Sandkastenspiele
Ubuntu 6.10 »Edgy Eft« in Test
Einrichten
Sehen Sie sich als Mensch ohne Hang zu großen Bastelaktionen, bedient Sie Ubuntu 6.10 zuverlässig in allen Sparten der Anwendungen und gibt Ihnen einen sehr einfachen Zugriff auf die Systemadministration. Sämtliche Zugriffe auf systemweite, administrative Aufgaben finden Sie unter System | Administration und Einstellungen, die ausschließlich den Desktop Ihres Benutzeraccounts betreffen, unter System | Einstellungen.
Stehen Internetupdates zur Verfügung, so zeigt Ihnen dies ein Icon im rechten Bereich der oberen Desktopleiste an und erlaubt mit einem Klick das Einspielen dieser Updates. Nacharbeit ist aus lizenzrechtlichen Gründen wie auch bei den meisten anderen freien Distributionen im Bereich Multimedia zu leisten. Wie oben beschrieben benötigen Sie dazu die Quellen multiverse und universe. Im Paketmanager Synaptic klicken Sie im unteren Bereich auf Sektionen und suchen die Bereiche Bibliotheken (universe) und Bibliotheken (multiverse).
Hier finden Sie die entsprechenden Pakete (zum Beispiel gstreamer-plugins-ugly) um MP3-Dateien oder proprietäre Videoformate, wie x264, abzuspielen. Ebenso Nacharbeit erfordert das Installieren der 3D-Fähigkeiten für die gängigen Grafikkartenmodelle der Hersteller NVidia und ATI. Es gibt zwar kein grafisches Programm vergleichbar mit SaX2, aber das simple Installieren des Paketes nvidia-glx für NVidia-Karten, beziehungsweise xorg-driver-fglrx für ATI-Boards sollte in den meisten Fällen die richtigen Gerätetreiber einspielen.
Zum aktivieren der 3D-Fähigkeit geben Sie in Ihrem Terminal für NVidia-Karten den Befehl sudo nvidia-glx-config enable und Ihr Passwort ein und starten den Computer neu. Nennen Sie eine ATI-Karten Ihr Eigen, so aktivieren Sie das Kernelmodul durch eine kleine Modifikation der Datei /etc/X11/xorg.conf: Setzen Sie im Abschnitt Device den Wert des Eintrags Driver auf fglrx und starten ebenfalls das System neu.
Sollten dennoch Probleme auftreten, so steht Ihnen eine sehr aktive Community [6] hilfreich zur Seite. Ein grafisches Einrichten des X-Servers versprechen die Entwickler von Ubuntu erst für Version 7.04 (Codename: "Feisty Fawn") der Distribution (April 2007).
Eine weitere Neu ist auch die 3D-Fähigkeit des Desktops. »Edgy Eft« enthält bereits den X-Server X.org 7.1, in den die Entwickler die Erweiterung AIGLX für die beliebten OpenGL-Effekte gleich integrierten. Der Gnome-eigene Fenstermanager Metacity unterstützt diese jedoch noch nicht. Wer auf die Effekte spekuliert, installiert den Fenstermanager Beryl.
Beryl gehört noch nicht zum Bestand der offiziellen Paketquellen von Ubuntu. Daher öffnen Sie den Kartenreiter Drittanbieter des Dialogs Software-Quellen, den Sie unter System | Administration finden. Klicken Sie hier auf Hinzufügen. Tragen Sie in das entsprechende Feld die Quelle deb http://beryl.xglusers.de edgy main ein (Abbildung 5).
Nun fügen Sie noch die nötigen Schlüssel ein, weil Synaptic ansonsten mit einer Fehlermeldung fortfährt. Speichern Sie hierzu die Datei 1609B551.gpg unter dem Link http://beryl-mirror.lupine.me.uk/1609B551.gpg und fügen Sie diese im Reiter Authentifizierung mittels Schlüsseldatei importieren ein.
Die Tastenkombination [Strg]+[F] in der Paketverwaltung Synaptic öffnet das Suchfeld, in dem der Eintrag beryl nun eine Reihe Pakete anzeigen sollte. Installieren Sie sämtliche Pakete, die mit beryl und emerald beginnen. Anschließend stehen Ihnen unter System | Einstellungen die Einträge Emerald Theme Manager und Beryl Settings Manager zum Konfigurieren der 3D-Oberfläche zur Verfügung.
Die von Novell initiierte Variante XGL installieren Sie dagegen über externe Pakete aus dem Universe-Bereich nach. Hier helfen die deutschsprachigen Seiten [7] und [8] weiter.
Fazit
Ubuntu 6.10 hat trotz der wankelmütigen Ankündigungen seines Herren überzeugt. Zwar sind die Neuerungen beträchtlich schmaler ausgefallen, als ursprünglich angekündigt [4] und einige mussten wohl der recht kurzen Zeitspanne von rund vier Monaten Entwicklungszeit zum Opfer fallen.
Doch von Gratwanderungen in Sachen Stabilität kann zumindest im Normalbetrieb keine Rede sein. Dank der Verbesserungen beim Paketmanager Synaptic fällt das Handling der Distribution noch einmal ordentlich einfacher. Die weiteren Neuerungen verlangen einiges an Sachkenntnis oder Bastelwillen, um in deren Genuss zu kommen.
Die einfache Installation, der übersichtliche und für Neulinge intuitiv anwendbare Desktop und die große Community machen »Edgy Eft« zum idealen Kandidaten vor allem für die Benutzer, die schnell und ohne große Vorkenntnisse zu einem einsatzbereiten Arbeitsplatz auf Linux-Basis kommen wollen. Die Community blickt jedenfalls schon mit Spannung auf den Nachfolger "Feisty Fawn", der voraussichtlich im Frühjahr nächsten Jahres erscheint.
[1] Distrowatch: http://distrowatch.com
[2] Ubuntu: http://www.ubuntu.com
[3] Canonical: http://canonical.com
[4] Interview mit Mark Shuttleworth: http://www.heise.de/open/artikel/72844/
[5] Entwickler-Blog zu Upstart: http://www.netsplit.com/blog/articles/2006/08/26/upstart-in-universe
[6] Ubuntu-Userforum: http://www.ubuntuusers.de
[7] XGL auf Ubuntu: http://wiki.xglusers.de/index.php/Xgl_Installation
[8] Compiz auf Ubuntu: http://wiki.ubuntuusers.de/Baustelle/Compiz?highlight=%283D-Desktop%29
[9] Ubuntu-Test »Dapper«: Carsten Schnober "Ubuntu aufgepeppt", LinuxUser 10/2006, S. II, http://linux-user.de/ausgabe/2006/10/202-ubuntu-6.0.1
[10] Edubuntu: Erik Bärwaldt "Bildungswunder", LinuxUser 12/2006, S. 68ff., http://www.linux-user.de/ausgabe/2006/12/068-edubuntu/



