Auf den meisten aktuellen Rechnern läuft Linux problemlos. Doch beim Notebook-Kauf ist Vorsicht angebracht, da einzelne Hardware-Elemente sich nicht ohne weiteres austauschen lassen. Auch bei Geräten, die der Anbieter mit vorinstalliertem Linux bewirbt, fragen Sie besser noch einmal nach, welche Komponenten der Linux-Support abdeckt, um böse Überraschungen zu vermeiden. wir fühlten zwei aktuellen Systemen genauer auf den Zahn: dem Megabook 662 von MSI [1] und einem speziell vorkonfigurierten IBM Thinkpad T60 von Hilmix [2] (siehe Tabellen "Technische Daten" und "Testmatrix").
Technische Daten
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| Hersteller | MSI | Lenovo |
| Typ | Megabook 662 | T60 200763G |
| Betriebssystem | Suse Linux Enterprise Desktop 10 | Ubuntu 6.06.1 |
| Motherboard-Chipsatz | Intel 945GM Express | Intel 945PM |
| CPU | Celeon M, 1,6 GHz | Intel Core Duo T2500, 2 GHz |
| Hauptspeicher | 512 MByte | 2 GByte |
| Display Größe | 15,4" | 14,1" |
| Display Auflösung | 1280x800 | 1400x1050 |
| Grafik Chipsatz | Intel GMA 950 | ATI Mobility Radeon X1400 |
| Grafik Speicher | shared, max. 128 MByte | shared, max. 128 MByte |
| Festplatte | FUJITSU MHV2080B, 80 GByte | Hitachi Travelstar 5K100, 100 GByte |
| Opt. Laufwerk | DVD-Brenner: Philips SDVD8821 | DVD-Brenner: Matshita UJ-842 |
| Netzwerk | Realtek RTL8111/8168B PCI Express Gigabit Ethernet controller | Intel PRO/1000 Gigabit Ethernet |
| WLAN | Ralink RT73 | Intel 3945 |
| Anschlüsse | 3xUSB 2.0, 1xFirewire 1394a, VGA, S-Video, Mikrofon, Line-In, SPDIF/Kopfhörer, 1xCardbus | 3xUSB 2.0, VGA, Line-In, Kopfhörer, 2xCardbus |
| Besonderheiten | Webcam, SD-Kartenleser | Fingerprint-Reader, Beleuchtung im Deckel |
| Maße (BxTxH) | 35,8x25,9x3,3 cm | 32,9x26,8x3,1 cm |
| Gewicht | 2,6 kg | 2,3 kg |
| Support | 60 Tage Online Updates | 3 Jahre per Mail |
| Garantie | 2 Jahre | 3 Jahre |
| Preis | 600 Euro | 1850 Euro |
| Bezugsquelle | Online-Shops | Hilmix IT Solutions, mailto:info@hilmix.de |
Testmatrix
| Modell | MSI 662 | Lenovo IBM T60 |
| voreingestellter Modus/TFT | 800x600/1280x800 | 1400x1050/1400x1050 |
| Ändern möglich | nach Update | J |
| Ausgabeumschaltung | J (nur Clone) | N |
| 3D-Desktop | J | J |
| 3 Tasten | J | J |
| Scrollfunktion | J | J |
| Sound | J (snd-hda-intel) | J (snd-hda-intel) |
| Ethernet | J (rt6168) | J (e1000) |
| WLAN | N (rt73) | J (ipw3945) |
| Modem | NU | NU |
| Bluetooth | NV | NV |
| Firewire | J (OS Micro) | NV |
| Sondertasten | N (Internet, Email) | Lautstärke, ThinkVantage |
| Speedstep | NV | J |
| Suspend (Disk/Ram/Standby) | J/N/NV | N/J/NV |
| LID sleep/wakeup | J/J | J/J |
| Webcam | NU | NV |
| Cardreader | N | NV |
| Fingerprintreader | NV | J |
| NV=Nicht vorhanden, N=Nicht eingerichtet, NU=Kein Linux-Support | ||
|---|---|---|
Billige Suse
MSI bietet sein Megabook M662 offiziell mit "Suse Linux 10.0" an. Dabei handelt es sich aber keineswegs um die normale Distribution, sondern um den Suse Linux Enterprise Desktop 10 (SLED 10). Dieses an und für sich kleine Detail ist durchaus relevant: Während Novell bei Suse Linux Updates für zwei Jahre Dauer kostenlos bereitstellt, umfasst das Paket von MSI mit SLED 10 lediglich ein Update über 60 Tage. Nach Ablauf dieser Frist haben Sie also keinen Zugriff auf Aktualisierungen mehr – oder müssen dafür bezahlen.
