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Ubuntu 6.10 »Edgy Eft« in Test

01.01.2007
Die neueste Version der letzten Monat erschienen Distribution Ubuntu von Canonical verspricht viele neue Features und eine noch einfachere Handhabung. Wir haben die DVD-Version mit mehr als 3 GByte Software für Sie auf die Heft-DVD und vor allem unter die Lupe genommen.

Im November präsentierte die Firma Canonical der im Moment wohl größten [1] Distributions-Community Ubuntu [2] einen äußerst pünktlichen, "nervösen Jungmolch" (»Edgy Eft«), nachdem vor zirka fünf Monaten ein leicht verspäteter "adretter Erpel" (»Dapper Drake«) auf sich warten ließ. Mark Shuttleworth, seines Zeichens Weltraumfahrer und Finanzier des Ubuntu-Projektes, der einen Journalisten schon mal verbessert, er sei Milliardär und nicht nur Millionär [4], gab für das Nachfolge-Release von »Dapper Drake« laut eigener Aussage seinen Entwicklern freie Hand.

Überblick Ubuntu 6.10

Kernel 2.6.17
X-Server X.org 7.1 (mit 3D-Erweiterung AIGLX)
Desktop Gnome 2.16
Bürosuite OpenOffice 2.04
Webbrowser Firefox 2.0

So sollten sich die Programmierer im Ausprobieren neuer Features üben und ein "gewagtes Release" hervorbringen, welches aber nicht den fünf Jahre dauernden Long Term Support (LTS) des Vorgängers Ubuntu 6.06 (Codename: »Dapper Drake«) erhält. Wie sich das neue Ubuntu 6.10 (Codename: »Edgy Eft«) auf Ihrem heimischen Desktop produziert, haben wir für Sie getestet und die DVD-Version mit über 4 000 Softwarepaketen für Ihren Computer auf unsere Heft-DVD genommen.

Ubuntu in Kürze

Die erst zwei Jahre alte Distribution Ubuntu hat sich in kürzester Zeit an die Spitze der beliebtesten Desktop-Distributionen katapultiert. Als Markenzeichen gelten neben der äußerst einfachen Installation und dem Zuschnitt auf Umsteiger und Neulinge mit wenig technischen Hintergrund, auch die ausgefallenen Codenamen der halbjährlich erscheinenden Releases. Die erste Zahl der Versionsnummer bezeichnet stets das Erscheinungsjahr, die zweite den Monat. So wurde aus der Versionsnummer 6.04 von "Dapper Drake" beispielsweise am Ende wegen der Verspätung doch eine 6.06.

Ubuntu verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt dem äußerst stabilen Debian-Unterbau. Zur Philosophie des Unternehmens gehört es, die Distribution in mehreren verschiedenen Varianten anzubieten: Das eigentliche Gnome-basierte Ubuntu steht somit neben Kubuntu (KDE-Desktop), Xubuntu (Xfce-Desktop für einen ressourcenschonenden Umgang mit dem Computer) und Edubuntu, einer Gnome-basierten Distribution, deren Softwareauswahl und Konfiguration auf den Einsatz in Bildungseinrichtungen zugeschnitten ist.

Als Hauptinitiator und Geldgeber für die Entwicklergemeinde tritt Mark Shuttleworth mit seinem Unternehmen Canonical [3] auf. Letzteres leistet auch den kommerziellen Support für die Distribution, die die Entwickler auch als Server-Variante anbieten.

Start und Installation

Die Installationsroutine verhält sich im Wesentlichen wie die von Version 6.06. Besitzen Sie ein bootfähiges DVD-Laufwerk, startet die DVD automatisch mit dem bekannten Installationsbildschirm, welcher Ihnen nun 30 Sekunden Zeit gibt, eine Entscheidung zu treffen. Um einfach nur eine deutschsprachige Installation durchzuführen, drücken Sie [F2] zur Auswahl der Landessprache und [Enter], um mit dem Starten des Live-Systems zu beginnen.

Vorsichtigere Naturen testen die Möglichkeiten von Ubuntu zuerst mit der Option Sicherer Grafikmodus oder führen einen RAM-Speichertest durch. Wer überhaupt nichts testen will und sehr genau weiß, was er tut, wählt die Option Im Textmodus installieren. Für die meisten Anwender empfiehlt sich allerdings der erste Eintrag Starten oder Installieren.

