Der Mobilfunkanbieter O2 hat die UMTS-Technologie als erste Firma domestiziert. Seit langem schon bietet O2 eine kleine Box an [1], mit der Anwender Zuhause in den Genuss einer UMTS-Verbindung kommen. Die sinkenden Preise (siehe Tabelle "Tarife") machen die UMTS Surf@home-Box aber erst jetzt wirklich als DSL-Alternative attraktiv. Technisch lohnt sich ebenfalls ein Blick auf das Gerät (Abbildung 1).
Für den Anwender weitgehend unbemerkt sorgt nämlich ein Linux-System (Kernel 2.4.21) auf der Box für sicheren und stabilen Online-Genuss. O2 hat sich bei der Wahl der Hardware auf den Hersteller Option verlassen, das Gerät basiert auf dem Globe Surfer 3G [2].
Darauf läuft ein angepasstes OpenRG-System [3], die GPL-Teile der Software bietet O2 Lizenz-konform zum Download an [4]. Einige Programme, etwa die Firewall, gibt es allerdings nicht unter einer Open-Source-Lizenz. Äußerlich macht die Surf-Box schon einiges her: In elegantem Weiß und mit einem großen Display ausgestattet braucht sie sich nicht unter dem Tisch verstecken.
Tarife
| Tarif | Inklusiv-Minuten/Inklusiv-Volumen (MByte)1) | mtl. Grundgebühr |
|---|---|---|
| Surf@home ohne Surf-Pack | - | 9,99 Euro |
| Surf@home mit Time 10 oder Volume 500 | 10/500 | 19,99 Euro |
| Surf@home mit Time 20 oder Volume 1000 | 20/1000 | 24,99 Euro |
| Surf@home mit Time 40 oder Volume 2000 | 40/2000 | 31,99 Euro |
| 1) Kunden können zwischen Inklusiv-Minuten und -Volumen entscheiden. |
Haben Sie das Gerät ans Stromnetz angeschlossen und per Netzwerkkabel mit dem PC verbunden, greifen Sie mit dem Browser über die IP-Adresse 192.168.1.1 auf das Webinterface zu. Adressen vergibt die Box standardmäßig per DHCP. Praktischerweise hat O2 die Standardwerte für IP-Adresse und WLAN-Konfiguration auf der Unterseite aufgedruckt. Es empfiehlt sich nicht nur deswegen, die WLAN-SSID so schnell wie möglich zu ändern.
Beim ersten Start offeriert das Gerät die Auswahl zwischen den Sprachen Englisch und Deutsch für die Oberfläche. Danach setzen Sie das Passwort für den Administrator und gelangen anschließend auf die Quick-Setup-Seite. Hier sollte unter dem Punkt UMTS alles Nötige bereits eingerichtet sein. Falls nicht: Der Name des Zugangspunkts (auch als Access Point Name, APN bekannt) für das O2-UMTS-Netz lautet pwi.o2.com.
Obwohl selbst die Anleitung empfiehlt, das Aussenden der SSID (SSID Broadcast) zu verbieten, hat der Hersteller sie standardmäßig eingeschaltet. Bei den Verschlüsselungstechniken bietet die Surf@home-Box das (einigermaßen unsichere) WEP sowie das neuere WPA an. Der Menüpunkt Sicherheitsstufe verunsichert eher, denn die Wahl zwischen minimaler, normaler und maximaler Sicherheitsstufe erweist sich als nicht besonders aussagekräftig. Hier sollte ein Hilfetext darauf hinweisen, was mit welcher Sicherheitsstufe möglich ist.
Im letzten Schritt gilt es, den PIN-Code einzugeben. Danach sucht das Gerät eigenständig ein UMTS-Netz. Ein Klick auf den Button Verbinden in der Weboberfläche (oder ein Druck auf den Knopf Connect auf dem Gerät) bringt einen dann online. Im Test wollte der Verbindungsaufbau nicht auf Anhieb funktionieren, ein Anruf bei der Support-Hotline löste das Problem aber schnell: Es war nicht die richtige Adresse im System gespeichert. Jede Surf@home-Box ist nämlich an eine einzige Adresse gebunden, dass heißt, Sie können das Gerät also nicht mit auf Reisen nehmen.
Im Testgebiet, der Bonner Innenstadt, bot das UMTS-Gerät eine hohe Datenrate von knapp 300 KBit/s, die sich sogar recht stark den theoretisch möglichen 384 KBit/s annähert. Die Hardware zeigt Auf dem 128x64 Pixel großen Display den Status der Connection an. Zwei Punkte signalisieren daneben ein- und ausgehenden Verkehr.
