Aufmacher

Kommerzielles Office-Paket Softmaker 2006

Hoch hinaus

Mit Ihrer Officesuite bedient die Firma Softmaker seit Jahren auch den Linux-Markt. Mit markigen Werbesprüchen hebt der Hersteller für die aktuelle Version die Latte noch einmal richtig an. Wir prüfen, ob das Produkt auch drüberspringt.

Beim kommerziellen Büropaket Softmaker Office 2006 der Nürnberger Firma Softmaker achten die Entwickler vor allem auf eine Cross-Plattform-Fähigkeit der Komponenten. So bedient das Unternehmen schon seit Jahren neben Linux und FreeBSD auch Windows und Windows CE.

Weniger im kommerziellen als vor allem im freien Umfeld spielen jedoch eine ganze Reihe kostenloser Mitkonkurrenten in der gleichen Liga – allen voran OpenOffice und das stetig wachsende KOffice. Noch im Dezember des vergangenen Jahres lag die finale Version Softmaker Office 2006 für Linux und FreeBSD [1] vor. Diese steht auch als Demoversion mit einer beschränkten Laufzeit von 30 Tagen zu Testzwecken bereit [2].

Abbildung 1: Die Officesuite Softmaker Office 2006 besteht nur aus einer Textverarbeitung und einer Tabellenkalkulation.

Auf großer Spur

Die Firma wirbt mit allerhand markigen Werbesprüchen, wie etwa: "Während die Konkurrenz noch rechnet, ist Ihr Dokument längst fertig!" Mit einer großen Anzahl an Superlativen baut sich Softmaker Office gegen ein überteuertes Büropaket aus Redmond und eine träge Software aus dem OSS-Bereich auf. Als "verlustfrei" und "ohne jegliche Fehler" preist der Hersteller den Im- und Export der Microsoft-Formate und gibt an, "Open-Document- und OpenOffice.org-Dokumente importieren" zu können und "zahlreiche weitere Formate" zu unterstützen.

Die Nürnberger bieten ihre Suite für Linux und FreeBSD in verschiedenen Varianten an. So fallen für eine Einzelplatzversion rund 70 Euro an. Wünschen Sie diese als Bundle mit der Windows-Version, zahlen Sie bereits 100 Euro. Entsprechend günstiger erhalten Sie für 35 Euro ein Upgrade von Softmaker Office 2004 und für 50 Euro von älteren Programmversionen.

Als Gegenwert liefert das Unternehmen ein Paket mit exakt zwei Programmen: Das Textverarbeitungsprogramm Textmaker und die Tabellenkalkulation Planmaker. Ein Grafikprogramm fehlt ebenso wie die Möglichkeit, Präsentationen zu erstellen. Die unter Windows mitgelieferte Datenbanksoftware Datamaker 99 haben die Entwickler nicht auf Linux portiert. Wer also in seiner Bürosuite auf eines der beiden letztgenannten Module nicht verzichten will, dem bleibt nur der Griff zur Alternative.

Integrationsunfähig

Auch in der neuen Version 2006 schafften es die Entwickler nicht, eine annehmbare Systemintegration zu realisieren: Das Einrichten der Suite bleibt Ihnen überlassen (siehe Kasten "Installation"). Eigentlich müsste es sich herumgesprochen haben, dass Linux-Anwender zumindest bei solchen Brot-und-Butter-Applikationen sowie kommerzieller Software etwas mehr Komfort erwarten.

Wesentlich anwenderfreundlicher gibt sich nach dem recht flinken Programmstart die Bedienoberfläche der Software. Alle wichtigen Funktionen erreichen Sie schnell und direkt. Unter Weiteres | Einstellungen | Aussehen haben Sie zwar die Möglichkeit, am Oberflächenstil der GUI zu schrauben, was aber keine bessere Integration in den KDE- oder Gnome-Desktop mit sich bringt.

Warum der voreingestellte Stil Linux heißt, erschließt sich dem Nutzer nicht. Ändern Sie ihn aber, führt dies manchmal zu unschönen Grafikfehlern in der GUI (Abbildung 2). Das Problem tritt auch auf, wenn Sie die Symbolleisten individuell anpassen oder verschieben. Obwohl die irreführende Benennung Window Manager-Dialoge es vermuten ließe, erreichen Sie mit der so bezeichneten Checkbox nicht das Angleichen der Dialoge an die des verwendeten Desktops, lediglich die Fensterrahmen ändern sich entsprechend.

Abbildung 2: Ein Ändern der verwendeten Dialogstils führt zu unangenehmen Nebeneffekten bei der grafischen Oberfläche.

