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Neue Pfade

Gobolinux mit revolutionärem Dateisystem

01.01.2007 Warum umständlich, wenn es auch einfach geht? Gobolinux beweist, dass Linux keiner undurchsichtigen Dateistruktur bedarf.

War es nun /usr/local, vielleicht doch /usr/bin, oder gar /usr/local/sbin? Diese Frage stellen sich viele Anwender auf der Suche nach Dateien mehr als einmal. Noch interessanter wird es bei der Installation von Softwarepaketen, die ihren Inhalt quer über das ganze System verstreuen. Eine Rekonstruktion, welche Dateien der Installer wo abgelegt hat, gerät zum Ratespiel.

Gobolinux [1] geht einen eigenen – beinahe revolutionären – Weg, indem es ein komplett neu gestaltetes Dateisystem mitbringt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Benutzerfreundlichkeit, welche die Entwickler mit eingängigen Namen und Pfaden realisierten. Installieren Sie ein Programm, dann ausschließlich in das Verzeichnis /programs. Das betrifft sowohl die Binaries als auch die Steuerdateien und Manpages, die zur Software gehören.

Gobolinux ermöglicht das durch eine Vielzahl symbolischer Links, die den Programmen eine "normale" Linux-Umgebung vorspiegeln. Der Anwender merkt davon freilich nichts: Zum Deinstallieren eines Programms löschen Sie einfach dessen Ordner.

Als Grundlage verwendet die auf den Desktop-Betrieb ausgelegte den Kernel 2.6.17 und den Window-Manager KDE 3.5.4.

Startup

Zum Booten der Live-Distribution wählen Sie aus dem Startmenü der DVD den Eintrag Gobolinux. Nach dem Initialisieren der Hardware erscheint der Eintrag Starting X11-Detection. Bekommen Sie anschließend lediglich ein schwarzer Bildschirm, wiederholen Sie den Bootvorgang und drücken an dieser Stelle [Esc]. Damit öffnen Sie die manuelle Konfiguration von X11 und der der Spracheinstellungen.

Wählen Sie als erstes die Sprache (de_DE), gefolgt von Ihrem Keyboard-Layout (de_latin1_nodeadkeys.map). Nach der interaktiven Abfrage erscheint das Terminal, in dem Sie startx eintippen, um die grafische Oberfläche zu starten. Möchten Sie Gobolinux im textbasierten Modus installieren, geben Sie an dieser Stelle installer ein.

Nach dem Start der grafischen Oberfläche (Abbildung 1) wirkt Gobolinux wie viele andere Distributionen mit KDE.

Abbildung 1: Dem erster Anschein nach ist Gobolinux ein Linux von vielen. Erst der Blick hinter die Kulissen verrät die revolutionäre Dateistruktur.

Öffnen Sie jedoch den Dateimanager, zeigt sich ein völlig neues Bild: Das Wurzelverzeichnis umfasst lediglich sechs Ordner mit klangvollen Namen wie Users, Programs, System oder Mount. Man muss kein Hellseher sein, um zu ahnen, was sich jeweils dahinter verbirgt. So enthält System alle systemnahen Dateien wie den Kernel, Devices, Konfigurations- und Logdateien sowie das temporäre Verzeichnis, während Sie in Users die Heimatverzeichnisse der Anwender finden.

Neben OpenOffice 2.0.3 bringt die Distribution unter anderem Gimp 2.2.12, K3b 0.12.16, KMail 1.9.3 sowie den beliebten Webbrowser Firefox 1.5.0.7 mit. Wer nachrüsten möchte, erledigt das über den Kommandozeilenaufruf InstallPackage replaceableProgramm (Abbildung 2). Da das Startmenü nicht alle installierten Programme anzeigt, lohnt sich zuvor jedoch ein Blick in das Verzeichnis Programs: Wichtige Applikationen wie OpenOffice oder Mozilla Thunderbird fristen dort sonst unbemerkt ein Schattendasein. Eine Übersicht aller derzeit verfügbaren Zusatzpakete enthält die Gobolinux-Website [2].

Abbildung 2: Komfortables Paketmanagement: Der Aufruf InstallPackage replaceableProgramm genügt, um eine Applikation aus dem Online-Repository herunterzuladen und einzurichten.

Für immer

Hat Gobolinux Sie von seinen Qualitäten überzeugt, installieren Sie es mit einem Klick auf das Desktop-Icon Install GoboLinux auf Ihrer Festplatte. Die interaktive Installationsroutine fragt zunächst nach der Zielpartition. Bei Bedarf richten Sie diese mit QtParted ein (siehe Kasten "Partitionieren"). Im nächsten Fenster legen Sie fest, welche Programme Sie installieren möchten. Als Anhaltspunkt bietet der Installer die Auswahl zwischen den drei vordefinierten Zusammenstellungen Basic, Typical und Full (Abbildung 3).

Abbildung 3: Gobolinux bietet als Grundlage die Installationstypen Basic, Typical und Full. Die Paketliste darunter erlaubt die Anwahl zusätzlicher Pakete.

Partitionieren

Zum Anlegen von Partitionen nutzen Sie bei Bedarf das Partitionierungsprogramm QtParted, das Sie mit einem Klick auf das gleichnamige Icon aufrufen. Abhängig davon, ob Sie das Basissystem, die typische Installation oder alles einrichten möchten, benötigt Gobolinux zwischen 800 MByte und 2,5 GByte Platz auf der Platte. Um auch im Hochlastbetrieb eine reibungslose Arbeit zu gewährleisten, richten Sie zusätzlich eine Swap-Partition ein, die ungefähr die doppelte Größe Ihres Arbeitsspeichers besitzen sollte.

Danach legen Sie im unteren Teil des Fensters die genaue Paketauswahl fest. Das Textfeld Space required: informiert Sie stets darüber, wie viel Platz Ihre momentane Auswahl auf der Festplatte benötigt.

Um eventuelle Paketabhängigkeiten aufzulösen, klicken Sie abschließend den Button Abhängigkeiten prüfen. Das nächste Fenster ermöglicht das Einrichten eines Bootloaders. Mangels Optionen bleibt Ihnen nur die Wahl, diesen in den MBR der Platte zu schreiben, oder ihn ganz wegzulassen und das System über einen bereits installierten Bootmanager zu starten.

Im folgenden Fenster stellen Sie das Tastaturlayout, den Hostnamen und das Boot-Theme ein. Da eine Erklärung oder Vorschau fehlt, kann man nur raten, was am besten aussehen könnte. Nach dem Festlegen der Zeitzone erscheint die Netzwerkkonfiguration sowie die Abfrage nach dem Root-Passwort und zusätzlichen Benutzern. Die Installation des Systems mit über 1,6 GByte Daten war auf dem Testsystem in gerade einmal 10 Minuten erledigt.

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Infos zum Autor

Thomas Leichtenstern

Thomas Leichtenstern

CD/DVD-Redakteur


Infos zur Publikation

LinuxUser erscheint monatlich und kostet in der Nomedia-Ausgabe EUR 5,50 und mit DVD EUR 8,50. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der LinuxUser-Homepage.

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