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KDE-News

01.01.2007

Auf dem Weg zu KDE 4.0

Zum zweiten Mal hat das KDE-Projekt einen Snapshot veröffentlicht, der interessierten Entwicklern einen Eindruck vom Fortschritt der KDE-4-Entwicklung vermittelt. Wer den Quelltext der Entwickler-Release 3.80.2 selbst kompilieren möchte, benötigt Qt 4.2.0, ältere Preview-Versionen des Toolkits eignen sich nicht mehr.

Einige Distributoren stellen auch Binärpakete zur Verfügung: Das Opensuse-Projekt beispielsweise widmet KDE 4 einen ganzen Zweig in seinem Buildsystem. Unter http://software.opensuse.org/download/repositories/KDE:/KDE4/ stellt es Pakete für Suse Linux 10.0 und 10.1 sowie für den Factory-Zweig bereit. Auch das Kubuntu-Projekt hält unter http://kubuntu.org/packages/kde4-3.80.2/ ein gesondertes Repository für "Edgy Eft" bereit. Beide bieten neben den Grundbibliotheken auch weitere Anwendungen wie KOffice 2.0 oder den neuen Dokumentenbetrachter Okular.

Benutzer sollten jedoch von der produktiven Verwendung absehen: Bislang laufen nur eine handvoll Programme, und selbst diese stürzen bisweilen ab. Der Snapshot bietet außerdem noch keine grafischen Neuerungen. Weder die neue Plasma-Oberfläche noch das auf den Namen Oxygen getaufte Icon-Thema sind derzeit integriert.

Der zweite Snapshot von KDE 4 enthält unter anderem den Dokumentenbetrachter Okular.

Forschung zu Open-Source-Qualität

Ein neues Projekt soll Techniken und Werkzeuge entwickeln, um die Qualität von Open-Source-Software zu messen. Das Programm mit dem Titel "Software Quality Observatory for Open Source Software (SQO-OSS)" erhält mehrere Millionen Euro Förderung von der Europäischen Union. Zu den Teilnehmern zählen die Athener Universität für Ökonomie und Geschäftsprozesse, die Aristoteles-Universität Thessaloniki sowie das KDE-Projekt.

Dabei verfolgt SQO-OSS (http://www.sqo-oss.eu) vor allem zwei Ziele: Zum einen soll es Entwicklern helfen, den Code ihrer Open-Source-Programme zu verbessern. Zum anderen will das Projekt wissenschaftliche Maßstäbe entwickeln, mit deren Hilfe Unternehmen die Qualität von Open-Source-Lösungen ermitteln können.

Gegenstand der Analyse ist dabei nicht nur der Code: Besonderen Wert legt das Projekt auch auf die Erforschung der Community. Die Forscher werden beispielsweise Arbeitsabläufe wie das Melden von Bugs und die Diskussionen auf Mailinglisten untersuchen.

Das KDE-Projekt beschäftigt sich selbst bereits seit einiger Zeit mit ähnlichen Analysen: Unter der Leitung des holländischen Doktoranden Adriaan de Groot veröffentlicht die Website http://www.englishbreakfastnetwork.org aktuelle, automatisch erstellte Fehlerberichte und -statistiken zum KDE-Quellcode.

Das von der EU geförderte Forschungsprojekt SQO-OSS soll die Qualität von Open-Source-Software durchleuchten.

Amarok mit Music-Store und MTP-Unterstützung

Ab der frisch freigegebenen Version 1.4.4 arbeitet der Musikplayer Amarok (http://amarok.kde.org) mit dem Online-Label Magnatune zusammen. Die Firma bietet nicht nur eine vollständige MP3-Vorschau aller Stücke einer Platte, die Alben selber lassen sich außerdem gegen eine Gebühr von zwischen 5 und 18 US-Dollar DRM-frei in verschiedenen Formaten herunterladen.

Eine weitere Besonderheit: Das Label garantiert, dass die Künstler, die im Unterschied zu vielen anderen Plattenfirmen Rechteinhaber bleiben, die Hälfte des Verkaufserlöses erhalten. Etablierte Künstler sucht der Musikliebhaber bei Magnatune (http://magnatune.com) zwar vergeblich, das Programm umfasst aber zahlreiche Genres von Folklore bis Elektronik.

Mit der neuen Amarok-Version können auch alle Benutzer aufatmen, deren MP3-Player unter dem Label "Plays for Sure" das MTP-Protokoll von Microsoft verwenden, statt sich als reguläres USB-Massenspeicher-Gerät zu präsentieren. Dank Amaroks neuer MTP-Unterstützung können sie ihre Geräte nun auch unter Linux verwenden. Auch der MP3-Player Rio Karma landet damit auf der Liste der unterstützten Hardware.

Daneben haben die Entwickler rund 100 Fehlerberichte und Benutzerwünsche bearbeitet: Beispielsweise verbesserten sie das Crossfading mit den Xine- und Helix-Engines. Außerdem fügt Amarok nun in Konqueror ausgewählte Podcast-Episoden auf Mausklick hinzu.

Für Suse gibt es Amarok 1.4.4 unter http://software.opensuse.org/download/KDE:/Backports/, Kubuntu-Benutzer finden Paketquellen unter http://www.kubuntu.org.

