Schönheit und Funktionalität gehen nicht immer Hand in Hand. Bestes Beispiel dafür ist der Bootsplash: Das hübsche Bildchen mit dem Logo des Systems erscheint, wenn der Benutzer seinen Rechner hochfährt. Ein Fortschrittsbalken deutet an, wie weit der Bootvorgang gediehen ist. Dabei verdeckt das nette Bildchen die eigentlich wichtigen Systeminformationen. Ein Sprichwort lautet allerdings: Wer schön sein will, muss leiden. In diesem Sinne lernen Sie hier, einen wenig funktionalen, aber dafür hübsch anzuschauenden Bootsplash einzurichten.
Dabei kristallisiert sich schnell ein Problem heraus: Für diese Aufgabe gibt es keine Standardlösung. Jedes System erledigt diesen Job auf seine eigene Weise. Zwar dürfen die meisten User ihre Kreativität heute an Wallpapers, Themes und anderen grafischen Goodies erproben, aber lediglich Mandriva 2007 bringt zur Zeit ein Konfigurationswerkzeug zum Einrichten eines Bootsplashes mit.
Immerhin müssen Sie nicht mehr – wie noch vor ein paar Jahren – den Kernel neu kompilieren, damit Linux die lustigen Startbildchen präsentiert. Allerdings erfordern die eingesetzten Bilder eine bestimmte Größe und einen zusätzlichen Eintrag im Bootmenü. Risiken gibt es auch: Mandriva etwa zerschoss während der Experimente hinterrücks den Bootloader. Zudem erweisen sich die Bootsplashes in einigen Fällen eher als kontraproduktiv: Überprüft Ubuntu nach dem dreißigsten Hochfahren die Integrität des Dateisystems, tut der Bootsplash nichts mehr und lässt den ratlosen Anwender warten.
Sie müssen einen Bootsplash nicht unbedingt selbst entwerfen, die Seite www.kde-look.org bringt einige der Schmuckstücke mit. Allerdings passen die meist nur zu einem bestimmten System: Um Ubuntus Splashy zu transformieren, brauchen Sie auch die Themes von Splashy (Abbildung 1). Den Bootloader optimieren Sie selbst: Die Option vga=791 zeichnet über den Framebuffer ein Bild mit einer Auflösung von 1024x768 Pixeln und 8 Bit Farbtiefe auf die Konsole. Je nachdem, wie groß Ihr Ausgangsbild ist und über welche Farbtiefe es verfügt, stellen Sie den VGA-Wert entsprechend ein.
Susi bootet
Zwar bringt Suse die Möglichkeit mit, einen Bootsplash über YaST zu konfigurieren. Sehr viel komfortabler gestaltet sich das ganze Unternehmen dadurch auch nicht, da YaST dem User eben wesentliche Schritte nicht abnimmt. Laden Sie zunächst ein Theme herunter. Im Test kam das sehr beliebte Fingerprint-Theme [1] (Abbildung 2) zum Einsatz.
Entpacken Sie das tar.gz-Archiv, offenbart es einen Ordner namens fingerprint-bs, in dem sich die beiden Unterordner config und images befinden. Rufen Sie eine Konsole auf, werden Sie root und kopieren Sie den gesamten Ordner dorthin, wo sich auch das Standard-Theme von Suse 10.1 befindet:
cp -R fingerprint-bs /etc/bootsplash/themes
Dann bearbeiten Sie – ebenfalls als root – die Konfigurationsdatei bootsplash-1024x768.cfg, die im genannten Unterverzeichnis config liegt. Ändern Sie die beiden Pfade unter dem Eintrag # name of the picture [...], indem Sie im Pfadnamen das voreingestellte login-scan durch fingerprint-bs ersetzen. Nun findet auch Bootsplash die beiden Bilder.
Schließlich rufen Sie YaST auf und teilen ihm die frohe Botschaft mit. Dazu wählen Sie aus dem Reiter System den Eintrag Editor für /etc/sysconfig-Dateien und dann aus dem Verzeichnisbaum auf der linken Seite System | Boot | THEME (Abbildung 3). Auf der rechten Seite verrät das Konfigurationstool den Namen des aktuellen Themes, der SuSE lautet. Ersetzen Sie diesen Eintrag durch fingerprint-bs, damit YaST Ihr neues Theme akzeptiert. Beenden Sie den Vorgang, fragt das Tool noch einmal nach, ob es die Änderungen übernehmen soll, und speichert diese dann ab.
