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Die Bonsai-Distros

Grml-small 0.3 und Damn Small Linux 3.1

01.02.2007 Nomen est omen: "Zwergenaufstand" ist nicht nur der Name der aktuellen Release 0.3 von Grml-small, sondern beschreibt auch treffend die zweite Distribution auf der Heft-CD, Damn Small Linux 3.1.

README

Die Live-Distribution Damn Small Linux 3.1 zeichnet sich durch geringen Ressourcenverbrauch bei hohem Funktionsumfang aus und eignet sich damit hervorragend für den Einsatz auf älteren Rechnern. Grml-small 0.3 dient in erster Linie als Rettungssystem für versierte Benutzer und verzichtet auf eine grafische Oberfläche.

Auf der Heft-CD finden Sie in dieser Ausgabe gleich zwei Distributionen: Der virtuelle Erste-Hilfe-Koffer Grml-small 0.3 [1] hilft als Livesystem bei der Suche und Behebung von Fehlern. Da die Distribution keine grafische Oberfläche mitbringt, richtet sie sich in erster Linie an versierte Anwender, die den Umgang mit der Kommandozeile nicht scheuen. Ein reichhaltiger Fundus an Applikationen steht bereit, um den Rechner wieder fit zu bekommen.

Das augenfälligste Merkmal der zweiten Distribution, Damn Small Linux 3.1 (DSL, [2]), ist der geringe Ressourcenverbrauch. Bereits ein Rechner mit einer 90-MHz-Pentium-CPU und 128 MByte Arbeitsspeicher genügen, um mit dem Betriebssystem zu arbeiten. Zum Darstellen der grafischen Oberfläche verwendet DSL die Windowmanager Fluxbox (Abbildung 1) und Jwm, zwischen denen Sie nach Belieben hin- und herschalten.

Abbildung 1: Die Westentaschendistribution Damn Small Linux läuft auch auf Rechnern mit geringer Hardwareausstattung problemlos.

Damn Small Linux bringt sowohl für den Office- als auch für den Multimedia- und Netzwerkbetrieb jede Menge Programme mit. Die LinuxUser-Version verfügt zusätzlich über Programme wie Skype, Opera, Firefox, MPlayer oder Nmap.

Grml-small 0.3

Bereits beim Start legen Sie dank einer einer umfangreichen Auswahl möglicher Bootparameter fest, in welchen Modus das System startet und welche Hardware es unterstützt. Die Zeile grml toram lang=de ssh=password lädt beispielsweise Grml komplett in den Hauptspeicher (toram), setzt das Tastaturlayout auf Deutsch (lang=de) und startet den SSH-Server mit dem angegebenen Passwort (ssh=password). Eine Liste aller möglichen Bootoptionen erhalten Sie über die Funktionstasten [F2] bis [F10].

Nach dem Start stehen Ihnen über [Alt]+[F1] bis [Alt]+[F3] verschiedene Terminals zur Verfügung. Der Aufruf grml-info verbindet Sie über den textbasierten Browser Links mit der Grml-Webseite, auf der Sie mehr Informationen zum System erhalten. Benötigen Sie spezifische Auskünfte zu bestimmten Programmen oder Tools, tippen Sie grml-tipps Suchbegriff | less.

Möchten Sie Grml fest auf Ihrem System einrichten, starten Sie Installationsroutine mit dem Aufruf grml2hd. In der selektiven Abfrage legen Sie sowohl die Zielpartition und die Installation des Bootloaders fest, als auch Bootoptionen, das Tastaturlayout, Hostname und Benutzer.

Abbildung 2: Das Installationsprogramm grml2hd installiert Grml-small auf die Festplatte Ihres Rechners. Das Fenster zeigt die Auswahl möglicher Bootparameter.

Grml eignet sich nicht nur als Rettungssystem, sondern auch als Router, Firewall oder Bridge. Dafür stellt die Distribution diverse Skripte bereit, welche die Software für den gewünschten Einsatzzweck vorbereiten. Eine Übersicht aller Skripte erhalten Sie mit dem Aufruf grml gefolgt von [Tab].

