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Online im Grünen

UMTS-Datenkarten im Test

01.03.2007 Dein DSL, kein ISDN? Kein Problem. Mit aktuellen UMTS-Karten und einer Flatrate surfen Sie auch kabellos mit akzeptablem Speed und moderaten Kosten. LinuxUser zeigt, wie es funktioniert.

Des einen Freud des andern Leid: Der Mobilfunk ist aus dem Leben vieler Nutzer nicht mehr wegzudenken. Immer und überall online zu sein, ist heute einfacher denn je, sei es aus beruflichen Gründen oder nur zu Spaß. Mobiltelefone und spezielle Notebook-Karten der dritten Generation (3G) setzen dazu auf UMTS, das Universal Mobile Telecommunications System. Mit einiger Handarbeit und einem Quäntchen Glück funktionieren die meisten Geräte auch unter Linux. Die Redaktion testete dazu die Zugangshardware der drei großen Mobilfunkbetreiber Vodafone, T-Mobile und E-Plus.

Die aktuelle UMTS-Versorgung in Deutschland erreicht an den meisten Standorten eine maximale Geschwindigkeit von 384 Kbit/s. Vodafone und T-Mobile arbeiten aber bereits am Ausbau von HSDPA für Geschwindigkeiten bis zu 3,6 Mbit/s. Vodafone will zudem auf der CeBit 2007 eine Ausbaustufe bis 7 Mbit/s vorstellen [1] und noch in diesem Sommer HSDPA weitestgehend flächendeckend zur Verfügung stellen. An Standorten ohne UMTS-Support aber mit Handy-Empfang schalten die meisten UMTS-Geräte automatisch auf das langsamere GPRS zurück. Damit lassen sich noch Downloadraten von maximal 56 Kbit/s erreichen. Das entspricht ungefähr einer traditionellen Modemverbindung.

Eine UMTS-Verbindung lässt sich entweder über ein spezielles Modem (PC-Card, PCI-Express oder USB) oder per Bluetooth/seriellem Kabel über ein UMTS-fähiges Handy herstellen. Dieser Artikel deckt das Setup per PC-Card ab. E-Plus bietet neuerdings auch ein Mini-USB mit Linux-Treibern an, das Setup des Huawei-Modems beschreibt der Artikel ebenso.

Novatel-Karte von D2

Die UMTS-Karte von Vodafone D2 unterstützt die Standards HSDPA, UMTS, EDGE und GPRS. Die Karte besteht aus zwei Komponenten: Die eigentliche Karte Merlin XU870 im ExpressCard-Format von Novatel [1] und ein Adapter für den Cardbus-Schacht. LinuxUser testete die Kombination im PCMCIA-Schacht. Diese gibt sich am Gerät als USB-Hub aus, und das System erkennt die Datenkarte als USB-Modem. Dazu müssen Sie das zugehörige USB-Kernelmodul allerdings vor dem Anschließen der Hardware mit den genauen Hardwarespezifikationen laden:

modprobe usbserial vendor=0X1410 product=0x1430

Um einen Überblick zu behalten, wie das System auf Ihre Verbindungsversuche reagiert, empfiehlt es sich als Root eine Konsole mit dem Befehl tail -f /var/log/messages offen zu halten. Laden Sie nun das Modul usbserial mit den genannten Parametern, zeigt die Konsole die im Kasten "Merlin XU870" zu sehenden Meldungen an.

Merlin XU870

laptop kernel: usb 5-1: new full speed USB device using ohci_hcd and address 2
laptop kernel: usb 5-1: new device found, idVendor=1410, idProduct=1430
laptop kernel: usb 5-1: new device strings: Mfr=1, Product=2, SerialNumber=0
laptop kernel: usb 5-1: Product: Novatel Wireless HSDPA Modem
laptop kernel: usb 5-1: Manufacturer: Novatel Wireless
laptop kernel: usb 5-1: configuration #1 chosen from 1 choice
laptop kernel: usbserial_generic 5-1:1.0: generic converter detected
laptop kernel: usb 5-1: generic converter now attached to ttyUSB0
laptop kernel: usbserial_generic 5-1:1.1: generic converter detected
laptop kernel: usb 5-1: generic converter now attached to ttyUSB1

Wie erwähnt, sollten Sie die Karte erst einstecken, nachdem Sie das Kernelmodul geladen haben. Stellen Sie nun sicher, dass Sie das kleine Tool comgt installiert haben. Es handelt sich dabei um eine Scriptsammlung zum Einbinden von Datenkarten, welche zumindest auf den gängigen großen Distributionen ein Bordmittel sein sollte. Alle anderen laden sich das Programm von [2] herunter. Der Befehl comgt -d /dev/ttyUSB0 aktiviert das Gerät mit folgender Meldung:

SIM ready
Waiting for Registration..(120 sec max)
Registered on Home network: "Vodafone.de",2
Signal Quality: 7,99

Es erscheint eventuell die Aufforderung seine PIN-Nummer zu übergeben, woraufhin sich die Karte im heimatlichen Netz registriert und auch gleich die Signalstärke anzeigt. Surfen können Sie damit allerdings noch nicht.

Testgeräte

Provider E-Plus T-Mobile Vodafone
Hersteller Huawei Qualcomm Novatel
Modell E220 Option 3G Merlin XU870
Anschluss USB Cardbus Express-Card, Cardbus
Preis 42 Euro/Monat für Flatrate 25 Euro/Monat für 200 MByte 42 Euro/Monat für Flatrate
Preis ohne Vertrag - 250 Euro 400 Euro

Verbindung aufbauen

Es gilt nun eine Modemverbindung aufzubauen. Der Artikel beschreibt im Folgenden als Beispiel die Vorgehensweise über das Suse-Tool YaST. Ein Setup mit kppp oder überwvdial ist ebenfalls möglich. Alternativ benutzen Sie das Tool umtsmon (siehe Kasten "UMTS-Gui").

