Augen auf beim Notebook-Kauf!

Kauftest: Gebrauchte Notebooks im Internet

01.03.2007 Manch einer liebäugelt mit dem Kauf eines Second-Hand-Notebooks für Linux. Unser Kauftest zeigt, wie sehr man mit dem Online-Handel hereinfallen kann.

Linux eilt nicht nur der Ruf voraus, sehr stabil und robust zu arbeiten, sondern auch der Nimbus, schonend mit Hardwareressourcen umzugehen. Bestimmte Distributionen, wie etwa Damn Small Linux, geben sogar noch auf Maschinen mit 80486-Prozessoren ordentlich Gas – und zwar mit einer brauchbaren grafischen Oberfläche. Auch wird die Treiberentwicklung wegen des im Allgemeinen geringen Interesses der Industrie sehr oft von freien Entwicklern vorangetrieben, sodass Linux am besten auf etwas älteren Rechnern, die nicht über brandneue Hardware verfügen, seine Fähigkeiten entfaltet. Es liegt also für den Einsteiger nahe, sich einen gebrauchten PC für Linux zu beschaffen. In Zeiten nahezu unbegrenzter Mobilität liebäugeln viele Anwender zudem mit gebrauchten Notebooks – Grund genug für uns, das Angebot von Online-Händlern im Rahmen eines Kauftests näher unter die Lupe zu nehmen.

Kaufkriterien für den "Gebrauchten"

Wer sich für Linux als Betriebssystem entschieden hat und ein Notebook aus zweiter Hand dazu verwenden möchte, steht zunächst vor einigen Problemen: Die Hardware gängiger Notebooks kommt größtenteils nicht "von der Stange". Mobile Geräte sollen mit der vorhandenen Energie möglichst sparsam umgehen, zugleich auch noch klein und kompakt sein und trotzdem hohen Bedienkomfort bieten. Daher kommen in Notebooks viele Komponenten zum Einsatz, die speziell auf diese Anforderungen hin entwickelt wurden.

So verwenden nahezu alle Geräte besondere Onboard-Grafikchips, deren Videospeicher (sofern überhaupt vorhanden) sich nicht aufrüsten lässt. Zur Ausstattung zählen oft auch spezielle Mini-PCI-Karten, die in der Regel ein Modem und einen Netzwerkanschluss beherbergen. Neuere Geräte verfügen außerdem manchmal noch über Firewire-, Bluetooth- und Infrarot-Anschlüsse. Alle diese besonderen Komponenten benötigen besondere Treiber, so dass nicht immer sofort klar ist, ob ein Notebook auch unter Linux zufriedenstellend funktioniert.

Einsteiger wie auch "alte Hasen" sollten sich daher zunächst vor dem Kauf kundig machen, ob das Wunschgerät überhaupt mit Linux harmoniert. Hierzu bieten sich verschiedene Seiten im Internet an [1], die jedoch in beträchtlichem Umfang auf veralteten Daten beruhen. Doch in Zeiten, in denen Linux in manchen Bereichen mit steigender Tendenz bereits 20 Prozent Marktanteil verzeichnet, sollte es eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dass der Händler, der solche erklärungsbedürftigen Geräte verkauft, dazu kompetent Auskunft erteilen kann.

Marke vs. Billigheimer

Der Markt für Notebooks teilt sich in zwei große Gruppen: Auf der einen Seite stehen die Consumer-Geräte von Anbietern wie Acer, Asus, Dell, Fujitsu-Siemens, Gericom, Medion, Panasonic, Sony oder Targa. Auf der anderen Seite finden sich Systeme für den Business-Sektor, vor allem von IBM, gefolgt von HP und Toshiba.

Während HP und Toshiba mit einigen besonders kostengünstigen Baureihen mehr oder weniger erfolgreich versuchen, auch im Segment der Billigheimer mit zu mischen, bedienen die Thinkpad-Baureihen von IBM/Lenovo ausschließlich den Profi-Sektor. Das zeigt sich unter anderem daran, dass kein anderer Hersteller weltweit so viele Patente auf mobile IT-Technologien angemeldet hat wie IBM. Auch haben die Thinkpad-Baureihen über die Jahre hinweg mehrere hundert Preise der Fachpresse für herausragende Eigenschaften gewonnen.

