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Kauftest: Gebrauchte Notebooks im Internet

Todaysbest GmbH

Der Internet-Auftritt der Todaysbest GmbH in Berlin wirkt aufgrund der frischen Farben recht peppig. Der Online-Shop ist vorbildlich aufgebaut; der Besucher findet schnell, was er sucht. Weniger peppig stellt sich dagegen das Angebot dar: Es finden sich vom Hersteller IBM überwiegend Notebooks der Typen T30 und T40/41, also Standardgeräte ohne besondere Ausstattungsmerkmale. Unser Interesse weckt Todaysbest durch ein besonderes Alleinstellungsmerkmal: Als einziger Händler im Test bietet die Firma die Möglichkeit, die Notebooks auch mit Betriebssystem zu erwerben – wobei für viele IBM-Modelle neben anderen auch Ubuntu lieferbar ist.

Unsere Testkäuferin entschließt sich daher, ein Thinkpad T30 bei Todaysbest zu bestellen. Das etwa drei Jahre alte Gerät arbeitet mit einem Intel Pentium-4-M-Prozessor mit 1,8 GHz Taktfrequenz, bringt 256 MByte RAM sowie eine 40 GByte große Festplatte mit und bietet ein 14,1-Zoll-Display. Das Gehäuse besteht aus Titan-Composite, einem außerordentlich widerstandsfähigen Titan-Verbundwerkstoff. Schriftlich sichert Todaysbest zu, auf dem Gerät kostenlos Ubuntu Linux zu installieren. Zudem befindet sich noch ein Port Replicator im Lieferumfang, an den sich externe Geräte wie Drucker oder Laufwerke anschließen lassen, sodass man sie nicht umständlich jedes Mal mit dem Notebook selbst verbinden muss.

Anfang Januar 2007 bezahlen wir für dieses Gerät an Todaysbest rund 410 Euro. Nur wenige Tage später erhält die neue Kundin per E-Mail eine Rechnung über den gezahlten Betrag mitsamt einer entsprechenden Eingangsbestätigung. Die Lieferung soll laut dieser Rechnung innerhalb der nächsten zwei bis drei Tage auf den Weg kommen.

Als nach einer Woche das Gerät immer noch nicht bei der Käuferin eingetroffen ist, kontaktieren wir Todaysbest per E-Mail – ohne jede Reaktion. Nach einigen weiteren Tagen des Wartens schreibt unsere Testkäuferin nochmals eine E-Mail an Todaysbest. Daraufhin kommt eine automatisierte, zweisprachige Antwort zurück, in der der Händler zusichert, die Anfrage schnellstmöglich zu bearbeiten.

Inzwischen sind die Geräte der T30-Baureihe – wie zuvor bereits bei LapStore die A30-Thinkpads – aus dem Online-Angebot von Todaysbest verschwunden. Auf eine erneute Anfrage per E-Mail erhält die Kundin wiederum eine automatisch generierte Antwort. Zwei Tage vor Redaktionsschluss kommt bei unserer entnervten Testkäuferin dann doch noch ohne vorherige Benachrichtigung per E-Mail das bestellte Gerät an – aus zwei bis drei Tagen zugesagter Lieferfrist sind etwa zwei Wochen realer Lieferzeit geworden.

Beim Auspacken der Lieferung sticht zunächst der äußerlich tadellose Port Replicator ins Auge. Danach weicht die Freude jedoch erneut purer Enttäuschung: Das IBM-System ist auf der Unterseite stellenweise bis auf das blanke Metall zerkratzt, jener von LapStore her bekannte Aufkleber This Product Contains Used Parts ziert auch das Gerät von Todaysbest (Abbildung 5).

Auch bei todaysbest ist die Ware bereits repariert worden.

Nach dem Aufklappen des Displays fallen uns schlecht umgelabelte Tasten auf, die sich mit kursiver Beschriftung deutlich von einer Standardtastatur unterscheiden (Abbildung 6).

Umlaute und Sonderzeichen kursiv – eine schlampig umgelabelte Tastatur beim T30 von Todaysbest.

