Augen auf beim Notebook-Kauf!
Kauftest: Gebrauchte Notebooks im Internet
Ralf Scharbert
Die Firma Scharbert aus Wunstorf bei Hannover präsentiert sich im Internet sowohl bei Ebay als auch in einem eigenen Onlineshop. Das überschaubare Angebot im Webshop von Ralf Scharbert weist detaillierte und korrekte technische Daten für die einzelnen Geräte auf, durch ein gut umgesetztes Webdesign findet der Interessent erfreulicherweise schnell, was er sucht. Die Produktfotos scheinen Originalbilder der angebotenen Geräte zu sein, haben also Aussagekraft.
Ralf Scharbert reagiert auf die per E-Mail übermittelte Anfrage unserer Testkäuferin umgehend. Er erkundigt sich jedoch nicht – wie es bei einer fundierten Kundenberatung sein sollte – nach den Anforderungen, die an das zu erwerbende Gerät gestellt werden, sondern fragt stattdessen, welchen Betrag unsere Testkäuferin investieren möchte.
Die potentielle Kundin geht auf diese Frage nicht ein, sondern teilt mit, wofür sie das Gerät verwenden möchte und dass sie ein älteres System der IBM-Thinkpad-A-Serie sucht. Außerdem bittet sie den Verkäufer um eine Beratung, welche Linux-Distribution er für die angebotenen Geräte empfiehlt. Hierauf reagiert Ralf Scharbert ehrlich mit der Aussage, dass er keine Geräte der A-Serien liefern kann und obendrein keine Linux-Kenntnisse hat. Damit scheidet die Firma Scharbert aus unserem Kauftest aus, weil die Interessentin explizit nach einem Linux-System Ausschau hält.
Barich/Brüne/Blunck (LapStore)
Die Firma LapStore Barich/Brüne/Blunck GbR aus Münster bietet ihre Leasing-Rückläufer über verschiedenste Vertriebskanäle an: Neben Ebay als Plattform unterhält LapStore einen eigenen Webauftritt. Zudem bemüht sich die Firma gelegentlich, die Geräte über das deutsche Thinkpad-Forum [6] zu verkaufen.
Der Webshop von LapStore fällt positiv auf durch die einfache Navigation, die es auch Anfängern ermöglicht, schnell das Gesuchte zu finden. Bei näherem Hinsehen jedoch stechen einige unschöne Ungereimtheiten ins Auge: Bei den Fotos der angebotenen Geräte handelt es sich durchgängig nicht um Originalbilder, sondern Beispielfotos, die mit den beschriebenen Notebooks oft nicht einmal den Bautyp gemeinsam haben (Abbildung 1).
Äußerst unangenehm wirken auf den Fachmann zudem die teilweise falschen technischen Daten, mit denen die Site die Geräte beschreibt (Abbildung 2).
Da diese fehlerhaften technischen Beschreibungen im Onlineshop von LapStore kein Einzelfall sind, drängt sich der Eindruck auf, dass die technische Qualifikation des Anbieters generell sehr zu wünschen übrig lässt. Weiterhin fällt auf, dass nahezu alle Geräte im Onlineshop von LapStore den so genannten "Condition Code A" aufweisen. Wer sich die Mühe macht, im Bereich FAQ des Webauftritts die Bedeutung dieser von LapStore erfundenen Kategorisierung zu ergründen, erfährt, dass es sich dabei um Geräte handelt, die übliche Gebrauchsspuren aufweisen, aber weder durch optische noch durch technische Mängel eingeschränkt sind.
Auf die Anfrage unserer Testkäuferin nach einem Linux-tauglichen IBM Thinkpad meldet sich umgehend Herr Brüne, einer der LapStore-Geschäftsführer, um euphorisch mitzuteilen, dass alle seine Notebooks problemlos mit Linux zusammenarbeiten. Er fragt auch gleich, ohne sich nach den Anforderungen des zu kaufenden Geräts zu erkundigen, welche Summe unsere Testkäuferin denn anlegen möchte.
Wieder teilt die Interessentin ihre Anforderungen mit und fragt an, welche Distribution Herr Brüne für ein Gerät der A-Serie empfiehlt. Die Antwort auf diese Frage bleibt der Geschäftsführer von LapStore schuldig – offenbar herrscht bei LapStore beim Thema Linux völlige Ahnungslosigkeit. Erst nachdem unsere Testkäuferin Interesse an zwei Geräten vom Typ A21p und A30p bekundet, erwacht Herr Brüne wieder aus seiner Beratungslethargie und erklärt sofort, diese Geräte seien wegen der hohen Auflösung der Displays gut für die Bildverarbeitung geeignet.
