Aufmacher

Herr der Wellen

Audio-Processing auf der Kommandozeile mit Ecasound

01.02.2007
Beim Stichwort Mehrspuraufnahme denken die meisten wohl an hübsche GUIs mit Dutzenden von Reglern. Dass es auch anders geht, beweist das schlanke und handliche Tool Ecasound.

Der kreative Musiker muss seit einiger Zeit auch bei seinem Hobby nicht mehr auf den Linux-PC verzichten. Umfangreiche Anwendungen wie der aufwändige Harddisk-Recorder Ardour [2] oder der KDE-basierte Audio- und MIDI-Sequencer Rosegarden [3] leisten mittlerweile beim Heimrecording schon ganz passable Dienste. Einige unter Ihnen halten auch der Konkurrenz kommerzieller Produkten wie Pro-Tools oder Cubase durchaus stand.

Harddisk-Recording ist allerdings nicht erst seit Ardour & Co mit Linux möglich. Quasi das Urgestein der Audio-Aufnahme und -bearbeitung unter Linux stellt das unscheinbare Kommandozeilenwerkzeug Ecasound [1] dar. Das von Kai Vehmahnen 1997 ins Leben gerufene Programm kann schon lange vieles, was Ardour erst mühsam erlernen muss. Dabei glänzt Ecasound obendrein durch herausragende Stabilität und ein flexibles, schnörkelloses Design.

Obwohl Ecasound ursprünglich als Effektprozesser entworfen wurde, stellen Aufnahmen und Mixing ebenso wenig ein Problem dar wie Klangnachbearbeitung, Formatkonvertierung oder das Digitalisieren von Schallplatten oder Musikkassetten.

Installation

Ecasound befindet sich in den Repositories nahezu jeder aktuellen Distribution. Sie können das Programm also in der Regel über die Paketverwaltung einspielen. Alternativ laden Sie die Quellen von der Projektseite herunter. Trotz seines Alters wird das Tool noch aktiv gepflegt: Das Release 2.4.5 mit Unterstützung für den freien verlustlosen Codec FLAC erschien im Dezember 2006.

Das größte Hindernis bei der Arbeit mit Ecasound stellt in der Regel die richtige Installation des Audiosystems dar. Sie sollten sicherstellen, dass die ALSA-Treiber für Ihre Soundkarte korrekt funktionieren.

Darüber hinausgehend ist aber für professionelle Aufnahmen besonders die Echtzeitfähigkeit des Kernels von Belang. Es existieren für verschiedene Distributionen diverse vorkompilierte Kernel, die für Multimedia-Anwendungen geeignet sind. Die Konfiguration eines leistungsfähigen Audiosystems kann unter Linux mitunter etwas schwierig sein. Es lohnt, sich vor größeren Arbeiten mit Ecasound im Internet in das Thema einzulesen. Einen guten Einsteig bietet das Ubuntu-Studio-Wiki [4]. Für erste Experimente oder einfache Hobby-Aufnahmen reicht aber auch ein Standard-Kernel ab Version 2.6.12.

Achtung, Aufnahme!

Schließen Sie ein Mikrophon oder ein Instrument an den Line-Eingang Ihrer Soundkarte an. Achten Sie darauf, dass der Eingangskanal aufgedreht und nicht stumm geschaltet ist, indem Sie die Einstellungen in einem Mixerprogramm wie kmix oder gamix überprüfen. Öffnen Sie dann ein Terminalfenster und starten Sie Ihre erste Aufnahme durch Eingabe von ecasound -i:alsa -o:test.wav.

Um die Aufnahme zu beenden, drücken Sie [Strg]+[C]. Der Befehl ecasound -i:test.wav -o:alsa spielt die Aufnahm wieder ab. Klappt das nicht, gilt es an die Fehlersuche zu gehen. Dabei hilft der Kasten "Troubleshooting".

Troubleshooting

Probleme mit der Audioaufnahme oder -wiedergabe können vielerlei Ursachen haben. Wenn Sie sicher sind, dass der für Ihre Soundkarte passende Treiber korrekt installiert ist und mit anderen Anwendungen funktioniert, sollten sie zunächst die Mixereinstellungen überprüfen. Nicht der Playback-Regler für den Line-Eingang, sondern der Capture-Regler ist für eine Aufnahme von Belang. Weiterhin muss der entsprechende Eingang (Mikrofon oder Line) zur Aufnahme angewählt sein. Zudem bieten viele Soundkarten einen AC97-Regler, der für das Capturing und das Playback aufgedreht sein muss und nicht stumm geschaltet sein darf.

Benutzen sie einen Sound-Dämon wie ESD oder Arts, sollten Sie diesen abschalten, da die Soundkarte sonst blockiert ist. Unter KDE deaktivieren Sie dazu die Option Soundsystem aktivieren im Soundmodul des Kontrollzentrums. Eine andere Möglichkeit besteht darin, Ecasound anzuweisen, sich in das Soundsystem mit einzuklinken. Dies funktioniert durch Angabe von -o:arts anstelle von -o:alsa.

Klingt eine Aufnahme verzerrt, müssen Sie den Eingangspegel anpassen. Starten Sie dazu das zum Lieferumfang von Ecasound gehörende Tool ecasignalview (Abbildung 4). Spielen Sie Ihr Instrument (starten Sie das Playback über die Line-In der Soundkarte) und beobachten Sie den Ausschlag der Anzeige. Bewegt sich der Pegel im roten Bereich, ziehen Sie den Line-Capture-Regler in Ihrem Mixerprogramm herunter.

Abbildung 4: Mit dem Tool ecasignalview lässt sich der Eingangspegel überwachen.

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