Die Profi-Geräte aller Hersteller bestehen aus hochwertigeren Komponenten, besseren Gehäusen, weisen eine bessere Verarbeitung auf und bieten in aller Regel auch eine längere Ersatzteilversorgung. Wer schon einmal versucht hat, für ein fünf Jahre altes Notebook eines Billiganbieters eine neue CPU oder ein neues Motherboard zu bekommen, weiß davon ein Lied zu singen. Zudem betätigen sich Hersteller wie IBM und HP zum Teil bereits seit Jahren aktiv im Linux-Segment. Sie testen und zertifizieren ihre Geräte auch für Linux, so dass man hier eine gute Kompatibilität erwarten darf. Last but not least ist auch der Wiederverkaufswert von Profigeräten, speziell jener von IBM, deutlich höher als der anderer Marken.

Online-Händler

Durch die rasante Verbreitung des Internets haben sich inzwischen in großer Zahl Online-Händler etabliert, die gebrauchte Notebooks feilbieten. Bei den Gebrauchtgeräten handelt es sich nahezu ausschließlich um Geräte der Hersteller Dell, Fujitsu-Siemens, HP, IBM und Toshiba. Bei den Geräten handelt es sich überwiegend so genannte Leasing-Rückläufer: also Systeme, die aus ausgelaufenen Verträgen vom Leasingnehmer nicht übernommen wurden.

Die Remarketer kaufen solche Geräte international auf, was man beispielsweise daran erkennt, dass die Notebooks nicht über eine deutsche Tastatur verfügen. Diese ausländische Tastatur – gelegentlich sogar mit anderer Tastenanzahl – wird dann "umgelabelt", also mit deutschen Aufklebern versehen. Manche Geräte verfügen auch über eine in Deutschland nicht übliche Ausstattung: So bieten längst nicht alle Systeme, die aus den USA oder Japan stammen, die gleiche Hardware wie deutsche Geräte. Dies betrifft insbesondere Komponenten der Kommunikation, also Modems, LAN- und WLAN-Karten: Teils operieren sie nach US-Standard, teils fehlen sie ganz.

Die auf diese Weise recycelten Maschinen bieten die Händler sodann online an. Dabei nutzen sie verschiedenste Vertriebswege: So landen die Rechner sowohl im Onlineshop des Händlers als auch in Internet-Foren und Auktionshäusern wie Ebay. Dass ein Webshop diverse Geräte anpreist, bedeutet noch lange nicht, dass diese Systeme auch beim Händler im Lager liegen. Weist der Onlineshop längere Lieferzeiten aus (etwa acht oder zehn Tage), so heißt das in der Regel, dass der Händler das gewünschte Gerät erst bestellen muss. Ist es dann beim Hersteller vergriffen, muss der Kunde möglicherweise noch länger warten, falls er nicht den Auftrag stornieren kann.

Testabwicklung

Unsere Testkäuferin – eine Hochschuldozentin im Fremdsprachenbereich – entscheidet sich als Linux-Einsteigerin zum Kauf eines gebrauchten IBM Thinkpads. Das Anforderungsprofil ist klar umrissen: Das Gerät soll neben der Nutzung des Internets in erster Linie Übersetzungen in Fremdsprachen sowie Nachbearbeitungen digital aufgenommener Fotos ermöglichen, wobei die Übersetzungen im Zwei-Fenster-Betrieb, mit deutschem Text auf der einen Seite und fremdsprachlichem Text daneben, dargestellt werden sollen. Da vor Ort kein entsprechendes Angebot vorhanden und unsere Testkäuferin zusätzlich allem Neuen gegenüber aufgeschlossen ist, entscheidet sie sich zum Kauf über das Internet.

Nach einer entsprechenden Recherche nimmt unsere Testkäuferin mehrere Händler zur Abgabe eines Angebots für ein gebrauchtes IBM Thinkpad in die engere Wahl: Die Firma Ralf Scharbert [2] aus Wunstorf, Todaysbest GmbH [3] aus Berlin, Barich/Brüne/Blunck GbR ("LapStore") [4] aus Münster und die Firma Marius Müller ("Lapworld") [5] aus St. Augustin. Doch bereits die erste Kontaktaufnahme gestaltet sich teilweise problematisch: Auf den Internetseiten von Lapworld findet sich der dezente Hinweis, dass man vom 20.12.2006 bis zum 03.01.2007 Urlaub macht – Bestellungen in dieser Zeit über den Onlineshop unerwünscht, so dass wir von weiteren Annäherungsversuchen hier Abstand nehmen. Sofortiges Interesse an der Anfrage unserer Testkäuferin bekunden lediglich Ralf Scharbert, LapStore und Todaysbest.

