Aufmacher

Gute Aussichten

Beryl und AIGLX

01.02.2007
Mit AIGLX und Beryl bricht auf dem Linux-Desktop eine neue Ära an: Die integrierte 3D-Beschleunigung ermöglicht beeindruckende Effekte und echte Transparenz.

Auf YouTube finden sich in letzter Zeit Nutzer immer mehr Videos, in denen Anwender ihren Linux-Desktop vorführen. Was mit der Kommandozeile nur einen begrenzten Reiz hat, erregt dank XGL, AIGLX, Beryl und Compiz Aufsehen: Die Stichworte beryl aiglx fördern etwa 150 Einträge zu Tage. Da segelt ein durchsichtiger Desktopwürfel über eine Gebirgslandschaft, verschmelzen Fenster beim Schließen langsam mit dem Hintergrund oder brennen beim Minimieren qualmend von oben nach unten ab (Abbildung 1) – eine tolle Show. Und es kommen ständig neue Effekte hinzu: So schneite es kurz vor Weihnachten plötzlich auf dem Desktop – ein Schnee-Effekt simulierte das lustige Schneetreiben.

Abbildung 1: Für den Feuereffekt brauchen Sie schon eine einigermaßen gute Grafikkarte – erst recht, wenn Sie noch den Rauch dazu schalten.

Wie aber kommen Sie an diese Effekte und richten AIGLX und Beryl ein? Zwar funktioniert das noch nicht per Mausklick, aber seit der X.org-Server in der Version 7.1 AIGLX unterstützt, müssen Sie neben der 3D-Beschleunigung nur noch den Compositing-Manager Beryl einspielen. Es genügt aber nicht, einfach eine 3D-Karte zu besitzen, zudem läuft AIGLX nicht auf jeder Distribution.

Wo die Probleme liegen und wie Sie AIGLX zusammen mit Beryl einsetzen, lesen Sie im folgenden exemplarisch für Ubuntu Edgy Eft (Edgy) und Fedora Core 6 (FC6). Nutzen Sie eine andere Distribution, bietet das Beryl-Wiki ausführliche Anleitungen dazu, wie Sie Arch Linux, Gentoo, Mandriva oder Slackware [1] Flügel verleihen. Suse empfiehlt, Beryl zusammen mit XGL zu verwenden [2]. Nach der Installation schalten Sie Beryls Effekte über eine grafische Bedienoberfläche bequem an und aus (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Effektmanager von Beryl wirkt zwar etwas unübersichtlich, erleichtert aber die Einstellungen.

Grafikkarten

Zunächst aber: Was brauchen Sie, um Effekte mit AIGLX zu erzeugen? Während für XGL-Effekte Grafikkarten genügen, die generell 3D-Beschleunigung beherrschen, muss ein Grafikkartentreiber die Funktion "GLX_EXT_texture_from_pixmap" zur Verfügung stellen, damit die Karte mit AIGLX kooperiert.

Diese Funktion bringen sowohl der Intel-Treiber i810, der sämtliche Intel-Chips unterstützt, als auch der freie ATI-Treiber radeon der X.org-Foundation mit. Er kann mit Karten bis zur ATI Radeon X850 umgehen, eine Liste finden Sie bei Free3D.org [3]. Der proprietäre fglrx-Treiber von ATI läuft zwar auch mit einer ganzen Reihe von Karten [4], lässt sich aber nicht mit AIGLX einsetzen, da er kein Compositing unterstützt. Sie nutzen mit diesem Treiber aber problemlos XGL. Die nv-Treiber für Nvidia vergessen Sie am besten komplett: Sie beherrschen keine 3D-Beschleunigung. Die proprietären Treiber von Nvidia unterstützen AIGLX erst ab Version 1.0-9XXX – Sie brauchen als Nvidia-Nutzer also zunächst einen aktuellen Treiber.

Welchen Treiber Sie momentan verwenden, entnehmen Sie dem Eintrag Driver im Abschnitt Section "Device" der Datei /etc/X11/xorg.conf. Nutzen Sie bereits einen proprietären Treiber von Nvidia (älter als 1.0-9XXX) oder ATI, müssen Sie diesen zunächst deinstallieren, um AIGLX einzusetzen. Nutzer einer ATI-Karte tragen anschließend einfach radeon neben den oben erwähnten Eintrag Driver in die Datei xorg.conf ein, weil Edgy und FC6 den Treiber bereits mitbringen. Anwender, in deren Rechner ein Intel-Chip werkelt, ändern gar nichts, sondern installieren Beryl. Lediglich Nvidia-Besitzer spielen den neuen Treiber auf einem der beiden beim Beryl-Projekt [5] beschriebenen Wege ein.

