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Nimm zwei

System Rescue CD 0.3.2 und Puppy Linux 2.13

01.03.2007 Während System Rescue ausgezeichnete Programme zum Troubleshooting defekter Rechner mitbringt, bietet Puppy Linux eine vollwertige Desktop-Umgebung auf kleinstem Raum.

README

Die Distribution System Rescue CD bringt in erster Linie Programme zum Reparieren und Einrichten des lokalen Rechners mit. Dazu zählen Partitionierungs- und Diagnoseprogramme ebenso wie Tools zum Aufspüren von Viren und Rootkits. Der Mini-Distribution Puppy Linux macht selbst einen Rechner mit minimaler Hardware-Ausstattung zum vollwertigen Heimarbeitsplatz mit grafischer Oberfläche.

Drei Uhr nachts in Deutschland: Sie sitzen immer noch vor dem Rechner, weil sich die Partitionstabelle Ihrer Festplatte ins Nirvana verabschiedet hat. Mit normalen Mitteln ist einem solchen Desaster nicht beizukommen. Hier helfen nur die passenden Rettungsprogramme, wie sie die Live-Distribution System Rescue CD [1] vereinigt.

Viele Anwender kennen es: Lange hat der ehemals todschicke und sauteure Rechner gute Dienste geleistet – eigentlich viel zu schade, um ihn einfach dem Recycler zu überlassen. Dank Puppy Linux [2] ist das auch nicht mehr nötig: Schon ein PC mit 90-MHz-Prozessor und 64 MByte Arbeitsspeicher reicht aus, um die Live-Distribution (Abbildung 1) zu starten. Das kompakte Desktop-Linux verfügt neben einer schicken grafischen Oberfläche über eine Vielzahl an Office-, Internet- und Multimedia-Anwendungen (siehe Kasten "Puppy-Top-10").

Abbildung 1: Bereits 64 MByte Hauptspeicher und eine 90 MHz CPU reichen der Mini-Distribution Puppy Linux um flüssig auf dem Rechner zu laufen.

Puppy-Top-10

  • Websuite Seamonkey 1.06
  • Textverarbeitung Abiword 2.4.5
  • Multimediaplayer Gxine 0.5.9
  • Instant Messenger Gaim 1.5.0
  • Malprogramm Mtpaint 3.01
  • Zeichenprogramm Inkscape Lite
  • Terminplanung Ical 2.3
  • Tabellenkalkulation Gnumeric 1.6.3
  • Grafischer FTP-Client Gftp 2.0.18
  • Samba-Client Linneighborhood 0.6.5

Selbst ist der Mann

Streikt der Rechner, bleiben Ihnen zwei Möglichkeiten: Sie gehen zum Fachhändler und lassen dort neben Ihrem Rechner viel Geld zur Fehlerbehebung, oder sie legen selbst Hand an und investieren ein wenig Zeit. Im letzteren Fall hilft Ihnen die auf Gentoo basierende System Rescue CD mit einer Vielzahl von Programmen, Ihren Rechner wieder flott zu bekommen.

Die Distribution verfügt neben diversen Hardware- und Dateisystemtreibern auch über das Modul ntfs-3g, das es ermöglicht, NTFS-Partitionen im Lese- und Schreibmodus zu mounten. Um eine Windows-Partition damit einzuhängen, verwenden Sie den Aufruf ntfs-3g Quelle Ziel , beispielsweise nfts-3g /dev/hda1 /mnt/windows. Beachten Sie, dass ein direktes Mounten von Partitionen in das Verzeichnis /mnt zum Systemabsturz führen kann. Legen Sie deswegen zuvor ein Unterverzeichnis an, das Sie als Mountpoint verwenden.

Zum Start wählen Sie aus dem Bootmenü der Heft-CD den Eintrag SystemRescueCD. Das System bootet zunächst in den kommandozeilenbasierten Modus. Bevorzugen Sie eine grafische Oberfläche, tippen Sie am Prompt startx (Abbildung 2).

Abbildung 2: Nach der Eingabe von startx auf der Konsole startet die System Rescue CD die auf Window Maker basierende grafische Oberfläche.