Vor dem Einsatz als als Firewall gilt es jedoch zunächst, das Paket iptables nachzuinstallieren. Der Paketmanager richtet Iptables nach einem Aufruf von apt-get update mit apt-get install iptables ein, sofern eine Internetverbindung besteht. Wer es komfortabler mag, installiert das textbasierte Frontend aptitude zur Auswahl von Paketen.

Neben der Zwergenvariante bietet Grml die etwa 700 MByte große erweiterte Version Grml 0.9 "Dioptrienotto" [3]. Sie verfügt neben einer grafischen Oberfläche über einen erheblich erweiterten Funktionsumfang.

Damn Small Linux

Während sich Grml in erster Linie zum Retten von Systemen und zum Einsatz als Router oder Bridge eignet, richtet sich Damn Small Linux an Desktop-Benutzer, die Ihren alten Rechner einem sinnvollen Einsatz zuführen wollen. Die Mindestanforderung an die Hardware beschränken sich auf eine 90-MHz-Pentium-CPU und 128 MByte Arbeitsspeicher sowie ein CD-ROM-Laufwerk. Als Basis verwendet DSL den Kernel 2.4.26.

Die nicht einmal 100 MByte große Live-Distribution verfügt über die wichtigsten Applikationen zur täglichen Arbeit sowohl im Office- als auch im Web- und Multimediabereich (siehe Kasten "DSL 3.1 im Überblick"), verpackt in die grafische Oberfläche des Windowmanagers Fluxbox. Die Bedienung ist für Anwender, die normalerweise mit KDE oder Gnome arbeiten, zunächst ungewohnt, da das Kontextmenü als Ersatz für das Startmenü dient. Hierüber erreichen Sie alle Programme.

DSL 3.1 im Überblick

Die wichtigsten Programme von Damn Small Linux 3.1 im Überblick:

  • Axp FTP (grafischer FTP-Client)
  • Calendar (Kalenderprogramm)
  • Firefox (Webbrowser)
  • Gimp (Bildbearbeitung)
  • Linneighborhood (SMB-Browser)
  • MPlayer (Multimediaplayer)
  • Opera (Webbrowser)
  • Siag (Tabellenkalkulation)
  • Skype (VoIP-Telefonie)
  • Sylpheed (E-Mail-Client)
  • Ted (Textverarbeitung)
  • XMMS (Audioplayer)
  • Xpdf (PDF-Viewer)

Zum Einrichten von Damn Small Linux stellen die Entwickler das Tool DSLpanel bereit, das mit mit einem Klick auf das gleichnamige Desktopicon öffnen. Neben diversen Verwaltungsinstrumenten für die Hardware (Netzwerk, WLAN, Tastatur) erreichen Sie darüber auch die Startbuttons für die SSH-, HTTP- und FTP-Server.

Reicht Ihnen die vorhandene Software nicht aus, gelangen Sie über das Icon MyDSL in den Paketmanager der Distribution. Nach Kategorien geordnet installieren Sie über einen Mausklick die gewünschte Software, welche die Applikation vom Online-Repository herunterlädt.

Abbildung 3: Über den Paketmanager MyDSL erreichen Sie eine große Anzahl zusätzlicher Pakete des Online-Repositories.

Um DSL auf dem Rechner zu installieren verwenden Sie das Werkzeug Frugal Install, das Sie im Kontextmenü unter Apps|Tools erreichen. Zur Auswahl stehen die Varianten Lilo und Grub, über die Sie entscheiden, welchen Bootloader Sie verwenden möchten. Wegen seiner geringen Größe eignet sich die Distribution nahezu perfekt für den Einsatz auf USB-Sticks. Auch hierfür stellen die Entwickler unter Apps|Tools|Install to USB Pendrive das passende Werkzeug bereit.

Das Einhängen von Datenträgern übernimmt das Mount Tool, das DSL beim Start automatisch in die rechte untere Ecke des Desktops lädt. Mit einem Klick auf die Partitionsbezeichnungen (zum Beispiel fd0) wechseln Sie zwischen den vorhandenen Datenträgern. Das untere Feld zeigt an, ob ein Datenträger gemountet ist oder nicht. Ein Klick darauf hängt das Medium abhängig vom aktuellen Zustand ein beziehungsweise aus.

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Infos zum Autor

Thomas Leichtenstern

Thomas Leichtenstern

CD/DVD-Redakteur


Infos zur Publikation

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LinuxUser 03/2012

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