Planmaker und Textmaker kommen mit einem eigenen Dateimanager, mit dem Sie sich in der Verzeichnisstruktur Ihrer Festplatte bewegen. Das Handling orientiert sich an der von Windows 95 bekannten Baumansicht mit Pluszeichen zum Aufklappen. Dabei zeigt der Dialog im rechten Fensterteil nur die enthaltenen Dateien, nicht aber die Unterordner an. Diese öffnen Sie nur im der linken Teil – ein sehr gewöhnungsbedürftiges Verhalten, welches das Zurechtfinden in großen Strukturen nicht erleichtert (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die Dialoge zum Öffnen oder Speichern von Dateien geben sich nicht sehr benutzerfreundlich und unterstützen nicht den Stil Ihres Linux-Desktops.

Installation

Zum Installieren des Tarballs wechseln Sie mit dem Befehl cd in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Für eine systemweite Installation (dazu geben Sie alle Befehle als root ein) bieten sich die Verzeichnisse /opt oder /usr/local an. Alternativ richten Sie das Paket in Ihrem Home-Ordner ein. Entpacken Sie es mittels tar xzvf ofl06trial.tgz (respektive tar xzvf ofl06.tgz) und wechseln in den entstandenen Ordner officetrial (bei der Kaufversion heißt dieser einfach office). Dort starten Sie die beiden Programme mit den Aufrufen ./textmaker beziehungsweise ./planmaker.

Die Vollversion bringt das zusätzliche Paket tar xzvf ofl06dict.tgz mit, das gut ein Dutzend zusätzliche Wörterbücher enthält, darunter auch solche für Schweizerisches Deutsch, Italienisch, Rätoromanisch sowie iberische und skandinavische Sprachen. Das Archiv entpacken Sie bei Bedarf ebenfalls in /opt respektive /usr/local, die Dateien landen dann im Unterordner office/spell.

Die Vollversion fragt beim Start noch Name, E-Mail und den Registrierungscode ab. Außerdem haben Sie die Möglichkeit, Privatanschrift und Dienstanschrift zu hinterlegen. Diese ändern Sie später unter Weiteres | Einstellungen | Allgemein. Schließlich konfigurieren Sie einen Ordner, in dem das Paket Beispieldateien und Vorlagen ablegt.

Um Softmaker-Dateien automatisch mit den entsprechenden Programmkomponenten zu öffnen, anstatt immer eine Konsole zum Programmaufruf zu bemühen, machen Sie die Software dem System bekannt. Eine einfache und schnelle Möglichkeit besteht unter KDE darin, mit Rechtsklick auf eine passende Dokumentendatei das Kontextmenü aufzurufen und dort den Eintrag Öffnen mit ... auszuwählen.

Im folgenden Dialog suchen Sie nach der gerade installierten Datei (zum Beispiel /usr/local/office/textmaker) und aktivieren bei Programm diesem Dateityp fest zuordnen die Checkbox. Um gleich mehrere Dateitypen festzulegen, öffnen Sie KDE-Kontrollzentrum | KDE-Komponenten | Dateizuordnungen und geben im Suchfeld die Dateiendungen ein, die Sie zu ändern wünschen. Auf der rechten Fensterseite fügen Sie die Applikation wie eben beschrieben ein und sorgen dafür, dass sie in der Rangreihenfolge oben steht.

Mit einem Rechtsklick auf den Startbutton des K-Menüs wählen Sie den Eintrag Menü-Editor aus. Anschließend klicken Sie den Menüordner an, in den Sie einen Link zur neuen Software platzieren möchten (zum Beispiel Büroprogramme). Geben Sie dem Link einen Namen und tragen den Pfad zur ausführbaren Datei ein. Eigene Icons liefert Softmaker im Unterordner icons in verschiedenen Größen mit.

Sinngemäß gleich funktioniert die Einbindung der Softmaker-Dateien unter Gnome. Nach dem Öffnen des Kontextmenüs wählen Sie hier den Eintrag Eigenschaften und im daraufhin erscheinenden Dialog den Reiter Öffnen mit. Klicken Sie dort den Schalter Hinzufügen an. Im folgenden Dialogfenster wählen Sie ganz unten Einen benutzerdefinierten Befehl verwenden an und geben anschließend den Pfad zu Text- beziehungsweise Planmaker an.

Den Gnome-Menüeditor finden Sie im Startmenü unter Anwendungen | Zubehör | Alacarte Menü Editor. Wählen Sie in dessen linkem Auswahlfeld den Zielordner – in der Regel Büro und generieren Sie dann über den Menüpunkt Datei | Neuer Eintrag Links für die Softmaker-Programme.

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