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01.01.2007

Linux New Media Award 2006

Die Linux World Expo in Köln bildete in diesem Jahr den Rahmen für die Verleihung des Linux New Media Awards 2006. Großer Gewinner waren Ubuntu und dessen Sponsor Canonical, die sich sowohl in der Kategorie "Benutzerfreundlichste Distribution" als auch in der Wertung "Beste Verbindung von Kommerz und Community" gegen die Konkurrenz durchsetzen konnten.

Beim Sonderpreis "Herausragende Leistungen für Linux, Open Source, freie Software" setzte sich Live-CD-Erfinder Klaus Knopper gegen Wikipedia-Gründer Jimmy Wales durch und nahm den Award aus den Händen von Jon "maddog" Hall in Empfang. Er habe "ja gar nichts gemacht", wiegelte der bescheidene Preisträger in seiner Dankesrede ab: Er sei schlicht seit Kindesbeinen ein Tüftler, und das weite Feld der freien Software biete für diese Zwecke eine ideale Umgebung.

Während sich in den Kategorien "Beste Antispam-Lösung" und "Linux-freundlichster Hardwareanbieter" Spamassassin und IBM klar von den Mitbewerbern absetzen konnten, blieb es bei den Virtualisierungslösungen bis zuletzt spannend: Xen behauptete sich letztlich gegen VMware mit drei Prozentpunkten Vorsprung. Der dritte Platz in dieser Kategorie ging an Qemu, das 28 Prozentpunkte vom Führenden trennten.

Der Linux New Media Award wird von der Herausgeberin des LinuxUser, der Linux New Media AG. seit 2000 alljährlich für herausragende Leistungen in Sachen freie Software vergeben. Dabei spiegeln die teils wechselnden Kategorien aktuelle Entwicklungen der Open Source wider. Die Nominierungen für die einzelnen Kategorien nimmt ein über 200 Mitglieder starkes, internationales Preisgericht vor, das in einer Online-Abstimmung auch die Preisträger bestimmt. Die Jury setzt sich aus Mitgliedern der Open-Source-Bewegung, IT-Journalisten und -Autoren sowie Behörden- und Industrievertretern zusammen.

Herausragende Leistung für Linux: Ein sichtlich bewegter Klaus Knopper nahm den Linux New Media Award 2006 in der Kategorie "Outstanding Contribution to Linux" aus den Händen von Laudator Jon "maddog" Hall entgegen.

Novell paktiert mit Microsoft

Für kontroverse Diskussionen in der Szene sorgte die Bekanntgabe der Kooperation zwischen Novell und Microsoft am 2. November. Beide Firmen planen, sowohl im Vertrieb als auch in den technischen Bereichen Virtualisierung, Webmanagement und Office-Lösungen bis 2012 zusammenzuarbeiten. Microsoft investiert dafür 346 Millionen US-Dollar, davon allein 240 Millionen in Suse-Support-Lizenzen für Microsoft-Kunden, die Suse Linux Enterprise Server (SLES) einsetzen wollen.

Außerdem umfasst die Kooperation den gegenseitigen Verzicht auf Patentklagen gegen die Kunden des Vertragspartners sowie einen einseitigen Verzicht Microsofts auf Patentklagen gegen Suse-Entwickler. Letzterer gilt sowohl für kommerzielle als auch nichtkommerzielle Developer – aber nur für solche, die zu Opensuse und SLES beitragen. Hinzu kommt ein gegenseitiger Haftungsausschluss bei "Verletzung geistigen Eigentums". In dessen Rahmen zahlt Microsoft vorab 108 Millionen US-Dollar an Novell, in der umgekehrten Richtung fließen zunächst 40 Millionen Dollar.

Besonders die Teile des Abkommens, die sich mit Patenten, geistigem Eigentum und Haftungsausschlüssen befassen, zogen heftige Kritik aus der Community nach sich. Neben Red Hat zweifeln auch das Samba-Projekt und das Software Freedom Law Center am Nutzen des Patenthandels und befürchten eine Spaltung der Anwenderschaft.

Viele Linuxer befürchten zudem, die Zahlungen von Novell an Microsoft könnten als Eingeständnis gewertet werden, Linux tangiere in irgendeiner Weise Microsoft-Rechte. Andeutungen von Microsoft-Chef Steve Ballmer, dass Linux Microsoft-Patente verletzte, nähren diese Befürchtungen. Ballmer hatte sich in dieser Hinsicht kurz nach Bekanntgabe des Abkommens am Rande einer Konferenz geäußert.