Ralf Scharbert

Die Firma Scharbert aus Wunstorf bei Hannover präsentiert sich im Internet sowohl bei Ebay als auch in einem eigenen Onlineshop. Das überschaubare Angebot im Webshop von Ralf Scharbert weist detaillierte und korrekte technische Daten für die einzelnen Geräte auf, durch ein gut umgesetztes Webdesign findet der Interessent erfreulicherweise schnell, was er sucht. Die Produktfotos scheinen Originalbilder der angebotenen Geräte zu sein, haben also Aussagekraft.

Ralf Scharbert reagiert auf die per E-Mail übermittelte Anfrage unserer Testkäuferin umgehend. Er erkundigt sich jedoch nicht – wie es bei einer fundierten Kundenberatung sein sollte – nach den Anforderungen, die an das zu erwerbende Gerät gestellt werden, sondern fragt stattdessen, welchen Betrag unsere Testkäuferin investieren möchte.

Die potentielle Kundin geht auf diese Frage nicht ein, sondern teilt mit, wofür sie das Gerät verwenden möchte und dass sie ein älteres System der IBM-Thinkpad-A-Serie sucht. Außerdem bittet sie den Verkäufer um eine Beratung, welche Linux-Distribution er für die angebotenen Geräte empfiehlt. Hierauf reagiert Ralf Scharbert ehrlich mit der Aussage, dass er keine Geräte der A-Serien liefern kann und obendrein keine Linux-Kenntnisse hat. Damit scheidet die Firma Scharbert aus unserem Kauftest aus, weil die Interessentin explizit nach einem Linux-System Ausschau hält.

Barich/Brüne/Blunck (LapStore)

Die Firma LapStore Barich/Brüne/Blunck GbR aus Münster bietet ihre Leasing-Rückläufer über verschiedenste Vertriebskanäle an: Neben Ebay als Plattform unterhält LapStore einen eigenen Webauftritt. Zudem bemüht sich die Firma gelegentlich, die Geräte über das deutsche Thinkpad-Forum [6] zu verkaufen.

Der Webshop von LapStore fällt positiv auf durch die einfache Navigation, die es auch Anfängern ermöglicht, schnell das Gesuchte zu finden. Bei näherem Hinsehen jedoch stechen einige unschöne Ungereimtheiten ins Auge: Bei den Fotos der angebotenen Geräte handelt es sich durchgängig nicht um Originalbilder, sondern Beispielfotos, die mit den beschriebenen Notebooks oft nicht einmal den Bautyp gemeinsam haben (Abbildung 1).

Abbildung 1: Bei LapStore gibt es nur Beispielbilder ohne Aussagekraft.

Äußerst unangenehm wirken auf den Fachmann zudem die teilweise falschen technischen Daten, mit denen die Site die Geräte beschreibt (Abbildung 2).

Abbildung 2: Falsche technische Angaben im LapStore-Shop.

Da diese fehlerhaften technischen Beschreibungen im Onlineshop von LapStore kein Einzelfall sind, drängt sich der Eindruck auf, dass die technische Qualifikation des Anbieters generell sehr zu wünschen übrig lässt. Weiterhin fällt auf, dass nahezu alle Geräte im Onlineshop von LapStore den so genannten "Condition Code A" aufweisen. Wer sich die Mühe macht, im Bereich FAQ des Webauftritts die Bedeutung dieser von LapStore erfundenen Kategorisierung zu ergründen, erfährt, dass es sich dabei um Geräte handelt, die übliche Gebrauchsspuren aufweisen, aber weder durch optische noch durch technische Mängel eingeschränkt sind.

Auf die Anfrage unserer Testkäuferin nach einem Linux-tauglichen IBM Thinkpad meldet sich umgehend Herr Brüne, einer der LapStore-Geschäftsführer, um euphorisch mitzuteilen, dass alle seine Notebooks problemlos mit Linux zusammenarbeiten. Er fragt auch gleich, ohne sich nach den Anforderungen des zu kaufenden Geräts zu erkundigen, welche Summe unsere Testkäuferin denn anlegen möchte.