AIGLX

Im Gegensatz zu den Treibern für die Grafikkarte müssen Sie AIGLX nicht installieren: Der X.org-Server, den sowohl Edgy als auch FC6 verwenden, unterstützt AIGLX-Funktionen. Dapper-Nutzer installieren einen AIGLX-fähigen X-Server [6].

Sie können für die 3D-Effekte auch einen XGL-Server einsetzen, doch bringt der auch Nachteile mit sich. Spielen Sie gerne Games mit 3D-Grafik, kommen Sie unter Umständen unter die Räder, da bei XGL alle Grafikanfragen über den XGL-Server laufen müssen. Das schwächt die Performance und passiert mit AIGLX nicht, weil die Spiele ihre Grafikbefehle bei Bedarf am X-Server vorbei direkt an die Grafikkarte senden.

Es gibt übrigens etliche Anleitungen im Netz, die erklären, wie Sie Beryl und AIGLX installieren – viele davon gelten bereits nicht mehr. Da sich in diesem Bereich noch immer viel tut, werfen Sie am besten einen Blick in das Beryl-Wiki [1]. Das aktualisiert die Beschreibungen permanent, und die Anleitungen funktionieren gut.

Als Fork von Compiz läuft Beryl potenziell noch nicht so stabil, wie Compiz selbst. Sie sollten das in Erwägung ziehen, bevor Sie die Desktopeffekte auf einem Produktivsystem einrichten; allerdings gab es im Test keine Abstürze. Im Zweifelsfall deaktivieren Sie Beryl über das Tray-Icon (Abbildung 3) und arbeiten mit Metacity oder Kwin.

Abbildung 3: Über das Symbol des roten Edelsteins in der Kontrollleiste wechseln Sie die Fenstermanager.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • Von Fenstern und Farben
    Die 3D-Desktops laufen immer stabiler und verdrängen bereits auf vielen Rechnern die alten 2D-Oberflächen. Ein Grund mehr, sich mit den Grundlagen der grafischen Oberfläche und den neuen Techniken vertraut zu machen.
  • Würfelzauber
    Computerarbeit ist oft mehr von Frust als Lust geprägt. Doch es geht auch anders: Mit den coolen Desktop-Effekten von XGL sind die langweiligen Tage gezählt.
  • Sandkastenspiele
    Die neueste Version der letzten Monat erschienen Distribution Ubuntu von Canonical verspricht viele neue Features und eine noch einfachere Handhabung. Wir haben die DVD-Version mit mehr als 3 GByte Software für Sie auf die Heft-DVD und vor allem unter die Lupe genommen.
  • AIGLX: Neues zu Red Hats 3D-Desktop
  • Schön schwierig
    Nur zum Arbeiten sind Computer eigentlich zu schade. Moderne 3D-Technologien und entsprechende Anwendungen machen den Umgang mit aktuellen Rechnern spielerischer. Ein Beispiel ist Compiz-Fusion.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 08/2015: Cloud-Speicher

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Grammatikprüfung in LibreOffice nachrüsten
Tim Schürmann, 24.04.2015 19:36, 0 Kommentare

LibreOffice kommt zwar mit einer deutschen Rechtschreibprüfung und einem guten Thesaurus, eine Grammatikprüfung fehlt jedoch. In ältere 32-Bit-Versionen ...

Aktuelle Fragen

Empfehlung gesucht Welche Dist als Wirt für VM ?
Roland Fischer, 31.07.2015 20:53, 0 Antworten
Wer kann mir Empfehlungen geben welche Distribution gut geeignet ist als Wirt für eine VM für Win...
Plugins bei OPERA - Linux Mint 17.1
Christoph-J. Walter, 23.07.2015 08:32, 2 Antworten
Beim Versuch Video-Sequenzen an zu schauen kommt die Meldung -Plug-ins und Shockwave abgestürzt-....
Wird Windows 10 update/upgrade mein Grub zerstören ?
daniel s, 22.07.2015 08:31, 5 Antworten
oder rührt Windows den Bootloader nicht an? das ist auch alles was Google mir nicht beantw...
Z FUER Y UND ANDERE EINGABEFEHLER AUF DER TASTATUR
heide marie voigt, 10.07.2015 13:53, 2 Antworten
BISHER konnte ich fehlerfrei schreiben ... nun ist einiges drucheinander geraten ... ich war bei...
PCLinuxOS lässt sich nicht installieren
Arth Lübkemann, 09.07.2015 18:53, 6 Antworten
Hallo Leute, ich versuche seit geraumer Zeit das aktuelle PCLinuxOS KDE per USB Stick zu insta...