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Dockapps erweitern die Funktion von XFCE

01.03.2007
Auf PCs mit wenig Hauptspeicher machen KDE oder Gnome keinen Spaß. Statt einen neuen Rechner anzuschaffen, kann man auch nach bester Unix-Manier seine Arbeitsumgebung selbst zusammenstellen.

Auf der Suche nach dem ultimativen Desktop für seinen betagten Rechner stolpert so mancher Linux-Benutzer über XFCE. Die Arbeitsumgebung wäre eine ideale Alternative zu KDE und Gnome, aber: Sie arbeitet von Haus aus nicht mit Dockapps zusammen. Die Lösung des Problems liegt auf der Hand: Schieben Sie XFCE einfach einen dockappfähigen Fensterverwalter unter.

Neben XFCE selbst, das Sie unter den meisten Distributionen direkt über den Paketmanager einrichten, benötigen Sie einen zusätzlichen Fenstermanager für XFCE, der Dockapps beherrscht. Generell arbeitet XFCE mit allen Gnome-kompatiblen Fenstermanagern zusammen, Openbox [1] eignet sich jedoch aufgrund seiner Geschwindigkeit besonders gut. Zudem trimmten ihn die Entwickler speziell auf KDE- und Gnome-Kompatibilität – das kommt auch XFCE zugute.

Openbox entstand ursprünglich aus dem Code von Blackbox. Einige Blackbox-Themes lassen sich deshalb auch unter dem Nachfolgedesktop verwenden – viele funktionieren allerdings nur eingeschränkt, da sich die Syntax der Theme-Dateien doch stark unterscheidet.

Für den Fall, dass Ihre Distribution Openbox nicht an Bord hat, finden Sie im Kasten "Openbox installieren" eine Anleitung, um den Fenstermanager manuell einzurichten.

Openbox installieren

Seit Version 3.3 spricht Openbox auch deutsch. Die meisten Distributionen bringen Openbox allerdings nur in einer älteren, nicht lokalisierten Version mit. Die Installation aus den Quellen – Sie finden diese auf der Heft-CD – ist daher unbedingt zu empfehlen. Der übliche Dreischritt

./configure
make
sudo make install

funktioniert auf den meisten Systemen. Fehlende Bibliotheken mahnt das configure-Skript gegebenenfalls an. Falls Openbox wider Erwarten die deutsche Lokalisierung nicht findet, kopieren Sie die Datei /usr/local/share/locale/LC_MESSAGES/openbox.mo nach /usr/share/locale/LC_MESSAGES/. Beim Start aus einem Terminal bemängelt Openbox außerdem die fehlende Menüdatei. Da diese in der Zusammenarbeit mit XFCE nicht nötig ist (XFCE bringt selbst ein Menü mit), können Sie die Meldung ignorieren.

Die Abhängigkeitsliste des grafischen Tools Obconf [2] fällt etwas länger aus: Neben Openbox benötigt es die Bibliotheken libglade2 sowie libstartup-notification, beide inklusive der entsprechenden Entwicklerpakete. Ein Update auf die neueste Version 1.6 empfiehlt sich, da ältere Ausgaben teilweise noch funktionslose Buttons enthalten oder die getätigten Einstellungen nicht zu Änderungen in der Konfigurationsdatei führen.

Konfiguration

Um XFCE beizubringen, Openbox als Fenstermanager zu benutzen, ändern Sie die Konfigurationsdatei von XFCE-session. Es legt seine Standardeinstellungen in der Datei /etc/xdg/xfce4-session/xfce4-session.rc ab. Kopieren Sie diese in Ihr Home in das Verzeichnis .config/xfce4-session/ und öffnen Sie die Datei in einem Editor (siehe Listing 1).

Listing 1
# This the default session launched by xfce4-session if the
# user hasn't saved any session yet or creates a new session.
[Failsafe Session]
Count=4
Client0_Command=xfwm4
Client0_PerScreen=False
Client1_Command=xfce4-panel
Client1_PerScreen=False
Client2_Command=xfdesktop
Client2_PerScreen=False
Client3_Command=Thunar,--daemon
Client3_PerScreen=False

Die Zeile 4 zeigt an, dass XFCE beim Start vier Befehle ausführen soll. Den hauseigenen Fenstermanager xfwm4 in Zeile 5 ersetzen Sie durch openbox. Wenn Sie xfdesktop und Thunar nicht benutzen wollen, kommentieren Sie die Zeilen 9 bis 12 mit einem Kommentarzeichen ("#") aus. Allerdings müssen Sie dann in Zeile 4 die Anzahl der Startbefehle entsprechend anpassen.

Nach diesen wenigen Änderungen ist Ihr "neues" XFCE reif für den ersten Start. Zunächst präsentiert sich ein Desktop, dem man erst auf den zweiten Blick ansieht, dass Openbox darin wohnt. Das ändert sich, nachdem Sie das erste Dockapp gestartet haben: Es nimmt in der linken oberen Ecke Platz. Die Lage des Docks und die Anordnung der einzelnen Applets legen Sie in der Konfigurationsdatei ~/.config/openbox/rc.xml fest. Um das in Abbildung 1 dargestellte Resultat zu erreichen, ändern Sie die Datei wie in Listing 2 angegeben.

