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Desktop-Shell Enlightenment Development Release 17

01.02.2007
Lange vor dem offiziellen Release steht E17 nicht nur wegen seines eleganten Aussehens weit oben auf der Wunschliste vieler Anwender. Wir haben uns den vielversprechenden Beau etwas näher angeschaut.

Enlightenment [1] blickt auf eine lange und bewegte Vergangenheit zurück. Vor rund zehn Jahren erschien die erste Version, seinerzeit noch auf der Codebasis des ehrwürdigen FVWM [2] aufsetzend. Nach und nach schrieben die Entwickler alle Teile neu, und Enlightenment etablierte sich vorübergehend als Standard-Windowmanager für die Desktopumgebung Gnome. Zwar hält eine immer noch beachtlich große Fangemeinde Enlightenment seit Jahren die Treue, doch aus dem allgemeinen Bewusstsein schien der Windowmanager verschwunden.

Das änderte sich recht schnell, als die ersten Screenshots der noch in der Entwicklung befindlichen Version DR17 (Development Release 17, kurz E17) im Internet auftauchten. Wie schon beim Vorgänger E16 haben sich die Entwickler bei E17 das Ziel gesetzt, einen schlanken Windowmanager zu entwickeln, der selbst auf älteren und mager ausgestatteten Systemen schnell und komfortabel seinen Dienst verrichtet und dabei optisch eine Augenweide ist.

Allerdings schreitet die Entwicklung von E17 nicht so schnell voran, wie sich das viele wünschen. Der Grund hierfür sind die komplett neu entwickelten Enlightenment Foundation Libraries (EFL). Unter diesem Namen fassten die Projektmitglieder die Kernbibliotheken zusammen, auf die E17 aufsetzt. Sie ermöglichen es, E17 mit weitaus mehr Funktionen auszustatten, als ein einfacher Windowmanager mitbringt.

Während der gemeine Fensterknecht sich um nicht viel mehr als das Verwalten von Fenstern auf dem Desktop kümmert, hat sich die Entwicklerschar um Carsten Haitzler mit E17 zum Ziel gesetzt, in Bezug auf Konfigurier- und Erweiterbarkeit ein grafisches Equivalent zur Bash-Shell zu erzeugen. Die finale – noch nicht vorliegende – Version von E17 erlaubt es, den Windowmanager von außen zu skripten und ihn zu erweitern. Außerdem stellt er volle Befehlszeilenfunktionalität bereit. Die Entwickler ziehen daher den Begriff Desktop-Shell vor (Abbildung 1).

Abbildung 1: Aufgeräumt und ansprechend zeigt sich Enlightenment DR17 nach dem ersten Start.

Installation

Da Enlightenment DR17 offiziell noch gar nicht freigegeben ist, unterhalten die Hersteller von Distributionen auch keine Repositories, aus denen heraus E17 mittels Paketmanagement zu installieren ist. Mittlerweile existieren jedoch Repositories für populäre Distributionen wie zum Beispiel Fedora Core [3], Ubuntu [4], Debian [5], Suse [6] und Slackware [7]. Die Aktualität der inoffiziellen Repositories schwankt allerdings beträchtlich.

Wer E17 vorerst unverbindlich testen möchte, dem bietet sich mit der Elive-CD [8] dazu eine Gelegenheit. Bei Gefallen heben Sie die auf Debian basierte Live-CD im Handumdrehen per Installer auf die Festplatte. Nicht tagesaktuelle, aber als stabil angesehene Source-Pakete samt Installationshilfe finden sich unter [9]. Das Skript Easy_e17.sh[10] ermöglicht auch Normalsterblichen die Installation eines brandaktuellen E17 aus dem CVS-Baum (siehe Kasten "Easy_e17").

Der Vorteil einer solchen Installation liegt in der Möglichkeit zum besseren Anpassen an das eigene System. So bot zum Beispiel nur die Installation aus dem CVS-Baum standardmäßig Optionen zum Herunterfahren des Systems direkt aus E17 heraus an. Desweiteren machte hier das Ändern der Taktfrequenz über das Applet Cpufreq keinerlei Probleme, wogegen sich selbiges Applet nach Installation über die distributionseigene Paketmanagement hartnäckig sträubte.

Easy_e17

Vergewissern Sie sich vor der Installation, dass die für das Kompilieren benötigten Basisabhängigkeiten inklusive Entwicklerpaketen (diese enden meist auf -dev oder -devel) auf Ihrem System installiert sind. Zu den Basispaketen zählen: M4, Autoconf, Automake (>=1.7), CVS, Libtool, Pkg-config, Texinfo, Zlib, Jpeg, Freetype 2, Xorg-X11 oder XFree86 sowie X11-libs.

