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Frisch aufpoliert

Open Suse 10.2 im Test

01.02.2007 Suse war einst das beliebteste Linux in Deutschland. Mit den letzten beiden Releases aber hat Novell selbst überzeugte Anhänger verschreckt. Kann Open Suse 10.2 wieder Boden gut machen?

OpenSuse 10.2 im Überblick

  • Kernel 2.6.18.2, Glibc 2.5
  • X.org 7.2 (7.1.99 RC2)
  • KDE 3.5.5, Gnome 2.16
  • Cups 1.2
  • OpenOffice 2.0.4
  • Firefox 2.0
  • Der Standard-Kernel integriert SMP-Support und arbeitet unter Uni- und Multiprozessoren.
  • Als Standarddateisystem dient Ext3 statt ReiserFS, was die Suche in großen Verzeichnisbäumen beschleunigt.
  • Das Brennprogramm cdrecord wurde entfernt und durch wodim ersetzt, das auch DVDs beschreibt.
  • Zum Abgleich mobiler Geräte dient jetzt statt multisync die OpenSync-Suite.

Weitere Änderungsinformationen entnehmen Sie während der Installation dem Changelog.

Es ist ruhig geworden um die ehemals deutsche Vorzeigedistribution Suse. Von den einen als "kein wahres Linux" und "Klicki-Bunti-Abklatsch aus Redmond" verschmäht, von den anderen eben wegen dieser bekannten Erleichterungen für den Einstieg in die Linux-Welt geliebt, reiht sie sich nun ein in eine ganze Riege neuer Linux-Derivate, die sich allesamt für Einsteiger leicht installieren und konfigurieren lassen.

Zahlreiche Neuerungen – wie das Zenworks-Management, die Desktop-3D-Beschleunigung und die Virtualisierungslösung Xen – sollten in letzten Version Suse Linux 10.1 OSS unbedingt eingeführt werden, was erhebliche Mängel und den Unmut der Fangemeinde mit sich brachte. Ob die mittlerweile in Open Suse umbenannte Distribution mit der Releasenummer 10.2 wieder an Fahrt aufnehmen kann, klärt dieser Artikel.

Von S.u.S.E. Linux zu Open Suse

So mancher Benutzer hat sicher schon einmal die Distribution SuSE Linux 2.0 oder 3.2 gesucht. Doch die Nürnberger S.u.S.E. GmbH (Software- und System-Entwicklung) gab ihrer ersten Distribution die Versionsnummer 4.2 – angelehnt an den Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" von Douglas Adams, in dem die Zahl 42 die Antwort auf alle Fragen der Welt darstellt.

Vorher hatte man bei S.u.S.E. Linux-Pakete zum Verkauf zusammengestellt, die auf dem damals populären Slackware-Linux aufbauten. Durch die Programmierung der Systemtools YaST und später auch SaX konnte man sich davon allerdings lösen und eine eigene, besonders für den deutschen Markt lokalisierte Distribution herausgeben. In kürzester Zeit entwickelte sich SuSE zu einem sehr beliebten Softwarepaket und erlebte seinen Durchbruch bei den Privatkunden wohl mit den Versionen ab 7.0. Die Nürnberger setzten sich mit ihrer immer weiter vereinfachten YaST-Installation und der kategorischen Unterstützung des KDE-Projektes an die Spitze der im deutschsprachigen Raum installierten Linux-Systeme.

Im November 2003 übernahm der amerikanische Netzwerkspezialist Novell für 210 Millionen Dollar die Nürnberger Firma, die mittlerweile ein Schwergewicht auf dem Linux-Markt darstellte. Mit der Version 9.1 (April 2004) entfernte Novell/Suse einen großen Dorn im Auge seiner Kritiker: Sie stellte ihr Konfigurationstool YaST unter die GPL. Es war gleichzeitig die erste Distribution unter dem Namen "Novell Suse Linux".

Novell/Suse gab noch zwei weitere Releases heraus, bevor man es den anderen großen Distributoren gleich tat und Suse Linux im letzten Jahr in die Hände der Open-Source-Community gab: Das Open-Suse-Projekt war geboren. Fortan sollte die Community (mit Unterstützung durch Novell) die Distribution selbst weiterentwickeln, die nun ausschließlich freie Software beinhaltet. Novell setzt mit seinen kommerziellen Produkten, wie SLES (Suse Linux Enterprise Server) auf Open Suse auf. Um sich von den kommerziellen Suse-Linux-Produkten Novells abzusetzen, heißt die Distribution des Open-Suse-Projektes seit dem 11. August dieses Jahres (10.2 Alpha 3) "Open Suse", der Name "Suse Linux" ist exklusiv den Novell-Produkten vorbehalten.