Kooperation mit der Plattenfirma Magnatune: Amarok 1.4.4 bringt neben technischen Verbesserungen auch einen Musikshop mit.

Auch Adobe setzt auf Webkit

Adobe setzt für sein Framework Apollo auf die HTML-Engine Webkit (http://webkit.org), die aus KDEs Renderer KHTML (http://khtml.info) hervorgegangen ist. Mit Apollo sollen Entwickler webbasierte Anwendungen schaffen, die außerhalb des Browsers in einer gesonderten Umgebung laufen. Apollo unterstützt voraussichtlich Flash, HTML, CSS und Javascript. Adobe plant die Veröffentlichung des Frameworks für das Frühjahr 2007 und wird vorerst nur Windows und Mac OS X unterstützen. Langfristig soll Apollo aber auf allen Betriebssystemen laufen.

Damit ist Adobe nach Nokia und Apple der dritte Global-Player, der sich für Webkit entschieden hat. Die Firma Apple hatte die Engine anfangs hinter verschlossenen Türen, später öffentlich unter dem Namen Webkit für ihren Browser Safari entwickelt. Der Handy-Hersteller Nokia sprang später mit einer Portierung für seine Symbian-basierten S60-Handys auf den Webkit-Zug auf.

Das KDE-Projekt erwägt unterdessen, in seiner Desktop-Umgebung ebenfalls auf Webkit zu setzen. Die technischen Hürden sind mit der Qt-Integration unter dem Namen "Unity" bereits überwunden. Nun kommt es darauf an, sich mit Apple auf vernünftige Konditionen für ein gemeinsames Quellcode-Repository zu einigen. Einige KHTML-Entwickler stehen diesem Schritt derzeit noch skeptisch gegenüber: Sie befürchten Bevormundung durch den die Apfelmännchen aus Cupertino.

Season of Usability

In Anlehnung an Googles "Summer of Code" haben die Projekte OpenUsability, FLOSS Usability, Aspiration und die Stiftung Open Society Institute die "Season of Usability" ins Leben gerufen. Das Programm richtet sich an Studenten, die sich im Studium mit der Benutzerfreundlichkeit befassen und soll sie näher an freie Software heranbringen.

Für jede erfolgreich absolvierte Studie erhalten die Teilnehmer 700 US-Dollar. Die Arbeitsbelastung schätzen die Initiatoren auf rund 15 Stunden pro Woche. Zur Analyse bietet sich eine breite Auswahl von Programmen an: Egal ob das Notepad-Projekt Basket, der Musik-Player Geexbox, der Dokumentenbetrachter Okular, die Blog-Software Serendipity oder die VoIP-Suite SIP Communicator – jedes Projekt wünscht sich eine Kooperation mit Usability-Experten.

Die Arbeiten sollen von Januar bis April 2007 dauern. In dieser Zeit werden die Studenten eng mit Mitgliedern der Projekte zusammenarbeiten und durch Usability-Studien zur Verbesserung der Programme beitragen. Weitere Details zum Programm haben die Macher unter http://www.openusability.org/season/ zusammengestellt.

D-Bus 1.0 veröffentlicht

Die Freedesktop-Initiative hat unter dem Codenamen "Blue Bird" die erste stabile Version von D-Bus veröffentlicht. Dieser Mechanismus ermöglicht Anwendungen die Kommunikation untereinander und wurde schon vor Jahren aus der Taufe gehoben. Die meisten Linux-Distributionen verwenden bereits auf D-Bus basierende Dienste wie den Network-Manager oder das Hardware-Abstraction-Layer (HAL), das unter anderem Wechselmedien automatisch mountet und auf dem Desktop anzeigt.

Das Besondere an der ersten stabilen Version ist das Versprchen der Kompatibilität: Die Bibliotheken sollen bis zur Version 2.0 stabil bleiben, das Protokoll für die Interprozesskommunikation bleibt auch in kommenden Versionen komplett rückwärtskompatibel, versprechen die Entwickler.

D-Bus (http://www.freedesktop.org/wiki/Software_2fdbus) arbeitet mit zwei verschiedenen Arten von Diensten: Der systemweite Daemon zeichnet für die Kommunikation von Systemdiensten untereinander verantwortlich. Darüber hinaus darf jeder User seinen eigenen D-Bus-Dienst starten, der sich um benutzerspezifische Belange kümmert.

Neben der C-Bibliothek existieren Anbindungen an diverse Sprachen wie Python oder Java. Auch das Qt-Toolkit bringt seit Version 4.2 eine D-Bus-Implementierung mit. Hier hakt die Portierung der kommenden KDE-Version 4 auf D-Bus ein: Die KDE-Entwickler geben ihr bisheriges Desktop Communications Protocol (DCOP) auf und ersetzen es vollständig durch D-Bus, um die Interoperabilität mit anderen Desktopumgebungen zu verbessern. Laut den Entwicklern ist D-Bus außerdem etwas mächtiger als DCOP. Auch Gnome und die nächste Version der Portland-API sollen in Zukunft auf D-Bus aufsetzen.

D-Bus eignet sich nicht nur für den Einsatz unter Linux: Die Portierung auf Windows und Mac OS X ist weitgehend abgeschlossen. Das Ziel: einige KDE-4-Anwendungen auch für die Betriebssysteme von Apple und Microsoft anzubieten.

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