Wie aus der Vorgängerversion bereits bekannt, startet der Computer damit ein Live-System, welches, je nach Rechnerleistung, in einigen wenigen Minuten einen einsatzbereiten und wohldurchdachten Gnome-Desktop präsentiert. Es empfiehlt sich, diesen vor allem mit Blick auf die Hardware ausgiebig testen, um eventuelle Inkompatibilitäten bereits um Vorfeld auszuschließen oder eine Lösung zu finden.

Ubuntu bleibt auch in seiner neuesten Version den erdigen, warmen Brauntönen und den afrikanischen Buschtrommel-Sounds im Desktop-Design treu. Zwei Icons laden den Erstbenutzer zum einen dazu ein, über verschiedene Beispieldateien die wichtigsten Programme aus den Bereichen Büro & Grafik zu erforschen (Abbildung 1), um ihn dann zum anderen über das Icon Install durch eine unkomplizierte Systeminstallation auf die Festplatte des Benutzers zu geleiten.

Abbildung 1: Verschiedene Beispieldateien offenbaren die Möglichkeiten von Ubuntu bereits vor der Installation.

An dieser Stelle halten die Ubuntu-Entwickler ebenfalls dem Prinzip die Treue und erlauben zum Beispiel keine Vorauswahl der zu installierenden Software. Es gilt nach wie vor: Belaste den Anwender mit so wenig Details wie möglich und liefere zuerst soviel Software wie nötig. Das heißt im Klartext, dass für jede wichtige Aufgabe eine Software auf die Platte kommt und nicht, wie bei einigen Distributionen üblich, noch mehrere Alternativen.

Die Installationsroutine gliedert sich in sechs Schritte, deren Bewältigung auch ungeübte Anwender kaum vor Problem stellt. Die Schritte eins bis vier stellen Fragen zu Sprache, Ort und Zeit, sowie dem Tastaturlayout und dem primären Nutzer. Schritt fünf enthält das Partitionieren der Festplatte. Besitzt der Computer bereits andere Betriebssysteme auf der Platte empfiehlt es sich, die Partitionstabellen von Hand zu bestimmen (Abbildung 2). Diese Aufgabe übernimmt auch in Version 6.10 wieder GParted.

Abbildung 2: Entweder gewähren Sie Ubuntu eine ganze Festplatte oder geben ein Partitionsschema von Hand ein.

Platz schaffen

Schaffen Sie Platz, in dem Sie beispielsweise eine Windows-Partition verkleinern oder andere, nicht genutzte Partitionen löschen. GParted bietet die notwendigen Funktionen dafür im Kontextmenü nach einem Rechtsklick auf das entsprechende Partitionsfeld an (Größe ändern, Verschieben, Löschen). Aber Vorsicht: Das Löschen einer Partition vernichtet die auf den Bereich befindlichen Daten unwiderruflich.

Ist dieser Schritt abgeschlossen, listet die Installationsroutine alle Partitionen noch mal ein und überlässt dem Benutzer das Zuordnen der Mountpoints (Abbildung 3). Als Faustregel gilt: Eine Swap-Partition, doppelt so groß wie der RAM-Speicher des Computers und eine Root-Partition, welche rund 7 bis 10 GByte umfassen sollte, um auch bei umfangreichen Nachinstallationen nicht in Bedrängnis zu geraten. Zwei bis drei GByte stellen das Minimum dar.

Abbildung 3: Bestimmen Sie, welche Partition zu welchem Einhängepunkt gehören soll.

Erst wenn auf der rechten Seite ein farbiges Häkchen den Eintrag markiert, formatiert das Live-System anschließend diese Partition. Achten Sie also darauf, dass kein Häkchen hinter einer Partition steht, deren Inhalt unberührt bleiben sollte. Schritt sechs gibt noch einmal einen Überblick zu den Installationseinstellungen, welche Setup danach in die Tat umsetzt.

Als Bootmanager installiert Ubuntu Grub standardmäßig in den Master Boot Record (MBR). In unserem Test fügte das System dabei eine Windows-XP-Installation, sowie ein SUSE-10.1-System ohne Murren bootfähig ein, so dass Sie getrost später entscheiden können, welchen Bootmanager Sie wählen möchten. Bis zum Neustart des nun fertig installierten Systems vergehen allerdings einige Kaffeeminuten.

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