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X auf Reisen

Schnelle Auswahl verschiedener X-Konfigurationen leicht gemacht

Das X-Start-Skript

Jetzt fehlt nur noch ein Skript zum schnellen und bequemen Aufruf der verschiedenen Bildschirmlayouts. Dazu erstellen einfach eine Datei namens xstart in ihrem Home-Verzeichnis. Der Name ist leicht zu merken; Sie sollten ihn aber nicht mit startx verwechseln. Öffnen Sie die neue Datei mit Ihrem Lieblingseditor und fügen Sie die Zeilen aus Listing 3 ein – oder laden Sie sich das Skript von der Heft-CD oder aus dem Netz [6] herunter.

Listing 3
#!/bin/bash
#
# Shell-Skript zum Starten von X
# in verschiedenen Konfigurationen.
echo
echo "Auswahl der X-Konfiguration"
echo "==========================="
echo "Default      : [Enter]"
echo "Präsentation : [p]"
echo "Splitscreen  : [s]"
echo "Abbrechen    : [q]"
echo -n "? "
read MODI
case $MODI in
        p)
        echo "Starte Modus Präsentation…";
        sleep 1;
        startx – -layout Clone
        ;;
        s)
        echo "Starte Modus Splitscreen…";
        sleep 1;
        startx – -layout Dualhead
        ;;
        q)
        exit 0
        ;;
        *)
        echo "Starte Default-Modus…";
        sleep 1;
        startx
        ;;
esac

Das Skript besteht im wesentlichen einer Ausgabe, die die verschiedenen Modi anzeigt, der Abfrage der Auswahl und einer darauf folgenden Fallunterscheidung. Mit dem Befehl echo geben Sie Text auf die Standardausgabe aus. Mit read lesen Sie die Eingabe ein. Die Fallunterscheidung case entspricht einer gestaffelten If-Konstruktion, ist jedoch wesentlich kürzer und für diesen Zweck wie gemacht.

Mit case untersuchen Sie den Inhalt der Variablen und definieren für jeden möglichen Parameter eine Aktion. Das Sternchen schließt die Liste ab und steht für alle außer den angegebenen Parametern. Jeden Fall schließen Sie mit einem doppelten Semikolon ab. Das komplette Konstrukt beenden Sie mit esac.

Im Listing stehen die Parameter p und s für die beiden Beispielkonfigurationen, die Sie zuvor in der xorg.conf festgelegt haben. Genauso verfahren Sie für weitere Modi. Hinter -layout ersetzen Sie dann jeweils den Eintrag für das von Ihnen definierte Layout. Ist das Skript komplett, kopieren Sie es als root ins Verzeichnis /usr/local/bin und machen es mit chmod +x ausführbar.

Zu guter Letzt legen Sie, falls noch nicht vorhanden, im Home-Verzeichnis die Datei .xinitrc beziehungsweise je nach Distribution eine .xsession an. In Ihr definieren Sie Ihren Standard-Windowmanager. Fügen Sie zum Beispiel zum Start von Fluxbox die Zeile exec /usr/X11R6/bin/startfluxbox ein oder für den von KDE exec /opt/kde/bin/startkde, gefolgt von einer Leerzeile. Andere Oberflächen rufen Sie analog auf. Machen den Pfad zur Startdatei mit dem Kommando which ausfindig: Also zum Beispiel which startkde für die KDE-Umgebung.

Haben Sie den letzten Schritt erfolgreich gemeistert, steht dem eigentlichen Gebrauch des neuen Skripts nichts mehr im Wege. Geben Sie den Befehl xstart ein (siehe Abbildung 3) und wählen die von Ihnen vergebene Taste. Jetzt sollte X in der von Ihnen gewünschten Konfiguration starten.

Abbildung 3: Haben Sie alles richtig gemacht, starten Sie demnächst Ihre grafischen Oberfläche über ein Skript.

Nvidia-Settings

Alternativ zum händischen Anpassen der xorg.conf ermöglicht das Tool Nvidia-settings das Einstellen der Konfiguration über ein grafisches Frontend. Mit dem im November freigegeben Treiber-Release 1.0-9629 aktualisierte der Hersteller auch das Hilfswerkzeug und erweiterte es im Funktionsumfang.

Die Gtk-basierte Software startet nach Eingabe von nvidia-settings auf der Kommandozeile. Unter X Server Display Configuration wählen Sie aus, auf welchem der erkannten Monitore der X-Server das Bild in welcher Weise ausgibt. Nach dem Wechsel in das Konfigurationsmenü sollte das zumindest den Hauptbildschirm erkannt haben.

Zusätzliche Monitore zeigt die Software nach Drücken auf Detect Displays an. Jetzt nehmen Sie alle Einstellungen vor. Mit Configure bestimmen Sie, in welchem Modus der X-Server läuft. Zur Auswahl stehen Disabled, Separate X screen und die bekannte Option TwinView (Abbildung 4). Nachdem Sie Ihre Wahl getroffen haben, legen Sie bequem in den Dropdownmenüs die Bildschirmauflösung und Position fest (Abbildung 5).

Im erweiterten Modus den Sie durch Drücken der Schaltfläche Advanced erreichen, stellen Sie unter anderem das so genannte Panning ein. Mit letzterem legen Sie eine virtuelle Bildschirmgröße fest, die zumeist kleiner als die wirkliche Auflösung ist. Damit vermeiden Sie blinde Bereiche, also solche, die nicht sichtbar und nutzbar sind. Weiterhin richten Sie im erweiterten Modus zusätzliche Metamodes ein.

Abbildung 4: Ein großer X Screen oder lieber zwei separate? Das Tool Nvidia-settings bietet beide Möglichkeiten zur Auswahl an.

Abbildung 5: Drunter oder drüber? Nvidia-settings ermöglicht schnell und einfach die Auswahl, in welcher Position das Notebook zum angeschlossenem CRT-Monitor steht.

Möchten Sie im Anschluss die zusammengestellte Konfiguration speichern, gelingt das nur, wenn Sie das Programm als root einsetzen. Als normaler User ohne Root-Rechte bleibt das Betätigen der Schaltfläche Save to X Configuration File ohne Erfolg. Hier hilft folgende Vorgehensweise: Geben Sie einen Speicherort in Ihrem Home-Verzeichnis an und kopieren Sie die neue xorg.conf mit dem Befehl cp als Superuser ins Verzeichnis /etc/X11.

Doch noch ist Nvidia-Settings nicht vollkommen ausgereift. So fehlt zur Zeit eine Pivot-Funktion, also das Drehen der Anzeigefläche. Auch eine Möglichkeit zum schnellen Umschalten der Profile ist bisher nicht implementiert. Alles in allem erweist sich das Programm aber als eine gute Hilfe für Linux-Nutzer, die die Kommandozeile und den Editor zum Bearbeiten von Konfigurationsdateien scheuen. Sie gewinnen jedoch Zeit, wenn Sie mit separaten Konfigurationen in der xorg.conf in Kombination mit dem Skript arbeiten.

Glossar

EDID

Extended Display Identification Data. Informationen, die der Monitor dem Computer zur Identifikation über die Schnittstelle DDC sendet. DDC bezeichnet die serielle Schnittstelle zwischen Grafikkarte/Computer und Bildwiedergabegerät. Sie ermöglicht den Datenaustausch zur automatischen Auswahl von Treiber und Konfiguration.

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LinuxUser 06/2012

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