Aufmacher

Fachbegriffe zum X-Window-System erklärt

Von Fenstern und Farben

Die 3D-Desktops laufen immer stabiler und verdrängen bereits auf vielen Rechnern die alten 2D-Oberflächen. Ein Grund mehr, sich mit den Grundlagen der grafischen Oberfläche und den neuen Techniken vertraut zu machen.

In der Umgangssprache steht der Begriff Linux meistens für ein komplettes System mit grafischer Oberfläche, zahlreichen Programmen und Tools. Strenggenommen stellt Linux aber nur den Betriebssystemkern bereit, den so genannten Kernel. Für bunte Fenster, die sich mit einer Maus bedienen lassen, sorgt das X-Window-System, auch einfach X genannt.

Wer jetzt mit Linux einsteigt, hat es leicht: Aktuelle Distributionen nehmen dem Anwender die Konfiguration der grafischen Oberfläche ab. Man darf noch entscheiden, welche Arbeitsumgebung man verwenden will, das Setup aber erfolgt weitgehend automatisch. Hinter der Bühne von KDE, Gnome oder XFCE arbeitet ein eingespieltes Team von Programmen daran, die Augen mit optischen Reizen zu kitzeln. Die Hauptrollen in diesem Team spielen der X-Server und die X-Clients.

Server und Client

X besteht aus zwei Teilen: dem X-Server und dem X-Client. Der Server versorgt einen oder mehrere X-Clients mit bestimmten Funktionen. Ein X-Client dagegen ist ein grafisches Programm, dass den X-Server braucht, um überhaupt arbeiten zu können. Firefox beispielsweise ist ebenso ein X-Client wie der Windowmanager, der für Aussehen und Verhalten von Fenstern verantwortlich zeichnet. X-Server und -Clients vollbringen sämtliche Arbeit für die Darstellung eines Desktops wie KDE.

Der X-Server kümmert sich dabei um das Wie der Darstellung, die X-Clients um das Was (Abbildung 1). Diese Trennung ermöglicht es, dass der X-Window-Client und der -Server auf zwei verschiedenen Rechnern arbeiten: Ein Rechner betreibt den X-Server, auf den die X-Clients von anderen Rechnern aus zugreifen können. Server und Client lassen sich dabei beliebig austauschen.

Abbildung 1: Wie das Programm auf den Bildschirm kommt: Über X-Server, Treiber und Grafikkarte führt der Weg letztendlich zur Bildschirmausgabe.

Der X.org-Server

Die derzeit verbreitetste X-Variante ist der Standard-X-Server X.org [2], der von der X.org-Foundation [3] entwickelt wird und momentan in der Version 7.1 vorliegt. Bei X.org handelt es sich um eine Weiterentwicklung des alten XFree86-Servers. Zur Trennung von XFree86 und X.org kam es auf Grund von internen Differenzen im Team bezüglich der XFree86-Lizenz.

Die Architektur des X.org-Server ist recht einfach zu verstehen: Der Server kommuniziert durch den Linux-Kernel mit den Ein- und Ausgabegeräten, die für die grafische Oberfläche notwendig sind. Das betrifft vor allem Maus und Tastatur, deren Eingaben dargestellt werden und Reaktionen des Systems zur Folge haben. Eine Ausnahme bildet die Grafikkarte: Sie spricht der Server in der Regel direkt an, ohne erst den Kernel zu fragen. Analog zum Kernel bringt auch X.org für die meisten Geräte Treiber mit, die man ebenfalls Module nennt. Dennoch handelt es sich bei Kernel- und X.org-Modulen um ganz unterschiedliche Komponenten, die man nicht miteinander verwechseln sollte.

Einige Grafikkartenhersteller stellen zusätzliche Treiber zur Verfügung, diese in der Regel aus einem Kernel- und einem X.org-Modul bestehen. Die bekanntesten unter ihnen sind die kommerziellen Treiber von Nvidia und ATI. Sie liefern zwar (bessere) 3D-Unterstützung und ermöglichen, sämtliche Monitorausgänge zu nutzen, enthalten aber Closed-Source-Code und verstoßen somit laut einigen Kernelentwicklern gegen die GPL. Bei Problemen mit diesen Treibern sind Linux-Benutzer auf den Support des Grafikkartenherstellers angewiesen.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • AIGLX: Neues zu Red Hats 3D-Desktop
  • Gute Aussichten
    Mit AIGLX und Beryl bricht auf dem Linux-Desktop eine neue Ära an: Die integrierte 3D-Beschleunigung ermöglicht beeindruckende Effekte und echte Transparenz.
  • Schön schwierig
    Nur zum Arbeiten sind Computer eigentlich zu schade. Moderne 3D-Technologien und entsprechende Anwendungen machen den Umgang mit aktuellen Rechnern spielerischer. Ein Beispiel ist Compiz-Fusion.
  • Das neue Fedora im Schnelltest
    Fedora eröffnet die Frühjahrsmode der Saison mit einigen gewagten Software-Stücken. Wir haben einen Blick auf die neue Kollektion geworfen.
  • Gefällige Mischung
    Dreidimensionale grafische Arbeitsoberflächen liegen bei modernen Betriebssystemen voll im Trend. Mit Metisse bietet Linux erneut ein innovatives Novum, den 2,5D-Desktop.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 06/2017: System im Griff

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Anfänger Frage
Klaus Müller, 24.05.2017 14:25, 2 Antworten
Hallo erstmal. Habe von linux nicht so viel erfahrung müsste aber mal ne doofe frage stellen. A...
Knoppix-Live-CD (8.0 LU-Edition) im Uefiboot?
Thomas Weiss, 26.04.2017 20:38, 2 Antworten
Hallo, Da mein Rechner unter Windows 8.1/64Bit ein Soundproblem hat und ich abklären wollte, o...
Grub2 reparieren
Brain Stuff, 26.04.2017 02:04, 5 Antworten
Ein Windows Update hat mir Grub zerschossen ... der Computer startet nicht mehr mit Grub, sondern...
Linux open suse 2,8
Wolfgang Gerhard Zeidler, 18.04.2017 09:17, 2 Antworten
Hallo.bitte um Hilfe bei. Code fuer den Rescue-login open suse2.8 Mfg Yvo
grep und sed , gleicher Regulärer Ausdruck , sed mit falschem Ergebnis.
Josef Federl, 15.04.2017 00:23, 1 Antworten
Daten: dlfkjgkldgjldfgl55.55klsdjfl jfjfjfj8.22fdgddfg {"id":"1","name":"Phase L1","unit":"A",...