Spurensuche

Spuren des von Gael Duval vorgestellten Prinzips finden sich beispielsweise im Ordner /boot/yuch – dort liegt eine Datei namens filesystem.squashfs-2.6.15-27-268, die das komplette Root-Dateisystem in komprimierter Form enthält. Die genauen Tricks und Kniffe rund um diese Technik sind weder auf der Ulteo-Website noch im System hinreichend dokumentiert. So ließ sich die Distribution nicht wirklich unter die Haube schauen.

Dass es in /initrd einen Ordner namens rofs gibt, der noch einmal das komplette Wurzelverzeichnis enthält, legt nahe, dass hier die vormals genannte SquashFS-Datei eingehangen ist. In der Übersicht der gemounteten Dateisysteme taucht der Ordner aber nicht auf (Abbildung 2).

Abbildung 2: In der Mount-Tabelle erscheint das gemountete SquashFS-Image nicht.

In Anbetracht dieser Alpha 1 offenbart sich schnell, dass Gael Duval diese Release eher als eine Art Proof of Concept verstanden wissen möchte. All zu viel unterscheidet sich von Ubuntus gediegenem Erpel nämlich nicht: Ein Blick in die Kernel-Meldungen mittels dmesg zeigt sogar, dass Ulteo Sirius Alpha 1 den Ubuntu-Standardkernel verwendet und diesen lediglich um Unterstützung für SquashFS erweitert hat.

Jene Erweiterung produzierte im Test im Minutentakt sogenannte Kernel Panics, was erklärt, wieso manches KDE-Tool mitten im Betrieb einfach abstürzte. Derartige Fehler finden sich bei Ubuntu ja eher selten.

Fazit

Dass Gael Duval um viele Komponenten von Ulteo solch ein großes Geheimnis macht, dürfte sich zum Teil auch durch seine schlechten Erfahrungen bei Mandrake erklären. Als Bruce Byfield ihn fragte, welche Lehre er aus dem Rauswurf bei Mandrake gezogen habe, antwortete Duval, dass er bei Ulteo so lange wie möglich alle Fäden selbst in der Hand halten möchte. Offenbar befürchtet er, dass sich das Projekt zu schnell verselbstständigen könnte, wenn er jetzt schon der ganzen Welt die Möglichkeit zur Mitarbeit einräumt.

Die Kehrseite ist freilich, dass Ulteo die verschiedenen FOSS-typischen Synergie-Effekte nicht nutzen kann, so dass alle Arbeit an Duval und einem kleinen Entwickleteam hängen bleibt. Das Fazit für die Alpha 1 fällt deshalb eher zurückhaltend aus: Im Moment ist das System nichts anderes als eine weitere KDE-basierte Distribution, die spezielle Update-Mechanismen verspricht. Da bei Redaktionsschluss noch keine Updates bereitstanden, ließ sich diese Technik aber leider nicht gebührend testen.

Wegen der schon erwähnten Instabilität eignet Ulteo sich zudem noch nicht für den Produktiveinsatz. Wenn aber die folgenden Alpha-, Beta- und Final-Releases genau so lange dauern, wie die Alpha 1, läuft Duvals Projekt Gefahr, sich im Sande zu verlaufen.

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