Wieder teilt die Interessentin ihre Anforderungen mit und fragt an, welche Distribution Herr Brüne für ein Gerät der A-Serie empfiehlt. Die Antwort auf diese Frage bleibt der Geschäftsführer von LapStore schuldig – offenbar herrscht bei LapStore beim Thema Linux völlige Ahnungslosigkeit. Erst nachdem unsere Testkäuferin Interesse an zwei Geräten vom Typ A21p und A30p bekundet, erwacht Herr Brüne wieder aus seiner Beratungslethargie und erklärt sofort, diese Geräte seien wegen der hohen Auflösung der Displays gut für die Bildverarbeitung geeignet.

Die Interessentin entschließt sich daher nun, einen etwa drei Jahre alten, technisch gut ausgestatteten (Pentium-3 M mit 1,2 GHz Taktfrequenz, 512 MByte RAM, 50 GByte Festplatte, UXGA-Display mit 1600x1200 Punkten Auflösung) und mit "Condition Code A" beworbenen Rechner vom Typ A30p bei LapStore für 379,00 Euro brutto zuzüglich 12,95 Euro Versandkosten zu kaufen.

Etwa zwei Wochen später trifft bei unserer Testkäuferin das Paket von LapStore ein. Nach dem Öffnen freut sich die stolze Besitzerin des Thinkpad A30p zunächst über ein nahezu neues Netzteil (Herstellungsdatum April 2006) – damit ist aber die Freude über das neu erworbene Notebook auch schon beendet. Nach dem Entfernen des Füllmaterials hält unsere enttäuschte Testkäuferin ein stark verschmutztes Gerät in Händen, dass überall am Gehäuse ekelerregende Schmutz- und Kleberreste verschiedenster Größe aufweist (Abbildung 3).

Völlig verschmutzt und mit einem verräterischen Aufkleber – so kann bei LapStore ein "Condition Code A"-Gerät aussehen.

Ober- wie auch Unterschale sind stark verkratzt. Auf der Unterseite befindet sich ein roter Aufkleber mit der Aufschrift This Product Contains Used Parts – ein untrüglicher Hinweis darauf, dass dieses Gerät bereits vom Hersteller unter Verwendung von gebrauchten Austauschteilen repariert wurde.

Nach dem Aufklappen des Displays steigert sich die Enttäuschung unserer Testkäuferin weiter: Die ausländische Tastatur wurde schlampig und unvollständig auf deutsche Sonderzeichen umgelabelt, und nach dem Einschalten des Geräts zeigt sich, dass eine erneute Reparatur vor dem Verkauf durch die Firma LapStore angezeigt gewesen wäre: Das UXGA-Display weist bei jeder Helligkeit und Farbe einen mehrere Pixel breiten, von oben nach unten über das gesamte Display verlaufenden Streifen auf (Abbildung 4).

Schrottreifes Display beim LapStore-Gerät mit vertikal verlaufendem Streifen.

Dieses Gerät ist von IBM offensichtlich als so genanntes B3-Gerät an LapStore verkauft worden: Auch IBM arbeitet mit eigenen – allerdings aussagekräftigen – Codes, um den Zustand eines Gerätes zu beschreiben. Der B3-Code bezeichnet die minderwertigste Kategorie und bedeutet, dass es sich bei dem so klassifizierten System um einen Rechner mit optischen Mängeln und technischen Defekten handelt. Dass aus einem solchen Gerät plötzlich ein nach der LapStore-Nomenklatur hervorragend erhaltenes, technisch einwandfreies und nur mit minimalen Gebrauchsspuren versehenes Notebook werden kann, dürfte wohl im finanziellen Interesse des Unternehmens begründet sein.

Unsere Testkäuferin bedauert daher, den von LapStore öffentlich verlangten Preis nicht noch durch einen inoffiziellen Aufpreis "aufgerundet" zu haben, denn gegen ein zusätzliches "kleines Entgelt" ist man bei LapStore gern bereit, für den Kunden ein besonderes Gerät auszusuchen [7]. Unter dem "Condition Code A" der Firma Barich/Brüne/Blunck GbR hatte sich unsere Testkäuferin jedenfalls keine Schrottware vorgestellt, und so veranlasst dieser unübersehbare Defekt des Displays die Käuferin, noch am selben Tag gegenüber der Firma LapStore die Rückgabe des Rechners zu erklären – gegen Rückerstattung des Kaufpreises, versteht sich.