Nach dem Einschalten startet Ubuntu 6.10, das bereits in einer Standardinstallation auf das System übertragen wurde. Doch schon nach einer kurzen Zeit des Betrachtens fällt auf, dass das Display immer dunkler wird, und selbst bei Netzbetrieb und höchster Helligkeitsstufe muss man den Raum abdunkeln, um damit ordentlich arbeiten zu können.

Eine nähere Untersuchung zeigt, dass das Display nicht mehr im originalen Zustand ist: Der Displayrahmen war bereits geöffnet, wie man an fehlenden Abdeckungen leicht auch als Laie erkennen kann. Aufgrund der niedrigen Auflösung (Standard-XGA) und einer schwammig wirkenden Darstellung ist zudem weder eine vernünftige Bildbearbeitung noch der geforderte Zwei-Fenster-Betrieb für Übersetzungen möglich.

Zudem macht das mit zunehmender Betriebsdauer des Gerätes selbsttätig abdunkelnde Display die Arbeit mit der Zeit zur Qual. Unsere enttäuschte Käuferin entschließt sich daher, auch dieses Gerät postwendend gegen Erstattung des Kaufpreises zurückzugeben.

Fazit

Die getesteten Online-Händler können mit den hier dokumentierten Praktiken in kleiner Weise überzeugen. Einzig die Firma Todaysbest GmbH in Berlin hat offenbar schon einmal etwas vom Betriebssystem Linux gehört und bietet dieses auch in ihrem Webshop zumindest für viele IBM-Notebooks an.

Die rote Laterne dagegen trägt die Firma Barich/Brüne/Blunck LapStore GbR aus Münster. Hier stimmt wirklich gar nichts: Teilweise fehlerhafte Produktbeschreibungen im Onlineshop, erschreckende allgemeine Beratungsdefizite, beim Thema Linux völlige Ahnungslosigkeit und schließlich auch noch ein schrottreifes Gerät – diese Art der "Auftragsabwicklung" erinnert eher an eine daneben gegangene Münsteraner Karnevalsveranstaltung denn an eine seriöse Unternehmung.

Der Kunde muss generell bei Online-Händlern, die mit Leasing-Rückläufern ihr Geld verdienen, mit bösen Überraschungen rechnen: Wie das Beispiel LapStore eindrucksvoll zeigt, werden ihm auch "voreilig" offensichtlich defekte Geräte untergejubelt – wer bei dieser Firma ein wirklich ausgesuchtes Gerät kaufen möchte, sollte dies der Geschäftsleitung vorab mitteilen und ein "kleines Entgelt" zusätzlich zum ausgewiesenen Kaufpreis gleich einkalkulieren.

Dass es gängige Praxis ist, auf solch unseriöse Art defekte Geräte noch zu Geld zu machen, belegen auch viele Meldungen in diversen Foren. In jedem Fall sollte der Kunde sich vor dem Kauf bei verschiedenen Händlern und im Internet eingehend informieren und die Korrespondenz zur Gänze schriftlich dokumentieren – sonst wird aus der Lust an dem neuen Gerät und Linux ganz schnell Frust.

Glossar

IBM/Lenovo

Lenovo ist der führende PC-Hersteller der Volksrepublik China. Zum 1. Mai 2005 hat das Unternehmen die PC-Sparte von IBM um Preis von 1,75 Mrd. US-Dollar übernommen, darunter auch die Thinkpad-Notebook-Serie.

Remarketer

Neuhochdeutsch für Gebraucht-Hardware-Händler. Sie kaufen bei Firmen ausgediente Hardware auf, überholen sie und bieten sie dann zum Kauf an.

[1] Linux für Mobilsysteme: http://www.tuxmobil.org

[2] Online-Shop von R. Scharbert: http://www.ralf-scharbert.de

[3] Online-Shop der todaysbest GmbH: http://www.tb-computers.de

[4] Online-Shop von LapStore: http://www.lapstore.de

[5] Online-Shop von Lapworld: http://www.lapworld.de

[6] Deutsches Thinkpad-Forum: http://www.thinkpad-forum.de/

[7] LapStore – "gegen kleines Entgelt …": http://www.thinkpad-forum.de/thread.php?threadid=7020&postid=60799

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