Mittels chmod +x easy_e17.sh machen Sie das Skript ausführbar und starten es anschließend mit Root-Rechten durch Eingabe von ./easy_e17.sh -i. Das Skript lädt die E17-Quellen aus dem CVS-Baum auf Ihr System und beginnt danach den Kompiliervorgang, wobei es jeden Schritt im Terminalfenster anzeigt.

Installieren Sie E17 zum ersten Mal auf diesem Weg, treffen Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf Fehler, die durch ungelöste Abhängigkeiten entstehen. Die angezeigten Meldungen und ein kurzer Blick in das Installationsprotokoll grenzen den jeweiligen Fehler in aller Regel jedoch ein, so dass ein schnelles Nachinstallieren des benötigten Paketes Abhilfe schafft. Beim erneuten Start des Skriptes überspringen Sie von nun an jedoch das CVS-Update. Der Aufruf ./easy_e17.sh -i --skip-cvsupdate erledigt dies.

Nach erfolgreicher Installation empfiehlt es sich, die Datei /opt/e17/share/xsessions/enlightenment.desktop in das Verzeichnis /usr/share/xsessions zu kopieren. Danach starten Sie E17 künftig über einen Login-Manager wie zum Beispiel GDM.

Abbildung 2: Mit einem eigenen Konfigurationstool passen Sie die wichtigsten Einstellungen an.

Quo vadis, E17?

E17 ist mit einem veritablen Konfigurationstool ausgestattet, das nach Linksklick auf dem Desktop durch Auswahl von Configuration | Configuration Panel im Kontextmenü erscheint (Abbildung 2). Im Gegensatz zu anderen Oberflächen legt Enlightenment seine Konfiguration zum großen Teil in Binär- anstelle der sonst üblichen Textdateien ab. Dies bringt den Vorteil, dass der Windowmanager nichts zu parsen braucht. Das entlastet die CPU, und macht mithin das System schneller.

Die Entwicklung von E17 befindet sich jedoch im steten Fluss. Das betrifft auch das Format der Konfigurationsdateien. Ein Update auf eine neuere Version birgt unter Umständen die Gefahr, umfangreiche Konfigurationsanpassungen zu verlieren. So geschehen beim Umstellen von binären .eap-Dateien auf die auch von anderen Windowmanagern genutzten .desktop-Dateien für Menüeinträge. Dadurch ist es nun allerdings auch möglich, aus den auf dem System installierten Icon-Themes eines für E17 auszuwählen. Enlightenment durchsucht das System nach .desktop-Dateien und legt diese via symbolischen Link in ~/.e/e/applications/all ab.

Der in das Konfigurationstool integrierte Menüeditor, aufzurufen über Configuration | Application Menus, erscheint mittlerweile sehr komfortabel und erleichtert das Anlegen und Bearbeiten von Menüeinträgen erheblich. Das in zwei Hälften geteilte Konfigurationsfenster listet in der Spalte Applications alle Anwendungen sortiert nach Kategorien auf. Aktivieren Sie die ebenfalls dort enthaltene Option All Applications, erscheinen in der linken Spalte stattdessen alle gefundenen Anwendungen in alphabetischer Reihenfolge.

Die rechte Spalte enthält die Einträge favorite und all. Da Letzterer jede auf dem System gefundene Applikationen enthält und somit sehr unübersichtlich wirkt, eignet er sich für die tägliche Arbeit eher weniger. Ein den eigenen Vorlieben angepasstes Anwendungsmenü legen Sie nach einem Doppelklick auf favorite sehr schnell und komfortabel an. Neue Kategorien wie zum Beispiel Internet erstellen Sie durch Rechtsklick und Auswahl von New Directory. Neue Menüeintrage fügen Sie durch einfaches Ziehen des gewünschten Eintrages aus der linken Spalte ein (Abbildung 3).

Wer es vorzieht, editiert Menüs wahlweise im Texteditor, denn die unter ~/.e/e/applications/menu abgelegten Menü-Konfigurationsdateien wiederum liegen im Textformat vor. Voraussetzung hierfür sind gültige .desktop-Dateien im Ordner ~/.e/e/applications/menu/all.

TIPP

Wer gerne Gnome-Anwendungen einsetzt, fügt gnome-settings-daemon im Konfigurationszentrum zu Applications | Startup Applications hinzu, um Gnome-spezifische Einstellungen, etwa zum verwendeten GTK-Theme, automatisch beim Login zu starten.

Abbildung 3: Per komfortablem Drag & Drop stellen Sie im Menüeditor Ihre eigene Auswahl an Programmen zusammen.

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