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Datei hoch drei

Verzeichnisse mit 3D-Unterstützung erforschen

01.02.2007
Wächst die flache Dateisystemhierarchie in die dritte Dimension, dann wird das Navigieren im Verzeichnisbaum zum Kinderspiel.

Bei der Alltagsarbeit am PC dient die grafische Leistungsfähigkeit des Rechners im Regelfall nur zur flachen Darstellung von Fenstern oder bestenfalls noch zum Berechnen von Transparenzeffekten und Schatten hinter Fenstern und dem Mauszeiger. Dabei lässt sich die dritte Dimension durchaus für das intuitive Navigieren durch den Verzeichnisbaum nutzen, wie die 3D-Dateisystembrowser FSV, XCruizer, Tdfsb und 3Dfm demonstrieren.

Wer sich die Frage stellt, wozu man ein solches Werkzeug denn überhaupt braucht, sollte einmal den Befehl ls -R / in der Konsole absetzen: Spätestens, nachdem dieser seine Ausgabe beendet hat, wird klar, dass es bessere Möglichkeiten geben muss, sich einen Überblick über den Platteninhalt zu verschaffen.

FSV: Stein auf Stein

Wie einen Steinstapel (Abbildung 1) respektive wie einen Baum aus Steinstapeln (Abbildung 2) stellt FSV Verzeichnisse und Dateien dar. Sie beziehen es von der Homepage [1] als Quelltextarchiv, das Sie via tar xfvz fsv-0.9.tar.gz entpacken. Zum Übersetzen benötigen Sie das Entwicklungspaket von Gtk, gtkglarea sowie die jeweils davon abhängigen Pakete nebst Compiler (gcc) benötigt. Das Mauern des Steinstapels erfolgt dann mittels ./configure && make && sudo make install. Anschließend starten Sie das Programm mittels fsv in einem Terminal oder im Schnellstarter ([Alt]+[F2]).

Abbildung 1: FSV ist keine reine 3D-Anwendung: Links unten im Fenster listet es den Inhalt des aktuellen Verzeichnisses, links oben zeigt es den flachen Verzeichnisbaum.

Die Navigation erfolgt in der großen 3D-Ansicht im rechten Bereich des FSV-Fensters. Als Startpunkt dient das Verzeichnis, in dem der Programmaufruf erfolgt ist. Soll ein anderer Ordner als Sockel des Stapels dienen, passen Sie die das Wurzelverzeichnis im Menü über FileChange Root oder [Strg]+[N] an. FSV analysiert alle Dateien und Verzeichnisse, die sich unterhalb der Verzeichniswurzel befinden. Sind das sehr viele (etwa bei /), so benötigt das Programm einige Zeit, bis es wieder einsatzfähig ist.

Klicken Sie mit der linken Maustaste auf ein Verzeichnis, um den Fokus darauf zu verschieben. Ein anschließender Rechtsklick auf das Verzeichnis öffnet ein Kontextmenü, mit dessen Hilfe Sie das Verzeichnis (expand) respektive alle Unterverzeichnisse (expand all) aufklappen und anzeigen. Die Verzeichniseigenschaften listen Sie über den Punkt Properties auf. Öffnen Sie ein Verzeichnis, so stapelt FSV dessen Inhalt in Form einer Pyramide auf den Knopf des Ordners. Um den Verzeichnisinhalt wieder auszublenden, genügt ein erneuter Rechtsklick auf den Fuß der Pyramide, gefolgt von collapse.

Abbildung 2: Über Vis TreeV wechselt FSV vom "Steinstapel" in eine Baumansicht.

XCruiser: Unendliche Weiten

XCruiser, der aktuell in Version 0.3 vorliegt, stellt die Verzeichnisstruktur als virtuelles Planetensystem dar (Abbildung 3).

Ubuntu-Nutzer installieren das Tool mittels sudo apt-get install xcruise, für RPM-basierte Distributionen steht auf der Projekt-Homepage [1] ein vorkompiliertes Paket zur Verfügung. Dieses richten Sie nach dem Herunterladen durch sudo rpm -Uhv xcruiser-0.30-1.i386.rpm ein. Nach dem Start durch xcruiser in einem Terminalfenster oder im Schnellstarter durchfliegen Sie den Datenraum mithilfe der Maus.

