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3D-Kaffee

Innovativer 3D-Desktop von Sun

01.02.2007 Statt Senf gibt Sun seinen Kaffee zum 3D-Desktop: "Looking Glass" verspricht mit komplett neuen Techniken den Desktop zu revolutionieren.

Mit Looking Glass stellt Sun einen interessanten 3D-Desktop vor, der vollständig auf Java basiert. Im Unterschied zu AIGLX und XGL nutzt Looking Glass die 3D-Funktionen auch für Anwendungen und Dienstprogramme, nicht nur für spezielle Effekte. Möchten Sie den Java-Desktop ausprobieren, laden Sie sich am einfachsten das rund 150 MByte große "Megabundle" [1] herunter und starten dann das Binary über den Befehl

sh lg3d--1-0-0-linux-i686-0612190943.bin

Administratorrechte brauchen Sie dazu nicht. Das "Megabundle" enthält neben dem 3D-Desktop auch ein aktuelle Java-Laufzeitumgebung der Version 1.6. Diese bringen selbst die neuesten Distributionen noch nicht mit. Wechseln Sie anschließend ins Verzeichnis lg3d und starten Sie den Desktop über den Befehl ./bin/lg3d-app im Demomodus. Das Java-Programm startet daraufhin in einem Fenster. Möchten Sie den Desktop im Vollbildmodus genießen, hängen Sie an den obigen Befehl die Option -f an.

Für Debian und Ubuntu stehen auch fertige Pakete bereit. Diese haben den Vorteil, dass sich der Java-Desktop in das Menü des Login-Managers einbindet. Sie können also Looking Glass neben KDE, Gnome & Co. über das Session-Management auswählen. Für die Installation per Apt fügen Sie der sources.list-Datei folgende Zeile hinzu:

deb http://javadesktop.org/lg3d/debian stable contrib

Anschließend installieren die Kommandos sudo apt-get update und sudo apt-get install lg3d-core den 3D-Desktop.

Cooles Konzept

Looking Glass stellt eine komplette Arbeitsumgebung bereit und bringt für die wichtigsten Aufgaben eigene Programme mit. Dazu gehören neben Spielen und einem MP3-Player (Abbildung 1) natürlich auch ein Dateimanager sowie Webtools.

Abbildung 1: Dateisuche ohne Suchfunktion: Im Zufallsmodus von Lgscope finden Sie sich nur in kleinen Verzeichnissen zurecht.

Die dreidimensionalen Programme zu bedienen, fällt nicht immer leicht. Das liegt einerseits am revolutionären Konzept und der fehlenden Online-Hilfe. Andererseits lässt sich ein 3D-Desktop mit einer gewöhnlichen Maus schlicht nicht mehr effizient steuern: Hier sind Eingabegeräte gefordert, wie man sie etwa an CAD-Arbeitsplätzen findet.

Ein weiteres Problem stellt die Benutzerfreundlichkeit der 3D-Tools dar. Der Dateimanager Lgscope ordnet Dateien und Verzeichnisse zum Beispiel auf Wunsch nach dem Zufallsprinzip an (Abbildung 2). Hier Verzeichnisse zu finden, ist nicht ganz trivial. Beim MP3-Player müssen Sie Alben quasi in das Fenster schieben. Dazu muss der Player jedoch auf der richten Seite liegen – was er in der Grundeinstellung nicht tut. Die Bedienung des neuen Desktop gestaltet sich nur teilweise intuitiv. Hier muss Sun dringend nachbessern.

Abbildung 2: Playback per Drag-and-drop: um ein Album abzuspielen ziehen Sie dieses über das Playerfenster. Dazu müssen Sie allerdings zunächst den Player einmal um seine Achse drehen.

Heiße CPU

Ressourcenschonend kann man Looking Glass nicht nennen: Mit bis 60 Prozent lastet Java die CPU aus, und selbst mit 512 MByte Hauptspeicher swappt der Rechner laufend. Auch bei einem GByte füllt sich die Auslagerungspartition langsam. Erst auf Systemen mit einem Dual-Core-Prozessor und viel Hauptspeicher lässt sich mit dem 3D-Desktop flüssig arbeiten – vorausgesetzt, man weiß wie.

Auch die Grafikarte darf nicht allzu alt sein. Suns 3D-Desktop funktioniert zwar auch mit OpenGL 1.2, für den vollen Genuss benötigen Sie aber eine Karte und Treiber, die OpenGL 1.3 unterstützen. Das bedeutet eine aktuelle Nvidia-Karte mit Treibern der 9xxx-Serie.

In Sachen Stabilität kann Looking Glass jedoch bereits überzeugen. Obwohl der 3D-Desktop manche der Testrechner merklich überforderte, brachten wir ihn nicht zum Absturz. Auf dem schwächsten System werkelte die CPU beim gleichzeitigen Öffnen von vier Anwendungen über 30 Minuten unter Volllast und der MP3-Player setzte das Playback aus. Nach dieser Frist kamen jedoch wieder vereinzelt Töne aus dem Lautsprecher, nach 50 Minuten klappte das Playback wieder ohne Unterbrechung.

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Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger

Marcel Hilzinger arbeitet als Redakteur für die Zeitschriften LinuxUser und EasyLinux. Am liebsten schreibt er Artikel zu netten Gadgets oder Multimedia-Software. In seiner Freizeit spielt er gerne Kicker.

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