Bootloader tunen
Nun müssen Sie den Bootloader modifizieren: Nutzen Sie Grub, öffnen Sie als Administrator die Datei /boot/grub/menu.lst, wo Sie die Einträge des Bootmenüs finden. Die Konfigurationsdatei für den Bootmanager Lilo heißt /etc/lilo.conf.
Betreiben Sie Suse 10.1 mit Ubuntu "Edgy Edge" oder Mandriva 2007 parallel auf einem Rechner, müssen Sie zunächst recherchieren, welche Distribution den Bootloader verwaltet. In diesem Fall mounten Sie die betreffende Partition und bearbeiten dort die Dateien menu.lst bzw. lilo.conf.
Die Einträge für das Bootmenü erkennen Sie daran, dass sie mit title beginnen, dann folgt der im Bootmenü sichtbare Name. Suchen Sie den Eintrag und ergänzen Sie die Zeile, die mit kernelbeginnt, um die Optionen vga=791 splash=silent (Abbildung 4).
Die Option vga=791 sorgt dafür, dass der Framebuffer genug Platz für das verwendete 1024x768 Pixel große Bild reserviert, das über eine Farbtiefe von 16 Bit verfügt (siehe Kasten "Bildzauber"), was 65536 Farben erlaubt. Der Tabelle "VGA-Codes" folgend, setzen Sie als VGA-Code 791 ein, VGA-Werte für andere Auflösungen liefert auch der Geexbox.org-Generator [2] im Abschnitt Vesa.
Bildzauber
Bilder bearbeiten Sie am einfachsten über die Konsole. Spielen Sie das Paket imagemagick ein und geben Sie convert -geometry 1024x768! -colors 32 bild_original.png bild_neu.png ein, um ein Originalbild auf Ihre Bedürfnisse zuzuschneiden. Es verfügt dann über eine Auflösung von 1024x768 Pixel und eine Farbtiefe von 8 Bpp (Bits per Pixel). Damit erreichen Sie, was die Farbtiefe angeht, auch schon das Limit für PNGs. Wollen Sie ein Bild mit 16 Bpp, müssen Sie über convert bild_original.png bild_neu.tiff zunächst ein TIFF erzeugen, das Sie dann über die Option -colors 64 mit einer Farbtiefe von 16 Bpp ausstatten. Der Wert muss also viermal so hoch sein, wie die angestrebte Farbtiefe. Ob die Änderung wirkt, überprüfen Sie mit identify bild_neu.png.
VGA-Codes
| Farben (Farbtiefe) | 640x480 | 800x600 | 1024x768 | 1280x1024 |
|---|---|---|---|---|
| 256 (8 Bit) | 768 | 771 | 773 | 775 |
| 32K (15 Bit) | 784 | 787 | 790 | 793 |
| 64K (16 Bit) | 785 | 788 | 791 | 794 |
| 16M (24 Bit) | 786 | 789 | 792 | 795 |
Die Farbtiefe von Bildern aus dem Netz bestimmen Sie mit Tools wie dem Imagemagick-Skript identify (siehe auch Kasten "Bildzauber"). Im Zweifelsfall testen Sie verschiedene VGA-Werte.
Nach einem Neustart sehen Sie aber zunächst keinen Bootsplash. Suse erwartet nach dem Hochfahren noch das Kommando /sbin/mkinitrd, das Sie mit Root-Rechten auf der Konsole eingeben. Das Skript passt dann das Image für die Initrd (Initial RAM-Disk), die der Bootloader nach dem Start lädt, an die neue Framebuffer-Größe an.
Nun endlich erscheint beim Booten der Fingerprint-Bootsplash. Mit [F2] schalten Sie in den Verbose-Modus, in dem Sie auch die Systemnachrichten sehen. Das Vorgehen gilt übrigens sowohl für Suse 10.1 als auch für Suse 10.2.


