Aufmacher

Komfortable Jukebox

Der Musikserver Firefly

01.02.2007
Einfacher geht's nicht: Ohne große Fummelei streamt der Mediaserver Firefly Musik und Internetradio für iTunes- oder Banshee-Clients ins heimische Netz.

iTunes ist in diesen Tagen das mit Abstand beliebteste Programm zur Wiedergabe von Musik auf dem PC, mit Banshee steht ein komfortables Pendant auch für Linux zur Verfügung. LinuxUser zeigt Ihnen, wie Sie mit dem Mediaserver Firefly [1] nicht nur via iTunes und Banshee in Ihrem lokalen Netzwerk plattformübergreifend Musik hören, sondern auch DVB- und Shoutcast-Radio-Streams transportieren.

Einsatzgebiete

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: In Ihrem Netzwerk gibt es zwei stationäre Rechner; zusätzlich verwenden Sie ein Notebook als portable Arbeitsstation. Ein älterer PC dient als Gateway, Print- und Fileserver. Auf den drei Arbeitscomputern lagern jeweils Teile Ihrer Musiksammlung. Sind Sie mit dem Notebook im Haus unterwegs, stehen Ihnen nur noch die Songs zur Verfügung, die auf dem Notebook lagern. Um auf die komplette Musiksammlung zugreifen zu können, müssten alle Rechner im Haus laufen. Zudem ist es sehr unkomfortabel, die Musik über Samba- oder NFS-Shares zu teilen.

iTunes bietet für dieses Problem eine komfortable Lösung: Über DAAP, ein von Apple entwickeltes Protokoll zum Teilen von Musik, kann jeder iTunes-kompatible Client im Netz auf freigegebene Musikstücke zugreifen. Läuft auf Ihrem Rechner iTunes, dann sieht jeder iTunes-Anwender im lokalen Netz Ihre freigegebene Musik und hört diese per Mausklick. Allerdings läuft iTunes nur auf Mac OS oder Windows – sie müssten also einen Rechner mit einem dieser Betriebssysteme versehen, diesen mit Ihrer Musiksammlung bestücken und zur Versorgung der anderen Clients stets laufen lassen. Eben dieses Problem umgeht Firefly.

Der Firefly-Mediaserver bietet eine freie Implementierung des DAAP-Protokolls und funktioniert wie ein iTunes-Client: Er scannt die Festplatte nach Musikstücken ab und sendet Informationen darüber ins lokale Netzwerk. Dort werten DAAP-kompatible Programme das Angebot aus und zeigen es dem Benutzer an. Um sich ein Stück anzuhören, klickt der in seinem Abspielprogramm auf den entsprechenden Titel, worauf der Firefly-Server diesen über das Netzwerk anliefert. Salopp formuliert, handelt es sich also um eine Art "Streaming on demand".

Wenn Sie nun Ihre Musik von sämtlichen Rechnern im Netz auf den ohnehin permanent eingeschalteten Router überspielen und dort den Firefly-Mediaserver installieren, muss kein weiterer Rechner laufen, um von allen PCs im Heimnetz auf die zentrale Audiothek zuzugreifen.

Preiswerter Multimedia-Server

Möchten Sie einen Firefly-Server installieren, haben aber keinen passenden Server zur Hand, dann hilft der NSLU2 von Linksys aus der Patsche. Das Gerät, über das sich externe Festplatten in Netz einbinden lassen, bekommen Sie im Handel für rund 75 Euro; zusätzlich benötigen Sie einen externen Datenspeicher. Rüsten Sie den NSLU2 mittels Unslung oder Openslug auf Linux um [8] und installieren Sie Firefly wie zuvor erklärt. Für insgesamt 200 Euro bekommen Sie so einen kleinen Computer, der keinerlei Lärm macht und im Netzwerk nicht nur als Multimedia-Server treue Dienste leistet.

Firefly installieren

Firefly hat in den letzten Wochen einen Namenswechsel durchgemacht: Früher hieß das Projekt Mt-daapd, und noch sind nicht alle Nachwehen dieser Namensumstellung abgeklungen. So gibt es für kaum eine aktuelle Distribution fertige Pakete; auf der Heft-CD finden Sie Binaries der momentanen Stable-Version 0.2.4 für Debian sowie Fedora Core 3 und 4.

Für andere Distributionen müssen Sie Firefly wohl oder übel selbst übersetzen. Dazu können Sie das Stable-Quellarchiv von der Heft-CD nutzen. Da sich die Firefly-Entwicklung jedoch momentan im Fluss befindet, besorgen Sie sich am besten die aktuellsten Firefly-Quelltexte aus dem SVN-Verzeichnis des Projekts.

Das hört sich gefährlicher an, als es ist: In der Praxis geht dabei selten etwas schief. Laden Sie den vorgepackten aktuellen "Nightly"-Snapshot [2] herunter – er versteckt sich hinter einem Link der Form mt-daapd-svn-Build.tar.gz, wobei Build für die vierstellige Build-Nummer steht. Entpacken Sie dann die Quellen, wechseln Sie in das Quellverzeichnis und führen Sie dort den bekannten Dreierschritt ./configure, make und make install aus. Anschließend findet sich der Firefly-Mediaserver (mt-daapd) in /usr/local.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Musik liegt in der Luft
    Sie besitzen mehrere Computer und möchten auf allen Rechnern Ihr volles Musikrepertoire zur Verfügung haben? Dann ist der Mediaserver Firefly das passende Werkzeug für Sie.
  • Firefly-Fork soll Entwicklung von mt-daapd wiederbeleben
    Eigentlich wollte der Franzose Julien Blache sich mt-daapd nur etwas genauer anschauen und die Debian-Pakete verbessern. Als Resultat entstand jedoch ein kompletter Fork.
  • Kleine Box – großer Speicher
    Wird der Speicherplatz auf dem eigenen Rechner zu knapp, lohnt sich eventuell die Anschaffung eines Netzwerkspeichers. Die zusätzlichen Giga- oder Terabytes stehen dann automatisch im ganzen Heimnetz bereit.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 01/2015: E-Books im Griff

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

PCLinuxOS Version 2014.08 "FullMonty" Umstellung auf deutsch
Karl-Heinz Welz, 19.12.2014 09:55, 3 Antworten
Hallo, liebe Community, ich bin 63 Jahre alt und möchte jetzt nach Jahrzehnten Windows zu Linux...
ICEauthority
Thomas Mann, 17.12.2014 14:49, 2 Antworten
Fehlermeldung beim Start von Linux Mint: Could not update ICEauthority file / home/user/.ICEauth...
Linux einrichten
Sigrid Bölke, 10.12.2014 10:46, 5 Antworten
Hallo, liebe Community, bin hier ganz neu,also entschuldigt,wenn ich hier falsch bin. Mein Prob...
Externe USB-Festplatte mit Ext4 formatiert, USB-Stick wird nicht mehr eingebunden
Wimpy *, 02.12.2014 16:31, 0 Antworten
Hallo, ich habe die externe USB-FP, die nur für Daten-Backup benutzt wird, mit dem YaST-Partition...
Steuern mit Linux
Siegfried Markner, 01.12.2014 11:56, 2 Antworten
Welches Linux eignet sich am besten für Steuerungen.