 datei.txt

Am oberen Fensterrand sehen Sie den Dateinamen sowie Angaben dazu, wo sich der Cursor befindet. Sobald Sie eine Datei verändert haben, erscheint hinter dem Namen der Zusatz (Modified). Weiterhin sehen Sie in dieser Zeile den Hinweis, dass Sie über die Tastenkombination [Strg]+[K],[H] (auch hier steht das Caret für [Strg]) die Onlinehilfe einblenden.

Abbildung 2: Bei Angabe des Aufrufparameters -help startet Joe mit geöffnetem Hilfe-Bereich. PC-Senioren fühlen sich unwillkürlich an die DOS-Textverarbeitung WordStar erinnert.

Über entsprechende Konfigurationsdateien passen Sie Joe gezielt an Ihre Bedürfnisse an. Für alle Benutzer richten Sie die systemweite Datei /etc/joe/joerc ein, die Sie wiederum als Vorlage für eine persönliche Konfiguration heranziehen können:

cp /etc/joe/joerc ~/.joerc

Die Syntax der Einrichtungsdatei fällt etwas gewöhnungsbedürftig aus: Ein Kommentarzeichen (wie die Raute) gibt es nicht – um eine Funktion zu aktivieren, entfernen Sie das Leerzeichen am Zeilenanfang. Soll Joe etwa bei jedem Programmstart automatisch die Hilfe einblenden, entfernen Sie das Leerzeichen vor dem Eintrag -help. Möchten Sie standardmäßig keine Sicherungskopien, entfernen Sie den Leerschritt vor -nobackups und so fort. Parameter, die den Start des Editors beeinflussen, finden Sie in der Übersicht in der Tabelle "Aufrufparameter für Joe".

Aufrufparameter für Joe

joe -help Blendet die Onlinehilfe am oberen Bildschirmrand automatisch ein.
joe -nonotice Blendet die Lizenzinformationen am unteren Rand aus.
joe -nosta Blendet die Statuszeile am oberen Fensterrands aus.
joe -nobackups Schaltet die automatischen Sicherungskopien aus.
joe -overwrite Aktiviert den Überschreibmodus

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