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Live-Server SLAMPP Lite 2.0

01.03.2007
Die Live-Distribution SLAMPP Lite enthält nicht nur einen komplett eingerichteten Apache-Webserver mit CGI-und PHP-Unterstützung, sondern auch einen vorkonfigurierten SSH- und Mailserver.

Zwar erledigen selbst unbedarfte Anwender die Installation von Serverdiensten dank der ausgefeilten Paketverwaltung der meisten Distributionen schnell, die korrekte Konfiguration ist jedoch nach wie vor alles andere als trivial. Die auf Slackware basierende Live-Distribution SLAMPP [1] bringt nicht nur eine vollwertige Umgebung zum Einsatz als Webserver mit, sondern auch andere Dienste wie Mail- FTP- oder SSH-Server. Bereits nach dem Booten stehen alle Dienste quasi schlüsselfertig zum Einsatz bereit.

Als Basis für die Webdienste verwendet SLAMPP das XAMPP-Paket [2], die grafische Oberfläche stellt der Window-Manager XFCE 4.2 (Abbildung 1). Die Systemgrundlage bildet der Kernel 2.6.16. Der ebenfalls enthaltene Nameserver Bind verweigert jedoch wegen des fehlenden Kernel-Moduls capset den Start. Die komplette Paketliste zeigt die Webseite [3].

Abbildung 1: Um die Ressourcen des Rechners nicht unnötig zu belasten, verzichtet die Serverdistribution SLAMPP auf Ressourcenfresser wie KDE und verwendet stattdessen den schlanken Window-Manager XFCE.

Trotz des stattlichen Funktionsumfangs begnügt sich die Distribution mit einem Minimum an Hardware: Bereits ein Rechner mit einer 500-MHz-CPU und 128 MByte Arbeitsspeicher genügt. Zur festen Installation benötigen Sie darüber hinaus über eine mindestens zwei GByte große Festplatte. Neben der Serverausstattung enthält SLAMPP diverse nützliche Programme für den alltäglichen Bedarf. Während Mozillas Firefox für die Darstellung der Webseiten zuständig zeichnet, holt Sylpheed die Mails ab; Gaim sorgt für eine reibungslose Kommunikation via Instant-Messaging-Netz und IRC.

Ready to run

Zum Start von SLAMPP wählen Sie aus dem Bootmenü der Heft-DVD den entsprechenden Eintrag. Möchten Sie die Distribution komplett aus dem Hauptspeicher Ihres Rechners betreiben, drücken Sie [F5] und ergänzen die Boot-Optionen um copy2ram. Damit dauert der Boot-Vorgang zwar etwas länger, jedoch verhilft es SLAMPP zu deutlich mehr Geschwindigkeit.

In der Grundeinstellung startet die Distribution in den textbasierten Modus. Als User root mit dem Passwort slampp melden Sie sich auf der Konsole an. Um den Netzwerkzugang einzurichten, rufen Sie das Skript netconfig auf, das Sie interaktiv durch die einzelnen Konfigurationsschritte leitet.

Deutsche Tastaturbelegung

Da SLAMPP in der Grundeinstellung die amerikanische Tastaturbelegung verwendet, gilt es vor dem Start der grafischen Oberfläche die deutsche Tastaturbelegung einzurichten:

  • Wechseln Sie mit dem Kommando cd /etc/X11/ in das Konfigurationsverzeichnis des X-Servers. ([/] befindet sich im US-Layout auf [-]).
  • Öffnen Sie mit joe xorg.conf die Konfigurationsdatei.
  • Suchen Sie nach den untereinander stehenden Einträgen # Option "XkbLayout" "de" sowie # Option "XkbVariant" "nodeadkeys" und entfernen Sie jeweils das Kommentarzeichen (#) davor.
  • Speichern Sie die Änderung ([Strg],[K]+[X] und verlassen Sie Joe mit [Strg]-[C].
  • Starten Sie danach mit startx die grafische Oberfläche von SLAMPP.

