Aufmacher

Das Schnäppchen

Günstiger Wohnzimmer-PC bei Marktkauf

01.03.2007
Im Januar gab es bei der Supermarktkette Marktkauf einen PC mit vorinstalliertem Linux für knapp 200 Euro. Trotz einer nicht ganz taufrischen CPU spielt der Rechner auch DVDs und MPEG4-Filme ohne Ruckeln.

Für den Linspire-PC hat Medion in ein Desktop-Gehäuse von rund 15 cm Höhe und der Breite eines VHS-Recorders das Mainboard MS-6723 von MSI, eine 200-GByte-Festplatte von Seagate und einen Single-Layer-DVD-Brenner von Pioneer verbaut. Die Details listet die Tabelle "Technische Daten" auf.

Das Set verkauft sich dann unter dem Namen Multimedia Home Entertainment Design Center. Beim Linux-Rechner handelt es sich um das gleiche Modell, das es 2006 auch bei Real zu kaufen gab. Mangels Real-PC konnte die Redaktion den Unterschied zwischen der Marktkauf- und der Real-Variante allerdings nicht genau ermitteln. Der Real-PC besitzt die Medion-Typenbezeichnung "PC System 6211.02 MED MD Professional", während der von uns getestete Marktkauf-Rechner als "PC System 6295.05 MED MD Professional" fungiert. Bei beiden Varianten handelt es sich um umgebaute Digitainer[1], wie sich am Zusatz "Umbau Digit. DG 4008" unschwer erkennen lässt. Das erklärt auch, warum der Rechner zwar eine schwachbrüstige Celeron-CPU, jedoch eine üppige 200-GByte-Festplatte mitbringt.

Technische Daten

Hersteller Medion
Typ PC System 6295.05 MD Professional
Mainboard MSI MS-6723
CPU Intel Celeron, 850 MHz
RAM 1 x 512 MByte
Festplatte Seagate ST3200826ACE, 200 GByte
DVD-Brenner Pioneer DVD RW DVR-106D (Single Layer)
Grafik Via VT8623 (Apollo CLE266) onboard, 64 MByte max.
Anschlüsse 4 x USB 2.0, 1 x Firewire 400, Scart-Out, S-Video-Out, Composite-Out, analoges Audio Out/In, digitales Audio-Out/In, 5.1-Audio-Out, serielle Schnittstelle
Besonderes 5-in-1-Kartenleser
Preis 200 Euro

Alles komplett

Das vorinstallierte Linspire 5.1.470 bootet mit Kernel 2.6.14 zwar recht gemächlich (rund 2 Minuten), danach steht aber ein voll funktionsfähiger Linux-Desktop bereit. KDE liegt in Version 3.3.4 vor, OpenOffice in Version 2.0.1. Linspire bring in puncto Multimedia klare Vorteile gegenüber der Konkurrenz: Es spielt nicht nur MP3-Dateien und verschlüsselte DVD-Scheiben ab, sondern mithilfe der von Microsoft lizenzierten Codecs auch Windows-Media- und DivX-Dateien. Einige WMA-Dateien zwangen das System in den Tests zwar in die Knie, MPEG4- und DivX-Dateien gab es hingegen absolut flüssig wieder. Möglich macht dies der X.org-Treiber via mit beschleunigter Grafikausgabe. Zur DVD-Wiedergabe benutzt Linspire LinDVD von Intervideo [2].

Für den 5-in-1-Kartenleser liegen auf dem Desktop Icons für die einzelnen Slots bereit. Schiebt der Benutzer eine Karte in das Lesegerät, ändert sich das Icon: Es erhält einen zusätzlichen grüner Punkt. Ein Popup-Fenster, wie es bei aktuellen KDE-Versionen üblich wäre, zeigt Linspire aber nicht an.

Die meisten Programme starten für einen KDE-Desktop verhältnismäßig flink. Lediglich die Internetsuite von Linspire, die noch auf der alten Mozilla-Engine basiert, lässt sich mehrere Minuten Zeit. Hier hätte der Distributor besser daran getan, Firefox als Standardbrowser zu installieren.

Selbst wer noch nie mit Linux gearbeitet hat, wird keine Probleme haben, sich an Linspire zu gewöhnen. Sogar an die Möglichkeit, dass der Benutzer auf die Idee kommen könnte, Windows-CDs zu verwenden, haben die Entwickler gedacht (Abbildung 1). Dass es sich beim eingelegten Medium um eine Suse-DVD handelt, spielt dabei keine Rolle.

Abbildung 1: Linspire informiert den Benutzer, wenn er eine nicht kompatible CD einlegt. Dazu zählen auch DVDs mit Suse Linux.

Dem Rechner liegt auch eine Registrierungskarte von Linspire für das Software-Angebot CNR (Click and Run) bei [3]. Da sich CNR bereits seit rund einem Jahr gratis nutzen lässt, benötigen Sie den Registrierungscode auf dieser Karte nicht. Sie müssen sich aber weiterhin ein Login auf der Linspire-Webseite anlegen, um Pakete über das Softwarewarenhaus einspielen zu können.