Die Interessentin entschließt sich daher nun, einen etwa drei Jahre alten, technisch gut ausgestatteten (Pentium-3 M mit 1,2 GHz Taktfrequenz, 512 MByte RAM, 50 GByte Festplatte, UXGA-Display mit 1600x1200 Punkten Auflösung) und mit "Condition Code A" beworbenen Rechner vom Typ A30p bei LapStore für 379,00 Euro brutto zuzüglich 12,95 Euro Versandkosten zu kaufen.
Etwa zwei Wochen später trifft bei unserer Testkäuferin das Paket von LapStore ein. Nach dem Öffnen freut sich die stolze Besitzerin des Thinkpad A30p zunächst über ein nahezu neues Netzteil (Herstellungsdatum April 2006) – damit ist aber die Freude über das neu erworbene Notebook auch schon beendet. Nach dem Entfernen des Füllmaterials hält unsere enttäuschte Testkäuferin ein stark verschmutztes Gerät in Händen, dass überall am Gehäuse ekelerregende Schmutz- und Kleberreste verschiedenster Größe aufweist (Abbildung 3).
Ober- wie auch Unterschale sind stark verkratzt. Auf der Unterseite befindet sich ein roter Aufkleber mit der Aufschrift This Product Contains Used Parts – ein untrüglicher Hinweis darauf, dass dieses Gerät bereits vom Hersteller unter Verwendung von gebrauchten Austauschteilen repariert wurde.
Nach dem Aufklappen des Displays steigert sich die Enttäuschung unserer Testkäuferin weiter: Die ausländische Tastatur wurde schlampig und unvollständig auf deutsche Sonderzeichen umgelabelt, und nach dem Einschalten des Geräts zeigt sich, dass eine erneute Reparatur vor dem Verkauf durch die Firma LapStore angezeigt gewesen wäre: Das UXGA-Display weist bei jeder Helligkeit und Farbe einen mehrere Pixel breiten, von oben nach unten über das gesamte Display verlaufenden Streifen auf (Abbildung 4).
Dieses Gerät ist von IBM offensichtlich als so genanntes B3-Gerät an LapStore verkauft worden: Auch IBM arbeitet mit eigenen – allerdings aussagekräftigen – Codes, um den Zustand eines Gerätes zu beschreiben. Der B3-Code bezeichnet die minderwertigste Kategorie und bedeutet, dass es sich bei dem so klassifizierten System um einen Rechner mit optischen Mängeln und technischen Defekten handelt. Dass aus einem solchen Gerät plötzlich ein nach der LapStore-Nomenklatur hervorragend erhaltenes, technisch einwandfreies und nur mit minimalen Gebrauchsspuren versehenes Notebook werden kann, dürfte wohl im finanziellen Interesse des Unternehmens begründet sein.
Unsere Testkäuferin bedauert daher, den von LapStore öffentlich verlangten Preis nicht noch durch einen inoffiziellen Aufpreis "aufgerundet" zu haben, denn gegen ein zusätzliches "kleines Entgelt" ist man bei LapStore gern bereit, für den Kunden ein besonderes Gerät auszusuchen [7]. Unter dem "Condition Code A" der Firma Barich/Brüne/Blunck GbR hatte sich unsere Testkäuferin jedenfalls keine Schrottware vorgestellt, und so veranlasst dieser unübersehbare Defekt des Displays die Käuferin, noch am selben Tag gegenüber der Firma LapStore die Rückgabe des Rechners zu erklären – gegen Rückerstattung des Kaufpreises, versteht sich.
Auf die Rücksendeerklärung meldet sich ein Mitarbeiter von LapStore und erklärt, hier sei offenbar ein Gerät – trotz zehn Tagen Lieferfrist – "voreilig" verschickt worden. Man nehme das defekte Notebook selbstverständlich zurück. Verschämt stellt der Mitarbeiter von LapStore sodann die Frage, ob unsere Testkäuferin nicht anstelle der Erstattung des Kaufpreises ein Austauschgerät nehmen wolle. Zu dumm nur, dass die erboste Kundin inzwischen durch einen Besuch des Webshops von LapStore weiß, dass der Lieferant überhaupt kein baugleiches Austauschgerät mehr zur Verfügung hat – das Modell A30p ist ausverkauft. Mit dieser Feststellung konfrontiert, gibt der Verkäufer kleinlaut zu, dass kein derartiges Gerät mehr zum Umtausch zur Verfügung steht. Somit bleibt es bei der Rückerstattung des Kaufpreises.



