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Fantastische 3D-Effekte mit Xgl

Würfelzauber

Computerarbeit ist oft mehr von Frust als Lust geprägt. Doch es geht auch anders: Mit den coolen Desktop-Effekten von XGL sind die langweiligen Tage gezählt.

Xgl ist eine von Novell entwickelte Technik, die die 3D-Fähigkeiten der Grafikkarte nutzt, um bestimmte Spezialeffekte darzustellen. Der bekannteste davon ist der Würfel ("Cube", Abbildung 1) für den Wechsel zwischen den virtuellen Arbeitsflächen. Bevor Sie sich nun fieberhaft daran machen, den 3D-Desktop einzurichten, sollten Sie den Kasten "Checkliste" lesen: Sie ersparen sich damit eventuell viel Ärger bei der Einrichtung von Xgl.

Abbildung 1: Mit XGL drehen Sie den Desktop wie einen Würfel. Das Hintergrundbild nennt man Skydome.

Checkliste

Die Anweisungen in diesem Artikel beziehen sich auf Ubuntu 6.10 "Edgy Eft" sowie Open Suse 10.2. Für ältere Versionen und andere Distributionen finden sich zahlreiche Anleitungen im Internet.

Xgl funktioniert zurzeit am besten mit Nvidia-Grafikkarten, die den proprietären Treiber von Nvidia benutzen, und mit den i9xx-Grafikchips von Intel. Bei ATI-Karten gibt sich das System bereits wählerischer: Hier benötigen Sie in der Regel ein Board, das mit den proprietären Treibern funktioniert. Falls Ihre Grafikkarte XGL nicht unterstützt, arbeitet der Rechner entweder sehr langsam, oder das grafische System stürzt sogar ab. In seltenen Fällen kann auch Linux selbst das Handtuch werfen. Ohne 3D-Beschleunigung verweigert XGL komplett den Dienst.

Bei Problemen suchen Sie am besten zunächst nach aktuellen Paketen für Ihre Distribution. Werden Sie nicht fündig oder funktionieren auch diese nicht, laden Sie die neueste Xgl-Version aus dem Freedesktop-Wiki [5] herunter und übersetzen den 3D-Desktop selbst. Das setzt allerdings einiges an Linux-Know-How voraus.

Grundlagen

Das Setup von XGL und Compiz verläuft in dem drei folgenden Schritten:

  • die zugehörigen Pakete installieren,
  • XGL anstelle des traditionellen X-Servers einrichten, und
  • Compiz statt des herkömmlichen Fenstermanagers einrichten.

Je nach Distribution, Grafikkarte und bevorzugtem Desktop verlangen diese Schritte mehr oder weniger viele manuelle Eingriffe. Am einfachsten richten Sie XGL unter Open Suse 10.2 und dem Gnome-Desktop ein. Auch Mandriva 2007 bringt ein benutzerfreundliches Tool mit, mit dessen Hilfe das Xgl-Setup für KDE und Gnome ein Kinderspiel ist. Für die Einrichtung von XGL unter Ubuntu und älteren Suse-Versionen führt kein Weg an der Kommandozeile vorbei.

Setup unter Suse

Verwenden Sie die neueste Open-Suse-Version mit Gnome, dann installieren Sie über YaST die Pakete compiz, compiz-gnome und xgl. Anschließend rufen Sie das Tool gnome-xgl-settings auf. Erkennt das Gtk-Programm Ihre Grafikkarte, klicken Sie auf Desktop Effekte aktivieren (Abbildung 2). Open Suse richtet dann gegebenenfalls die 3D-Beschleunigung ein und startet Gnome neu. Dazu müssen Sie lediglich im Abmeldedialog von Gnome die Option Sitzung beenden anwählen. Beim Neustart werkelt hinter den Kulissen bereits Xgl.

Diese Schritte funktionieren nur, wenn Gnome als Standard-Desktop dient und als Displaymanager gdm arbeitet. Haben Sie dagegen ein KDE-System installiert, verwendet Suse den Login-Manager kdm. Um das zu ändern, tauschen Sie in Zeile 11 der Datei /etc/sysconfig/displaymanager den Eintrag DISPLAYMANAGER="kdm" gegen DISPLAYMANAGER="gdm" aus. Um die Änderung zu aktivieren, müssen Sie den Rechner in der Regel neu starten.

Anschließend geben Sie als Root auf der Konsole die folgenden zwei Befehle ein:

gnome-xgl-switch --enable-xgl
SuSEconfig

Nach einem Neustart der grafischen Oberfläche über die Befehle init 3 und init 5 startet auch hier automatisch der 3D-Desktop – allerdings auf einigen Rechnern ohne schwabbelnde Fenster. Deshalb fällt es zunächst unter Umständen gar nicht auf, dass XGL und Compiz bereits aktiv sind.

Unter KDE lädt Compiz das wobbly-Modul nicht, zumindest fehlt es in der Ausgabe von ps -ax | grep compiz. Damit auch die KDE-Fenster hübsch nachschwingen, müssen Sie eine neuere Version von Compiz installieren. Dieses Update empfiehlt sich auch auch für den Gnome-Desktop, da es unter anderem Unterstützung für den Skydome- und den Feuereffekt mitbringt. Aktuelle Pakete für Open Suse 10.2 finden sich in folgendem HTTP-Repository:

Server: repos.opensuse.org
URL: X11:/XGL/openSUSE_10.2/

Sie tragen die beiden Angaben über das YaST-Modul Software | Installationsquelle wechseln ein.

Bei älteren Versionen von Suse müssen Sie dem Desktop explizit mitteilen, dass anstelle von Kwin ein alternativer Fenstermanager zum Einsatz kommen soll. Dazu legen Sie den in Listing 1 zu sehenden Codeschnipsel an und speichern ihn als compiz-kde.sh im Verzeichnis /usr/local/bin. Am einfachsten starten Sie dazu den KDE-Editor Kate als Root über den Befehl kdesu kate.

Listing 1
# /usr/local/bin/compiz-kde.sh
#
/usr/bin/compiz gconf &
/usr/bin/gnome-window-decorator &

Machen Sie die Datei anschließend als Root in einem Terminal über den Befehl chmod +x /usr/local/bin/compiz-kde.sh ausführbar.

In einem zweiten Schritt teilen Sie KDE mit, dass es dieses Skript zum Start von XGL aufzurufen hat. Öffnen Sie dazu in Konqueror das Verzeichnis /home/Benutzer/.kde und legen Sie ein neues Verzeichnis env an. In diesem Verzeichnis legen Sie eine Datei mit dem Namen compiz.sh und folgendem Inhalt an:

export KDEWM=/usr/local/bin/compiz-kde.sh

Auch dieses Script machen Sie anschließend ausführbar. Klicken Sie dazu mit der rechten Maustaste in Konqueror auf die Datei und wählen Sie Eigenschaften | Berechtigungen. Setzen Sie danach eine Markierung vor der Option Ausführbar. Nach einem Neustart der grafischen Oberfläche benutzt auch KDE Compiz als Fenstermanager.

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