Woher nehmen …

Pünktlich zum angekündigten Datum erschien Open Suse 10.2 einen Tag nach Nikolaus 2006 ohne großes Brimborium, wie es bei früheren Releases üblich war, als Novell die Distribution noch im Karton verkaufte. Lediglich ein kleiner Eintrag [1] auf der Open-Suse-Website zeigte, dass nun die neue Version zum Herunterladen bereitsteht.

Open Suse bleibt dem Prinzip treu, Linux für die Architekturen x86-32, x86-64 und PPC entweder auf einer DVD anzubieten oder auf fünf CDs plus einer Addon-Disk für proprietäre Programme und Treiber. Außerdem gibt es ein Start-CD-Image, das nur ein minimales Grundsystem mitbringt und eine Installation über das Internet erlaubt.

Benutzer einer ausgefallenen Muttersprache benötigen außerdem noch die Addon-Sprach-CD ("Addon-Lang-CD") um ihr Open Suse in Khmer oder Finnisch zu betreiben. Englisch, Deutsch und andere viel gesprochene Sprachen unterstützt bereits die Grunddistribution. Neben einer ganzen Reihe über die Welt verteilter Spiegelserver kann der Suchende auch den Datenverteiler BitTorrent benutzen. Ein Live-CD-Image ist angekündigt, stand aber bei Redaktionsschluss noch nicht zur Verfügung. Stattdessen finden Sie auf der Heft-DVD eine maßgeschneiderte Variante von Open Suse 10.2, die in der Redaktion auf ihre 3D-Desktop-Fähigkeiten hin optimiert wurde.

Einfache Installation

Ganz ohne Hürden verläuft in gewohnter Suse-Manier die Installation der Distribution. Den matten Startbildschirm der letzten Version tauschten die Entwickler gegen eine deutlich grellere, aber nach wie vor blaue Variante ein. YaST fordert Sie auf, Ihre Landessprache zu wählen und die Lizenzvereinbarung von Novell abzunicken, bevor Sie sich entscheiden müssen, ob eine Neuinstallation oder ein Update erfolgen soll.

Eine Reparatur des Systems (eher für Linux-Kenner geeignet) bietet der Installer ebenfalls an. Benutzer der Original-DVD-Version lassen das Feld Addon-Produkte hinzufügen unberührt. Die CD-Variante erfordert hier das Einlegen der Non-OSS-CD, falls Sie diese heruntergeladen haben.

Während der folgenden Schritte Zeitzone, Partitionierung und Softwareauswahl lässt Open Suse dem Benutzer stets zwei Wege offen: Typische Neueinsteiger wählen die sehr gut vorkonfigurierten Standardeinstellungen, Kennern der Distribution bleiben auch während der Installation nicht die Feinheiten verschlossen. So ist eine detaillierte Softwareauswahl und individuelle Partitionierung der Festplatten ebenso möglich, wie die Konfiguration des Bootloaders. Dabei übermittelt die 10.2 ein deutlich flüssigeres Arbeitsgefühl, als noch ihre Vorgänger.

Ein Novum der Softwareauswahl stellt der Auswahlfilter Schemata dar (Abbildung 1). Er fasst ganze Softwarepaketgruppen, wie Laptop, Schriften oder Druckserver zusammen und wählt die nötigen Pakete zur Installation aus. Dabei bleibt der Benutzer aber trotzdem in der Lage, einzelne unerwünschte Pakete wieder abzuwählen.

Abbildung 1: Der neue Filter Schemata in der Softwareverwaltung vereinfacht die Installation von Paketgruppen.

Nach erfolgter Installation findet ein Neustart statt, der unter Umständen ein kleines Easteregg ans Tageslicht fördert: Der Bootscreen erscheint nun mit tanzenden Schneeflocken und einem Weihnachtspinguin, der verschiedene Tätigkeiten aus dem Spiel pingus (ein "Lemminge"-Clone) nachstellt.

Sie geben nun Ihr Root-Passwort ein, konfigurieren das Netzwerk und lassen die Internetverbindung testen. Verläuft die Prüfung positiv, erfolgt nach einer (fakultativen) Registrierung ein Online-Update, das einige Zeit in Anspruch nimmt.

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Infos zum Autor

Mirko Albrecht

Mirko Albrecht schreibt seit Ende 2004 regelmäßig Beiträge für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Wenn er nicht gerade eine neue Distribution ausprobiert, spielt er gern Schach oder fotografiert die Welt.
Seine Rechner werden meist von Xubuntu oder Opensuse bevölkert.


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LinuxUser 03/2012

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