Auf die Rücksendeerklärung meldet sich ein Mitarbeiter von LapStore und erklärt, hier sei offenbar ein Gerät – trotz zehn Tagen Lieferfrist – "voreilig" verschickt worden. Man nehme das defekte Notebook selbstverständlich zurück. Verschämt stellt der Mitarbeiter von LapStore sodann die Frage, ob unsere Testkäuferin nicht anstelle der Erstattung des Kaufpreises ein Austauschgerät nehmen wolle. Zu dumm nur, dass die erboste Kundin inzwischen durch einen Besuch des Webshops von LapStore weiß, dass der Lieferant überhaupt kein baugleiches Austauschgerät mehr zur Verfügung hat – das Modell A30p ist ausverkauft. Mit dieser Feststellung konfrontiert, gibt der Verkäufer kleinlaut zu, dass kein derartiges Gerät mehr zum Umtausch zur Verfügung steht. Somit bleibt es bei der Rückerstattung des Kaufpreises.

Todaysbest GmbH

Der Internet-Auftritt der Todaysbest GmbH in Berlin wirkt aufgrund der frischen Farben recht peppig. Der Online-Shop ist vorbildlich aufgebaut; der Besucher findet schnell, was er sucht. Weniger peppig stellt sich dagegen das Angebot dar: Es finden sich vom Hersteller IBM überwiegend Notebooks der Typen T30 und T40/41, also Standardgeräte ohne besondere Ausstattungsmerkmale. Unser Interesse weckt Todaysbest durch ein besonderes Alleinstellungsmerkmal: Als einziger Händler im Test bietet die Firma die Möglichkeit, die Notebooks auch mit Betriebssystem zu erwerben – wobei für viele IBM-Modelle neben anderen auch Ubuntu lieferbar ist.

Unsere Testkäuferin entschließt sich daher, ein Thinkpad T30 bei Todaysbest zu bestellen. Das etwa drei Jahre alte Gerät arbeitet mit einem Intel Pentium-4-M-Prozessor mit 1,8 GHz Taktfrequenz, bringt 256 MByte RAM sowie eine 40 GByte große Festplatte mit und bietet ein 14,1-Zoll-Display. Das Gehäuse besteht aus Titan-Composite, einem außerordentlich widerstandsfähigen Titan-Verbundwerkstoff. Schriftlich sichert Todaysbest zu, auf dem Gerät kostenlos Ubuntu Linux zu installieren. Zudem befindet sich noch ein Port Replicator im Lieferumfang, an den sich externe Geräte wie Drucker oder Laufwerke anschließen lassen, sodass man sie nicht umständlich jedes Mal mit dem Notebook selbst verbinden muss.

Anfang Januar 2007 bezahlen wir für dieses Gerät an Todaysbest rund 410 Euro. Nur wenige Tage später erhält die neue Kundin per E-Mail eine Rechnung über den gezahlten Betrag mitsamt einer entsprechenden Eingangsbestätigung. Die Lieferung soll laut dieser Rechnung innerhalb der nächsten zwei bis drei Tage auf den Weg kommen.

Als nach einer Woche das Gerät immer noch nicht bei der Käuferin eingetroffen ist, kontaktieren wir Todaysbest per E-Mail – ohne jede Reaktion. Nach einigen weiteren Tagen des Wartens schreibt unsere Testkäuferin nochmals eine E-Mail an Todaysbest. Daraufhin kommt eine automatisierte, zweisprachige Antwort zurück, in der der Händler zusichert, die Anfrage schnellstmöglich zu bearbeiten.

Inzwischen sind die Geräte der T30-Baureihe – wie zuvor bereits bei LapStore die A30-Thinkpads – aus dem Online-Angebot von Todaysbest verschwunden. Auf eine erneute Anfrage per E-Mail erhält die Kundin wiederum eine automatisch generierte Antwort. Zwei Tage vor Redaktionsschluss kommt bei unserer entnervten Testkäuferin dann doch noch ohne vorherige Benachrichtigung per E-Mail das bestellte Gerät an – aus zwei bis drei Tagen zugesagter Lieferfrist sind etwa zwei Wochen realer Lieferzeit geworden.

Beim Auspacken der Lieferung sticht zunächst der äußerlich tadellose Port Replicator ins Auge. Danach weicht die Freude jedoch erneut purer Enttäuschung: Das IBM-System ist auf der Unterseite stellenweise bis auf das blanke Metall zerkratzt, jener von LapStore her bekannte Aufkleber This Product Contains Used Parts ziert auch das Gerät von Todaysbest (Abbildung 5).

Auch bei todaysbest ist die Ware bereits repariert worden.

Nach dem Aufklappen des Displays fallen uns schlecht umgelabelte Tasten auf, die sich mit kursiver Beschriftung deutlich von einer Standardtastatur unterscheiden (Abbildung 6).