Positiv überraschte im Test, dass der Rechner auch Suspend-to-RAM beherrscht. Linspire bietet dafür zwar kein grafisches Tool an, aber über den Befehl

echo mem > /sys/power/state

versetzen Sie das System in Sekundenfrist in den Ruhezustand. Den erfolgreichen Suspend erkennen Sie daran, dass die LED des Einschaltknopfs rot leuchtet. Ein Druck auf den Power-Button, und das System erwacht innerhalb von drei bis vier Sekunden aus dem Tiefschlaf. Da Sie unter Linspire in der Grundeinstellung als root arbeiten, genügt es, per Rechtsklick auf dem KDE-Desktop eine Verknüpfung zu einem Skript anzulegen, das dann genau diesen Befehl ausführt. So funktioniert Suspend-to-RAM auch per Mausklick.

Gute Ausstattung

An der Vorderseite des Rechners befinden sich unter der schwarzen Frontblende zwei USB-Anschlüsse, ein Kartenleser für die Speichertypen SD/MMC, Smart Media, CF und Memory Stick, ein Firewire-400-Anschluss (wobei Sie wahlweise den großen oder kleinen Stecker nutzen können) sowie Audio-Ein- und Ausgänge für Kopfhörer, Mikrofon, Line-In und Aux-In (Abbildung 2).

Abbildung 2: Unter der Frontblende des Medion-PCs verbergen sich der Kartenleser sowie Firewire-, Sound- und USB-Anschlüsse. Der S-Video-Eingang ist abgedeckt.

Die Rückseite des Rechners hält 2 USB-Ports sowie je einen Scart-, S-Video- und Composite-Eingang bereit. Daneben stehen Audioausgänge für ein 5.1-System sowie ein digitaler Ein- und Ausgang für den Ton bereit (Abbildung 3). Außerdem verfügt der Rechner über eine serielle Schnittstelle, zum Beispiel für ein externes Modem.

Um einen der drei Videoausgänge zu nutzen, muss beim Hochfahren des Rechners bereits ein TV-Gerät oder Videorecorder angeschlossen sein. Linspire stellt dann das Bild auf dem Monitor und über den entsprechenden Videoausgang bereit, wobei der Fernseher die Qualität des Bildes festlegt. Auf unserem TFT-Display kam es im Zweimonitorbetrieb zu Darstellungsfehlern: So fehlte etwa links und rechts ein Teil des Desktops. Den primären Zweck, Filme am Fernseher anschauen zu können, erfüllen die drei Videoausgänge aber perfekt.

Die S-Video- und Composite-Eingänge an der Frontseite sind abgedeckt, das zugehörige Kabel für den Anschluss an eine TV-Karte liegt aber im Rechner bereit. Für einen Hardware-Ausbau bietet das Gehäuse zwar reichlich Platz; es bleiben jedoch nur zwei PCI-Steckplätze sowie ein Laufwerkseinschub frei. Da der Rechner keine PS/2-Anschlüsse mitbringt, belegen Tastatur und Maus (gehören zum Lieferumfang) bereits zwei der vier USB-Schnittstellen.

Abbildung 3: Neben Scart-. S-Video- und Composite-Ausgang findet sich auf der Rückseite auch eine serielle Schnittstelle sowie ein komplettes 5.1-Audioset. Die Rückseite zeigt zwar vier Kartensteckplätze an, vorhanden sind aber nur drei.

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Kommentare
LINVDR installieren ohne PS2-Schnittstelle
Thilo (unangemeldet), Donnerstag, 05. November 2009 17:14:43
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Hallo,
kann mir jemand helfen? Habe mir diesen PC schon mal vor einiger Zeit bei Real gekauft. Jetzt will ich LINVDR aufspielen und ihn im Wohnzimmer als Sat-Receiver und Videorecorder nutzen. Er sieht ja gut aus und ist sehr leise. Aber LINVDR verlangt bei der Installation die Befehlseingabe über die Maus bzw. Tastatur. Der PC hat aber keinen PS2-Anschluß. Die USB-Ports reagieren in dieser Phase noch nicht. Die Installation muß ich schon bei der Sprachauswahl abwürgen, weil ich kein "OK" und nichts eingeben kann. Die Festplatte ausbauen, in einen anderen PC rein, LINVDR aufspielen und danach die Festplatte in den (LInspire) PC ist auch keine Lösung. Weiß jemand Rat. Kann mir einer helfen?
Vielen Dank
Thilo


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wie bekomme ich linespire von diesem rechner runter und windows cp rauf
matze (unangemeldet), Mittwoch, 15. Juli 2009 19:57:50
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würde gerne linspire runternehmen und xp rauf. kann xp aber weder von cd automatisch starten noch von cd aus booten. geht es überhaupt?