Starten Sie das YaST-Modul Netzwerkgeräte | Modem und fügen Sie ein neues Modemgerät hinzu. Da YaST die Karte nicht als Modem erkennt, müssen Sie das Gerät /dev/ttyUSB0 explizit angeben. Die Häkchen unter Spezielle Einstellungen entfernen Sie und setzen das Wählverfahren auf Tonwahl. Die Einstellungen unter Details bleiben vorerst unberührt.

Ein Klick auf Weiter bringt Sie zu den Providereinstellungen. Mangels voreingestellten UMTS-Providers legen Sie einen neuen Eintrag an. Einen Benutzernamen benötigt Vodafone nicht, da aber YaST keine leergelassene Felder akzeptiert, müssen Sie an dieser Stelle Ihre Fantasie spielen lassen. Die Eingaben vodafone und test akzeptierte das System jedenfalls. Als Telefonnummer geben Sie *99# ein (Abbildung 1).

Abbildung 1: Unter Suse richten Sie das UMTS-Modem am einfachsten über YaST ein. Die Einwahl übernimmt Kinternet.

Im nächsten Dialog tragen Sie entweder eigene DNS-Server-Adressen ein oder lassen diese automatisch abrufen. Beide Methoden funktionierten in unserem Test einwandfrei. Die Einstellungen unter IP-Details bleiben ebenso unberührt. Nun können Sie sich per Kinternet einwählen.

Damit Sie den modprobe-Befehl nicht jedes mal von Hand eintippen müssen, tragen Sie am einfachsten in der Datei /etc/boot.local beziehungsweise /etc/init.d/boot.local folgende Zeile ein:

modprobe usbserial vendor=0X1410 product=0x1430

Sie bewirkt, dass der Kernel das Modul bei jedem Systemstart mit den zugehörigen Parametern lädt. Benutzen Sie als Einwahlprogramm das Suse-Tool kinternet, können Sie auch den comgt-Befehl automatisieren. Legen Sie dazu eine Datei mit folgenden Zeilen an:

#!/bin/bash
comgt -d /dev/ttyUSB0

und machen Sie die Datei mit dem Befehl chmod +x Dateiname ausführbar. Dann klicken Sie mit der rechten Maustaste auf das Kinternet-Symbol und wählen Einstellungen | Verschiedene Einstellungen | Scripte. Hier tragen Sie unter Nach der Verbindung auszuführendes Script den Namen des neu angelegten Skriptes ein. Nach diesen Einstellungen können Sie die Karte ohne Kommandozeile per Kinternet in Betrieb nehmen. Einen komplett distributionsunabhängigen Weg beschreibt auch Novatel, der Hersteller der ExpressCard [3].

UMTS-Gui

Eine weitere Möglichkeit, per UMTS-Datenkarte mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, stellt das Monitorprogramm umtsmon dar. Das Tool erkennt einige der gängigen Karten automatisch und stellt nach Eingabe der benötigten Verbindungsinformationen den Zugang zum Internet her. Wir testeten das Mitte Januar frisch gebackene Release 0.5. Sie finden es unter [4] als Binary oder im Quellcode zum Download.

Das Binary müssen Sie nur noch entpacken und ausführen. Arbeitet das Binary nicht mit Ihrer Distribution zusammen, müssen Sie die Quellen von Hand übersetzen. Sie benötigen dazu qmake, das bei den meisten Distributionen Teil der Qt-Entwicklerpakete ist.

Wechseln Sie mittels cd /Pfad/zum/Verzeichnis in das Verzeichnis umtsmon-0.5. Geben Sie anschließend qmake und make clean all ein. Nach einem kurzen Kompiliervorgang steht in diesem Ordner das fertige Binary bereit, das Sie entweder gleich per ./umtsmon starten oder als Root nach /usr/bin oder /usr/local/bin kopieren, damit alle Nutzer des Systems mit dem Programm umgehen können.

Nach dem ersten Aufruf stellt Umtsmon das anzusprechende Device fest und bietet an, diesem permanente Lese- und Schreibrechte zuzuordnen (Abbildung 2). Anschließend fordert es Sie auf, die PIN-Kennzahl der verwendeten SIM-Karte einzugeben. Das Programm selbst beschränkt sich auf das Anzeigen der Signalstärke des verwendeten Mobilfunkanbieters, sowie der Menge an versendeten und empfangenen Datenmengen.

Im Dialogfeld Profile (Buch-Symbol) bestimmen Sie außerdem, ob das Tool die Verbindung über UMTS oder das langsamere GPRS herstellen soll. In der Grundeinstellung benutzt umtsmon beide. Ein Klick auf das Monitor-Symbol baut die Verbindung zum Netzwerk auf. Über das Symbol mit dem Brief können Sie zudem per Mausklick SMS-Nachrichten versenden. Leider ist es uns nicht gelungen, das Programm zu einer Verbindung mit der Novatel-Karte des Anbieters Vodafone D2 zu überreden, vermutlich ist die Hardware dafür noch zu neu. Über die Qualcomm-Karte von T-Mobile versah das Programm allerdings klaglos seinen Dienst.

Abbildung 2: Der Umtsmon hilft Ihnen beim Setup der UMTS-Karte.

Abbildung 3: Alle Informationen zur UMTS-Verbindung auf einen Blick: auch das kann Umtsmon.

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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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LinuxUser 03/2012

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