Da SLAMPP per Default die amerikanische Tastaturbelegung verwendet, gilt es vor dem Start des grafischen Oberfläche (startx) die heimische Tastatur (siehe Kasten "Deutsche Tastaturbelegung") einrichten. Die GUI präsentiert sich in einem schlichten, aber funktionalen Design. Alle Bedienelemente finden sich dort, wo der Anwender sie erwartet. Ein Klick auf den Kreis mit den verschiedenfarbigen Segmenten in der Menüleiste öffnet das Startmenü, über das Sie alle wichtigen Programme erreichen.

Server administrieren

Diverse Anwendungsbeispiele zu XAMPP und den eingegliederten Modulen erhalten Sie beim Aufruf von Firefox, dessen Startseite die lokale Website (Abbildung 2) zeigt. Darüber hinaus erreichen Sie über diese Seite sowohl verschiedene Statusabfragen (die der Punkt XAMPP zusammenfasst) als auch die grafischen Verwaltungsoberflächen für MySQL (phpMyAdmin) und dessen kleinen Bruder SQLite (phpSQLiteAdmin).

Abbildung 2: Die lokale Webseite von SLAMPP fast sowohl verschiedene Demo-Projekte als auch die grafischen Oberflächen für MySQL und SQLite zusammen.

Konfigurationsarbeiten an Apache oder anderen Elementen erlaubt diese Seite jedoch nicht. Änderungen an den Konfigurationsskripten der Server erfolgen generell "zu Fuß", also mit den Texteditor. Für alle von LAMPP gestellten Dienste (Apache, PHP, MySQL, ProFTP) finden Sie diese Im Verzeichnis /opt/lampp/etc, die Logdateien dieser Dienste enthält (sofern nicht anders eingestellt) das Verzeichnis /opt/lampp/var. Um die LAMPP-Komponenten zu verwalten, starten Sie das dafür vorgesehene Skript /opt/lampp/lampp (Abbildung 3).

Abbildung 3: Neben dem Starten und Stoppen von Diensten erlaubt das Skript lampp auch das schnelle Ändern der LAMPP-Sicherheitsrichtlinien.

Ohne weitere Parameter aufgerufen zeigt es alle zur Verfügung stehenden Optionen. Die wichtigsten davon im Überblick:

  • start – startet Apache und MySQL
  • restart – stoppt und startet Apache und MySQL
  • php4 und php5 – aktivieren Unterstützung für PHP4 respektive PHP5
  • backup .-- speichert die Konfigurationsdaten sowie die Datenbank in ein einem Shellskript, dessen Aufruf die Daten rekonstruiert
  • security – prüft LAMPP auf eventuelle Sicherheitslücken, ändert Passwörter und begrenzt Dienste

Um das eigene Webprojekt in SLAMPP zu integrieren, müssen Sie es via Skript oder per Hand transferieren. Welche Schritte es dabei zu beachten gilt, zeigt der Kasten "Webseiten in SLAMPP integrieren".

Kompliziert wird es – vor allem für ungeübte Benutzer – allerdings bei der Konfiguration des Mailservers Sendmail. Hier hilft unter Umständen die nachinstallierte Verwaltungsoberfläche Webmin [4], die Klippe zu umschiffen. Darüber hinaus erlaubt die webbasierte Oberfläche auch die komplette Konfiguration des Systems mit Ausnahme der LAMPP-Dienste, da sich diese nicht im Standardpfad befinden. Sinn macht der Einsatz von Webmin jedoch nur auf installierten Systemen (siehe Kasten "SLAMPP installieren").