Danach startet die schnörkellose, auf Window Maker 0.92 basierende GUI. Über die Schalterleiste auf der rechten Seite des Bildschirms erreichen Sie Firefox 2.0, den Partitionsmanager Gparted 0.3.3 und einige weitere Programme wie Vim oder den Mini-Browser Dillo. Weitere Tools starten Sie über das Kontextmenü, das Sie mit einem Rechtsklick auf den Desktop öffnen.

Mit von der Partie ist unter anderem das Programm Testdisk. Es dient zum Reparieren defekter Partitionstabellen und kann diese anhand der Plattengeometrie selbständig rekonstruieren. Vor dem Gebrauch dieses mächtigen Werkzeugs lohnt jedoch ein ausführlicher Blick in die Man-Page des Programms (man testdisk), um den Schaden nicht durch unsachgemäße Bedienung zu vergrößern.

Das Programm Partition Image 0.6.4 (Abbildung 3) kommt ebenfalls mit einer auf Ncurses basierenden Oberfläche. Der Vorteil dieser Technologie: Sie erfordert keinen X-Server, sondern erlaubt auch den Betrieb direkt über die Shell.

Abbildung 3: Das Programm Partition Image erstellt Eins-zu-Eins-Kopien kompletter Dateisysteme, die Sie bei Bedarf wieder zurückspielen, um den Ursprungszustand zu rekonstruieren.

Partition Image erlaubt, ähnlich wie die kommerziellen Programme Norton Ghost oder Acronis True Image, das Erstellen von Partitionsabbildern. Das Programm schreibt dabei den Inhalt der Partition komplett in eine Datei, die es auf Wunsch mit Bzip oder Gzip komprimiert. Zum Wiederherstellen der Partition genügt es, die Datei anzugeben, die Zielpartition auszuwählen und den Punkt Restore from an Image File zu aktivieren.

Um Ihren Rechner auf Schädlingsbefall zu untersuchen, verwenden Sie den freien Virenscanner ClamAV. Vor dessen Einsatz empfiehlt sich jedoch ein Update der Virenpattern mit dem Aufruf freshclam. Da die Aktualisierung eine funktionierende Internetverbindung erfordert, aktivieren Sie diese über das Konfigurationsskript net-setup, das Sie interaktiv durch die verschiedenen Einstellungspunkte leitet.

Aus eins mach…

Neben dem Kernsystem enthält die System Rescue CD diverse Boot-Images, die jedes für sich ein eigenes Betriebssystem darstellen und ganz spezifische Zwecke erfüllen. Sie starten diese über über das Bootmenü mit der Auswahl der jeweiligen Einträge, beispielsweise System Rescue CD start DBAN. In diesem Fall lädt "Darik's Boot and Nuke", dessen Zweck es ist, Festplatten oder Partitionen sicher zu löschen, indem es deren Inhalt beliebig oft mit einer zufälligen Zeichenfolge überschreibt.

Geht es darum, die Hardware des Rechners zu ermitteln, leistet AIDA gute Dienste, das Sie über den Eintrag System Rescue CD start AIDA HW-Detection booten. Das Programm liest sämtliche Eigenschaften der im Rechner verbauten Bauteile aus und listet diese auf. Das Image NT Password Recovery bootet (anders, als der Name erahnen lässt) ein Programm zum Setzen neuer Systempassworte auf Windows-Rechnern – etwa, wenn das alte in Vergessenheit geraten ist. Dazu überschreibt es das alte Passwort mit einem von Ihnen angegebenen neuen. Nach Angaben der Entwickler unterstützt das Programm alle gängigen Microsoft-Systeme von Windows NT bis XP. Es dient gleichzeitig als Registry-Editor und ermöglicht damit das Reparieren abgestürzter Windows-Systeme, sofern der Fehler von der Registry ausgeht.

Eine vollständige Liste aller in der System Rescue CD enthaltenen Programme liefert die SysRescCD-Website [3].

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Infos zum Autor

Thomas Leichtenstern

Thomas Leichtenstern

CD/DVD-Redakteur


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LinuxUser 03/2012

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