Abbildung 1: Dank Openbox arbeitet XFCE auch mit Dockapps zusammen (von links nach rechts: wmsmixer wmtop wmnet wmsysmon wmcube pclock wmpuzzle wmcalc wmfire).
Listing 2
<dock>
  <position>Bottom</position>
  <stacking>Top</stacking>
  <direction>Horizontal</direction>
  …
</dock>

Damit die Dockapps den XFCE-Elementen nicht in die Quere kommen, modifizieren Sie die Lage des XFCE-Panels und passen dessen Inhalt an. In Abbildung 1 sehen Sie im Panel das Startmenü, die Fensterliste, den Pager, den Systembereich und den Logout-Knopf. Nach einer Standardinstallation von XFCE zeigt das Menü des Settingsmanagers (xfce-settting-show) auch einen Eintrag Fenstermanager an, der allerdings mit Openbox keine Wirkung zeigt.

Vorsicht ist beim Anlegen neuer Arbeitsflächen geboten: Benutzen Sie dazu das XFCE-Arbeitsflächenmenü über die mittlere Maustaste, zeigt der Pager zwar die gewählte Anzahl an, aber Openbox weiß nichts von dem neuen Desktop. Da unter Openbox auch das Mausrad zum Arbeitsflächenwechsel nicht mehr funktioniert, mutiert die Benutzung des Pagers so mitunter zum Glücksspiel. Abhilfe schaffen Sie, indem Sie die Anzahl der virtuellen Arbeitsflächen in der Openbox-Konfigurationsdatei festlegen:

<desktops>
  <number>5</number>
  …
</desktops>

Zur bequemen Konfiguration von Openbox per Mausklick nutzen Sie obconf. Das Gtk2-basierte Tool hilft auch, das Theme zu ändern (Abbildung 2). Dazu listet es alle Themes aus den Verzeichnissen /usr/share/themes und ~/.themes auf, die ein Unterverzeichnis namens openbox-3 enthalten. Der Wechsel des Outfits geschieht on-the-fly ohne Neustart. Auch die Ausrichtung des Docks nehmen Sie in Obconf bequem per Maus vor.

Abbildung 2: Mit Obconf richten Sie Openbox bequem über eine GTK2-Oberfläche ein.

Sieht der Desktop so aus, wie Sie ihn gerne hätten, möchten Sie ihn natürlich auch beim nächsten Login unverändert vorfinden. Die XFCE-Sitzung zu speichern, genügt dazu nicht, da XFCE die Dockapp-Konfiguration nicht mit einliest. Über den xfce-autostart-editor können Sie aber eine *.desktop-Datei erstellen, die – aus dem Verzeichnis ~/.config/autostart aufgerufen – die Dockapps automatisch startet.

Sag mir, wo die Dockapps sind…

Die größte Auswahl an Dockapps finden Sie im Dockapp Warehouse [4] und bei Dockapps.org [5]. Hier versammeln sich die kleinen Progrämmchen für jeden Zweck. Unter Suse Linux finden Sie die Minitools im Paket WindowMaker-applets. Andere Distributionen führen für jedes Applet ein eigenes Paket, dessen Name in der Regel mit den Buchstaben wm (für WindowMaker) beginnt.

Neben vielfältigen Monitoring-Applets für Prozessorlast, Speicherverbrauch, Postfach- und Netzwerkverkehr gibt es auch Spiele. Augenärzte mögen darüber streiten, ob es gesund ist, Schach oder Tetris in einem 64 x 64 Pixel kleinen Fenster zu spielen – echte Dockapp-Entwickler schrecken selbst vor solchen Anwendungen nicht zurück. Das Dockapp wmpuzzle[6] gehört sicherlich zu den augenschonenderen Vertretern seiner Art.

Auch der Uhrenbau reizt offenbar viele Dockapp-Entwickler: Derzeit finden sich etwa 24 Uhren auf Dockapps.org. Als besonders wandlungsfähiger analoger Zeitmesser bringt pclock[7] gleich 15 verschiedene Outfits mit.

Als Netzwerkdiagnosetool erfreut sich wmnet[8] weiter Verbreitung. Praktisch jede Distribution liefert ein Binary dieses vielseitigen Netzwerkmonitors mit.

Fazit

Das Zusammenspiel von Openbox und XFCE erweist sich als probate Methode, um aus verschiedenen Open-Source-Komponenten einen neuen Desktop zusammenzustellen. Das Resultat benötigt deutlich weniger Speicher als KDE oder Gnome, lässt sich aber genauso einfach bedienen.

Glossar

Dockapps

Miniprogramme, die sich nicht auf einer Kontrolleiste einbetten, sondern direkt auf dem Desktop. Fenstermanger, die regen Gebrauch von Dockapps machen, sind zum Beispiel, Afterstep, Blackbox und Windowmaker.

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