Neue Freunde: Die CEOs Ron Hovsepian (Novell, links) und Steve Ballmer (Microsoft, rechts) besiegeln die neue Partnerschaft per Handschlag.

MP3-Dateien unter die Haube geschaut

MP3-Dateien speichern in so genannten ID3-Tags zusätzliche Informationen zum jeweiligen Musikstück. Wollen Sie diese ID3-Tags betrachten und modifizieren, hilft ein Programm wie MP3info (http://ibiblio.org/mp3info/) weiter, das jetzt in der Version 0.8.5a erschienen ist.

MP3info verzichtet auf Gimmicks und beschränkt sich auf die wesentlichen Änderungs- und Anzeigeoptionen. Falls Sie das Programm aus dem Quellcode erstellen, erhalten Sie nach dem Compilieren eine Kommandozeilenversion, die sich für den automatisierten Einsatz in Skripten eignet, sowie eine weitere Version mit grafischer Oberfläche. Letztere eignet sich, um einzelne ID3-Tags zu modifizieren. Mit ihr ordnen Sie der jeweiligen MP3-Datei gängige Tags wie Titel, Interpret, Album oder Genre zu. Über einen Info-Button gibt das Programm außerdem Auskunft über das verwendete MPEG-Format, Frequenz, Bitrate und Abspielzeit.

Die Kommandozeilenvariante von MP3info verfügt über den gleichen Funktionsumfang wie Gmp3info. Ohne zusätzliche Parameter aufgerufen, zeigt es die ID3-Tags der aktuellen MP3-Datei an. Benötigen Sie nur bestimmte Parameter oder eine andere Anordnung der Ausgabe, legen Sie mit dem Parameter -p ein eigenes Ausgabeformat fest. Steuersequenzen wie Tab (\t) oder Newline (\n) ermöglichen sogar eine rudimentäre Formatierung. Wollen Sie die ID3-Tags lediglich modifizieren, ändern Sie das jeweilige Tag direkt über den entsprechenden Parameter oder interaktiv in einer Ncurses-Eingabeumgebung.

Dank umfangreicher Parameterauswahl eignet sich Mp3info besonders zum Einsatz in Shellskripten. In Kombination mit Cutmp3 erstellen Sie maßgeschneiderte Schnitttabellen für jede MP3-Datei.

Wer ID3-Tags nicht über Parameter setzen will, kann das in der Shell auch interaktiv erledigen.

Retro-Computing

Manch älterer Linux-Anwender begann seine IT-Laufbahn in den 80er Jahren auf einem Amstrad oder Schneider CPC. Mit dem XCPC-Emulator (http://xcpc.emuunlim.com/) tauchen Nostalgiker nochmals in diese Zeit der ersten Heimcomputer ein.

Angesichts der Leistungsmerkmale heutiger Rechner stellt die Emulation eines 8-Bit-Computers wie des CPC mit 4-MHz-Prozessor und 128 KByte Arbeitsspeicher keinerlei Problem dar. Sofort nach dem Programmstart erscheint in einem Fenster in gelber Schrift auf blauem Grund die altbekannte Systemmeldung, der Anwender greift mit Basic auf den Rechner zu. Die Entwickler implementierten das originale Locomotive Basic 1.1, sodass auch alte Programme funktionieren. Wer noch Disketten-Images aus jener Zeit besitzt, bindet diese über das Kontrollmenü des Emulators als Diskettenlaufwerk ein. Damit erschöpfen sich die Konfigurationsmöglichkeiten des Anwenders am Emulator.

Nach fünfjähriger Entwicklungspause befindet sich die Entwicklung von XCPC seit Oktober 2006 wieder in Bewegung und ist mittlerweile bei Version 20061120 angelangt. Wer nicht unbedingt seine alten Programme abtippen möchte, findet auf der Web-Seite auch einige freie Spiele.

Der emulierte CPC-Bootscreen weckt Erinnerungen.

Steuerverwaltung mit Signaturkarte

Das Steuerverwaltungsprogramm Winston erschien jetzt in einer neuen Version, die es auch Linux-Anwendern ermöglicht, sich via Signaturkarte (S-Trust-R3) und Chipkartenleser beim Server des Finanzamts zu authentifizieren. Bisher war dies nur über Software-Zertifikate möglich.