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Nicht wirklich so gut, wie geschildert...
Sven Preuß, Donnerstag, 15. Januar 2009 21:32:49
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Ich habe mir den im Bericht beschriebenen Multimedia-PC vor kurzem (Januar 2009) in einem Schnäppchen-Markt für €150,- gekauft.
Leider läßt das Abspielen einer (original-)DVD zu wünschen übrig, das Bild ruckelt, so daß man den Film nicht wirklich genießen kann.
Auch das Abspielen von AVI-Dateien gestaltet sich als Abenteuerlich: Nach dem Abspann merkt man, daß das Bild dem Ton immer mehr hinterher hinkt.
Erst nachdem im Bios dem Grafik-Chip die 'gesammten' 64MB, anstelle der voreingestellten 32MB zugewiesen wurden, lief die Datei korrekt, aber auch nur so lange, bis man in den Vollbildmodus wechselt, dann wird die Vidio-Spur langsamer und hinkt dem Ton wieder hinterher.

Vielleicht läuft das ganze System besser, wenn es eine größere CPU (1,2 GHz) und mehr Arbeitsspeicher (1024MB) bekommt.
Möglich, daß ich aber um eine bessere Grafikkarte nicht herum komme...


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Re: Nicht wirklich so gut, wie geschildert...
Marcel Hilzinger, Freitag, 16. Januar 2009 21:49:57
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Nein, die CPU ist nicht das Problem sondern der Grafiktreiber. Du brauchst den via-Treiber für 2D-Beschleunigung, sprich ruckelfreies DVD-Playback. Seit dem Test hat sich der X.org-Server weiterentwickelt, ich kenne da den aktuellen Stand nicht, kann mich aber mal schlau machen, da ich im Hardwarelabor noch mit dem Linspire-Rechner arbeite (allerdings mit Ubuntu).

Ich überprüfe das mal, aber ich glaube, 32 MByte sind bei mir eingestellt und das reicht zum DVD-Playback allemal.


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Re: Nicht wirklich so gut, wie geschildert...
Sven (unangemeldet), Freitag, 16. Januar 2009 22:34:16
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2D-Beschleunigung? Oder meinst Du die 3D-Beschleunigung?Hmm, dann muss ich da noch mal in den Einstellungen schauen, ob die 3D-Beschleunigung überhaupt aktiviert ist.
In der X-org.conf steht jedenfalls der via drin...

Gruß,

Sven


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Re: Nicht wirklich so gut, wie geschildert...
Sven (unangemeldet), Sonntag, 18. Januar 2009 14:54:42
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Hallo Marcel!

Also, ich habe mal versucht, das System mit dem via-Treiber (wird in den Einstellungen im Kontrollzentrum angeboten!!) einzurichten, doch das ist die reinste Katastrophe!
ich bekomme den Treiber zwar aktiviert, habe dann aber keinerlei passende Auflösung!
Laut Herstellerangaben zum LCD-Fernseher ist die optimale Auflösung 1024x768 doch damit ist das Bild immer noch zu schmal und zu hoch (Kontrolleiste nicht erreichbar)

Ich verstehe das absolut nicht.

Ein weiterer Pun kt, der mich absolut in den Wahnsinn treibt, ist die tatsache, daß das System mit jedem Bootvorlang länger braucht, bis es hochgefahren ist!
Zunächst kommt ja der Spash-Screen, mit dem Balken der sich langsam füllt. Dann legt sich der login-Prompt über das Bild, soweit so gut. Doch nun heißt es warten. Zunächst glaubt man schon, das System bekommt den x-Server nicht gestartet, doch nach einigen Minuten geht es weiter: Schwarzer Bildschirm. Nein, wir warten noch einige Minuten. dann taucht plötzlich der KDM auf (ok bei Linspire heißt das Ding LDM), an dem man sich am System anmelden kann.
Nun noch einige Minuten warten, bis der Desktop aufgebaut ist.

Wenn Linspire dem User das gefühl geben will, ein Windowsähnliches System vor der Nase zu haben, dann ist ihnen das hiermit ganz sicher gelungen... *grummel*

Ich vermute mal, daß das system irgendwelche System-Log-was auch immer für Dateien schreibt, die es bei jedem Bootvorgang ausliest. Und da die dateien mit jedem Bootvorgang mehr werden, dauert das Booten auch jedes mal länger. kann man da irgendwo was abschalten, damit das System wieder flotter da ist?

Gruß,

Sven


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Re: Nicht wirklich so gut, wie geschildert...
Sven (unangemeldet), Montag, 26. Januar 2009 14:18:47
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Hallo Marcel!

So, ich habe nun mal eine schnellere CPU und das doppelte an RAM reingestöpselt. Ein bisschen besser ist es geworden, aber es reicht noch nicht aus.

Wie schaut es denn aus, hast Du noch was, hinsichtlich des Grafiktreiber in Erfahrung bringen können?

Gruß,

Sven


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