Bereits der erste Start des MSI-Laptops enttäuscht: Die grafische Oberfläche zeigt gerade einmal 800 x 600 Bildpunkte an, obwohl das 15,4"-Display des M662 eine Auflösung von 1280 x 800 Punkten bietet. Die Soundkarte ist nicht vorkonfiguriert und gibt deshalb auch keinen Ton von sich. Auch die Netzwerkkarte funktioniert im Test nicht: Obwohl per DHCP eingerichtet, bringt der Netzwerkmanager keine Verbindung zustande. Zusätzliche Treiber finden sich weder für das interne WLAN-Modul noch für das Modem.
Sämtliche Versuche, wenigstens die Bildschirmeinstellungen zu ändern, resultierten im Test in einem Absturz des Rechners. Einen Rechner in diesem Zustand als Linux-Desktop zu verkaufen, ist schlicht eine Frechheit. Für Linux-Einsteiger dürften diese Hindernisse weniger schwerwiegend sein: Sie löschen dieses nicht funktionale Linux-System und "lösen" das Problem mit der Installation von Windows. Dafür liegt immerhin eine Treiber-CD bei.
Die frustrierten Linux-Benutzer finden hingegen lediglich eine englische Quick Start Tour und eine README.odt-Datei auf dem Desktop. Sie erklärt zwar, wo man welche Treiber für das Notebook findet, verschweigt jedoch, welche von diesen Treibern man tatsächlich benötigt. Welche Hardware sich konkret im Gerät befindet, gibt auch die Dokumentation nicht preis.
Dafür enthält sie Fehlinformationen, wie etwa ein falsches Passwort für das bereits angelegte Benutzerkonto. Lässt der Anwender den Rechner fünf Minuten unbeaufsichtigt, findet er sich durch den automatischen Bildschirmschoner erst einmal ausgesperrt. Bevor Sie nun aber kurzfristig das Passwort ändern, sollten Sie zunächst das eingestellte Tastaturlayout von Englisch auf Deutsch umstellen.
Update hilft
Ist der erste Schock einmal überwunden, hilft ein Update des Systems über die ärgsten Macken hinweg. Nach 250 MByte Downloads lässt sich die grafische Oberfläche dank des neuen X-Servers und sämtlicher Fehlerkorrekturen von SLED 10 reibungslos in Betrieb nehmen. Selbst der 3D-Desktop XGL verführt nach wenigen Mausklicks mit seinen schwabbelnden Fenstern.
Findet man schließlich YaST2 unter Computer | Kontrollzentrum | Administratoreinstellungen öffnen, lassen sich auch der Soundkarte Töne entlocken. Dank Helix Banshee kann man sich nun immerhin die MP3-Sammlung anhören. Für 600 Euro erwartet man allerdings mehr, als einen MP3-Player mit 3D-Desktop und einem unangenehm spiegelnden TFT.
Die Netzwerkverbindung über die Ethernetkarte funktionierte auch nach dem Update nicht automatisch, vom WLAN ganz zu schweigen. Laut Dokumentation gibt es das MSI-Notebook mit zwei verschiedenen WLAN-Chipsätzen: Die Modelle mit Pentium-M-Prozessor besitzen in der Regel ein Modul von Intel, für das SLED 10 bereits Treiber mitbringt. In unser Testgerät mit einem Celeron-M-Prozessor baute MSI hingegen eine WLAN-Karte von Ralink ein – für die es im Internet soagr Treiber gibt [3]. Eine kurze Recherche ergab, dass Linux die Karte über das Kernelmodul rt73 unterstützt. Den Quellcode für den Treiber finden Sie täglich aktualisiert unter [4].
Nach der Installation des Treibers führt YaST unter Netzwerkgeräte | Netzwerkkarte den neuen Eintrag Ralink 802.11 bg WLAN auf. Mit einem Klick auf Bearbeiten richten Sie die Karte ein. Da YaST das Ralink-Gerät nicht als WLAN-Karte erkennt, müssen Sie im ersten Setup-Schritt unter Gerätetyp unbedingt den Eintrag Drahtlos auswählen. Nur so erscheinen die nötigen Dialoge zur ESSID und den weiteren WLAN-Parametern. YaST zeigt dann zwar eine Warnung an (Abbildung 1), diese können Sie aber getrost ignorieren und auf Fortfahren klicken.