Winston (Windows Steuerdaten Online) entspringt der Windows-Welt, erfuhr aber früh eine Portierung auf andere Plattformen wie Mac OS und Linux. Es ermöglicht dem Anwender die Umsatz- und Lohnsteueranmeldung, die Abfrage des Steuerkontos sowie Einsicht in seine Lohnsteuerbescheinigung. Das Programm gibt es auf der der Winston-Website (http://www.felfri.de/winston/) zum Herunterladen. Der Entwickler bittet alle Nutzer um einen Obolus zur weiteren Finanzierung der Pflege des Programms.

Java wird freie Software

Seit Monaten hatte die Gerüchteküche gebrodelt, nun ist es offiziell: Sun gibt die Java-Versionen ME, SE und EE unter der GPL v2 frei. Außerdem stellt Sun den Java Compiler und die Hotspot-Virtualisierungstechnik aus dem Java Developer Kit unter die GPL.

Als Termin dazu nennt man in Santa Clara Anfang 2007, erste Teile wurden anlässlich der Ankündigung bereits veröffentlicht. Sun beabsichtigt, sukzessive alle Implementierungen der Java-Plattform über sein Open-Source-Java-Projekt freizugeben. Außerdem verspricht der Hersteller, aktiv an der Entwicklung einer Community-Infrastruktur mitzuwirken.

Kurz notiert

Die Entwicklungsumgebung Eclipse feiert in diesen Tagen ihren fünften Geburtstag. Im November 2001 gab IBM den Sourcecode unter einer eigenen Eclipse-Lizenz, frei. Von IBM ursprünglich als Java-Entwicklungsumgebung geplant, eignet sich Eclipse dank zahlreicher Erweiterungen heute zur Entwicklung in fast jeder Sprache von Ada bis XML. In einer "Wall of Fame" auf der Eclipse-Webseite dürfen sich alle unterstützenden Firmen und Projekte mit ihren Produkten verewigen. Über 140 Projekte sind bereits eingetragen.

Wer sich mit Javascript- und Ajax-Entwicklung beschäftigt, bekommt mit der Online Version des Buches Javascript und Ajax von Christian Wenz die passende Lektüre zur Hand. Galileo Computing hat die jetzt erschienene 7. Auflage des Standard-Werks zum Thema Javascript als Openbook veröffentlicht. Interessierte lesen das Buch online oder laden die HTML-Version als ZIP-Archiv herunter. Das Buch ist auch in gebundener Form für 40 Euro im Buchhandel erhältlich.

ATI veröffentlichte jetzt die Version 8.30.3 seines Fglrx-Treibers. Besitzer von Grafikkarten mit X1950- oder X1650XT-Chipsatz finden damit alle Funktionen ihrer Grafikkarten unterstützt. Außerdem beseitigten die Entwickler kleinere Probleme, die mit aticonfig und dem MPlayer auftraten. Mit einem Volumen von 55 MByte ist das Treiberarchiv üppig, enthält dafür aber Treiber für alle gängigen X-Server von XFree86 4.6 bis X.Org 7.1. Der mitgelieferte Installer soll die verwendete Architektur automatisch erkennen und den passenden Treiber einbinden.

Nach wenigen Wochen ist für das Projekt Gaia schon wieder Schluss: Der russische Entwickler musste seinen Versuch stoppen, durch Reverse-Engineering einen freien Client für das populäre Google Earth zu programmieren. Die bisherigen Ergebnisse des Projekts hat der Entwickler vom Netz genommen. Anlass war ein Schreiben von Google, in dem Michael Jones, Chefentwickler von Google Earth, auf die Lizenzproblematik hinweist. Der Rückzug sei freiewillig, betont der Entwickler, Google habe keine juristischen Schritte eingeleitet.

OpenOffice.org hat den ersten Test-Kandidaten für die neue Version 2.1 veröffentlicht. Die fertige Fassung folgt laut Fahrplan noch in diesem Jahr. Ohne weitere Umwege dürfen mit 2.1 auch OpenBSD-Anhänger die Office-Suite nutzen: Die Entwickler stellen dafür einen Port für das freie Betriebssystem zur Verfügung.

Der Mozilla-Mailclient Thunderbird hat in der neuen Version 1.5.0.8 Probleme mit der Auslieferung von E-Mails, die von bestimmten anderen Mailclients stammen. Das Problem stellen offenbar die von den anderen Programmen erzeugten Header dar. Eingehende Post wird zwar angekündigt, findet sich dann aber nicht in den entsprechenden Ordnern der Inbox. Version 1.5.0.9, die im Dezember erscheinen soll, wird den Fehler bereinigen.

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