Umlaute und Sonderzeichen kursiv – eine schlampig umgelabelte Tastatur beim T30 von Todaysbest.

Nach dem Einschalten startet Ubuntu 6.10, das bereits in einer Standardinstallation auf das System übertragen wurde. Doch schon nach einer kurzen Zeit des Betrachtens fällt auf, dass das Display immer dunkler wird, und selbst bei Netzbetrieb und höchster Helligkeitsstufe muss man den Raum abdunkeln, um damit ordentlich arbeiten zu können.

Eine nähere Untersuchung zeigt, dass das Display nicht mehr im originalen Zustand ist: Der Displayrahmen war bereits geöffnet, wie man an fehlenden Abdeckungen leicht auch als Laie erkennen kann. Aufgrund der niedrigen Auflösung (Standard-XGA) und einer schwammig wirkenden Darstellung ist zudem weder eine vernünftige Bildbearbeitung noch der geforderte Zwei-Fenster-Betrieb für Übersetzungen möglich.

Zudem macht das mit zunehmender Betriebsdauer des Gerätes selbsttätig abdunkelnde Display die Arbeit mit der Zeit zur Qual. Unsere enttäuschte Käuferin entschließt sich daher, auch dieses Gerät postwendend gegen Erstattung des Kaufpreises zurückzugeben.

Fazit

Die getesteten Online-Händler können mit den hier dokumentierten Praktiken in kleiner Weise überzeugen. Einzig die Firma Todaysbest GmbH in Berlin hat offenbar schon einmal etwas vom Betriebssystem Linux gehört und bietet dieses auch in ihrem Webshop zumindest für viele IBM-Notebooks an.

Die rote Laterne dagegen trägt die Firma Barich/Brüne/Blunck LapStore GbR aus Münster. Hier stimmt wirklich gar nichts: Teilweise fehlerhafte Produktbeschreibungen im Onlineshop, erschreckende allgemeine Beratungsdefizite, beim Thema Linux völlige Ahnungslosigkeit und schließlich auch noch ein schrottreifes Gerät – diese Art der "Auftragsabwicklung" erinnert eher an eine daneben gegangene Münsteraner Karnevalsveranstaltung denn an eine seriöse Unternehmung.

Der Kunde muss generell bei Online-Händlern, die mit Leasing-Rückläufern ihr Geld verdienen, mit bösen Überraschungen rechnen: Wie das Beispiel LapStore eindrucksvoll zeigt, werden ihm auch "voreilig" offensichtlich defekte Geräte untergejubelt – wer bei dieser Firma ein wirklich ausgesuchtes Gerät kaufen möchte, sollte dies der Geschäftsleitung vorab mitteilen und ein "kleines Entgelt" zusätzlich zum ausgewiesenen Kaufpreis gleich einkalkulieren.

Dass es gängige Praxis ist, auf solch unseriöse Art defekte Geräte noch zu Geld zu machen, belegen auch viele Meldungen in diversen Foren. In jedem Fall sollte der Kunde sich vor dem Kauf bei verschiedenen Händlern und im Internet eingehend informieren und die Korrespondenz zur Gänze schriftlich dokumentieren – sonst wird aus der Lust an dem neuen Gerät und Linux ganz schnell Frust.

Glossar

IBM/Lenovo

Lenovo ist der führende PC-Hersteller der Volksrepublik China. Zum 1. Mai 2005 hat das Unternehmen die PC-Sparte von IBM um Preis von 1,75 Mrd. US-Dollar übernommen, darunter auch die Thinkpad-Notebook-Serie.

Remarketer

Neuhochdeutsch für Gebraucht-Hardware-Händler. Sie kaufen bei Firmen ausgediente Hardware auf, überholen sie und bieten sie dann zum Kauf an.

[1] Linux für Mobilsysteme: http://www.tuxmobil.org

[2] Online-Shop von R. Scharbert: http://www.ralf-scharbert.de

[3] Online-Shop der todaysbest GmbH: http://www.tb-computers.de

[4] Online-Shop von LapStore: http://www.lapstore.de

[5] Online-Shop von Lapworld: http://www.lapworld.de

[6] Deutsches Thinkpad-Forum: http://www.thinkpad-forum.de/

[7] LapStore – "gegen kleines Entgelt …": http://www.thinkpad-forum.de/thread.php?threadid=7020&postid=60799

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