Beim Starten akzeptiert XCruiser einige Kommandozeilenparameter, über die Sie sich via xcruiser --help informieren. xcruiser -background black sorgt beispielsweise dafür, dass der Weltraum auch unter Suse schwarz ist.

Abbildung 3: XCruiser stellt Verzeichnisse als Galaxien (leere Kreise) und Dateien als Planeten (gefüllte Kreise) dar.

Die Richtungsanweisungen geben Sie durch Bewegen der Maus. Haben sie sich einmal verflogen, so finden Sie über die Positionsanzeige zurück. Der Horizont (blaue Linie) liegt in vertikaler Richtung bei 0. Dateien und Verzeichnisse tummeln sich dort im den Null-Meridian (horizontal 0). Durch einen Klick auf die linke Maustaste fliegen Sie vorwärts, ein Rückwärtsflug ist über die rechte Maustaste möglich.

Halten Sie einen Mausknopf längere Zeit gedrückt, so beschleunigt der Flug. XCruiser zeigt die aktuelle Geschwindigkeit als Velocity an, wobei negative Werte für eine Rückwärtsbewegung stehen. Fliegen Sie durch einen leeren Kreis, der ein Verzeichnis als Galaxie darstellt, so wechselt XCruiser in dieses Verzeichnis beziehungsweise verlässt es im Rückwärtsflug wieder. Die Anzeige der aktuellen Galaxie im oberen Bildschirmbereich passt sich dabei automatisch an. Des weiteren zeigt XCruiser nähere Informationen zu Verzeichnissen und Dateien, sobald Sie diese im Sucherkreuz anvisieren. Handelt es sich bei einem auserwählten Objekt um einen symbolischen Link, so dient dieser als "Wurmloch" in eine andere Galaxie.

Tdfsb: Vorschau inklusive

Den Dateisystembrowser Tdfsb richten Sie unter Ubuntu einfach via sudo apt-get install tdfsb ein. Unter Suse müssen Sie den Quelltext von [3] herunterladen und selbst übersetzen. Dazu benötigen Sie die SDL-Entwicklungspakete SDL-devel und SDL_image-devel. Die notwendigen Abhängigkeiten löst YaST auf. Des weiteren setzt die MPEG-Vorschau smpeg-0.4.4-1.i386.rpm sowie smpeg-devel-0.4.4-1.i386.rpm voraus. Beide Dateien holen Sie von der Smpeg-Website [5] und installieren sie mittels sudo rpm -Uhv smpeg*.rpm. Anschließend bringt ein ./compile.sh && sudo cp tdfsb /usr/local/bin/ im Tdfsb-Quelltextverzeichnis das Programm auf die Festplatte. Der Programmstart erfolgt via tdfsb im Terminal oder Schnellstarter.

Abbildung 4: Tdfsb bietet bereits beim Navigieren eine Vorschau auf den Inhalt einer Datei.

Bei Tdfsb (Abbildung 4) erfolgt die Navigation über Maus und Pfeiltasten, wobei die Maus den Blickwinkel steuert und [Pfeil-oben] respektive [Pfeil-unten] eine Bewegung nach vorn oder hinten auslösen. Verzeichnisse stellt Tdfsb als Kugeln dar. Das Betreten einer solchen Kugel löst einen Verzeichniswechsel aus.

Die einzelnen Dateien stellt Tdfsb abhängig von ihrem Typ dar: Bilder zeigt es als Miniaturen an, Textdateien (auch HTML) als gelbe Säulen mit dem Dateiinhalt als Lauftext.MPEG-Videos visualisiert Tdfsb durch einen Vorschau-Frame, MP3-Dateien durch eine CD. Klickt man ein solches File mit der linken Maustaste an und betätigt bei gedrückter Maustaste die [Eingabe], so beginnt die Wiedergabe des Audio- oder Videoinhalts. Die wichtigsten Tasten zur Bedienung fasst die Tabelle "Tdfsb: Tastenkürzel" zusammen.