SLAMPP installieren

Zur Installation von SLAMPP auf der Festplatte klicken Sie auf das Desktop-Icon HD Installation. Im Bedarfsfall startet ein Klick auf den Button Create a new Partition for SLAMPP das Partitionierungsprogramm Gparted, mit dem Sie eine Partition für SLAMPP vorbereiten. Eine Swap-Partition ist nicht erforderlich, da die Distribution stattdessen eine Auslagerungsdatei anlegt. Install SLAMPP startet die Installationsroutine, die sich auf die Auswahl der Zielpartition beschränkt. Beachten Sie, dass SLAMPP vor der Installation alle in der Zielpartition enthaltenen Daten löscht.

Zur Absicherung vor Angriffen aus dem Netzwerk bringt SLAMPP gleich zwei Firewalls-Frontends mit. Das auf Ncurses basierende Linux Firewall Project erlaubt das Einrichten der wichtigsten Sicherheitsrichtlinien mit wenigen Mausklicks. Das kann auch Firestarter [5], das jedoch mit einer umfangreichen grafischen Benutzeroberfläche aufwartet und neben der Anzeige von statistischen Auswertungen auch das Einrichten eines detaillierteren Regelwerkes zulässt.

Webseiten in SLAMPP integrieren

Um Webseiten und Datenbanken, die auf anderen Rechnern laufen oder erstellt wurden, mit SLAMPP zu hosten, gehen Sie wie folgt vor:

  • Achten Sie darauf, in Ihren Webseiten keine absoluten, sondern nur relative Pfade zu verwenden.
  • Erstellen Sie im Wurzelverzeichnis der Webpräsenz, also der Document Root, mit dem Befehl tar cfz htdocs.tar.gz . ein Archiv der Site.
  • Sichern Sie die Datenbanken mit dem Aufruf mysqldump -h localhost -u Benutzer -pPasswort --quick --add-drop-table --add-locks --lock-tables Datenbank > mywebdbdatabase.sql
  • Archivieren Sie den Dump mit dem Aufruf tar czf mysql-dumps.tar.gz *.sql.
  • Kopieren Sie die erstellten Tarballs der Datenbank und der Webseite in das Verzeichnis html auf einen beliebigen Datenträger, wie etwa eine CD, einen USB-Stick oder eine externe Festplatte.
  • Legen Sie den Datenträger mit den Tarballs auf dem SLAMPP-Rechner ein beziehungsweise schließen Sie ihn an. Klicken Sie im SLAMPP-Startmenü auf den Eintrag Install Webdocs, um die Datenbank und die Webseite automatisch in SLAMPP zu integrieren.
  • Als letzten Schritt sucht das Installationsskript nach der Datei postinstall.sh und führt diese aus. Diese selbst zu erstellende Datei erlaubt es Ihnen beispielsweise, Pfade anzupassen oder Berechtigungen zu setzen, und muss sich ebenfalls im Pfad /html befinden.
  • Sie erreichen die importierte Site danach über dem Aufruf http://127.0.0.1 im Webbrowser.

Dieses Szenario erlaubt Ihnen beispielsweise, Ihren Laptop kurzfristig zu einem vollwertigen Webserver umzufunktionieren und die Daten Ihrer Webseite mit einem Klick zu integrieren. Beachten Sie: Diese Methode eignet sich nur zur Integration eines einzelnes Webprojekts. Möchten Sie mehrere Projekte hosten, müssen Sie selbst Hand anlegen. Extrahieren Sie die wie oben beschrieben gepackten Archive mit dem Aufruf tar xfvz Paketname.tar.gz in das Wurzelverzeichnis von Apache (/opt/lampp/htdocs/Projektname) und öffnen Sie dieses anschließend zur Kontrolle mit dem Browseraufruf http://127.0.0.1/Projektname/.

Jedes Kind braucht einen eigenen Namen, und die Projekte entsprechende namensbasierte virtuelle Hosts. Die dafür zuständige Apache Konfigurationsdatei httpd-vhosts.conf finden Sie im Verzeichnis /opt/lampp/etc/extras/. Es genügt, in den vorhandenen Beispielen die Pfade und den Hostnamen anzupassen und den Apache Webserver neu zu starten, damit er die Änderungen übernimmt.

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