Das Webinterface bietet eine Menge Funktionen, die weit über die Anforderungen eines Heimanwenders hinausgehen. So ist es etwa möglich, beliebig viele Netzwerkschnittstellen (für VLAN, Bridging, PPTP, L2TP oder IPSec) anzulegen (Abbildung 2). Die Option, einen VPN-Server zu starten, lohnt sich hier allerdings nur bedingt, da es sich um eine Einwählverbindung mit dynamischer IP-Adresse handelt und sich diese spätestens alle 24 Stunden ändert. Die Möglichkeit, einen Service wie DynDNS zu nutzen, bietet das Interface leider nicht.
Der Menüpunkt Sicherheit ist deutlich aussagekräftiger als die eben erwähnte Auswahl im Quick Setup. Hier haben Sie nicht nur eine Auswahl zwischen den drei genannten Optionen, sondern legen sehr viel detailliertere Sicherheitsrichtlinien fest. Für Heimanwender sind Konfigurationen wie DMZ oder Port Triggering aber ziemlich unwichtig.
Neben der Vielzahl an fortgeschrittenen Konfigurationsmöglichkeiten gibt es unter Erweitert einen so genannten SMS Manager. Mit ihm versenden und empfangen Sie SMS über die Surf@home-Box: Einfach den Text sowie eine Telefonnummer eingeben und auf Senden klicken. Mit der Option Flash-SMS zeigt das empfangende Handy die SMS direkt im Display an, ohne dass der Empfänger sie zu öffnen braucht.
Teilen Sie Freunden und Kollegen die Mobilfunknummer Ihrer Box mit, können diese Ihnen eine SMS wie auf ein gewöhnliches Handy schicken. Das Gerät zeigt dann ein Briefsymbol im Display an, die Nachricht öffnen Sie über den Eingang des SMS Managers.
Das Surfen per UMTS war lange Zeit gut betuchten Geschäftsleuten vorbehalten. Mittlerweile haben die Anbieter erkannt, dass sie so die hohen Gebühren für die Funklizenzen so nicht wettmachen und bieten auch für Privatkunden erträgliche Preise an. O2s UMTS-Surf@home-Box stellt hier ein erfreuliches Produkt dar.
Für Haushalte, die nicht im DSL-Einzugsgebiet liegen, scheint das Angebot auf den ersten Blick interessant, doch wo es kein DSL gibt, gibt es erfahrungsgemäß auch kein UMTS. Diesen Kunden nützt das Surf@home-Angebot also nicht wirklich viel. Allerdings sehen es viele DSL-Kunden nicht mehr ein, für einen reinen DSL-Anschluss auch noch die Gebühr für eine Telefonleitung zu bezahlen, es gibt schließlich IP-Telefonie. In diesem Bereich könnte sich Surf@home als durchaus attraktive Alternative erweisen.
Glossar
SSID
Service Set Identifier. Die SSID gibt jedem Funknetzwerk, das auf dem Standard IEEE 802.11 aufbaut, einen eindeutigen Namen. So unterscheiden Nutzer, mit welchem der verfügbaren Funknetze in der Umgebung sie sich verbinden wollen.
DMZ
Eine demilitarisierte Zone (DMZ) stellt eine zusätzliche Schicht zwischen dem Internet und dem lokalen Netz dar. In komplexeren Netzwerkkonfigurationen befinden sich alle Server, die Dienste ins Internet anbieten, in der DMZ, um das lokale Netz vor Zugriffen von außen zu schützen.
Port Triggering
Normalerweise erlaubt ein Router nur ausgehende Verbindungen, eingehende fängt er bereits am Router-Port ab. Haben Sie Port Triggering aktiviert, erlaubt der Router, sobald Sie an einem bestimmten Port raussenden, eingehende Verbindungen an einem anderen, vorher festgelegten Port und leitet sie an den Ursprungs-PC weiter, der die Verbindung nach außen geöffnet hat. Für bestimmte Dienste wie IRC, der (per Ident, Port 113) die Identität des Clients abfragt, ist Port Triggering daher sinnvoll, aber nicht zwingend notwendig.
[1] Surf@home Box im O2-Shop: http://shop2.o2online.de/nw/produkte/dslinternet/surf-at-home/pageframe.html?articleId=4530%20000235%2000&tariffCode=O-SAH-H-0
[2] Option Globe Surfer 3G: http://www.option.com/products/globesurfer_3Grouter.shtml
[3] OpenRG: http://www.jungo.com/openrg/openrg.html
[4] Kernel-Sourcen der Box: http://www.o2online.de/nw/support/downloads/software/surfhome/surfhome2/software-haupt-artikel.html?nidx=2