Tdfsb: Tastenkürzel

Taste Funktion
[Esc] Programm beenden
[T] Anzeige von Dateinamen umschalten (aus, rotierend, feststehend)
[C] Fadenkreuz an- bzw. ausschalten
[U] Entspricht cd ..
[M] Darstellung von Objekten (glatte Oberfläche / Polygone)
[H] Hilfe anzeigen
[F] Vollbildmodus
[0] Entspricht cd ~
[.] Anzeigen von "."-Dateien zulassen oder verbieten

3Dfm: Dateinetz

Der 3D-Dateimanager 3Dfm [4] ordnet Dateien und Verzeichnisse in einer spinnennetzartigen Struktur an. Nach dem Herunterladen und Entpacken der Quellen erfolgt das Übersetzen durch das übliche ./configure && make && sudo make install. Dadurch landet die Programmdatei, die Sie im Terminal oder Schnellstarter durch interface (siehe Abbildung 5) starten, im Verzeichnis /usr/local/bin.

Abbildung 5: 3Dfm verpackt die Verzeichnisstruktur in einer netzwerkartigen Struktur. Deren Zentrum bildet stets das aktuelle Verzeichnis.

Nach dem Programmstart zeigt 3Dfm zunächst das beim Programmstart aktive Verzeichnis an. Unterverzeichnisse stellt es durch das gängige Ordnersymbol (eine Aktenmappe) dar. Linien bilden Unterverzeichnisbeziehungen ab. Um in ein Unterverzeichnis zu wechseln, klicken Sie auf das entsprechende Icon. Das jeweils aktuelle Verzeichnis steht dabei immer in der Mitte des Fensters. Einen Mausklick auf dieses Symbol zeigt eine Liste der sich im Verzeichnis befindenden Dateien an (die Unterverzeichnisse "hängen" ja an den Linien). Das Mutterverzeichnis des aktuellen Folders stellt 3Dfm rötlich eingefärbt an, versteckte Unterverzeichnisse erscheinen grün. Wollen Sie an "tiefer gelegene" Verzeichnisse kommen, verändern Sie die Ansicht durch Bewegen der Maus bei gedrückter rechter Maustaste.

Abbildung 6: 3Dfm lässt sich menübasiert anpassen.

Gefallen Ihnen die vordefinierten Farben nicht, so passen Sie diese menübasiert individuell an. Der entsprechende Dialog (Abbildung 6) verbirgt sich hinter dem Piktogramm in der linken oberen Fensterecke. Im Reiter Filter dieses Dialogs legen Sie beispielsweise fest, ob 3Dfm versteckte Verzeichnisse überhaupt anzeigen soll.

Links oben im Fenster befindet sich noch ein weiterer Schalter. Er öffnet einen Eingabedialog, über den Sie Verzeichnisse per Texteingabe ansteuern.

Fazit

3D-Dateibrowser ermöglichen das intuitive Navigieren in der Verzeichnisstruktur und nutzen die dritte Dimension, um die Anzeige zu optimieren. Welchen der hier vorgestellten Kandidaten man letztendlich bevorzugt, obliegt den persönlichen Vorlieben. So nützlich die Tools auch sind, ein nicht zu verleugnendes Problem stellt ihre Installation dar: Das aktuelle Suse Linux bringt keinen der vorgestellten Kandidaten als Paket mit, Ubuntu immerhin XCruiser und Tdfsb.

Bei anderen Distributionen sieht es ähnlich dünn aus, und das Kompilieren aus den Quellen gelingt aufgrund der vielen unterschiedlichen 3D-Pakete unter Linux auch nicht durchgängig. So ließ sich ein weiterer Browser namens 3Dfile [6] weder unter Open Suse 10.1 noch auf Ubuntu 6.10 übersetzen. Dass ältere 3D-Anwendungen auf aktuellen Distributionen nicht immer laufen, zeigt auch ThreeDFM [7]

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